Tenebrae

Tarantino1980

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Ein sehr interessanter Aspekt aus dem Audiokommentar der BD: Das erste Opfer ist die gleiche Darstellerin wie die, die in "Inferno" die Mater Tenebrarum spielt. Das könnte bedeuten, das Argento mit diesem Mordopfer aufzeigen wollte, das dies nicht der dritte Teil der Trilogie ist und die Idee erst einmal stirbt. Ich finde den Gedanken klasse!

Das ist in der Tat ein sehr interessanter Aspekt. Da ich erst kürzlich wieder mal Horror Infernal gesehen hatte ist mir in Tenebre Ania Pieroni sofort aufgefallen. Ich finde sie hat definitiv so einen Blick den man nicht vergisst, gerade wenn ich an Ihre Darstellung als Mater Tenebarum denke war mir sofort klar, woher ich sie kannte. Daher kann ich mir auch durchaus vorstellen das dies kein Zufall war das sie für diese Rolle besetzt wurde, also in Tenebre ein Mordopfer spielt.

Ansonsten muss ich sagen hat mir meine gestrige Sichtung wieder sehr großen Spaß bereitet. Tenebre war damals einer der ersten Gialli die ich gesehen hatte und einer der Gründe warum ich mich so sehr in dieses Genre verliebt habe. Mittlerweile würde ich sogar behaupten das es einer der Filme im Genre ist der wohl für Einsteiger am leichtesten Zugänglich ist und dennoch die klassischen Elemente bietet. Was Dario Argento hier abgeliefert hast ist einfach unfassbar gut. Vor allem mag ich das er hier damals nicht nur einfach sich selbst kopiert hat sondern definitiv sowohl in seiner Filmographie als auch innerhalb des Genres etwas neues geschaffen hatte. Anstatt seinen Film und die Morde im Schatten zu inszenieren wurde hier bewusst mit einem hellen weißen Licht gearbeitet und selbst die Szenen in der Nacht sind perfekt ausgeleuchtet. Mir gefällt auch der Aspekt das er hier damals bewusst ein sehr modernes Setdesign gewählt hat. Noch nie zuvor sah Rom in einem Giallo so modern aus. Wenn es nicht sogar im Film erwähnt worden wäre wo die Handlung spielt, ich bin mir sicher niemand wäre auf Rom gekommen. Argento selbst hat ja auch zugegeben das dies seine Intention war beim Dreh. Ich mag zwar auch bekannterweise sehr den Gothic Look in älteren Gialli, tolle Kamerafahrten durch alte Gemäuer und kleine dunkle Gassen, alles Dinge die ich generell im Italo Genre sehr liebe, aber ich finde es hier einfach gut umgesetzt das Argento damals bewusst etwas neues probierte um sich nicht selbst zu kopieren. Ich liebe den Film sehr und für mich defintiv einer der Filme auf den ich in meiner Sammlung nicht verzichten könnte.

Wenn der damals nicht auf den Index gelangt wäre bin ich mir sicher das Tenebre ein Kultfilm für jeden Hardcore Filmfan geworden wäre da er für mich eben soviel gutes bietet und ich glaube das er nicht nur Giallo Fans gefallen könnte, wenn er außerhalb des Genres bekannter geworden wäre.

Durch die bundesweite Beschlagnahmung, vernahm man dessen Dasein erst durch Mundpropaganda. Deshalb musste man sich auf die Suche nach findigen Videothekaren machen, die die Kopien des Films unter der Ladentheke verkauften, oder eben nach Fans die den Film besaßen. Diese verlangten dafür aber richtig Geld. An eine Originalkassette war nicht zu denken, da sie oftmals erst für weit über 250 DM unter den Hammer kam. Sofern man überhaupt mal an einen Besitzer rankam.

Wahnsinn, also gab es bereits damals schon Mondpreise! Ich finde auch das wird immer so schön "unterschlagen" wenn es heutzutage um Preisdiskussionen geht. Ich fing 1998 mit meiner Ausblildung an und habe mir dann von meinem damaligen Gehalt, hin und wieder auch mal einen damals für mich besonderen Film, original auf VHS gekauft. Und ich kann mich da auch noch an so ein paar Filme erinnern, welche es damals ohne großen Internet Markt, auch nur über die Videothek zu beziehen gab und da habe ich damals auch schon für manche VHS zwischen 60 - 90 DM hinlegen müssen, was damals genauso teuer war wie die Preise die heute für so manches begehrtes Mediabook verlangt werden.

Somit zahlte man für ein schlecht überspieltes Tape zwischen 20-30 DM, aber man bekam noch eine schwarz/weiß Kopie des Covers hinzu. Auch wenn man sich diese Zustände heute kaum noch vorstellen kann, war man stolz darauf so etwas sein Eigentum zu nennen. Oftmals waren die Filme die Mühe und das Geld nicht wert, aber dann gab es auch „Tenebrae“. Ein Film der meine endgültige Leidenschaft zu Dario Argento besiegelt hatte.

Auch noch ein stolzer Preis wenn man bedenkt wie günstig man an ein leeres VHS Tape kommen konnte und es auch relativ simpel wr eine Kopie von einem VHS Tape zu machen, selbst von Leih Tapes wo man einen Kopierschutz schon mit einem kleinem Stück Tesa umgehen konnte. Aber ich kann mir sehr gut vorstellen das das damals für ein geiles Gefühl sein musste so einen Film in Deutschland, der offiziell garnicht verfügbar war, dann doch zu sehen. Ich bin zwar etwas jünger, aber kann mich auch an so manches VHS Tape bzw. dessen Qualität erinnern, bei der ich heute nach 5 Minunte wahrscheinlich die Sichtung abbrechen würde. Damals war man nichts besseres gewohnt und war einfach froh gewisse Filme überhaupt sehen zu können. Schon verrückt wie sich Dinge ändern!

Die Idee dazu kam Argento übrigens, als er selbst von einem Irren nach Konsum von "Suspiria", mehrfach bedroht wurde. Diese eigenen Erfahrungen sammelte er und konstruierte die Geschichte um einen Schriftsteller, der in seinem neuesten Giallo, die Vorlage zu den Morden eines Wahnsinnigen unfreiwillig verfaßte und selbst bedroht wird.

Das hatte ich damals und auch gestern nach meiner Sichtung des Filmes auch nochmal beim Lesen im Begleitheft meiner Raptor DVD gelesen. Natürlich habe ich mir den Film gestern auf Blu-ray angeschaut, da ich aber noch wusste das auch in der Raptor DVD noch ein kleines Book mit dabei war, wollte ich mir auch das nochmals durchlesen.

Wirklich interessant das diese Grundidee zum Plot von einem wahren Ereignis inspiriert wurde. Generell fand ich die Idee das aus dem eigentlich Opfer später sogar ein Täter wird, der unter dem Deckmantel der ersten Morde versucht hat daraus etwas "positives" zu gewinnen und zwei Personen in seinem Leben, die ihn hintergangen haben, aus dem Weg zu räumen, sehr interessant. Ich hatte es ja damals schon nach meiner Sichtung geschrieben, das Ende wirkte damals im Jahr 2010 schon sehr vertraut auf mich, aber nicht weil Argento hier kopiert hatte, sondern weil andere sich von diesem Ende wohl sehr stark haben beinflussen lassen, da man diese Art von Auflösung und Ende natürlich schon in einigen Filmen, wenn auch in abgewandelter Form, gesehen hat.

Wirkten die Bilder und Kulissen ultramodern, heuerte er trotzdem seine Haus und Hofkomponisten von Goblin an, um den Score zu schreiben. Dafür stellte er sie vor eine interessante Aufgabe, da die Musik zu der hochmodernen Optik passen musste. Diese ließen sich nicht lumpen, lieferten einen der besten Scores ihrer Laufbahn ab und feuerten mit Electro-Stakkatos auf die fulminanten Bilder. Der erste Einsatz direkt beim ersten Mord, läßt mir auch heute noch Gänsehaut über den Rücken rudern.

Den Score fand ich auch wieder absolut bombastisch. Definitiv passend und eine perfekte sympbiose aus Bild und Ton!

Die Morde sind ebenfalls die hohe Kunst und viele Szenen wird man nie wieder vergessen. Da ist die legendäre Kamerafahrt um das Haus der beiden Lesben, in der er den Zuschauer vom Voyeur zum Täter werden läßt, oder auch die sagenhafte Verfolgungsjagd, in der er ein 14-jähriges Mädchen ohne Gnade durch die Nacht hetzen läßt. Ebenso die stimmungsvollen Rückblenden zu einer hocherotischen Frau, die den Zuschauer in Verzücken versetzt. Wenn man nur vorher schon gewußt hätte, das es sich hier in Wirklichkeit um eine Transsexuelle handelt, die hier die Begierde weckt.

Die Kamerafahrt war in der Tat auch bei meiner jetzigen Sichtung wieder phänomenal, vorallem wenn man bedenkt das es damals noch keine Drohnen gab mit denen man solche Kamerafahrten machen konnte, also hier wirklcih mit einem Krahn gearbeitet werden musste.

Die Verfolgungsjagd bei Nacht fand ich auch wieder brutal spannend, auch wenn ich noch sehr gut wusste wie sie endet, aber dennoch weiß ich auch noch wie gefesselt ich damals bei meiner Erstsichtung da saß und wie überrascht ich war das plötzlich das Mädchen mitten in der Villa des Mörders stand. Lustigerweise ist sein "Versteck" also die Kellerräume, das einzige Set was so aussieht wie in einem klassichen Giallo. Umso größer war dann der Kontrast als man dan sah wie das Haus oben aussah.

Was die Rückblenden angeht so muss ich gestehen hatte ich diesen Aspekt, das es sich bei der schönen Frau um eine Transsexuelle handelt, komplett vergessen. Aber ich mag die Aussage die dahinter steckt, also nichts ist so wie es scheint, sehr.
 

deadlyfriend

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Das ist in der Tat ein sehr interessanter Aspekt. Da ich erst kürzlich wieder mal Horror Infernal gesehen hatte ist mir in Tenebre Ania Pieroni sofort aufgefallen. Ich finde sie hat definitiv so einen Blick den man nicht vergisst, gerade wenn ich an Ihre Darstellung als Mater Tenebarum denke war mir sofort klar, woher ich sie kannte. Daher kann ich mir auch durchaus vorstellen das dies kein Zufall war das sie für diese Rolle besetzt wurde, also in Tenebre ein Mordopfer spielt.

Ich bin sicher, das dies eine bewusste Entscheidung war!

Ansonsten muss ich sagen hat mir meine gestrige Sichtung wieder sehr großen Spaß bereitet. Tenebre war damals einer der ersten Gialli die ich gesehen hatte und einer der Gründe warum ich mich so sehr in dieses Genre verliebt habe. Mittlerweile würde ich sogar behaupten das es einer der Filme im Genre ist der wohl für Einsteiger am leichtesten Zugänglich ist und dennoch die klassischen Elemente bietet. Was Dario Argento hier abgeliefert hast ist einfach unfassbar gut. Vor allem mag ich das er hier damals nicht nur einfach sich selbst kopiert hat sondern definitiv sowohl in seiner Filmographie als auch innerhalb des Genres etwas neues geschaffen hatte. Anstatt seinen Film und die Morde im Schatten zu inszenieren wurde hier bewusst mit einem hellen weißen Licht gearbeitet und selbst die Szenen in der Nacht sind perfekt ausgeleuchtet. Mir gefällt auch der Aspekt das er hier damals bewusst ein sehr modernes Setdesign gewählt hat. Noch nie zuvor sah Rom in einem Giallo so modern aus. Wenn es nicht sogar im Film erwähnt worden wäre wo die Handlung spielt, ich bin mir sicher niemand wäre auf Rom gekommen. Argento selbst hat ja auch zugegeben das dies seine Intention war beim Dreh. Ich mag zwar auch bekannterweise sehr den Gothic Look in älteren Gialli, tolle Kamerafahrten durch alte Gemäuer und kleine dunkle Gassen, alles Dinge die ich generell im Italo Genre sehr liebe, aber ich finde es hier einfach gut umgesetzt das Argento damals bewusst etwas neues probierte um sich nicht selbst zu kopieren. Ich liebe den Film sehr und für mich defintiv einer der Filme auf den ich in meiner Sammlung nicht verzichten könnte.

Dies ist wirklich ein unverzichtbarer Film. Stiglegger benennt ihn auch als Abschluss des Giallo und nennt ihn Meta-Giallo, da er die gängigen Konventionen hinterfragt und auf den Kopf stellt. Der Film ist unglaublich modern und leitet eine neue Ära ein. Er durchbricht alle bisherigen Regeln der Optik. Das Teil ist und bleibt der Wahnsinn.

Wenn der damals nicht auf den Index gelangt wäre bin ich mir sicher das Tenebre ein Kultfilm für jeden Hardcore Filmfan geworden wäre da er für mich eben soviel gutes bietet und ich glaube das er nicht nur Giallo Fans gefallen könnte, wenn er außerhalb des Genres bekannter geworden wäre.

Das kann ich heute nicht mehr einschätzen. Es könnte aber auch daran liegen, das der Film wohl von Beginn an wenig Präsenz in den Videotheken hatte. Der Film wurde 1987 beschlagnahmt. Wann er auf VHS in Deutschland rauskam, weiß ich nicht mehr. Ich habe ihn nur definitiv in keiner Videothek jemals stehen sehen. Ich erfuhr von der Existenz des Films erst nach der Beschlagnahmung. Das heißt er muss vorher schon sehr rar gewesen sein, sonst hätte ich ihn in irgendeiner Videothek mal rumstehen gesehen.



Wahnsinn, also gab es bereits damals schon Mondpreise! Ich finde auch das wird immer so schön "unterschlagen" wenn es heutzutage um Preisdiskussionen geht. Ich fing 1998 mit meiner Ausblildung an und habe mir dann von meinem damaligen Gehalt, hin und wieder auch mal einen damals für mich besonderen Film, original auf VHS gekauft. Und ich kann mich da auch noch an so ein paar Filme erinnern, welche es damals ohne großen Internet Markt, auch nur über die Videothek zu beziehen gab und da habe ich damals auch schon für manche VHS zwischen 60 - 90 DM hinlegen müssen, was damals genauso teuer war wie die Preise die heute für so manches begehrtes Mediabook verlangt werden.

Ja, Mondpreise gab es auch damals. Nur aus andern Gründen. Damals hat man viel Geld ausgegeben, um einen Film sehen zu können. Heute zahlt man die, um ein Cover zu kaufen. Die Filme selbst sind ja meistens erhältlich. Eine Welt, die ich nicht wirklich verstehe. Damals hat man aus einer Art Notwendigkeit heraus gehandelt. Ich weiß beispielsweise noch, das in einer Videothek "Horror Infernal" für 120 DM angeboten wurde. Konnte ich mir nicht leisten. Das Geld hat man aber nicht wegen dem schönen bunten Cover ausgegeben, sondern um den Film zu haben. "Dellamorte" ging gerade mal wieder für 200 Euro bei Filmundo weg. Den Film selbst mit der gleichen Disc drin, bekommt man für 25 Euro. Da zahlt also jemand 175 Euro Aufpreis um ein gemaltes Tittencover im Regal zu haben. Naja, wie gesagt, werde ich nie verstehen. Bei 10 oder 20 Euro Aufpreis würde ich es ja noch verstehen.



Auch noch ein stolzer Preis wenn man bedenkt wie günstig man an ein leeres VHS Tape kommen konnte und es auch relativ simpel wr eine Kopie von einem VHS Tape zu machen, selbst von Leih Tapes wo man einen Kopierschutz schon mit einem kleinem Stück Tesa umgehen konnte. Aber ich kann mir sehr gut vorstellen das das damals für ein geiles Gefühl sein musste so einen Film in Deutschland, der offiziell garnicht verfügbar war, dann doch zu sehen. Ich bin zwar etwas jünger, aber kann mich auch an so manches VHS Tape bzw. dessen Qualität erinnern, bei der ich heute nach 5 Minunte wahrscheinlich die Sichtung abbrechen würde. Damals war man nichts besseres gewohnt und war einfach froh gewisse Filme überhaupt sehen zu können. Schon verrückt wie sich Dinge ändern!

Ja, das waren halt die Scalper in der Vorzeit. Das kann sich heute kaum noch jemand vorstellen. Wir sind damals sämtliche Videotheken im Umkreis von 100 km abgefahren. Besonders die kleineren in ländlichen Gebieten, hatten oftmals noch richtige Schätze im Regal. Ich bin damals fast ausgeflippt, das ich "Nightmare" für 20 DM in einer Dorfvideothek bekommen habe. Die haben damals nur nachgeschaut, wie oft der noch verliehen wird und stellten fest, das er nicht mehr läuft und haben ihn mir für 20 DM angeboten. Das war ein unbeschreibliches Glücksgefühl. Das habe ich heute nicht mehr, nur weil ich beim Update Cover G bekommen habe. Es ging um den Film.

Allein solche Gedanken wie:

1.) Die Bildqualität ist aber nicht gut. Ich warte auf eine neue Abstastung.
2.) Da ist ja gar kein O-Ton drauf. Ne, dann schaue ich den Film nicht.
3.) Der ist ja gar nicht auf deutsch. Ne, dann schaue ich den Film nicht.
4.) Der läuft nicht bei meinem Streaming Anbieter
etc.

Diese Bequemlichkeit hat nichts mehr mit echter Filmleidenschaft zu tun. Ich habe damals beispielsweise TCM2 als schlechte VHS Kopie in englisch mit niederländischen Untertiteln geschaut und dafür bezahlt. Ich wollte den Film sehen! Der einzige Punkt, der damals relevant war.



Das hatte ich damals und auch gestern nach meiner Sichtung des Filmes auch nochmal beim Lesen im Begleitheft meiner Raptor DVD gelesen. Natürlich habe ich mir den Film gestern auf Blu-ray angeschaut, da ich aber noch wusste das auch in der Raptor DVD noch ein kleines Book mit dabei war, wollte ich mir auch das nochmals durchlesen.

Wirklich interessant das diese Grundidee zum Plot von einem wahren Ereignis inspiriert wurde. Generell fand ich die Idee das aus dem eigentlich Opfer später sogar ein Täter wird, der unter dem Deckmantel der ersten Morde versucht hat daraus etwas "positives" zu gewinnen und zwei Personen in seinem Leben, die ihn hintergangen haben, aus dem Weg zu räumen, sehr interessant. Ich hatte es ja damals schon nach meiner Sichtung geschrieben, das Ende wirkte damals im Jahr 2010 schon sehr vertraut auf mich, aber nicht weil Argento hier kopiert hatte, sondern weil andere sich von diesem Ende wohl sehr stark haben beinflussen lassen, da man diese Art von Auflösung und Ende natürlich schon in einigen Filmen, wenn auch in abgewandelter Form, gesehen hat.

Ja, der Plot ist klasse und das er aus einer eigenen Begebenheit entstand einfach unglaublich. Vielleicht wirkt er auch deshalb so unglaublich nach.



Den Score fand ich auch wieder absolut bombastisch. Definitiv passend und eine perfekte sympbiose aus Bild und Ton!
Die Kamerafahrt war in der Tat auch bei meiner jetzigen Sichtung wieder phänomenal, vorallem wenn man bedenkt das es damals noch keine Drohnen gab mit denen man solche Kamerafahrten machen konnte, also hier wirklcih mit einem Krahn gearbeitet werden musste.

Die Verfolgungsjagd bei Nacht fand ich auch wieder brutal spannend, auch wenn ich noch sehr gut wusste wie sie endet, aber dennoch weiß ich auch noch wie gefesselt ich damals bei meiner Erstsichtung da saß und wie überrascht ich war das plötzlich das Mädchen mitten in der Villa des Mörders stand. Lustigerweise ist sein "Versteck" also die Kellerräume, das einzige Set was so aussieht wie in einem klassichen Giallo. Umso größer war dann der Kontrast als man dan sah wie das Haus oben aussah.

Was die Rückblenden angeht so muss ich gestehen hatte ich diesen Aspekt, das es sich bei der schönen Frau um eine Transsexuelle handelt, komplett vergessen. Aber ich mag die Aussage die dahinter steckt, also nichts ist so wie es scheint, sehr.

Ja, das passt einfach alles perfekt zusammen. Der Plot, der Score, die Ausleuchtung, die Locations! Einfach nur phänomenal. Er hätte von mir aus auch den Blutgehalt in der Endsequenz deutlich reduzieren können. Das war für den Film gar nicht notwendig.
 

deadlyfriend

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Auch hier noch eine nette Anekdote, die im bisherigen Thread noch nicht zur Sprache kam. Allerdings werde ich die Tage mal überprüfen, wie das war, sofern ich dazu was finde.

Argento und Simonetti sprachen wohl einen Audiokommentar zur US Version ein und stellten dabei fest, das im Abspann nicht die Musik von Simonetti lief, sondern irgendein billiger Popsong, der nichts mit dem Film zu tun hat. :lol:Wie der dahin kam, weiß man scheinbar nicht. Sachdienliche Hinweise werden gerne entgegen genommen. :)
 

2moulins

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Ich bin ja kein ausgesprochener Fan solcher Filme, kenne nur wenige. Da hier im Forum einige begeisterte Meinungen zum Film zu finden sind, habe ich mir den Giallo von Argento mal angesehen, und zwar tatsächlich auf Netflix (auf großer Leinwand). Der Film dauerte rd. 100 Min., müsste also nach meinen Recherchen ungeschnitten gewesen sein. Alles andere würde mich auch wundern, da die Morde/Todesfälle doch ziemlich blutig inszeniert waren und sich in diesem Punkt bis zum Ende stetig steigerten.

Bei der langen Kamerafahrt am Haus dachte ich mir, dass das vor rd. 40 Jahren sicher nicht so einfach zu filmen war.

Die Verfolgung des Mädchens durch den aggressiven Hund war auch nicht ohne und ziemlich spannend.

Im Grunde empfand ich den Film als klassischen Thriller, der sich aber vor allem durch die drastischen Gewaltszenen von konventionellen Verfilmungen abhebt. Für mich bräuchte es nicht so viel Blut.

8,5/10
 
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deadlyfriend

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Ich bin ja kein ausgesprochener Fan solcher Filme, kenne nur wenige. Da hier im Forum einige begeisterte Meinungen zum Film zu finden sind, habe ich mir den Giallo von Argento mal angesehen, und zwar tatsächlich auf Netflix (auf großer Leinwand). Der Film dauerte rd. 100 Min., müsste also nach meinen Recherchen ungeschnitten gewesen sein. Alles andere würde mich auch wundern, da die Morde/Todesfälle doch ziemlich blutig inszeniert waren und sich in diesem Punkt bis zum Ende stetig steigerten.
Freut mich sehr, das du ihn dir angesehen hast.

Bei der langen Kamerafahrt am Haus dachte ich mir, dass das vor rd. 40 Jahren sicher nicht so einfach zu filmen war.
Ja, die finde ich heute noch unglaublich. Komplizierte Kamerafahrten waren irgendwie seine Spezialität.
Die Verfolgung des Mädchens durch den aggressiven Hund war auch nicht ohne und ziemlich spannend.
Eine meiner Lieblingsszenen im Film. Die komplette Sequenz finde ich richtig genial.
Im Grunde empfand ich den Film als klassischen Thriller, der sich aber vor allem durch die drastischen Gewaltszenen von konventionellen Verfilmungen abhebt. Für mich bräuchte es nicht so viel Blut.

8,5/10
Sehe ich genauso. Soviel Blut hatte er gar nicht nötig, wobei sich das hauptsächlich auf das Finale konzentriert. Dennoch gehört er zu den blutigsten Werken von Argento. Deine Empfindung täuscht dich auch sonst nicht. Ein Giallo ist absolut nichts anderes als ein Thriller. Nur eben in einer speziellen italienischen Machart. Aber auch da gibt es viele Unterschiede. Manche bedienen eher das Hitchcock Publikum und haben so gut wie gar kein Blut, andere hingegen tendieren in Richtung Slasher, wieder andere betreten das Feld des Okkulten etc... Also völlig unterschiedliche Filme die unter dem Namen "Giallo" untergebracht wurden. Aber nur außerhalb Italiens. In Italien selbst ist auch "Das Schweigen der Lämmer" ein Giallo, da es eben ein Thriller ist.
 

Tarantino1980

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Ich bin ja kein ausgesprochener Fan solcher Filme, kenne nur wenige. Da hier im Forum einige begeisterte Meinungen zum Film zu finden sind, habe ich mir den Giallo von Argento mal angesehen,

Das freut mich wirklich auch sehr das Du ihm eine Chance gegeben hast! In der Tat ist Tenebrae, zumindest meiner Meinung nach, tatsächlich ein Film aus dem Genre des Giallos, welcher auch für nicht Genre Kenner/Liebhaber, ein guter Einstieg ist um mal erinzuschnuppern ob man mit Argento oder generell dem Thema etwas anfangen kann! Ich hatte ihn bisher jedoch nie so groß für Einsteiger gesehen, da er eben indiziert war und man so zwangsweise einen Blindkauf wagen hätte müssen und meistens, da die guten VÖs auch alle OOP sind, nicht ganz so günstig. Daher wollte ich da keine "Erwartungen" wecken die dann eventuell entäuscht worden wären und man hätte viel Geld dafür ausgegeben. Aber jetzt da es den Film uncut auf Netflix gibt, ist es auf jeden Fall ein Kandidat den man sich auch anschauen kann, wenn man bisher nur konventionelle Thriller gesehen hat.


und zwar tatsächlich auf Netflix (auf großer Leinwand). Der Film dauerte rd. 100 Min., müsste also nach meinen Recherchen ungeschnitten gewesen sein. Alles andere würde mich auch wundern, da die Morde/Todesfälle doch ziemlich blutig inszeniert waren und sich in diesem Punkt bis zum Ende stetig steigerten.

Der Film kam tatsächlich Mitte 2022 von der Liste der indizierten Filme runter. Und seit März 2023 gibt es ihn tatsächlich uncut auf Netflix, also ja Du hast ihn in voller Pracht genießen können.

Bei der langen Kamerafahrt am Haus dachte ich mir, dass das vor rd. 40 Jahren sicher nicht so einfach zu filmen war.

Argento ist für mich ein Meister was solche Inszenierungen angeht. Gerade diese Kamerafahrt ist auf jeden Fall sehenswert, ob man das Genre nun mag oder nicht.

Im Grunde empfand ich den Film als klassischen Thriller, der sich aber vor allem durch die drastischen Gewaltszenen von konventionellen Verfilmungen abhebt. Für mich bräuchte es nicht so viel Blut.

8,5/10

Ich bezeichne den itallienischen Giallo auch gerne für mich persönlich als eine Art Kunstform des Thrillers. Es gibt natürlich auch viele "Mainstream" Thriller die toll inszeniert sind und auch viele künstlerische Elemente beinhalten. Aber gerade die Gialli aus den 70ern und ein paar Ausnahmen noch ein paar Spät Gialli, wie eben Tenebrae sind für mich einfach ein sehr intensiver Filmgenuss, Morde werden künstlerisch dargestellt, sicherlich sieht man auch häufig Blut, aber meistens ist es eben, anders als in einem Slasher, nicht so brutal bzw. es steht in einem dazu passenden Kontext aus einer guten Story.


Sehe ich genauso. Soviel Blut hatte er gar nicht nötig, wobei sich das hauptsächlich auf das Finale konzentriert. Dennoch gehört er zu den blutigsten Werken von Argento. Deine Empfindung täuscht dich auch sonst nicht. Ein Giallo ist absolut nichts anderes als ein Thriller. Nur eben in einer speziellen italienischen Machart. Aber auch da gibt es viele Unterschiede. Manche bedienen eher das Hitchcock Publikum und haben so gut wie gar kein Blut, andere hingegen tendieren in Richtung Slasher, wieder andere betreten das Feld des Okkulten etc... Also völlig unterschiedliche Filme die unter dem Namen "Giallo" untergebracht wurden. Aber nur außerhalb Italiens. In Italien selbst ist auch "Das Schweigen der Lämmer" ein Giallo, da es eben ein Thriller ist.

deadly hat es sehr treffend zusammengefasst. Es gibt im italienischen Giallo sehr viele Sub-Genres und man sollte auf keinen Fall einfach Blind mit irgendwelchen Filmen starten. Daher ist Tenebrae auf jeden Fall eine Perle! Auch auf die Gefahr hin mich zu wiederhole, aber ich liebe diesen Film abgöttisch. Auch wenn er von 1982 ist, wirkt er für mich noch sehr wie ein Spätwerk aus den 70ern.

@2moulins : Wenn Du etwas weiter schauen willst, kann ich Dir nur Der Killer von Wien ans herz legen. Ich könnte mir gut vorstellen das er Dir gefallen würde. Wenn Du aber erstmal bei Argento bleiben willst wäre Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe, Do You Like Hitchcock? und Sleepless sicherlich gute Kandidaten für Dich!

 

2moulins

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Ein Giallo ist absolut nichts anderes als ein Thriller. Nur eben in einer speziellen italienischen Machart. Aber auch da gibt es viele Unterschiede. Manche bedienen eher das Hitchcock Publikum und haben so gut wie gar kein Blut, andere hingegen tendieren in Richtung Slasher, wieder andere betreten das Feld des Okkulten etc... Also völlig unterschiedliche Filme die unter dem Namen "Giallo" untergebracht wurden. Aber nur außerhalb Italiens. In Italien selbst ist auch "Das Schweigen der Lämmer" ein Giallo, da es eben ein Thriller ist.
Danke für die Info.
In Italien selbst ist auch "Das Schweigen der Lämmer" ein Giallo, da es eben ein Thriller ist.
Auf den Gedanken wäre ich wirklich nicht gekommen.
 

2moulins

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Der Film kam tatsächlich Mitte 2022 von der Liste der indizierten Filme runter. Und seit März 2023 gibt es ihn tatsächlich uncut auf Netflix, also ja Du hast ihn in voller Pracht genießen können.
Das hat mich echt überrascht, dass der jetzt so einfach zu finden ist.
Übrigens - ich hatte das vergessen zu erwähnen - war der Film in Italienisch mit deutschen UT. Zumindest habe ich keine Möglichkeit entdeckt, ihn dort deutsch synchronisiert zu sehen. Machte mir aber nix aus.
Wenn Du etwas weiter schauen willst, kann ich Dir nur Der Killer von Wien ans herz legen. Ich könnte mir gut vorstellen das er Dir gefallen würde. Wenn Du aber erstmal bei Argento bleiben willst wäre Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe, Do You Like Hitchcock? und Sleepless sicherlich gute Kandidaten für Dich!
So gaaaaanz unbeleckt bin ich ja gar nicht. :bart: Ich habe folgende Filme in der Sammlung:

DVD Der Killer von Wien 8/10 (Erstsichtung 2017)
Blu-ray Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe Gefiel mir gar nicht (2015)
DVD Do you like Hitchcock? 6-7/10 (2012)
Blu-ray Profondo Rosso 6/10 (2012)
Blu-ray Inferno 8-9/10 (2019)
Blu-ray Suspiria 9-10/10 (2016)
 
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