Mein Bruder Kain

Tarantino1980

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Mein Bruder Kain


Der Kinderpsychologe Dr. Carter Nix hat sich eine Auszeit von seinem Beruf gegönnt um für seine kleine Familie da zu sein. Was auf den ersten Blick nach trauter Familienidylle aussieht, entpuppt sich auf den zweiten Blick schnell zu etwas anderem.

Brian De Palma inszenierte im Jahr 1992 diesen wirklich tollen Thriller welcher leider offenbar nicht sehr gut bei Kritikern, aber auch bei manchen Fans nicht sehr gut ankam. Vorweg möchte ich sagen das ich ihn sehr mag, aber auch verstehen kann, dass es Kritikpunkte gibt. Unverkennbar ist hier wieder der Regiestil von De Palma erkennbar. Tolle Settings, geniale Kamerafahrten und die Tatsache das sich gewisse Szenen wieder absolut in meinem Filmauge eingebrant haben, machen diesen Film für mich persönlich wieder zu etwas ganz besonderen. Hinzu kommt noch eine sehr interessante Mischung aus Traumsequenzen und wieder realen Szenen in Verbindung mit sehr guten Überleitungen/Schnitten, das es einfach eine Freude ist, sich dieses anzusehen.

Der Cast ist mit John Lithgow wirklich sehr gut und passend besetzt. Seine Rolle trägt, neben der wirklich tollen Regie Arbeit von Brian De Palma den Film. Zwar hat mir auch Lolita Davidovich gut gefallen, jedoch ist der gesamte Film deutlich um den Charakter von John Lithgow inszeniert worden. Zwar könnte man aus heutiger Sicht teilweise seine Darstellung als Overacting bezeichnen, ich fande es dennoch sehr gut und passend.

Brian De Palma hatte mit Mein Bruder Kain mit Sicherheit nicht vor den Thriller Bereich zu revolutionieren. Vielmehr muss man es als eine Hommage an dieses Genre sehen. Nicht umsonst wird dieser Film als De Palma´s Version von Psycho bezeichnet, was auch mehr als eine Hommage an Alfred Hitchcock zu verstehen ist, als der Versuch ein Remake von Psycho zu inszenieren.

Ich bezweifle das man sich für den Film begeistern kann wenn man nur aktuelle Thriller, oder bekannte Genre Beiträge favorisiert. Brian De Palma, welche diesen Film noch nicht kennen, sollten auf jeden Fall einmal einen Blick riskieren. Alle Anderen, die eher nur auf gute moderne Thriller stehen sollten lieber einen Bogen um den Film machen.

Wertung: 8.5/10
 

Tarantino1980

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AW: Mein Bruder Kain

Gestern ist mir bei Mein Bruder Kain glaube ich etwas aufgefallen was ein Zufall sein kann, aber eventuell auch eine Hommage des Regisseurs Bruce A. Evans. Evans war verantwortlich für Mr. Brooks - Der Mörder in dir Dort fährt Kevin Costner´s Charakter Mr. Brooks, wenn er nachts auf Beutezug geht, aus meiner Sicht das selbe klassische Volvo Modell in er selben Farbe des Autos welches John Lithgow´s Charakter in Mein Bruder Kain fährt. Natürlich kann es auch nur ein Zufall sein, aber die Tatsache das dieser Wegen im Entstehungsjahr von Mr. Brooks - Der Mörder in dir, mit Sicherheit kein aktuelles Modell war und die Tatsache, das beide Filme sich mit einer ähnlichen Grundthematik beschäftigen, ließ bei mir nun den Verdacht aufkommen, dass es eine kleine Hommage zu diesem Film sein könnte.
 

smee

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AW: Mein Bruder Kain

Gestern ist mir bei Mein Bruder Kain glaube ich etwas aufgefallen was ein Zufall sein kann, aber eventuell auch eine Hommage des Regisseurs Bruce A. Evans. Evans war verantwortlich für Mr. Brooks - Der Mörder in dir Dort fährt Kevin Costner´s Charakter Mr. Brooks, wenn er nachts auf Beutezug geht, aus meiner Sicht das selbe klassische Volvo Modell in er selben Farbe des Autos welches John Lithgow´s Charakter in Mein Bruder Kain fährt. Natürlich kann es auch nur ein Zufall sein, aber die Tatsache das dieser Wegen im Entstehungsjahr von Mr. Brooks - Der Mörder in dir, mit Sicherheit kein aktuelles Modell war und die Tatsache, das beide Filme sich mit einer ähnlichen Grundthematik beschäftigen, ließ bei mir nun den Verdacht aufkommen, dass es eine kleine Hommage zu diesem Film sein könnte.

das kann gut sein, kurioserweise ist gerade dieses Volvo Modell schon einmal gegenstand von so einer kleinen Hommage gewesen, auch von zwei verschiedenen Regiesseuren aber im selben Action-bombast-Format;

In " The Rock " lässt Michael Bay Nicolas Cage einen "ganz gewöhnlichen, beige-farbenen Volvo" fahren, was er bei einem hitzigem Gespräch zwischen ihm und Sean Connery zum ausdruck bringt & 2 Jahre später ist er in John Woo`s " Face off " wieder in einem beige-farbenen Volvo unterwegs:)
Laut der Legende soll es sich sogar um ein und denselben handeln, das habe ich der Tv Movie mal entnommen, die ein sehr schönen kleinen Service bei den Filmbewertungen eingebaut haben, indem sie zu fast jedem Film lustige, kuriose oder auch ernste Hintergrundinformationen liefern.
Vielleicht ist dieser Wagen ja ein kleiner Insider unter Regiesseuren die sich auf diese weise ihre gegenseitige Achtung o. bewunderung zum ausdruck bringen :D:D

Auf jeden Fall werd` ich die Augen weiterhin offen halten nach einem beige-farbenen Volvo, wer weiß wo noch andere versteckt sind:), ich hab` nämlich `ne menge solcher kleinen spielchen/vergleiche/kuriose gemeinsamkeiten in mehreren Filmen entdeckt ;)

Als Thread wär dieses Thema auch nicht uninteressant ..

Den Film hab` ich mir zufälligerweise vor einer Woche erst gekauft & bin mehr als begeistert gewesen, hat sich auf meiner De Palma liste mit gaanz nach oben geschossen, eine kleine Thrillermaschine :hoch:

8.5/10 Punkten
 
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Tarantino1980

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AW: Mein Bruder Kain

das kann gut sein, kurioserweise ist gerade dieses Volvo Modell schon einmal gegenstand von so einer kleinen Hommage gewesen, auch von zwei verschiedenen Regiesseuren aber im selben Action-bombast-Format;
...
Vielleicht ist dieser Wagen ja ein kleiner Insider unter Regiesseuren die sich auf diese weise ihre gegenseitige Achtung o. bewunderung zum ausdruck bringen :D:D

Auf jeden Fall werd` ich die Augen weiterhin offen halten nach einem beige-farbenen Volvo, wer weiß wo noch andere versteckt sind:), ich hab` nämlich `ne menge solcher kleinen spielchen/vergleiche/kuriose gemeinsamkeiten in mehreren Filmen entdeckt ;)

Als Thread wär dieses Thema auch nicht uninteressant ..

Auf jeden Fall ein sehr interessantes Thema wie ich finde. Ich würde vorschlagen Du machst so einen Thread auf dem Roten Teppich auf. Ich denke da wird sich mit Sicherheit etwas Diskussionspotential auftun. Freut mich auf jeden Fall das ich offenbar nicht der einzigste bin dem dieser Volvo aufgefallen ist ;)
 

Willy Wonka

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AW: Mein Bruder Kain

Zwar könnte man aus heutiger Sicht teilweise seine Darstellung als Overacting bezeichnen, ich fande es dennoch sehr gut und passend.

Ich habe mir den Film letztes Jahr im August zum ersten Mal angesehen und mich hat allein dieser Aspekt massiv gestört. Damals schrieb ich zum Film:

Ich weiß nicht, wie der Film im Erscheinungsjahr 1992 gewirkt hat, aber heute machte der Thriller von Brian de Palma einen leicht angestaubten Eindruck. Die deutlichsten Kennzeichen sind einige Kamera- und Musikeinsätze, die so überdramatisiert arrangiert worden sind, dass sie mittlerweile einen ironischen Beigeschmack bekommen haben. Darüber hinaus gibt es einige Schönheitsfehler im Drehbuch: u.a. ein massiv funktionalisierter innerer Monolog sowie das fehlende Motiv, wieso sich die Handlung erst jetzt ereignet und nicht bereits vorher.
John Lithgow gelingt der Spagat zwischen den einzelnen Rollen leider nur durch massives „Überspielen“ und der Rückgriff auf klassische Muster von Stereotypen. Richtig toll empfand ich dagegen die einzelnen Wechsel zwischen Traum- und Realität und einige Montagesequenzen.

Zumindest bietet der Film mit einer Laufzeit von knapp 90 Minuten eine nette, kurzweilige Unterhaltung. 5/10
 

Tarantino1980

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AW: Mein Bruder Kain


Ich weiß nicht, wie der Film im Erscheinungsjahr 1992 gewirkt hat, aber heute machte der Thriller von Brian de Palma einen leicht angestaubten Eindruck.


Interessanter Weise empfand ich bei meiner Erstsichtung des Filmes nun eher ein Gefühl, das es sich um einen Film aus den 70ern handelt. Von daher störte mich der leicht angestaubte Eindruck nicht im geringsten, im Gegenteil da ich Thriller aus dieser Zeitepoche sehr liebe, konnte der Film hier schon bei mir Punkten!



...sowie das fehlende Motiv, wieso sich die Handlung erst jetzt ereignet und nicht bereits vorher.

Hier gebe ich Dir absolut recht. Das Motiv, das Dr. Carter Nix vollkommen verrückt und geistesgestört ist konnte ich noch nachvollziehen, aber warum offenbar seine Krankheit erst zu dem Zeitpunt wieder ausgebrochen ist konnte ich mir auch nicht wirklich erklären.


John Lithgow gelingt der Spagat zwischen den einzelnen Rollen leider nur durch massives „Überspielen“ und der Rückgriff auf klassische Muster von Stereotypen.

Genau das fand ich ehrlich gesagt sehr interessant da man so zu keinem Zeitpunkt einen Zweifel hatte ob es nicht doch einen Zwillingsbruder gäbe. Bereits in der ersten Szene war mir klar, der Typ hat eine Multiple Persönlichkeit und daher emfand ich sein "Overactinng" auch nicht als störend, da es so nur verdeutlicht wurde. Ich hatte sogar angenommen das sein Vater auch nur eine weitere Persönlichkeit von ihm ist, das es tatsächlich noch lebte war für mich eine Überraschung.


Richtig toll empfand ich dagegen die einzelnen Wechsel zwischen Traum- und Realität und einige Montagesequenzen.

Die haben mir auch richtig gut gefallen. Und das Finale, in dem der Uhrzeiger eine sehr große Rolle spielte, fand ich einfach nur grandios. Ich weiß nicht wie genau Du den Film noch vor Augen hast, aber diese Einstellung wo auf mehreren Ebenen des Hotels etwas passiert ist und man als Zuschauer alles in einer Totalen gesehen hat, fand ich einfach nur genial. Eine herrliche Einstellung! Die Spannung war kaum auszuhalten in Verbindung mit der Tatsache das man nicht wusste wen der Uhrzeiger erwischen würde da dieser Lieferwargen scheinbar vollkommen ohne Rückblick gefahren ist :D. Diese Szene hatte eine dermaßen hohe Spannung für mich geparrt mit einer absolut genialen Einstellung, das dies alleine schon Grund genug war den Film zu sehen!
 

Willy Wonka

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AW: Mein Bruder Kain

In Bezug auf das „Overacting" ist vielleicht wirklich eine Geschmackssache. Generell bin dem „Aufspielen" oder „Überspielen" eines Schauspielers nicht abgeneigt wie beispielsweise Daniel Day-Lewis in „There Will Be Blood" oder Leonardo DiCaprio in „Django Unchained".

Nur ist das „Overacting" im Thriller-Genre für mich noch anders zu bewerten vor allem in Bezug auf gestörte Persönlichkeiten, denn dann grenzt es meistens schon an einer Parodie und hat genau den gegenteiligen Effekt zur Folge – Komik statt Spannung.


Und das Finale, in dem der Uhrzeiger eine sehr große Rolle spielte, fand ich einfach nur grandios. Ich weiß nicht wie genau Du den Film noch vor Augen hast, aber diese Einstellung wo auf mehreren Ebenen des Hotels etwas passiert ist und man als Zuschauer alles in einer Totalen gesehen hat, fand ich einfach nur genial. Eine herrliche Einstellung! Die Spannung war kaum auszuhalten in Verbindung mit der Tatsache das man nicht wusste wen der Uhrzeiger erwischen würde da dieser Lieferwargen scheinbar vollkommen ohne Rückblick gefahren ist :D. Diese Szene hatte eine dermaßen hohe Spannung für mich geparrt mit einer absolut genialen Einstellung, das dies alleine schon Grund genug war den Film zu sehen!

Ungefähr habe ich das Finale noch vor Augen und die Einstellungen haben mir auch sehr gefallen, aber diese intensive Spannung, die du beschreibt, habe ich nicht im Geringsten verspürt, was wohl einfach an der Geschichte und den Charakteren lag. Vieles wirkte heute zu altbacken und konnte für mich nicht durch die guten Kameraeinstellungen und Perspektiven wettgemacht werden.
 

deadlyfriend

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Mein Bruder Kain

Brian De Palma inszenierte im Jahr 1992 diesen wirklich tollen Thriller welcher leider offenbar nicht sehr gut bei Kritikern, aber auch bei manchen Fans nicht sehr gut ankam. Vorweg möchte ich sagen das ich ihn sehr mag, aber auch verstehen kann, dass es Kritikpunkte gibt. Unverkennbar ist hier wieder der Regiestil von De Palma erkennbar. Tolle Settings, geniale Kamerafahrten und die Tatsache das sich gewisse Szenen wieder absolut in meinem Filmauge eingebrant haben, machen diesen Film für mich persönlich wieder zu etwas ganz besonderen. Hinzu kommt noch eine sehr interessante Mischung aus Traumsequenzen und wieder realen Szenen in Verbindung mit sehr guten Überleitungen/Schnitten, das es einfach eine Freude ist, sich dieses anzusehen.
Korrekt! Der gesamte visuelle Stil ist einfach Brian De Palma und sorgt durchgehend für richtig viel Freude. Da sind wieder Kamerafahrten enthalten, die einem ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Auch die komplette Choreographie über mehrere Etagen im Finale ist einfach der Wahnsinn.
Der Cast ist mit John Lithgow wirklich sehr gut und passend besetzt. Seine Rolle trägt, neben der wirklich tollen Regie Arbeit von Brian De Palma den Film. Zwar hat mir auch Lolita Davidovich gut gefallen, jedoch ist der gesamte Film deutlich um den Charakter von John Lithgow inszeniert worden. Zwar könnte man aus heutiger Sicht teilweise seine Darstellung als Overacting bezeichnen, ich fande es dennoch sehr gut und passend.
Ich finde John Lithgow hier einfach bärenstark. Laut dem Interview im Zusatzmaterial hatte er wohl auch eine Menge Freude daran, hier so viele Figuren zu spielen. Auch wie er die Rolle als sein eigener Vater spielt ist der Hammer. Ich weiß jetzt gar nicht, wie er in der Synchro spricht, aber im Original ist sein Akzent der Hammer, den er tatsächlich vorher mit einem Norweger trainiert hat. Hier lohnt sich übrigens der DC! De Palma sprach von einem Fehler, den Beginn um Carter und Cain aufzubauen. Im DC wird der Beginn um Jenny herum aufgebaut und das wirkt aus meiner Sicht viel besser und man bekommt zu ihrer Figur einen anderen Bezug, obwohl es die gleichen Szenen sind.
Im Bonusmaterial erfuhr ich, das dies eigentlich ein Fan-Cut ist, der aber von De Palma bevorzugt wird, da dies seine ursprünglich gedachte Version war und er seine Änderungen als Fehler ansah. Er hat sich sogar dafür eingesetzt, das diese Fassung auf Blu Ray erscheint. Könnte in der Filmwelt einzigartig sein.
Brian De Palma hatte mit Mein Bruder Kain mit Sicherheit nicht vor den Thriller Bereich zu revolutionieren. Vielmehr muss man es als eine Hommage an dieses Genre sehen. Nicht umsonst wird dieser Film als De Palma´s Version von Psycho bezeichnet, was auch mehr als eine Hommage an Alfred Hitchcock zu verstehen ist, als der Versuch ein Remake von Psycho zu inszenieren.
Hier sind unglaublich viele Hommagen enthalten. Einmal ist die Grundidee natürlich komplett aus "Peeping Tom" entnommen, was mir aber auch jetzt erst aufgefallen ist. Dann wird hier natürlich mehrfach "Psycho" zitiert. Völlig genial wie er den Monolog aus "Psycho" am Ende hier in die Mitte des Films legt und gleichzeitig mit einer fantastischen Kamerafahrt begleitet. Allein wie er die Kamera schief legt, wenn die Gruppe die Treppen runtergeht. Dann natürlich wie er den Wagen im See versenkt. Herrlich! Zusätzlich am Ende, wenn Lithgow in Frauenkleidern rumläuft. Hier ist sovoel "Psycho" enthalten, dass der Fan seine helle Freude hat, da De Palma es dennoch nicht kopiert, sondern variiert. Ich denke aber mal, dass nur echten Fans die vielen Anspielungen auffallen.
Dann zitiert er sich natürlich auch wieder selbst. Natürlich die Szene mit den Schuhen aus "Dressed to kill" aber auch die Idee mit der Schule für die Kinder, stammt eigentlich aus "Teufelskreis Alpha". So eine Retrospektive hat einfach Vorteile. Da bekommt man einfach mehr mit. :D
Ich bezweifle das man sich für den Film begeistern kann wenn man nur aktuelle Thriller, oder bekannte Genre Beiträge favorisiert. Brian De Palma, welche diesen Film noch nicht kennen, sollten auf jeden Fall einmal einen Blick riskieren. Alle Anderen, die eher nur auf gute moderne Thriller stehen sollten lieber einen Bogen um den Film machen.

Wertung: 8.5/10
Denke ich auch! 10 Jahre später noch mehr, als zu Zeiten deines Reviews. Nebenbei erwähnt, mag ich auch bei dieser Produktion wieder den "familiären" Charakter. Neben den wiederkehrenden Darstellern wie John Lithgow, Steven Bauer und Gregg Henry (alle mindestens 3 Mal) hat er auch im Hintergrund wieder viele Stammkräfte am Start. Ganz vorne natürlich Pino Donaggio. Auch dies wird einem innerhalb einer Retrospektive viel deutlicher bewusst.
AW: Mein Bruder Kain

Gestern ist mir bei Mein Bruder Kain glaube ich etwas aufgefallen was ein Zufall sein kann, aber eventuell auch eine Hommage des Regisseurs Bruce A. Evans. Evans war verantwortlich für Mr. Brooks - Der Mörder in dir Dort fährt Kevin Costner´s Charakter Mr. Brooks, wenn er nachts auf Beutezug geht, aus meiner Sicht das selbe klassische Volvo Modell in er selben Farbe des Autos welches John Lithgow´s Charakter in Mein Bruder Kain fährt. Natürlich kann es auch nur ein Zufall sein, aber die Tatsache das dieser Wegen im Entstehungsjahr von Mr. Brooks - Der Mörder in dir, mit Sicherheit kein aktuelles Modell war und die Tatsache, das beide Filme sich mit einer ähnlichen Grundthematik beschäftigen, ließ bei mir nun den Verdacht aufkommen, dass es eine kleine Hommage zu diesem Film sein könnte.
Das klingt interessant, aber hierzu kann ich leider gar nichts sagen, da ich "Mr.Brooks" nicht mehr wirklich in Erinnerung habe.

Noch ein Nachtrag: Ich finde den Originaltitel "Raising Cain" um ein Vielfaches besser, als den deutschen Titel, da er inhaltlich einfach perfekt passt.
 

Tarantino1980

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Zunächst einmal möchte ich hier betonen wie dankbar ich Turbine bin, das sie dieses tolle Mediabook rausgebracht haben und nicht nur den Film im HD für den deutschen Markt veröffentlicht haben, sondern eben auch den grandiosen Re-Cut mit reingepackt haben. Dazu aber später mehr. Auch ansonsten bietet das Booklet, auch wenn es nicht sehr umfrangreich ist, aber dennoch ein paar sehr interessante Hintergrundinfos die ich zuvor nicht wusste. Also rundum eine tolle VÖ bei der ich sehr froh bin das sie in meiner Sammlung steht.

@deadlyfriend: Welches Filmrollenschnipsel ist in deinem Mediabook enthalten. In meinem sieht man John Lithgow in dem gemeinsamen Haus von Carter und Jenny in einem Türrahmen.


Korrekt! Der gesamte visuelle Stil ist einfach Brian De Palma und sorgt durchgehend für richtig viel Freude. Da sind wieder Kamerafahrten enthalten, die einem ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Auch die komplette Choreographie über mehrere Etagen im Finale ist einfach der Wahnsinn.
Ich habe mich da ja bereits im Thread schon zu geäußert, aber ich möchte es hier auch nochmals unterstreichen. Optisch ist der Film wirklich sehr gut und ich finde es schade, das er oftmals so unter dem Radar ist und gefühlt auch unter den De Palma Fans kontrovers angesehen wird.

Ich fand z.B. die Sequenz als Jenny und Jack im Park sich liebten und Jenny dann im Augenwinkel Carter gesehen hatte, bzw. es anfangs so wirkte als ob ihre Fantasie ihr einen Streich gespielt hat, einfach nur phänomenal. Zum einen von der Kamera, aber auch von der Art und Weise wie die Sequenz auf einen wirkt. In einem Moment schaut man zwei jungen Leuten zu wie sie sich lieben und wird aber schlagartig aus dieser entspannten Stimmung gerissen in dem man sofort ein Gefühl des Unwohlseins spürt weil man im ersten Moment ja nicht weiß was als nächstes passiert. Stellt Carter die beiden, oder geht er einfach kommentarlos. Und in De Palmas Version wirtk es, zumindest bei dem ersten Mal als wir diese Szene aus dieser Perspektive zu Gesicht bekommen so, als wenn es eben nur das schlechte Gewissen von Jenny war, das ihr da einen Streich gespielt hat und Carter garnicht da war. Toll inszeniert!

Und dann natürlich auch noch das von Dir angesprochende Finale das über drei Etagen so genial wirkt das man als Zuschauer im ersten Moment garnicht weiß wo man zuerst hinschauen soll, weil einfach soviel passiert. Ein wenig erinnerte mich, vielleicht auch durch die Slowmotion, diese Szena an die Bahnhofsequenz in The Untouchables, ohne das sie inhaltlich Ähnlichkeiten hätten, aber eben von der Art der Inszenierung, aber auch von der Bedeutung der Szene für den Film.

Ich finde John Lithgow hier einfach bärenstark. Laut dem Interview im Zusatzmaterial hatte er wohl auch eine Menge Freude daran, hier so viele Figuren zu spielen. Auch wie er die Rolle als sein eigener Vater spielt ist der Hammer. Ich weiß jetzt gar nicht, wie er in der Synchro spricht, aber im Original ist sein Akzent der Hammer, den er tatsächlich vorher mit einem Norweger trainiert hat.
John Lithgow ist hier natürlich absolut überragend. Sicherlich hat De Palma ihm die Rolle hier natürlich auch auf den Leib geschrieben, aber dennoch muss man das erstmal so gut spielen. Hatte mir damals bei meiner Erstsichtung schon gut gefallen aber mittlerweile, da ich John Lithgow noch besser kenne als damals 2014, wirkte das nochmals besser auf mich.

In der Synchro klang der Aktzent für mich eher etwas nach Ostblock. Aber im Bonusmaterial hatte ich dann ja die Szene kurz im O-Ton gehört und da muss man dann einfach den Hut davor ziehen das Lithgow hier so eine detailverliebtheit bewiesen hat und extra mit einem Norweger trainiert hat. Klang wirklich sehr gut und ich hatte mir dann auch nochmal besagte Szene im O-Ton komplett angehört.

Hier lohnt sich übrigens der DC! De Palma sprach von einem Fehler, den Beginn um Carter und Cain aufzubauen. Im DC wird der Beginn um Jenny herum aufgebaut und das wirkt aus meiner Sicht viel besser und man bekommt zu ihrer Figur einen anderen Bezug, obwohl es die gleichen Szenen sind.
Im Bonusmaterial erfuhr ich, das dies eigentlich ein Fan-Cut ist, der aber von De Palma bevorzugt wird, da dies seine ursprünglich gedachte Version war und er seine Änderungen als Fehler ansah. Er hat sich sogar dafür eingesetzt, das diese Fassung auf Blu Ray erscheint. Könnte in der Filmwelt einzigartig sein.
Tatsächlich hatte ich davon auch im Vorfeld noch nichts gehört. Ich hatte zwar damals bei Release der VÖ von Turbine mitbekommen das wohl ein DC enthalten sein soll, hatte mich aber auch bewusst, da ich mich von dem überraschen wollte, nicht näher damit beschäftigt. Einerseits natürlich für mich unfassbar das schon wieder acht Jahre vergangen sind als ich mir dieses Mediabook von Turbine in die Sammlung stellte und ihn erst jetzt sehe, aber anderseits bin ich im Nachgang froh, da ich glaube das mir der Re-Cut zwar auch ohne die Retrospektive gefallen hätte, aber eben durch die Retrospektive ich noch einen besseren Zugang zum Re-Cut hatte und ich auch besser verstehen konnte warum dies eigentlich die favorisierte Version von De Palma war, aber zum damaligen Zeitpunkt diese Erzählsturktur wohl einfach zu herausfordernd für das damalige Kinopublikum gewesen wäre.

Aber nun zum Re-Cut. Ich kann mich auch nicht daran erinnern das es sowas in der Filmwelt schonmal gab. Das ein Fan, der in dem Fall von Peet Gelderblom auch ein Filmemacher ist, auf eigene Faust einen Film umschneidet, ohne von einem Label dafür einen Auftrag bekommen zu haben. Und er hat hier wirklich einen fantastischen Job gemacht. Es beruht zwar auf einem ursprünglichen Script von De Palma, welches er glücklicherweise gefunden hatte, aber sowas ohne Nachdrehs und vorallem auch ohne den Film im Rohmaterial auf Filmrolle zu haben sondern lediglich mit einer DVD bewaffnet dies zu vollbringen, ist auf jeden Fall genial!

Die ursprüngliche Idee von De Palma den Film zunächst aus der Sicht von Jenny beginnen zu lassen und Charter in den ersten 20 Minuten eher als Nebendarsteller zu platzieren, fand ich sehr gut! Der Film hat dadurch auch eine sehr interessante anfängliche Grundstimmung die dann erst später in den Psychothriller wechsel. Aber auch durch diese Schnittfassung konnte ich einen besseren Bezug zu Jenny herstellen. Das war also damals zwar die richtige Idee, hätte aber wahrscheinlich das damalige Kinopublikum überfordert.

Eine Szene ist mir diesmal auch, vielleicht auch durch den Re-Cut viel stärker aufgefallen. Als Jenny und Jack am Sylvesterabend im Krankenhaus waren und quasi ihre Romanze begann und im Hintergrund die schwerkranke Frau von Jack lag, das war schon sehr makabar und dann auch Ihr Tot war dann sehr intensiv inszeniert. Bis zu dem Punkt wirkte die Szene aber tatsächlich so als ob sie einer Krankenhausserie entsprungen sei. Da ich derzeit einen Rewatch von Emergency Room mache ist mir dies sofort aufgefallen das diese Szene, mit Sicherheit absichtlich, komplett anders wirkte, als der restliche Film. Das zeigt einfach, wie gut De Palma als Regisseur ist.

Hier sind unglaublich viele Hommagen enthalten. Einmal ist die Grundidee natürlich komplett aus "Peeping Tom" entnommen, was mir aber auch jetzt erst aufgefallen ist.
Hatte ich tatsächlich damals auch noch nicht so auf dem Schirm. Aber bereits bei meiner Sichtung kam mir die Idee, welche dann ja auch im Booklet bestätigt wurde das es da durchaus parallelen zwichen Carter und Mark Lewis gibt.

Dann wird hier natürlich mehrfach "Psycho" zitiert. Völlig genial wie er den Monolog aus "Psycho" am Ende hier in die Mitte des Films legt und gleichzeitig mit einer fantastischen Kamerafahrt begleitet. Allein wie er die Kamera schief legt, wenn die Gruppe die Treppen runtergeht. Dann natürlich wie er den Wagen im See versenkt. Herrlich! Zusätzlich am Ende, wenn Lithgow in Frauenkleidern rumläuft. Hier ist sovoel "Psycho" enthalten, dass der Fan seine helle Freude hat, da De Palma es dennoch nicht kopiert, sondern variiert. Ich denke aber mal, dass nur echten Fans die vielen Anspielungen auffallen.
Auch das war mir damals nicht so stark aufgefallen, aber durch die Hitchcock Retropsektive waren die Homagen an Psycho auch für mich glasklar. Gerade bei der Autoszene musste ich sofort an Psycho denken. Aber wirklich toll finde ich es das es De Palma wirklich sehr suptil macht und man nicht zwingend die Filme kennen muss, er auch nichts kopiert, aber eben für interessierte Filmfans sowas mit einbaute, damit der Film noch interessanter wird.


Dann zitiert er sich natürlich auch wieder selbst. Natürlich die Szene mit den Schuhen aus "Dressed to kill" aber auch die Idee mit der Schule für die Kinder, stammt eigentlich aus "Teufelskreis Alpha". So eine Retrospektive hat einfach Vorteile. Da bekommt man einfach mehr mit. :D
Auch hier musste ich wieder sofort schmunzeln als ich diese Schuhe sah. Natürlich musste ich auch unweigerlich an Dressed To Kill denken und auch die Referenz zu Teufelskreis Alpha ist mir nicht entgangen. Aber sowas fällt glaube ich wirklich nur auf wenn man zufälligerweise einen oder beide Filme kurz vorher gesehen hätte, oder eben so wie wir es getan haben, eine komplette Retrospektive machen. Ich musste aber auch auf dem Polizei Revier an Dressed To Kill denken, da er es ihr zwar nicht so präsent einsetzte, aber es dennoch wieder Büroräume mit großen Glasfronten waren und man dadurch auch das Geschehen im gegenüberliegenden Raum immer sehen konnte.

Denke ich auch! 10 Jahre später noch mehr, als zu Zeiten deines Reviews. Nebenbei erwähnt, mag ich auch bei dieser Produktion wieder den "familiären" Charakter. Neben den wiederkehrenden Darstellern wie John Lithgow, Steven Bauer und Gregg Henry (alle mindestens 3 Mal) hat er auch im Hintergrund wieder viele Stammkräfte am Start. Ganz vorne natürlich Pino Donaggio. Auch dies wird einem innerhalb einer Retrospektive viel deutlicher bewusst.
Absolut. Der Score von Pino Donaggio ist mir wieder sehr präsent und positiv aufgefallen. Zu meiner Schande muss ich gestehen das ich damals Steven Bauer garnicht erkannt hatte, obwohl ich Scarface natürlich schon kannte, aber bei meiner heutigen Sichtung ist es mir sofort aufgefallen. Auch eine tolle Performance die er in Rising Cane abgeliefert hat. Und im Interview hat ja auch John Lithgow mit einem Augenzwinkern gesagt das Rising Cane der letzte Part der Lithgow Trilogie von De Palma war.

Noch ein Nachtrag: Ich finde den Originaltitel "Raising Cain" um ein Vielfaches besser, als den deutschen Titel, da er inhaltlich einfach perfekt passt.
Auch hier leider wieder ein absolutes Negativbeispiel dafür das man nicht zwanghaft alle originalen Filmtitel eindeutschen muss, zumal es ja noch nicht mal eine Übersetzung ist, sondern einfach nur ein blöder deutscher Titel der zwar auf den ersten Blick passen mag, aber je tiefer man sich mit dem Film beschäftigt, desto mehr man merkt das der originale Titel viel besser passt!

Ein Aspekt, den ich bereits im Thread damals erwähnt hatte, würde ich auch gerne nochmals herausheben. Obwohl der Film von 1992 ist, wirt er eher wie ein Film aus den 70ern. Mal abgesehen von ein paar Computer Monitoren die auf die tatsächliche Entstehungszeit hindeuten, wirkt er nicht wie ein Film aus den 90ern, was ich alles andere als negativ meine.
 
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