Zodiac - Die Spur des Killers

Dieses Thema im Forum "Kurzkritiken und Diskussion" wurde erstellt von Travis, 5. Dezember 2008.

  1. Travis

    Travis Regie Mitarbeiter

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    Gesamtübersicht aller Kritiken zu Zodiac - Die Spur des Killers:

    #02 05.12.08 Farman
    #03 05.12.08 LivingDead
     
    Zuletzt bearbeitet: 5. Dezember 2008
  2. Travis

    Travis Regie Mitarbeiter

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    Kritik von Farman

    Zodiac - Die Spur des Killers

    "Ich wollte schon immer mal japanisch essen - Dieses rohe Zeug".

    Finchers neuer Vertreter des mittlerweile todlangweiligen Genres des Serienmörder-Thrillers handelt nicht gerade von Essgewohnheiten. Aber dieses Zitat habe ich mir nicht Nachts erträumt, es stammt vom Film. Der Film handelt von einer Menschenjagd - der Mensch sei, so wörtlich wiedergegeben, das "wildeste Tier von allen", die es zu jagen gibt.
    Finchers neuer Film handelt, ähnlich wie alle seine Filme im Allgemeinen, sein Meisterwerk "Fight Club" im Speziellen, von Sehgewohnheiten. Wong Kar-Wai sagte mal, ein guter Film sei wie ein gutes Essen. Selten konnte ich eine Speise so schwer verdauen wie die roh zubereitete Fincherspeise, selten das Gesehene so einfach abhaken wie die Bilderwelten Finchers - das gilt für "Sieben", den bereits erwähnten "Fight Club" und ebenfalls -hier werden womöglich gerade jene Fincher-Fans widersprechen, die ein zweites "Sieben" erwarten- den soeben im Kino gesehenen und noch immer nicht verdauten "Zodiac".

    Ob auch Essgewohnheiten einen radikalen Umbruch erlangten zur Zeit der ausgehenden Sechziger und der beginnenden Siebziger, zur Zeit der gerade in Gang gesetzten Emanzipation und sexuellen Revolution, zur Zeit der kollektiven Flucht aus autoritären Normen hinweg von den Schranken einer geregelten Zivilisation, das weiß ich nicht. Sicher ist, dass das Zerstören von bislang existierenden Tischritualen Raum schafft für einen Hunger auf das Rohe.
    Genau zu dieser Zeit taucht in der Gegend um San Francisco ein Serienkiller auf. Dieser Serienkiller, "Zodiac", existiert wohl -in der Wirklichkeit, die wir im Film nicht zu sehen bekommen- als ein von uns losgelöstes Individuum für sich, dass durch seinen animalischen Hunger nach roher Gewalt zu einem Monster geworden ist. In der Wirklichkeit der Medien, der Außenwelt und Gesellschaft um den Mörder herum, der Wirklichkeit, die wir im Film zu sehen bekommen, existiert dieses Monster als Symbol unserer Zeit. Finchers Film handelt mehr von der Frage nach unserer "rohen" Lust als der des Serienkillers, dessen Motive uns nie wirklich greifbar gemacht werden.

    Dass es sich hierbei um eine authentische Geschichte handelt, hat man selten so deutlich in einem (!) Suspense-Thriller sehen können. Hätte ich es nicht vorher gewusst und würde im Film davon kein Wort stehen, beim Anschauen wüsste ich es. Selten habe ich eine stilistisch so virtuose Selbsthinterfragung der dramaturgischen Möglichkeiten des Kinos gesehen. "Zodiac" lässt durch seine aufregende Unaufdringlichkeit thematisch verwandte Holzhammerfilme wie Stones "Natural Born Killers" oder Hanekes "Funny Games" reichlich dumm aussehen.
    Zodiac handelt von der Semiotik, der Kunst des Zeichenlesens. Und er handelt von der Willkür unserer Zeichenwelt und unserer geradezu obsessiven Wolllust nach der Erkenntnis, nach dem Knacken des Codes. Wir als Zuschauer werden in jeder einzelnen Szene aktiv dazu aufgefordert, die filmischen Codes zu knacken, den Film zu hinterfragen, unsere Sehgewohnheiten zu hinterfragen, um letztendlich herauszufinden, wie sehr unsere kollektive Sinnstiftung über die Motive eines Mordes, die Funktionsweisen einer Gesellschaft, die ästhetischen Möglichkeiten eines Filmes einem totalitären Selbstzweck dienen. Doch der Film fordert uns anhand seines immer in die Irre geführten, dennoch in seiner Wahrheitstreue seine Würde behaltenden Hauptcharakters gespielt von Jake Gyllenhaal auf, mit einem vom Zynismus befreiten Blick hinter die Vorhänge des Verborgenen zu schauen, die auch unsere eigenen sind. Hier erinnert "Zodiac" an Alfred Hitchcock und vor allem Fritz Lang.

    Erwartet bloß kein apokalyptisches Suspense-Szenario a la Sieben.
    Die wenigen Mordszenen sind nüchtern inszeniert, aber gerade deswegen unglaublich verstörend. Um nicht drumrum zu reden: Etwas in seiner psychologischen Wirkung derartig Abscheuliches habe ich selten auf der Leinwand gesehen - auch nicht in Sieben. Wir kommen raus ohne die in einigen von uns ausgeprägte Lust nach Schocks befriedigt zu sehen, aber genau das will der Film, und genau deswegen bringt er dieses mir verhasste Genre in absolut neue Höhen. Trotz gewisser Vorhersehbarkeiten, und, naja, "Längen", die ich in Anführungszeichen setze, weil ich sie nicht so empfinde. Ich weiß auch, wie viele Schaulustige den Film schwach und langweilig finden werden, aber ich bin stolz darauf, dass mich dieses radikale Experiment nicht kalt gelassen hat und schmunzel über die vielen Kritiken, die dem Film Langatmigkeit vorwerfen.

    Fazit: Sehen!
     
  3. Travis

    Travis Regie Mitarbeiter

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    Kritik von LivingDEad

    Zodiac – Die Spur des Killers

    David Fincher, jener Mann, welcher mit Filmen wie „Sieben“ oder „Fight Club“ wahre Klassiker schuf, meldet sich mit „Zodiac“ wieder mit einem neuen (Serienkiller-) Thriller zurück. Doch um es gleich vorweg zu nehmen: „Zodiac“ ist beileibe kein neuer „Sieben“. Nein – er will es auch gar nicht sein. Fincher reißt vielmehr jenes Gerüst, welches er mit seinem auf den sieben Todsünden beruhenden Thrillers schuf, komplett ab und fertigt ein neues Fundament für den wirklich „letzten Serienkiller-Film“ (D. Fincher). „Zodiac“ entmythisiert, vertilgt und reformiert das ausgelutschte Genre von seinen Grundfesten.

    Der Film beruht auf den tatsächlichen Ereignissen der Jahre 1968 und 1969 im Raum San Francisco, in denen der Zodiac-Killer fünf Menschen auf bestialische Art und Weise umbrachte. Zwei seiner Opfer überlebten. Das Besondere an diesen Morden waren jedoch die codierten Hinweise des Killers, welche die Morde über das Fernsehen zu etwas noch unbegreifbarerem hochstilisierten. Der Zodiac-Mythos war geboren und sollte noch einige Nachahmungstäter nach sich ziehen.

    Der Film spielt zu jener Zeit, in der sich die Medienwelt einem gewaltigen Wandel entgegensieht. Die neuen Medien wie Telefax eröffnen einen beschleunigten Kommunikationsweg und Nachrichten werden immer schneller verbreitet. Der Verbindungsweg zwischen Mord und der dazugehörigen Nachricht im Fernsehen wird immer kürzer.
    Dies ist die Zeit des „Zodiac“, Nutznießer dieser neuen Medien, um ein öffentliches Feindbild von sich zu schaffen. Er mythisiert sich soweit, dass die Ermittler geradezu obsessiv ihr halbes Leben nach der Suche nach ihm verbringen. Vor allem an der Rolle des Robert Downey Jr. lässt sich dieser Wandel gut festmachen: Jene Wandlung vom Optimismus bis hin zur puren Verzweiflung, die ihm in die Drogen und Alkoholsucht entgleiten ließ.
    Aber es ist auch die Zeit der sexuellen Revolution und der Emanzipation. Die Jugendlichen laufen freizügiger und ungehaltener durch die Gegend. Die Partys werden ausschweifender und der Alkohol- und Drogenkonsum nimmt zu. Auch dies war die Zeit des „Zodiac“-Killers, welcher versuchte, durch die Morde an den Teens wieder „Ordnung“ in diese Welt zu bringen.

    David Finchers Film spiegelt in seinem Thriller eine ganze Epoche wider. Er zeigt den Wandel der amerikanischen Kultur, der Polizei und der Medien auf, und was er bewirkte. Er schuf einen Thriller, der sein Genre so befestigt und feiend aufstellte, dass in naher Zukunft kein ähnlich gearteter Film an den Bausteinen von Finchers Werk rütteln dürfte. Zwar möchte ich hier noch nicht von einem Meisterwerk sprechen, da der Film im Gegensatz zu einem fiktiven „Sieben“ in Sachen Spannung, Intensität und dramaturgischer Finesse etwas zurück stecken muss. Aber die Abartigkeit und jenes obsessive Verlangen nach der Identität des Mörders; das bewerkstelligte bisher kein anderer Thriller in dieser Perfektion wie Finchers „Zodiac“.
    8,5/10
     
  4. Travis

    Travis Regie Mitarbeiter

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    AW: Zodiac - Die Spur des Killers

    Der Film ist und hat Klasse, keine Frage. Inszenatorisch und atmosphärisch ein ganz großer Wurf, an dem es eigentlich nur wenig auszusetzen gibt. Das "Sieben"-Fans, die mit der Erwartung auf ein nachfolgendes "Acht" in den Film gingen eventuell enttäuscht wurden, liegt in der Natur der Sache. Diese sind dann aber im Endeffekt selbst schuld, da im Vorfeld von soviel verschiedenen Seiten und auch von Fincher selbst ganz klar umrissen wurde, daß es sich bei "Zodiac" um eine ganz andere Art von Serienkillerfilm handelt. Ein Film, bei dem es um die möglichst authentische Obduktion eines realen Falles ging. Und die Realität ist halt selten so spektakulär und von der Chronologie auf den Punkt getrimmt wie die Fiktion, zumindest wenn man sie authentisch wiedergeben möchte. Da sind mühsame, langsam vorankommende Ermittlungsarbeit, ins Leere laufende Spuren, trockene zeitraubende Recherchearbeit, sowie der Zeitdruck von Medien und Öffentlichkeit in der Realität nicht ganz so spektakulär, wie es der Thrillerfan gern hätte. All das hat Fincher mit seinem Film auf phantastische Weise auf die Leinwand transportiert und seine Aufgabe somit mit Bravour gemeistert. Alles weitere was ich an Lobeshymnen zu diesem Film anbringen könnte, haben Farman und LivingDead bereits mehr als treffend formuliert, so daß ich mir die Mühe des Nachplapperns sparen und mich deren Meinung anschließen kann. Aber in dem hellen Licht des cineastischen Filmsehers mischten sich für mich als Kenner des realen Falles auch einige herbe dunkle Schattenseiten, auf die ich nun näher eingehen möchte.

    Der größte Fehler Finchers war es, sich zu sehr auf die Sachbuchvorlage von Robert Graysmith zu velassen. Jener Figuar, die von Jake Gyllenhaal verkörpert wurde. Robert Graysmith und sein Buch sind zurecht bis heute ziemlich unumstritten, da sich Mr. Graysmith in einen Vordergrund drängt, den er zu Zeiten der Originalermittlungen nicht im entferntesten einnahmen. Zwischen den Zeilen läßt Fincher dies auch durchaus erkennen, was sich allerdings den Zusehern, die mit dem Fall nicht vertraut sind, nicht oder nur sehr schwer erkennbar offenbaren kann und wird. Im Zentrum der damaligen Ereignisse stand eben nicht Graysmith, sondern der von Robert Downey Jr. verkörperte Reporter Paul Avery. Zwischen ihm und dem Zodiac-Killer entwickelte sich ein ganz extremes Katz-und-Maus-Spiel, auf dessen Potential der Film leider nicht im entferntesten äquivalent eingeht oder eingehen kann, da eben die Storyline sich gnadenlos der graysmithschen Vorlage unterordnet. Auch dem Part des ermittelnden Inspektors David Toschi wird längst nicht der Rahmen zuerkannt, der ihm eigentlich gebühren würde. Somit werden auch viele der perfiden Spielchen, die der Zodiac-Killer mit der Polizei trieb, bestenfalls am Rande angerissen. Auch die im Rahmen der Ermittlungen in den Focus geratenen Verdächtigen, von denen es so einige gab, werden nur höchst ungenügend gestreift. So konzentriert sich fast alles auf den aus der Sicht von Graysmith Hauptverdächtigen Arthur Leigh Allen, der am Ende des Films quasi auch als lediglich nicht überführter Täter abgestempelt wird. Von den beiden weiteren stark Tatverdächtigen, Lawrence Kane und David Marshall, ist in dem Film allerdings kaum oder überhaupt nicht die Rede. Logisch, da die Sache für Graysmith ja eindeutig ist. Zu all diesen Punkten gäbe es noch viel zu sagen, was hier allerdings viel zu weit führen würde. Aber genau diese Punkte sind es, die mir während des Films in zunehmenden Maße sauer hochkamen und diesem bei mir persönlich letztendlich ganz große Weihen versagten. So bleibt für mich ein atmosphärisch fantastisch umgesetzter True-Crime-Thriller, der aufgrund seiner oben angesprochenen Mängel jedoch nicht über eine 8,5/10 hinauskommt.
     
  5. Count Dooku

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    AW: Zodiac - Die Spur des Killers

    Ich find den Film klasse, nur eine Szene fand ich nicht so gut.
    Als Zodiac bei seinem 2. Auftritt im Film die Frau absticht wirkt sieht das irgendwie seltsam aus.
     
  6. Despair

    Despair Filmvisionaer

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    AW: Zodiac - Die Spur des Killers

    Nachdem mir der Film beim ersten Anschauen nicht recht gefallen wollte, habe ich ihm nochmal eine Chance gegeben. Und siehe da - es hat funktioniert. Wenn man weiß, dass "Zodiac" überwiegend aus Dialogen besteht und man aufmerksam bei der Sache ist, fiebert man ordentlich mit. Trotzdem wirkt er gegen Ende hin etwas zerfahren. Ist aber definitiv eins von Finchers besseren Werken.

    Und wieder hat sich bewarheitet: manche Filme muss ich einfach zweimal bzw. in unterschiedlichen Gemütslagen sehen, um Gefallen an ihnen zu finden.
     
  7. BladeRunner2007

    BladeRunner2007 Filmvisionaer

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    AW: Zodiac - Die Spur des Killers

    Ich glaube das ist auch genau so beabsichtigt. Spiegelt doch nur wieder, was die Charaktere im Film erleben. Es gibt letztendlich keine eindeutige Auflösung und alle fühlen sich irgendwie vorm Kopf gestoßen. Für sie ergibt nichts mehr einen Sinn und man ist total in irgendwelchen wirren Gedanken verloren. Ist es wirklich wahr oder ist es nur wahr, weil man es unbedingt wahr haben will? Finde das Ende daher absolut geglückt.
     
  8. crizzero

    crizzero Filmvisionaer

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    AW: Zodiac - Die Spur des Killers

    Hat der denn jemals etwas Schlechtes gedreht? :confused:
     
  9. AW: Zodiac - Die Spur des Killers

    panic room war sehr schwach :bart:
     
    Zuletzt bearbeitet von - 28. Februar 2010
  10. BladeRunner2007

    BladeRunner2007 Filmvisionaer

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    AW: Zodiac - Die Spur des Killers

    Stimmt. Der hat mich auch schwer enttäuscht. Alien 3 aber leider auch.
     
  11. AW: Zodiac - Die Spur des Killers

    alien3 fand ich in der langversion eigentlich ok,auch wenns natürlich ein dato total anderer alien film war
     
  12. Agent Orange

    Agent Orange Tonmeister Mitarbeiter

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    AW: Zodiac - Die Spur des Killers

    So gehen die Meinungen auseinander, ich fand den auch sehr stark :rock:
    Alien³ gefällt mir im Director´s Cut auch sehr gut. Ist imho wesentlich besser als der 4. Teil
     
  13. Despair

    Despair Filmvisionaer

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    AW: Zodiac - Die Spur des Killers

    Für mich sind "Alien 3" und "Panic Room" seine schlechtesten Filme. Aber "schlecht" ist bei Fincher relativ.
     
  14. Count Dooku

    Count Dooku Walk of Fame

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    AW: Zodiac - Die Spur des Killers

    Ich konnte mich für "Benjamin Button" überhaupt nicht begeistern. Nach einer Stunde habe ich kapituliert.
     
  15. AW: Zodiac - Die Spur des Killers

    ja der war auch "hart" für mich persönlich, neutral gesehen war der film sicher gut gemacht,aber für mich war das nix

    nur panic room das war ja total 08/15
     
  16. crizzero

    crizzero Filmvisionaer

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    AW: Zodiac - Die Spur des Killers

    Ja, eben. Das sind durchschnittliche Filme, aber Schlechtes sieht anders aus.
     
  17. meix

    meix Leinwandlegende

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    AW: Zodiac - Die Spur des Killers

    Völlig unterbewerteter Film. Die Suche nach einem Killer ist weder actionreich, noch dramatisch stilisiert, sondern einfach nur prozedural erzählt. Und das ist spannend und einfach anders. Tolle Darsteller, wunderbar in Szene gesetzt und trotz 2,5 Stunden Laufzeit nie langweilig.
    Starke 8 von 10.
     
    Zuletzt bearbeitet: 11. November 2014
  18. Tarantino1980

    Tarantino1980 Screenplay Mitarbeiter

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    AW: Zodiac - Die Spur des Killers

    Den finde ich auch einfach nur Klasse.Wird zeit das ich ihn mir mal wieder ansehe aber ich mochte ihn damals schon, könnte mir aber vorstellen das er mitlerweile bei mir noch mehr zündet. Vieleicht reicht es ja sogar zur Höchstnote bei mir ;)
     
  19. Tarantino1980

    Tarantino1980 Screenplay Mitarbeiter

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    AW: Zodiac - Die Spur des Killers

    Gesagt getan. Es musste eine neue Sichtung her und was soll ich sagen, dieses mal muss ich einfach die Höchstnote vergeben. David Fincher hat hier wirklich einen atemberaubenden Film gedreht! Zwar ist es ein Thriller, aber die Tatsache das es sich um einen realen Fall handelt lässt ihn nochmal in einem ganz anderem Licht daherkommen als wenn es sich um eine fiktive Story handeln würde. Noch hinzukommt das Fincher perfekt die damalige Ermittlungsarbeit eines jeden einzelnen, der in diesem Fall ermittelt hat, sehr spannend und authentisch dargestellt hat. Ich bin froh das hier nicht versucht wurde Dinge groß zu verändern oder die Story etwas "spielfilmtauglicher" daher kommen zu lassen. Zugegeben der Film ist sehr dialoglastisch und man muss schon am Ball bleiben um die dadurch erzeugte Spannung warzunehmen. Audiovisuell ist es weiß gott nicht Finchers stärkster Film, wobei er es dennoch geschafft hat die damalige Zeitepoche bzw. den Zeitgeist gut einzufangen. Wobei ich ehrlich bin, bei der Sichtung hatte ich nicht das Gefühl einen Film aus dieser Zeit zu sehen, obwohl sich bei allen Details sehr viel Mühe gegeben wurde. Ich hatte eher das Gefühl, ich schaue mir einen Tatsachenbericht an welcher auf Fakten einer realen Geschichte basiert. Und genau das war bzw. ist für mich die ganz große Stärke des Filmes.

    Es wurde nicht krampfhaft versucht eine reale Story Hollywood Like zu verfilmen und an gewissen Passagen eben Spannungsbögen und Effekthascherei einzubauen um den Zuschauer damit zu blenden. Vielmehr wurde stellenweise sogar sehr nüchtern die damaligen Geschehnisse wiedergegeben. Insbesondere die Morde wirken sehr nüchtern. Keine Spannungsmusik, keine gefühlt zum hundersten Mal gehörte Monologe eines Killers oder Dialoge mit dem Opfer, sondern eher auch hier das Gefühl, dass es sich um eine Dokumentation handelt in der Schauspieler die Geschehnisse nachstellen, weil man auf der Suche nach einem Täter ist. Also um das Kind beim Namen zu nennen wie z.b. bei Aktenzeichen XY, nur natürlich auf einem ganz anderem Niveau und 1000 mal besser inszeniert versteht sich.

    Vom Cast her muss ich sagen das mir der Film, auch weil ich mitlerweile sowohl von Mark Ruffalo als auch von Robert Downey Jr. natürlich mehrere Filme kenne und beide als Schauspieler sehr schätze, sehr zusagt. Besonders gut, wobei das bereits damals bei meiner ersten Sichtung im Kino der Fall war, hat mir auch heute wieder Jake Gyllenhaal gefallen. Diese Rolle hat er wirklich perfekt gespielt! Der zu Anfang recht naiv wirkende Robert Graysmith, der im Laufe des Filmes immer bessesener von dem Fall wurde und es für ihn später sogar zur Hauptlebensaufgabe wurde für die er sogar in Kauf nahm, dass er von Frau und Kindern verlassen wurde, spielt er hier einfach sehr gut! Auch hier unterscheidet sich Finchers Werk natürlich sehr von einem 08/15 Hollywood Film. Das Privatleben von Garysmith wird recht kurz und bündig beleuchtet, die Suche bzw. der Versuch die Identität von Zodiac zu entschlüsseln steht ganz klar im Vordergrund. Wahrscheinlich wären einige andere Regisseure der Versuchung zum Erliegen gekommen und hätten hier ein paar sehr emotionale Szenen zwischen Robert und seiner Frau Melanie, übrigens auch sehr interssant gespielt von Chloë Sevigny, in den Film mit eingebaut oder eben ein paar herzergreifende Worte seiner Kinder die ihren Daddy vermissen. Menschlich kann ich es ehrlich gesagt auch nicht verstehen wie man, obwohl man eine tolle Familie hat und das Glück auf Erden sozusagen direkt in den eigenen vier Wänden hat, dennoch sich von soetwas so mitreißen lassen kann. Wäre Robert ein einsamer Mensch gewesen hätte ich es noch verstehen können das er anfällig ist sich mit sowas zu beschäftigen. Aber hier fehlt mir persönlich etwas das Verständnis warum er sich so tief hat in diese Welt der Spurensuche hat reinziehen lassen und dadurch nicht nur sein glückliches Familienleben auf Spiel gesetzt hat sondern es auch verloren hat.

    Aber so ist das wirkliche Leben nunmal, es passieren Dinge die nicht immer nachvollziehbar sind und Menschen handeln unlogisch, treffen Entscheidungen die man nicht nachvollziehen kann. Und genau darin liegt eine weitere Stärke des Filmes von David Fincher. Er hatte natürlich durch das Buch von Graysmith eine starke Vorlage für seinen Film, hat dennoch aber seinen Stil mit eingebunden, blieb aber zum Größtenteil bei den Fakten der realen Geschehnisse. Dinge wurden nicht aus inszenatorischen Gründen anders erzählt oder gar hinzugedichtet. Auch wenn man als Zuschauer natürlich immer bei Filmen mit einem offenen Ende sich etwas enttäuscht fühlt, so hält er sich eben schlicht und ergreifend an die Fakten. Ob es nun Arthur Leigh Allen war oder jemand anderes wird man wohl nach all den Jahren nie mehr herrausfinden. Vieles spricht für Leigh, aber auch einiges dagegen. Und wie bei allem in Leben, wenn man sich einmal an etwas "festgebissen" hat dann versucht man natürliches dieses immer mehr und mehr zu untermauern, am besten mit Fakten und Beweisen, aber wie auch der damalige ermittelnde Detective zu Graysmith sagte, übrigens eine saustarke Szene im Film, es sind alles nur Indizien. Natürlich sprechen all diese Fakten dafür das Leigh es war, aber es könnten auch nur sehr dumme Zufälle sein und die Tatsache, dass Graysmith eben, genauso wie viele andere, nicht nur zu nah an allem dran war, sondern eben auch besessen von diesem Fall war, kann es auch gut möglich sein das er einfach, um endlich mal wieder zu Ruhe zu kommen und seinen Seelenfrieden zu finden, glauben wollte das es Arthur Leigh Allen war.
     
    Zuletzt bearbeitet: 3. Dezember 2014
  20. Filmfan1972

    Filmfan1972 Leinwandlegende

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    AW: Zodiac - Die Spur des Killers

    Schöne Review... Kann dir in allem nur zustimmen.
    Für mich war die letzte Sichtung auch das erste mal überhaupt das ich ihn komplett am Stück gesehen hab. Ich fand ihn großartig.
    Keine Hetze sondern schön ruhig inszeniert.
    Und gerade das finde ich trägt einiges zur Spannung bei...
     
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