Rubber

ma(c)festus

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Gesamtübersicht aller Kritiken zu Rubber:

#02 09.08.11 ma(c)festus
 
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ma(c)festus

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Rubber


Anfangs wirkt der Film fast peinlich und billig. Der Statist der den Reifen schiebt, ist im Schatten teilweise zu erkennen. Der Reifen ist nicht animiert, sondern echt und zu jeder Zeit ist klar, dass er kein Eigenleben hat. Mit der Zeit allerdings bessert sich der Eindruck, vorallem aber entwickelt der Film echten Trash-Charme. Bereits die Anfangsszene lässt erahnen, was auf dem Zuseher erwartet.
Reine Willkür
Bereits der Anfang ist so ungewöhnlich und verwirrend, denn aus dem Kofferraum eines Autos mitten in der Wüste steigt ein Sheriff aus, und lässt sich vom Fahrer ein Glas Wasser reichen. Dann erklärt er uns über grundlose filmische Eigenheiten auf, schüttet dann das Glas aus und steigt wieder in den Kofferraum. Dann schwenkt die Kamera auf eine Gruppe von Menschen. Das Publikum das dafür bezahlt hat, verbringt mehrere Tage mit Ferngläsern in der Wüste. Diese Personen stellen sich auf eine Anhöhe, und schauen durch ihre Ferngläser. Weitere Erklärung gibt es nicht. Sofort suchen alle die Wüste ab, doch viel scheint dort nicht zu passieren. Aber halt, dort da hinten bewegt sich ein Reifen, ganz von alleine es ist Robert ....
Kühl und distanziert wie das echte Publikum auch ist, amüsieren sich köstlich über die Mordlust von Robert. Speziell in der ersten Hälfte des Films reihenweise unlustige Floskeln von sich geben. Kommentieren teilweise sogar was der Reifen gerade macht, obwohl jeder Zuschauer das selbst sehen und verstehen kann.
Betreut werden sie von einem seltsamen Typen, der schließlich die Leute vergiftet. Damit wär die Handlung und somit auch der Film endet, nur einer konnte sich dem entziehen. So läuft zum Entsetzen von Sheriff Chad der Plot weiter, und will seine Kollegen davon zu überzeugen,dass doch alles nur ein Fake sei.
Die ganze Story ist unberechenbar. Wer zu einen Zeitpunkt endlich glaubt das man den Film verstanden hat, und meint was demnächst passiert, wird prompt vom Gegenteil wieder überzeugt. Der Film soll nicht verstanden werden.
Dieser Film ist etwas ganz besonderes, dass es nicht alle Tage zu sehen gibt. Man könnte sogar soweit gehen zu sagen, dass sich hierin nicht nur ein Konzept sondern vielmehr ein Kunstwerk verbirgt. So absurd die Vorstellung eines Autoreifens als Hauptdarsteller auch wirken mag, es funktioniert tatsächlich.
Ungeniert lässt dieses Ding alles Mögliche explodieren, hauptsächlich Menschen, und rollt sich seinen Weg durch den Film. Aber der eigentliche Clou dahinter ist die Einbettung eines Publikums in den Film, der solange weiterläuft, bis auch der letzte Zuschauer das Zeitliche gesegnet hat. So entsteht eine völlig paradoxe Ebene aus real und einer eigentlich irrrealen Handlung des filmischen Plots, die aber nebeneinander in einer surrealen Welt parallel ablaufen. Eine solche Inszenierung ist nicht nur grotesk sondern auch wahnsinnig komisch wie unterhaltsam. Auch wenn in aller Ausführlichkeit die Erweckung eines Reifens mit schier endlosen Nahaufnahmen ins Absurde geht.
Rubber ist nie und wird langweilig. Einzig bei der Art des tötes hätte man viel kreativer sein können. Die Morde sind nach einer gewissen Zeit ein bisschen zu eintönig.
Das Herz wird jedem Trash-Film-Fans sofort aufgehen. Nichts ist vorhersehbar, er sprüht gerade vor Humor. Er wirft einen sarkastischen Blick auf unsere Gesellschaft, ohne dabei politisch zu werden.
Ein B-Movie Produktionen mit viel Herzblut!

Wertung 9 / 10 Punkten
 

Cable

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AW: Rubber

Zuerst mal schön die wieder hier zu lesen Ma(c)festus! Und ein tolles Preview, auf den Film hatte ich auch schon Lust und werde den jetzt wohl in nächster Zeit mal in die Sammlung wandern lassen.
 

Evil_Gonzo

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AW: Rubber

ich hatte die Limited Edition schon öfters in der Hand und stand kurz vor nem Blindkauf. Bin weiterhin am überlegen, da der aktuelle Preis auch ganz ok ist.....
 

kelte

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AW: Rubber

ich hatte die Limited Edition schon öfters in der Hand und stand kurz vor nem Blindkauf. Bin weiterhin am überlegen, da der aktuelle Preis auch ganz ok ist.....
ich habs irgendwie in den Eiern, das genau wir beide das Zielpublikum für den Film sind ;)
nur das der Film bei mir schon im Regal wilde Gummispiele treibt...
empfehlung,- aber der Film ist eigensinnig :hoch:
 

Leatherface

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AW: Rubber

schnell mal meine ersten Eindrücke nach der Sichtung hier reinkopiert:)

Killer-Reifen mit telekinetischen Kräften on tour:lol::rock:
Rubber
alles reine Willkür; ein Spiel mit dem in dem Film eingebundenen Publikum; ein Reifen, der es vermag Emotionen zu wecken und alles endet da wo der Mainstream herkommt. Ein grandioser Streifen:hoch:
4,5/5
 

TheBjoern

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AW: Rubber

Ich hab' Rubber auch vor ein paar Wochen gesehen. Der Film hat mir auch überraschend gut gefallen. So beginnt der Film damit, dass doch so vieles reine Willkür sei und dass dieser Film eine Homage an die besagte Willkür darstellen soll, so war doch der Film alles andere als willkürlich. Der Film hat einen tieferen Sinn und will dem "Zuschauer" doch eine Botschaft übermitteln.
Welche das aber genau ist, so bin ich noch dabei diese genau zu erkennen. :denk:
 

Willy Wonka

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AW: Rubber

Der Film beginnt ungewöhnlich, verstrickt sich in verschiedene Realitätsebenen und überzeugt vor allem darin, dass der Film sich selbst nicht ernstnimmt.

Die konsequente Darstellung des Reifens, die krampfhaft darauf ausgelegt ist, menschlich zu wirken, ist für mich der größte Kritikpunkt am Film, denn der Film bietet in dieser Hinsicht kaum Variationen und spielt lediglich mit ein paar Genreklischees. Selbst die Mordszenen bieten keine Abwechslung und langweilen auf Dauer. Das besondere am Film ist für mich das Spiel mit den verschiedenen Wahrnehmungsebenen und die Integration des Zuschauers als eine weitere Figur im Film.

Die direkte Thematisierung der Willkür kann dem Film aber auch als plakativ ausgelegt werden, denn in den letzten Wochen und Monaten habe ich weitaus absurdere Filme gesehen, die nicht so offensichtlich in ihrem Thema werden und viel subtiler die Synapsen des Zuschauers fordern. Als Beispiel sei nur der grandiose „Holy Motors" von Leos Carax genannt oder „Affentraum" von Marco Ferreri. Doch im Gegensatz zu diesen Film kokettiert Regisseur Quentin Dupieux bei „Rubber" nicht mit dem künstlerischen Film, sondern viel mehr mit Genrefilmen, B- und Trash-Movies und genau das gelingt ihm meiner Meinung nach sehr gut.

Wer mehr über Interpretationen und Intentionen des Regisseurs Quentin Dupieux erfahren möchte, sollte sich unbedingt das Interview auf der DVD/Blu-ray ansehen. :D
 

TheBjoern

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AW: Rubber

Die direkte Thematisierung der Willkür kann dem Film aber auch als plakativ ausgelegt werden, denn in den letzten Wochen und Monaten habe ich weitaus absurdere Filme gesehen, die nicht so offensichtlich in ihrem Thema werden und viel subtiler die Synapsen des Zuschauers fordern. Als Beispiel sei nur der grandiose „Holy Motors" von Leos Carax genannt oder „Affentraum" von Marco Ferreri.

Ich glaube da vergleichst du Äpfel mit Birnen. Dein aktueller Filmkontext ließ aber wohl kaum eine andere Perspektive zu. Für ein Genre Film ist der aber nicht schlecht und bot in meinen Augen doch Neues. Allen voran die Einbindung des Zuschauers, wie du es bereits erwähnt hast, ist für mich die beste Idee am ganzen Film.

Wer mehr über Interpretationen und Intentionen des Regisseurs Quentin Dupieux erfahren möchte, sollte sich unbedingt das Interview auf der DVD/Blu-ray ansehen. :D

Oh ja, mir wurden da noch viele Sichtweisen eröffnet. :D
 

Tony Soprano

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AW: Rubber

FInde die Übersetzung der Synchro von "no reason" in "reine Willkür" schon nicht gelungen.
Gefallen hat mir die Referenz auf das Kinopublikum, das alles frisst, egal was es ist und Filme auch noch feiert. Alles in allem war der Film 20 Minuten zu lange und zu verkrampft witzig, als dass er bei mir mehr als 5/10 Punkten bekommen würde. Der Reifen kann so lange das Publikum nicht beschäftigen. So z.B. wirkt die Geschichte mit dem Typen, der aus Versehen das vergiftete Essen selber isst und dann von seinem Leben erzählt nur deplatziert und gezwungen.
Netter Film von Quentin du pneu, aber kein Kracher.
 

Willy Wonka

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AW: Rubber

FInde die Übersetzung der Synchro von "no reason" in "reine Willkür" schon nicht gelungen.

Für mich gäbe es aber keine bessere Alternative.

Gefallen hat mir die Referenz auf das Kinopublikum, das alles frisst, egal was es ist und Filme auch noch feiert. Alles in allem war der Film 20 Minuten zu lange und zu verkrampft witzig, als dass er bei mir mehr als 5/10 Punkten bekommen würde. Der Reifen kann so lange das Publikum nicht beschäftigen.

Ja, bezüglich der Laufzeit gebe ich dir Recht. Wobei es sich dann beinahe schon um einen Kurzfilm handeln würde und dieser würde dann wieder weniger Menschen erreichen...

So z.B. wirkt die Geschichte mit dem Typen, der aus Versehen das vergiftete Essen selber isst und dann von seinem Leben erzählt nur deplatziert und gezwungen.

Reine Willkür. ;)
 

Tony Soprano

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AW: Rubber

Naja, alleine schon "Nur so" oder "Ohne Grund" hätte besser gepasst.
Willkür impliziert ja doch noch eine gewisse Absicht dahinter und in dem Film sollten Dinge "for no reason" geschehen. Somit hast du vielleicht Recht, aber der Film hatte zu sehr "reason", als dass ich ihm sein "no reason" abkaufe. Und deshalb war der FIlm langweilig und überflüssig. In meinen Augen :D
Wenn dann in den Extras der Zuschauer auch noch vom Regisseur verarscht wird, dann ärgert mich das doppelt. Dann soll er sich nen anderen Job suchen, als mr nen Kunstfilm vorzuklatschen, der keiner sein soll ;)
 
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Willy Wonka

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Aber diese Wörter sind im deutschen Sprachgebrauch viel zu inflationär benutzt. „Reine Willkür" habe ich bislang sehr selten vernommen und allein aus diesem Grund klingt es für mich im Film schon phonetisch besser. Außerdem wird die Sprache durch das häufige Wiederholen ein wenig rhythmisiert und für mich klingt die Wiederholung von „Reine Willkür“ einprägsamer als die Wiederholung von „Nur so“ oder „Ohne Grund“.
 

Tony Soprano

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AW: Rubber

Willy. "No reason" hat aber mit "reiner Willkür" nichts zu tun. Es ist schlicht und einfach falsch übersetzt! Somit interpretierst du in etwas, was der Regisseur nicht wollte ;)
 

Willy Wonka

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AW: Rubber

Wenn dann in den Extras der Zuschauer auch noch vom Regisseur verarscht wird, dann ärgert mich das doppelt. Dann soll er sich nen anderen Job suchen, als mr nen Kunstfilm vorzuklatschen, der keiner sein soll ;)

Gerade das fand ich gelungen, denn der neugierige Zuschauer (mich eingeschlossen) will ja unbedingt wissen, welche Intentionen der Regisseur hatte. Heutzutage werden die Regisseure für das Bonusmaterial beinahe gezwungen Interpretationen für den Film zu liefern. Das war vor dem DVD-Zeitalter nicht so extrem ausgeprägt.

PS: Der Mann hat auch noch einen anderen Job, denn das Filmemachen scheint er nur aus Lust und Laune zu machen. Hauptberuflich ist er mehr als Mr. Oizo unterwegs. :D
 

Willy Wonka

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Willy. "No reason" hat aber mit "reiner Willkür" nichts zu tun. Es ist schlicht und einfach falsch übersetzt! Somit interpretierst du in etwas, was der Regisseur nicht wollte ;)

Also eine kleine inhaltliche Verbindung besteht jedenfalls. ;) Außerdem versuche ich nur eine mögliche Argumention des deutschen Synchronregisseurs zu finden und nicht vom eigentlichen Regisseur des Films. :D
 

Tony Soprano

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AW: Rubber

Also eine kleine inhaltliche Verbindung besteht jedenfalls. ;) Außerdem versuche ich nur eine mögliche Argumention des deutschen Synchronregisseurs zu finden und nicht vom eigentlichen Regisseur des Films. :D

Was beweist, dass sich der Synchronregisseur nen Scheiß um das Original gekümmert hat :D


PS: Der Mann hat auch noch einen anderen Job, denn das Filmemachen scheint er nur aus Lust und Laune zu machen. Hauptberuflich ist er mehr als Mr. Oizo unterwegs. :D

Ja, das kann er. Da sollte er bleiben ;) Habe aber auch noch keinen seiner anderen FIlme gesehen. Immerhin soll ja Wrong ein wenig besser sein. Mal schauen, ob ich mir den mal vom Verleihshop order ;)
 
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