Scanners
Meine allererste Begegnung mit David Cronenberg war "Scanners" und dies war in früher Kindheit. Nein, ich habe ihn damals nicht gesehen, aber ich stand andächtig vor dem Kino und starrte auf die Plakate und Aushangfotos. Der zerplatzende Schädel regte meine Fantasie an und der "kochende" Michael Ironside ebenfalls. Zusätzlich faszinierten mich die Bilder, da sie in einem "seriösen" Kino aushangen. Das bedeutete für mich, dass der Film verdammt gut sein muss, denn die Unterschiede zum hiesigen Bahnhofskino waren mir auch da bereits ein Begriff. Allerdings verstand ich es so, dass im Bahnhofskino die billigen Erotik- und Kung Fu Klopper liefen, gepaart mit dennoch interessanten Zombies und im anderen Kino die hochwertigeren Filme. Heute sehe ich das natürlich anders. Dennoch dauerte es noch einige Jahre bis ich den Film schließlich sehen konnte aber bis dahin hatten mich diese Aushangbilder nie losgelassen.
David Cronenberg legt den Film etwas anders an als die Vorgänger und näherte sich ein wenig dem Mainstream. Zumindest was die Sehgewohnheiten betraf, denn er ist deutlich zugänglicher. Inhaltlich bleibt er aber auch bei diesem Film eng mit seinem "Stereo" und seinem bisherigen Werk verbunden. Telepathische Kräfte waren schließlich auch 1969 eines der Themen, die ihn bereits zu Anfang seines Schaffens beschäftigten, weshalb ich hier ein öfter genanntes Aufspringen auf den Carrie-Zug, nicht teilen kann. Gleichzeitig verarbeitet er natürlich wieder medizinische Experimente und greift auch den Contergan-Skandal auf, den er mit einer wunderbar gestalteten Anzeige aus den 50er Jahren; für ein Präparat mit dem Namen Ephemerol in Szene setzt.
Der Film wirkt dennoch eher wie ein Thriller im Bereich Industriespionage und die eigentliche Ruhe des Films, wird zwischendurch von Action-Szenen unterbrochen. Allerdings leitet er dann in ein für diese Zeit typisches Cronenberg-Finale und knallt uns einige wirklich wahnsinnige Bilder um die Ohren, die man nicht vergessen kann. Auch wenn "Scanners" wirklich leichter zu konsumieren ist als die Vorgänger, ist der Film absolut sehenswert und auch ein wichtiger Schritt in der Filmographie des Regisseurs. Mit Michael Ironside und Jennifer O`Neill, die ich in "Die sieben schwarzen Noten" von Lucio Fulci bereits ins Herz geschlossen hatte, auch sehr gut besetzt, liefert der Film eine hochinteressante Geschichte, eine Menge Spannung und unglaubliche Effekte. Zudem ist der Score von Howard Shore dazu hervorragend, der auch mit vielen elektronischen Experimenten, die Stimmung des Films bestens unterstreicht. Klasse Film, der Freunden des Sci-fi Horrors Ende der 70er, Anfang der 80er absolut gefallen müsste.