Ronin

Dieses Thema im Forum "Kurzkritiken und Diskussion" wurde erstellt von crizzero, 8. Dezember 2008.

  1. crizzero

    crizzero Filmvisionaer

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    Gesamtübersicht aller Kritiken zu Ronin:

    #02 08.12.08 Farman
     
  2. crizzero

    crizzero Filmvisionaer

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    AW: Ronin

    Kritik von Farman

    Ronin

    Ein völlig unverschämter Filmtitel.
    In der japanischen Geschichte, oder eher in ihrer Mythologie, ist der Ronin kurz gesagt ein entehrter Samurai, ein herrenloser Krieger, der -um es anhand der Mythologie moderner Popkultur auszudrücken- zwischen der guten und der bösen Seite der Macht schwankt, und der sich rituell "reinigt", weil er merkt, dass er eher der bösen Seite angehört - oft durch Selbstmord oder eine letzte Aufrechterhaltung eines Ideals (was in Japan miteinander einhergeht).
    Einst, irgendwann, merkte man im Westen, wie sehr der Samuraimythos den ihrigen Männergeschichten steht und er wurde hip, als existentialistischer Machismo. Trotz Pearl Harbor.

    Bei diesem Film handelt es sich um eine Mischung aus Gangster- und Agentenfilm, der handwerklich einen auf OldSchool-Actionfilm macht und wohl deshalb auch bei vielen so beliebt ist. Die altmodische Art, Verfolgungsjagden zu verfilmen, ohne effekthascherischen digitalen Firlefanz, war erfrischend neu und hier durch seine technisch perfekt realisierte Unmodernität sehr modern. Eingebettet sind die Momente von ekstatischem Geschwindkeitsrausch in eine solch hanebüchene Verstrickungsgeschichte, dass einem schnell die Lust fehlt, sich einfach zurückzulehnen, anzuschnallen und sich primär auf das Kribbeln im Magen bei plötzlicher Beschleunigung zu konzentrieren.
    Diese Verstrickungsgeschichte, die in etwa so aufregend ist wie ein Strickabend, und von der man anfangs noch glaubt, sie basiere -wie der Filmtitel es suggeriert- auf den Mythos des "Ronins", entwickelt sich von einem Film über unmoralische Herumtreiber auf der Suche nach dem schnellen Geld (die natürlich alle besessene Profis sind), zu einem glatten Polit-Quark. Dass Frankenheimer diesen Filmtitel wählt, ist ein ganz bedeutendes Zeugnis für die hundsdämliche Willkür dieses Films seinem Stoff, seinem Mythos, seinen Charakteren gegenüber.

    Warum man diesen Film so hoch gelobt hat, ist mir wirklich ein Rätsel. Selbst De Niro ist unerträglich. Mit penetrant-überhöhtem Hintergrundgedudel wird er als streetwiser Professional eingeführt um ihn am Ende zum Helden zu machen. Diese Entwicklung alleine kann ja erträglich sein, wenn nicht alles so offensichtlich klischeehaft vonstatten gehen würde. Ganz peinlich wird es, wenn er im Haus von einem Freund, der ihn nach einer Verletzung verarztet, einen älteren Herren trifft und bedeutungsschwangere Phrasen über die Legende der Ronins mit ihm austauscht. Als würde der Film sich selber parodieren.
    Jean Reno exisistiert in diesem Film so gut wie gar nicht. Es ist bei ihm in etwa so, als würde man einem Statisten die zehnfache Leindwandszeit geben, am Ende darf er sogar aus heiterem Himmel aus dem Off sprechen, um eines der beknacktesten Enden der letzten Jahrzehnte nochmal mit einer gehörigen Überdosis Nachdruck der absoluten Lächerlichkeit preiszugeben.

    Fazit: Außer stagnierenden Verfolgungsjagden, die nur anfangs begeistern, ist dieser mythisch erhöhte Groschenroman einfach nur ärgerlich und zudem noch stinklangweilig. Naja, wer's mag...
     
  3. tikiwuku

    tikiwuku Filmvisionaer

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    AW: Ronin

    oh ha! Da gehen die Meinungen aber weit auseinander.

    Ich finde den Film nämlich großartig! So banal die Geschichte auch ist, so toll und spannend ist der Film inszeniert.

    Aber Geschmäcker sind verschieden! ;)
     
  4. crizzero

    crizzero Filmvisionaer

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    AW: Ronin

    Ich liebe diese Kritik von Farman! Sie zeigt auf, wie kritisch man einen Film betrachten kann, der in der Allgemeinheit auf der gutbewerteten Seite steht. Und das mit durchweg nachvollziehbarer argumentativer Gewalt. Mich hat er jedenfalls so ziemlich überzeugt. Auch wenn ich "Ronin" nicht so furchtbar schlecht finde wie Farmanio, habe ich im Nachhinein eingesehen, dass der Streifen doch etwas arg fadenscheinig daherkommt. Ist aber nur meine persönliche, von Farmans Kritik damals nachhaltig veränderte Sichtweise auf den Film.
     
  5. Travis

    Travis Regie Mitarbeiter

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    AW: Ronin

    Ganz so extrem langweilig wie du, Farman, empfinde ich den Film nicht. Liegt vielleicht daran, daß ich ihn gleich nach seiner Veröffentlichung sah und von Kritiken noch völlig "unbefleckt" war.Aber von sooo genial, wie er heute teilweise dargestellt wird, ist er auch meiner Meinung nach meilenweit entfernt.In den meisten Punkten stimme ich dir zu. Die Handlung ist schon erschreckend zusammengeschustert und ohne große gedankliche Leistung extrem konstruiert. De Niro ist fast nur ein Schatten seiner selbst und dessen Potential wird von Frankenheimer erbärmlich verschenkt. Reno gibt einen besseren Pausenclown. Ronin als Titel ist, in dieser Umsetzung, ein glatter Ettikettenschwindel. Und das Finale ist mit unbefriedigend noch wohlwollend umschrieben. Soweit alles richtig und auch meine Sicht der Dinge.

    Somit habe ich, nach spätestens einer halben Stunde die Notbremse gezogen und das Hirn abgeschaltet. Danach konnte ich mich auf bescheidener Ebene dennoch ganz gut unterhalten lassen. zu mehr, hat es dann allerdings dann auch nicht gereicht. Das der Film im Laufe der Zeit geradezu Kultstatus erhielt und als Meisterwerk abgefeiert wurde, kann ich auch nicht wirklich nachvollziehen. Solider, unlogisch konstruierter Actioner, mit tollen Autoverfolgungen aufgeppter Unterhaltungsfilm trifft es imo am besten.
     
  6. Tarantino1980

    Tarantino1980 Screenplay Mitarbeiter

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    Einfach phantastisch was John Frankenheimer hier auf die Leinwand zauberte. Robert De Niro und Jean Reno in einem Film ist schon ein Grund genug diesen Film zu lieben. Aber auch die komplette Inszenierung ist gigantisch! Ich habe den Film damals sogar im Kino gesehen, obwohl ich da sogar etwas enttäuscht war, was aber auch daran lag, dass ich zum Zeitpunkt der Erscheinung gerade mal 18 Jahre alt war und sich mein Filmgeschmack da noch etwas gewandelt hat in den kommenden Jahren. Aber die Zweitsichtung damals auf DVD war schon eine Offenbarung für mich. Und auch die heutige Sichtung, das erste mal in HD, zeigt mir das solche Filme nur noch sehr selten gemacht werden. Wer ihn tatsächlich noch nicht kennen sollte muss auf jeden Fall einen Blick riskieren!

    Wertung: 9/10
     
  7. Russel Faraday

    Russel Faraday Filmgott

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    So etwas wird heute einfach nicht mehr gedreht.
     
  8. Tarantino1980

    Tarantino1980 Screenplay Mitarbeiter

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    Zumindest in dem Genre nicht bzw. sehr selten. In Ronin gibt es halt einen schönen Mix aus Thriller, Krimi und Action und dann natürlich noch mit einem Cast den man heute so auch nur schwer zusammen bekommt. Immerhin reden wir hier über Robert De Niro und Jean Reno, beide noch zu Zeiten wo man sich nicht vorstellen konnte einen Film mit einem von Beiden zu sehen der richtig schlecht ist. Die Zeit hat uns dann leider eines besseren belehrt. Aber zum Glück gibt es ja noch solche Perlein wie z.B. Ronin wo es einfach nur ein Hochgenuss ist den beiden zuzusehen!
     
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