Tenebrae

deadlyfriend

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Tenebrae


In den 80ern war es gar nicht so einfach an Informationen zu kommen. Das Internet war noch weit entfernt und einschlägige Zeitschriften waren eher überschaubar. Meistens war die erste Information über die Existenz eines Films, das Cover in der Videothek. Zumindest dann wenn man mal die obligatorischen Blockbuster außen vor lässt und kein Bahnhofskino in der Nähe hatte. Bei Tenebrae lag der Fall aber noch mal anders. Durch die bundesweite Beschlagnahmung, vernahm man dessen Dasein erst durch Mundpropaganda. Deshalb musste man sich auf die Suche nach findigen Videothekaren machen, die die Kopien des Films unter der Ladentheke verkauften, oder eben nach Fans die den Film besaßen. Diese verlangten dafür aber richtig Geld. An eine Originalkassette war nicht zu denken, da sie oftmals erst für weit über 250 DM unter den Hammer kam. Sofern man überhaupt mal an einen Besitzer rankam. Somit zahlte man für ein schlecht überspieltes Tape zwischen 20-30 DM, aber man bekam noch eine schwarz/weiß Kopie des Covers hinzu. Auch wenn man sich diese Zustände heute kaum noch vorstellen kann, war man stolz darauf so etwas sein Eigentum zu nennen. Oftmals waren die Filme die Mühe und das Geld nicht wert, aber dann gab es auch „Tenebrae“. Ein Film der meine endgültige Leidenschaft zu Dario Argento besiegelt hatte.

Bei der Erstsichtung in jungen Jahren, fielen einem natürlich viele Dinge nicht auf. Man konzentrierte sich auf Spannung und Gore. Beides gab es reichlich und man war hochzufrieden den Film gesehen zu haben. Wenn man sich dann irgendwann mit Dario Argento intensiver beschäftigt hatte, konnte man eher ins Detail gehen. Meistens kannte man es, seine Filme mit großen und unheimlichen Bauwerken aus längst vergangenen Tagen zu sehen, sowie schwere Farben die die Stimmung des Filmes trugen. Bei "Tenebrae" war alles anders. Alles war weiß! Strahlend, leuchtend und zur Überbelichtung neigend, wirkte der Film kalt und abweisend. Die bekannten düsteren Gemäuer wichen völlig zurück und machten Platz für hell erleuchtete und modern eingerichtete Nobelvillen und Mietwohnungen. Obwohl der Film in Rom spielt, sieht man nichts Bekanntes von der ewigen Stadt. So grell die Helligkeit auch zu sein schien, so düster war das Innenleben. Der Film ist abgrundtief böse.

Wie auch dem im gleichen Jahr erschienenen "New York Ripper" vom Kollegen Fulci, wurde "Tenebrae" latenter Frauenhass vorgeworfen. Zugegeben, das weibliche Geschlecht kommt in verschiedenen Parts nicht unbedingt sonderlich gut weg, aber das ist der Dramaturgie des Plots geschuldet. Die Idee dazu kam Argento übrigens, als er selbst von einem Irren nach Konsum von "Suspiria", mehrfach bedroht wurde. Diese eigenen Erfahrungen sammelte er und konstruierte die Geschichte um einen Schriftsteller, der in seinem neuesten Giallo, die Vorlage zu den Morden eines Wahnsinnigen unfreiwillig verfaßte und selbst bedroht wird.

Wirkten die Bilder und Kulissen ultramodern, heuerte er trotzdem seine Haus und Hofkomponisten von Goblin an, um den Score zu schreiben. Dafür stellte er sie vor eine interessante Aufgabe, da die Musik zu der hochmodernen Optik passen musste. Diese ließen sich nicht lumpen, lieferten einen der besten Scores ihrer Laufbahn ab und feuerten mit Electro-Stakkatos auf die fulminanten Bilder. Der erste Einsatz direkt beim ersten Mord, läßt mir auch heute noch Gänsehaut über den Rücken rudern.

Die Morde sind ebenfalls die hohe Kunst und viele Szenen wird man nie wieder vergessen. Da ist die legendäre Kamerafahrt um das Haus der beiden Lesben, in der er den Zuschauer vom Voyeur zum Täter werden läßt, oder auch die sagenhafte Verfolgungsjagd, in der er ein 14-jähriges Mädchen ohne Gnade durch die Nacht hetzen läßt. Ebenso die stimmungsvollen Rückblenden zu einer hocherotischen Frau, die den Zuschauer in Verzücken versetzt. Wenn man nur vorher schon gewußt hätte, das es sich hier in Wirklichkeit um eine Transsexuelle handelt, die hier die Begierde weckt.

Alles in Allem ist "Tenebrae" ein Meisterwerk und das nicht nur innerhalb des Giallo. Ein Trip durch die Abgründe der menschlichen Seele, aber eben auch ein Horrorthriller der einen auch nur bei einem flüchtigen Blick, entzücken wird.
 
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Despair

Filmvisionaer
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AW: Tenebrae

http://www.ofdb.de/film/644,TenebraeWenn man sich dann irgendwann mit Dario Argento intensiver beschäftigt hatte, konnte man eher ins Detail gehen. Meistens kannte man es, seine Filme mit großen und unheimlichen Bauwerken aus längst vergangenen Tagen zu sehen, sowie schwere Farben die die Stimmung des Filmes trugen. Bei "Tenebrae" war alles anders. Alles war weiß!

Genau deshalb konnte ich mich anfangs nicht mit dem Film anfreunden. Ich wollte Farbenpracht und Gruselvillen wie in "Inferno" und "Profondo Rosso". Und dann knallt einem Argento das steril weiße Gegenteil vor den Latz. Inzwischen sehe ich das natürlich etwas anders - "Tenebrae" ist klasse!

Wie auch dem im gleichen Jahr erschienenen "New York Ripper" vom Kollegen Fulci, wurde "Tenebrae" latenter Frauenhass vorgeworfen.

Er hat doch auch mal gesagt, dass er schönen Frauen viel lieber dabei zusehen würde, wie sie ermordet werden, als wenn sie hässliche Frauen oder Männer wären. Eine echt Frohnatur, der Dario... :D
 

dax

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AW: Tenebrae

Ich wundere mich gerade das mein Lieblingsfilm von Argento hier noch garnicht besprochen wurde.:eek:
Ich dachte immer der hätte schon nen Thread.
Tenebrae hat mich damals wie heute mitgerissen und hat einen der geilsten Kamerafahrten aller Zeiten.
Der Film ist wirklich genial durchgestylt.
Allerdings hat Argento es geschafft das eben nicht Style over Substance statfindet, sondern zu den genial choreographierten Bildern noch einen ultrapannenden Thriller erschaffen.
Ich lieben diesen Film

10/10
 
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Darkknight666

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AW: Tenebrae

Ich glaub den werde ich mir doch besorgen hört sich echt klasse an, ich darf hier nicht mehr reinschauen, das wird echt teuer.
 

deadlyfriend

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AW: Tenebrae

Ich wundere mich gerade das mein Lieblingsfilm von Argento hier noch garnicht besprochen wurde.:eek:
Ich dachte immer der hätte schon nen Thread.

Seltsam, das Gleiche dachte ich auch bevor ich die Rezi schrieb:confused: Die wurde wahrscheinlich beschlagnahmt:D

Tenebrae hat mich damals wie heute mitgerissen und hat einen der geilsten Kamerafahrten aller Zeiten.
Der Film ist wirklich genial durchgestylt.
Allerdings hat Argento es geschafft das eben nicht Style over Substance statfindet, sondern zu den genial chorographierten Bildern noch einen ultrapannenden Thriller erschaffen.
Ich lieben diesen Film

10/10

Da kann ich dir nur beipflichten. Gehört zu meinen absoluten Favoriten. Da stimmt einfach alles.
 

deadlyfriend

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AW: Tenebrae

Genau deshalb konnte ich mich anfangs nicht mit dem Film anfreunden. Ich wollte Farbenpracht und Gruselvillen wie in "Inferno" und "Profondo Rosso". Und dann knallt einem Argento das steril weiße Gegenteil vor den Latz. Inzwischen sehe ich das natürlich etwas anders - "Tenebrae" ist klasse!


Damals wußte ich ja nichtmal was ich erwarte. Ich hatte eigentlich keine. Deshalb funktionierte der auf Anhieb. Allerdings war meine Kopie so schlecht, das ich auf die fehlenden Farbenspiele auch nicht aufmerksam geworden wäre.;) Die Aufnahme hatte eh einen schwarz-weiß Stich, mit immensem Bildrauschen. Der Hang zur Überbelichtung ist mir erst Jahre später aufgefallen. Wie auch das ganze Design. Das war für mich ganz früher eben noch nicht so wichtig. Da wollte ich nur Spannung und Blut. Die Genialität des Streifens habe ich erst viel später bemerkt. Hat auch länger gedauert bis ich ihn zu meinen absoluten Argento-Lieblingen hinzu gezählt habe.
 

BladeRunner2007

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AW: Tenebrae

Ich kann mich den ganzen Lobpreisungen nur anschließen. Ein weiteres Meisterwerk von Argento. Auch einer meiner Lieblinge von ihm.
 
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Tarantino1980

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AW: Tenebrae

Ich bin gerade mal wieder total beeindruckt, noch mitten in der Argento Welt gefangen. Ich habe ihn gerade auch gesehen. Ich kann mich den ganzen Lobeshymnen wieder einmal nur anschließen! Wirklich ein genialer Film!

Wenn man sich dann irgendwann mit Dario Argento intensiver beschäftigt hatte, konnte man eher ins Detail gehen. Meistens kannte man es, seine Filme mit großen und unheimlichen Bauwerken aus längst vergangenen Tagen zu sehen, sowie schwere Farben die die Stimmung des Filmes trugen. Bei "Tenebrae" war alles anders. Alles war weiß! Strahlend, leuchtend und zur Überbelichtung neigend, wirkte der Film kalt und abweisend. Die bekannten düsteren Gemäuer wichen völlig zurück und machten Platz für hell erleuchtete und modern eingerichtete Nobelvillen und Mietwohnungen. Obwohl der Film in Rom spielt, sieht man nichts Bekanntes von der ewigen Stadt. So grell die Helligkeit auch zu sein schien, so düster war das Innenleben. Der Film ist abgrundtief böse.

Das beschreibt perfekt meine Sichtweise. Einerseits habe ich die düsteren Gemäuer vermisst, aber andererseits fand ich es sehr interessant wie er diesen Film ausgeleuchtet hat. Viele Morde passieren nicht im Schutz der Dunkelheit sondern in gut ausgeleuchteten Sets oder stellenweise ja sogar am hellerlichten Tag. Man hat stellenweise wirklich vergessen das der Film in Rom spielt, also wenn man am Anfang nicht darauf hingewiesen worden wäre, hätte man auch denken können das der Film in den USA spielt.

Der Anfang war aus meiner Sicht typisch für Krimis aus dieser Zeitepoche. Das ist jetzt nicht negativ gemeint sondern eher eine Feststellung ;)

Wie auch dem im gleichen Jahr erschienenen "New York Ripper" vom Kollegen Fulci, wurde "Tenebrae" latenter Frauenhass vorgeworfen. Zugegeben, das weibliche Geschlecht kommt in verschiedenen Parts nicht unbedingt sonderlich gut weg, aber das ist der Dramaturgie des Plots geschuldet. Die Idee dazu kam Argento übrigens, als er selbst von einem Irren nach Konsum von "Suspiria", mehrfach bedroht wurde. Diese eigenen Erfahrungen sammelte er und konstruierte die Geschichte um einen Schriftsteller, der in seinem neuesten Giallo, die Vorlage zu den Morden eines Wahnsinnigen unfreiwillig verfaßte und selbst bedroht wird.

Ich kann schon verstehen das der Film damals sehr große Wellen geschlagen hat. Aus heutiger Sicht, also für Leute die mit solchen Filmen nichts anfangen können, ist er natürlich kein wirklicher Slasher, aber ich finde das er auch aus heutiger Sicht noch ein ordentliches "Pfund" ist. Berücksichtig man wann der Film gedreht wurde und was Argento in diesem Film stellenweise auch für Tabubrüche bzw. Themen angeschnitten hat, welche auch aus heutiger Sicht noch sehr brisant sind, war er mit dem Film seiner Zeit damals weit vorraus!

Die Morde sind ebenfalls die hohe Kunst und viele Szenen wird man nie wieder vergessen. Da ist die legendäre Kamerafahrt um das Haus der beiden Lesben, in der er den Zuschauer vom Voyeur zum Täter werden läßt, oder auch die sagenhafte Verfolgungsjagd, in der er ein 14-jähriges Mädchen ohne Gnade durch die Nacht hetzen läßt.

Genau diese beiden Szenen haben sich jetzt auch in mein Hirn reingebrannt. Diese Kamerfahrt ist aber sowas von genial, noch dazu mit dem genialen Soundtrack, einfach meisterhaft! Und die Verfolgungsjagd war auch pures Adrenalin für mich! Und dann noch diese schönen Einstellungen wie das junge Mädchen dann im Keller des Mörders die ganzen Beweise findet, einfach genial inzeniert! Spannung pur!

Was mich auch noch sehr beeindruckt hat war der Schluss. Zwar wurde der Mörder diesmal etwas anders überführt aber nicht minder gut! Diese eine Szene wo der Polizist dann nochmal zurück ins Haus kommt und dann der Mörder direkt hinter ihm auftaucht ist einfach nur ein Traum in Punkto Dramaturgie. Ein Finale wie man es zwar aus heutigen Filmen sehr gut kennt und auch schon so ein paar mal gesehen hat, aber ich wrüde mal behaupten zum damaligen Zeitpunkt nicht gerade üblich war für einen Film aus diesem Genre! Ich bin mir sicher das sich sehr viele aktuelle Regisseure bei Tenebrae so einges abgeschaut haben. Irgendwie kam mir vieles bekannt vor, aber nicht weil Argento irgendwo sich Inspiration geholt hat, sondern weil viele Regisseure aus der aktuellen Zeit sich offenbar an solchen Szenen Inspiration geholt haben. Spontan fällt mir da jetzt Scream ein. Ich glaub das Wes Craven da sehr genau bei Argento hingeschaut hat ;).

Bleibt mir nur noch eins und zwar die Werung. Der Film ist für mich definitiv eine 9/10. Ich hole nur nicht die Höchstwertung raus weil mir Rosso ein klein wenig besser gefallen hat. Aber definitiv ein weiteres Meisterwerk aus dem Schaffen von Dario Argento!
 
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deadlyfriend

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AW: Tenebrae

Das beschreibt perfekt meine Sichtweise. Einerseits habe ich die düsteren Gemäuer vermisst, aber andererseits fand ich es sehr interessant wie er diesen Film ausgeleuchtet hat. Viele Morde passieren nicht im Schutz der Dunkelheit sondern in gut ausgeleuchteten Sets oder stellenweise ja sogar am hellerlichten Tag. Man hat stellenweise wirklich vergessen das der Film in Rom spielt, also wenn man am Anfang nicht darauf hingewiesen worden wäre, hätte man auch denken können das der Film in den USA spielt.

Das war auch wirklich neu im Genre. Zumindest ist mir jetzt nichts vergleichbares bekannt. Gleichzeitig war es natürlich schwieriger die Identität des Mörders zu schützen. In vergleichbaren Genrebeiträgen hat der Killer ja meist den Schutz der Dunkelheit. Bei dem Licht konnte er ihn also nicht einfach so präsentieren. Auch deshalb finde ich die Kamerafahrt über das Haus so legendär. Erst werden wir zum Voyeur und dann zum Täter, da der Mord aus seiner Perspektive geschieht. Das wissen wir nur während der Kamerafahrt noch nicht und fühlen uns in der Beobachtung wesentlich sicherer. Bis wir merken was in Wirklichkeit passiert.



Der Anfang war aus meiner Sicht typisch für Krimis aus dieser Zeitepoche. Das ist jetzt nicht negativ gemeint sondern eher eine Feststellung ;)

Nicht nur der Anfang! Es gibt viele klassische Szenen des Giallo, sodaß man sich im trauten Heim wähnt:) Er ändert nur mittendrin die Regeln. Ob das bewußt war, vermag ich allerdings nicht zu sagen.


Ich kann schon verstehen das der Film damals sehr große Wellen geschlagen hat. Aus heutiger Sicht, also für Leute die mit solchen Filmen nichts anfangen können, ist er natürlich kein wirklicher Slasher, aber ich finde das er auch aus heutiger Sicht noch ein ordentliches "Pfund" ist. Berücksichtig man wann der Film gedreht wurde und was Argento in diesem Film stellenweise auch für Tabubrüche bzw. Themen angeschnitten hat, welche auch aus heutiger Sicht noch sehr brisant sind, war er mit dem Film seiner Zeit damals weit vorraus!

Wellen hat der wahrscheinlich hauptsächlich in Deutschland wegen der Beschlagnahmung geschlagen. Die Themen und Tabubrüche waren im Genre schon viele Jahre früher vorhanden. Wenn du noch 20 Gialli außerhalb des Argento-Universums gesehen hast, wirst du zum gleichen Schluß kommen:D Bis auf eine Sache, aber dazu weiter unten.



Genau diese beiden Szenen haben sich jetzt auch in mein Hirn reingebrannt. Diese Kamerfahrt ist aber sowas von genial, noch dazu mit dem genialen Soundtrack, einfach meisterhaft! Und die Verfolgungsjagd war auch pures Adrenalin für mich! Und dann noch diese schönen Einstellungen wie das junge Mädchen dann im Keller des Mörders die ganzen Beweise findet, einfach genial inzeniert! Spannung pur!

Da war er, der Tabubruch. Wie dieses 14-jährige Mädchen eingeführt wurde, hätte man eher nicht vermutet das die Verfolgungsjagd auch ihr Ende ist. Kindermord war jetzt nicht gerade Dauergast auf der Leinwand und die Art der Inszenierung erst Recht nicht. Natürlich gab es zu diesem Zeitpunkt genügend Teenie-Slasher aber die waren anders gestaltet. Allerdings hat Fulci schon 1972 mit "Don`t torture a duckling" ein Meisterwerk zum Thema veröffentlicht, was ebenfalls äußerst skandalträchtig war. Da ging es um eine Kindermordserie, aber anders verfilmt. Ebenso "Der Tod trägt schwarzes Leder" den Massimo Dallamano 1974 ablieferte. Aber auch der ging damit anders um. Beide Filme sind übrigens absolut hervorragende Genrebeiträge!

Was mich auch noch sehr beeindruckt hat war der Schluss. Zwar wurde der Mörder diesmal etwas anders überführt aber nicht minder gut! Diese eine Szene wo der Polizist dann nochmal zurück ins Haus kommt und dann der Mörder direkt hinter ihm auftaucht ist einfach nur ein Traum in Punkto Dramaturgie. Ein Finale wie man es zwar aus heutigen Filmen sehr gut kennt und auch schon so ein paar mal gesehen hat, aber ich wrüde mal behaupten zum damaligen Zeitpunkt nicht gerade üblich war für einen Film aus diesem Genre! Ich bin mir sicher das sich sehr viele aktuelle Regisseure bei Tenebrae so einges abgeschaut haben. Irgendwie kam mir vieles bekannt vor, aber nicht weil Argento irgendwo sich Inspiration geholt hat, sondern weil viele Regisseure aus der aktuellen Zeit sich offenbar an solchen Szenen Inspiration geholt haben. Spontan fällt mir da jetzt Scream ein. Ich glaub das Wes Craven da sehr genau bei Argento hingeschaut hat ;).

Argento hat die Filmwelt in jedem Fall beeinflußt. Das sieht man sehr häufig. Den Plot finde ich aber ebenfalls absolut Spitze und das war so nicht zu erahnen. Zwei Killer die unabhängig voneinander arbeiten, bzw. das sich einer die Mordserie des Anderen zu nutzen macht, fand ich ziemlich klasse. Vor allem das er Killer 1 als Opfer der Mordserie hinstellt nachdem er ihn erledigt hat.
Aber auch hier spielte er wieder mit einer Erinnerungslücke. Ein unscheinbares Detail das er zwar wahrgenommen, aber nicht verarbeitet hat. Diese wiederkehrende Idee mag ich bei Argento. Das hat einfach was.


Bleibt mir nur noch eins und zwar die Werung. Der Film ist für mich definitiv eine 9/10. Ich hole nur nicht die Höchstwertung raus weil mir Rosso ein klein wenig besser gefallen hat. Aber definitiv ein weiteres Meisterwerk aus dem Schaffen von Dario Argento!

Das ist für die Erstsichtung schon eine ziemlich hohe Wertung. Dann bin ich mir jetzt schon sicher das du bei weiterem Betrachten, sogar noch höher gehen wirst. Der Film wächst bei mehrmaligem Konsum:hoch:
 

Tarantino1980

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AW: Tenebrae

Wenn du noch 20 Gialli außerhalb des Argento-Universums gesehen hast, wirst du zum gleichen Schluß kommen:D
....
Allerdings hat Fulci schon 1972 mit "Don`t torture a duckling" ein Meisterwerk zum Thema veröffentlicht, was ebenfalls äußerst skandalträchtig war. Da ging es um eine Kindermordserie, aber anders verfilmt. Ebenso "Der Tod trägt schwarzes Leder" den Massimo Dallamano 1974 ablieferte. Aber auch der ging damit anders um. Beide Filme sind übrigens absolut hervorragende Genrebeiträge!

Ok die beiden sind schonmal notiert! Natürlich werde ich mich, sobald ich alle Argento Filme gesehen habe, mich weiterhin mit dem Genre Gialli beschäftigen. Dafür ist es einfach zu interessant und eine zu große Neuentdeckung für mich persönlich als das ich es nur bei Argento belassen könnte. Ich denke da werden noch so einige Filmperlen auf mich warten. Ich bin mir sicher das mir das Genre auch außerhalb des Argento Universums gefallen wird.

Argento hat die Filmwelt in jedem Fall beeinflußt. Das sieht man sehr häufig. Den Plot finde ich aber ebenfalls absolut Spitze und das war so nicht zu erahnen. Zwei Killer die unabhängig voneinander arbeiten, bzw. das sich einer die Mordserie des Anderen zu nutzen macht, fand ich ziemlich klasse. Vor allem das er Killer 1 als Opfer der Mordserie hinstellt nachdem er ihn erledigt hat.
Aber auch hier spielte er wieder mit einer Erinnerungslücke. Ein unscheinbares Detail das er zwar wahrgenommen, aber nicht verarbeitet hat. Diese wiederkehrende Idee mag ich bei Argento. Das hat einfach was.

Das unterschreib ich jetzt einfach mal so. ;)

Das ist für die Erstsichtung schon eine ziemlich hohe Wertung. Dann bin ich mir jetzt schon sicher das du bei weiterem Betrachten, sogar noch höher gehen wirst. Der Film wächst bei mehrmaligem Konsum:hoch:

Das kann gut sein. Nur die Zweitsichtung wird dann wohl noch eine Weile dauern weil es einfach zuviele gute Filme gibt die ich sehen muss, nicht nur im Bereich des Gialli. Aber es ist ein Genre welches ich auch weiterhin verfolgen werde, auch wenn das bedeutet das ich eine große Menge von Blindkäufen tätigen muss :nice:
 

Kratos666

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AW: Tenebrae

Nun konnte ich dieses viel gelobte Meisterwerk auch endlich sehen, leider war ich aber sehr enttäuscht.
Nicht nur das er stellenweise einige Längen hatte und mich der Score ziemlich nervte, kommt auch noch hinzu das ich die ganzen Morde sehr verwirrend fand.
Man sieht wie sich der Mörder anschleicht und im nächsten Moment die Tote Person auf dem Boden.
Konnte dem ganzen irgendwie nicht wirklich folgen, daher hab ich echt keinen Plan warum der Herr Regisseur hier wegen seiner Leistung so gelobt wird.
 

Tarantino1980

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AW: Tenebrae

Nicht nur das er stellenweise einige Längen hatte und mich der Score ziemlich nervte, kommt auch noch hinzu das ich die ganzen Morde sehr verwirrend fand.
Man sieht wie sich der Mörder anschleicht und im nächsten Moment die Tote Person auf dem Boden.
Konnte dem ganzen irgendwie nicht wirklich folgen, daher hab ich echt keinen Plan warum der Herr Regisseur hier wegen seiner Leistung so gelobt wird.

Willst Du mich umbringen :eek:
:kiss:

Ich kann jeden verstehen der mit Gialli nicht soviel anfangen kann, es ist halt ein sehr spezielles Genre.

Ich hab die Version von Videobuster gesehen und wie ich gerade gesehen habe ist die nur 20 Minuten gekürzt, aja.
Das erklärt dann wohl wirklich alles.
Zum Blöde werden, echt.:motz:

Ja solche geschnittenen Versionen erhält man zwar zum Schnäppchenpreis, aber sie zerstören den ganzen Film. Wenn Dich aber die Inzenierung und der Score genervt hat, denke ich bringt es auch nichts wenn Du den Film einmal uncut sehen wrüdest. Ist wohl wirklich dann nicht Dein Genre.
 

deadlyfriend

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Ein sehr interessanter Aspekt aus dem Audiokommentar der BD: Das erste Opfer ist die gleiche Darstellerin wie die, die in "Inferno" die Mater Tenebrarum spielt. Das könnte bedeuten, das Argento mit diesem Mordopfer aufzeigen wollte, das dies nicht der dritte Teil der Trilogie ist und die Idee erst einmal stirbt. Ich finde den Gedanken klasse!
 
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