Tödliche Versprechen
Anna arbeitet als Hebamme in einer Londoner Klinik, als sie einen Notfall reinbekommt. Ein 14-jähriges Mädchen mit hohem Blutverlust wird eingeliefert. Das Baby kann sie retten, die Mutter leider nicht. Da die Mutter keinerlei Papiere bei sich trug, weiß man nicht, wenn man nun informieren soll. Der einzige Hinweis ist ein Tagebuch, welches allerdings auf russisch geschrieben wurde. In diesem Tagebuch befindet sich aber eine Visitenkarte eines russischen Restaurants. Sie hofft dort darauf Hinweise auf die Identität zu erlangen und stattet dem Inhaber einen Besuch ab. Er kann ihr zwar nicht weiterhelfen, bietet aber an das Tagebuch zu übersetzen, um dort etwaige Hinweise auf ihre Identität oder ihre Herkunft zu finden. Anna ahnt nur nicht, dass sie sich gerade mitten im Hauptquartier der russischen Mafia befindet und der nette Restaurantbesitzer der Pate ist, der sehr wohl weiß, wer das Mädchen war und um jeden Preis das Tagebuch haben will.
David Cronenberg drehte den Film im Jahr 2007 und legte ihn ähnlich an, wie den zuvor erschienenen "A History of Violence", was nicht nur mit Darsteller Viggo Mortensen zu tun hat. Der Film verfügt nämlich über eine ähnliche Ruhe und Erhabenheit, die immer wieder durch heftige Ausbrüche zur Explosion gebracht wird. Das Tempo ist also typisch Cronenberg, aber dennoch vermissen Hardliner seine älteren Filme. Zugegeben, man erkennt den Regisseur nicht sofort, aber dennoch ist der Film absolut fantastisch. Seine Erzählweise ist nach wie vor brillant und seine kreierte Atmosphäre mit seiner Bilddramaturgie einfach sehenswert. Ja, er besitzt vielleicht nicht mehr ganz den Impact, das man auch noch am nächsten Tag in seinen Welten verweilt, aber trotzdem ist "Eastern Promises" ein gänzlich gelungener Film, der wie sein Vorgänger den Vorteil besitzt, Zuschauer aus der Masse mitzunehmen. Besonders in Europa war der Film sehr erfolgreich und gilt heute als einer der besten Mafia Filme der letzten Jahrzehnte. Mit Armin Mueller Stahl als Paten, Naomi Watts als Anna, Vincent Cassel als Kirill und eben Viggo Mortensen als Nikolai, ist der Film natürlich auch wieder grandios besetzt, was ebenfalls ein Merkmal bei Cronenberg Filmen ist. Ständig findet man in seinen Filmen Darsteller, die perfekt in ihre Rollen passen und die sind in den Filmen des Kanadiers auch oftmals äußerst anspruchsvoll. Denn auch wenn der Mainstream mit "Tödliches Versprechen" besser umgehen konnte, als mit "Crash" oder "eXistenZ", ist es dennoch keine Dutzendware. Es ist ein Mikrokosmos, in den jemand von außen eindringt, ohne es zu wollen. Dabei absolut spannend und die Gewaltausbrüche sind kein Selbstzweck zum feiern, sondern punktgenau und passend. Hart aber nie drüber, um sie nicht mehr ernst zu nehmen. Dazu mit der Sauna eine ikonische Szene integriert, die Filmgeschichte geschrieben hat. Insgesamt also einfach ein weiterer Top Film von David Cronenberg!