Nach einem sehr interessanten Film/Geschichtsrecherche Abend gestern, melde ich mich jetzt auch einmal hier zu Wort!
Ich muss auch zu meiner Schande gestehen das der Film bis zum Jahr 2021 komplett an mir vorbeigegangen war. In diesem Jahr bekam ich von einem sehr lieben Freund, beim Wichteln, ihn auf Blu-ray zugewichtelt. Aber wie leider so häufig bei meinem Hobby, ist er auch da wieder aus meinem Hauptfokus gerückt. Aber zumindest, da ich wusste das besagter Freund meinen Filmgeschmack sehr gut kennt, habe ich ihn nicht ganz nach hinten wieder geschoben hatte und sogar, mal bei einem recht guten eBay Angebot, mir das Capelight 4K Book auch gesichert, was auf jeden Fall auch kein Fehler war!
Bevor ich näher auf den Film eingehe, vorab nochmals meinen Dank an Die wilde 13 der mir mit seinem Wichtelgeschenk diesen Film auf jeden Fall sehr nah gelegt hat und natürlich auch an deadly, der mit seiner schönen KK den Film erneut wieder in meinen Fokus rückte, so das ich nun Nägel mit Köpfen gemacht hatte und ihn mir angeschaut habe.
Die Zutaten versprachen schon großes. Ich mag Historienfilme, ich mag Geschichte und auch mit französischen Filmen, wobei es sich hier ja auch im eine Coproduktion der Länder Deutschland, Frankreich und Italien handelt, kann ich sehr viel anfangen Eine hervorragende Mischung, was das Ergebnis als solches auf jeden Fall erklärt!
Französische Geschichte dürfte wahrscheinlich nicht bei jedem im Fokus stehen, aber der Film hat es absolut in sich.
Der Film hat es auf jeden Fall in sich. Auch wenn es mir hier auch schwer fällt das Wort "unterhalten" zu verwenden, so ist es aber genau das was gestern Abend auch bei mir der Fall war. Schon bei den ersten Bildern war ich sofort gefangen in der Atmosphäre und der Zeitepoche, welche der Film sehr gut eingefangen hat. Ich mochte es sehr das Frankreichs Straßen, so wie man sie sich zumindest in diesem Jahrhunder vorstellt, schön dreckig dargestellt wurden. Keine Hochgalnzoptikt oder gemachten Nägel. Selbst auf solche Details wurde geachtet das auch mal Frauen dreckige Finger hatten und nicht so aussahen, also ob sie gerade frisch aus der Dusche kamen.
Auch durch eine großartige Garde an Darstellern ist dieses dunkle Kapitel der Vergangenheit absolut sehenswert. Eine unglaubliche Isabell Adjani ist hier zu sehen und wird von Daniel Auteuil, Asia Argento und Thomas Kretschmann unterstützt, um nur ein paar der Namen zu nennen.
Die Darsteller waren einfach absolute spitze.
Isabelle Adjani hat die Rolle der Margarete "Margot" von Valois wirklich hervorragend gespielt. Der Wandel von der freigeistigen offenen und sexuell sehr offenen Frau hin zu einer Person die sich offenbar das erste mal richtig verliebt hat, aber auch versucht partei zu ergreifen für die Sache, war sehr interessant anzusehen. Aber auch
Vincent Perez,
Daniel Auteuil und
Asia Argento, wenn letztere leider in einer eher kleineren Rolle, haben mir sehr gut gefallen.
Die literarische Vorlage dazu stammt von Alexandre Dumas, der sich natürlich der echten Geschichte angenommen hat, aber eben auch ein wenig veränderte.
Den Roman kenne ich nicht und ich habe auch gestern erst angefangen mich wirklich mit den realen geschichtlichen Hintergründen zu beschäftigen.
Ich hatte jedoch während der Sichtung des Filmes bereits die Vermutung, dass die Liebesbeziehung zwischen Margot und La Mole eher fiktional anzusehen ist und auf keinem realen Hintergrund beruht. Nachdem ich den Film gesehen hatte, habe ich viel gegoogelt und mich in diese Zeitepoche etwas eingelesen, was auch schnell dazu führte, dass es zwar die reale Person
Joseph Boniface de La Mole gab, dieser aber kein Protestant war, sondern sogar Katholik und es zumindest keine belegte Liebesbeziehung zwischen ihm und ihr gab und erst recht keine Rettungsaktion in der Bartholomäusnacht gab. Aber aus filmdynamischer Sicht war es für mich absolut nachvollziehbar, das man diese Figur so angelegt hat, da er für mich halt auch zum "Gesicht" der protestantischen Bewegung wurde und durch die Liebe zu Margot natürlich auch ein absoluter Symphatieträger für mich, da es im Grunde auch den Fehler der "Bluthochzeit" zwischen
Margarete von Valois und
Henri de Navarre sehr genau aufdeckte. Beide Lager, also Katholiken und Protestanten wussten das es nur eine arrangierte Hochzeit, ohne Liebe und vorallem ohne gemeinsames Ziel war. Nur die Tatsache das eine Katholikin eine Protestanten heiratet wird sicherlich nicht so einen großen Glaubenskrieg beenden. Dazu hätten sich beide aufrichtig lieben müssen und als Botschafter in ihren Lagern fungieren müssen. Das wäre, zumindest im Film, sicherlich möglich gewesen wenn das Volk und somit beide Lager diese Liebe zwischen Margot und La Mole gesehen hätten und er es gewesen wäre, den sie geheiratet hätte.
Regisseur Patrice Chereau begeht aber den "Fehler" sich ein wenig zu sehr auf die Geschichtskenntnisse seiner Zuschauer zu verlassen. Ist aber auch legitim, denn im Erscheinungsjahr 1994 war es noch nicht wie heute an der Tagesordnung, dem Publikum alles wie einem Säugling beizubringen, sondern setzte einfach Interesse am Thema voraus.
Eigentlich bin ich zwar kein großer Freund von so sätzen wie "Früher war alles besser" aber in Bezug auf Filme muss ich dies einfach so sagen! Ich habe dieses Jahr schon einige neue Produktionen gesehen und mal davon abgesehen das viele von mir recht schlecht bewertet wurden, hat es kein Film in diesem Jahr bisher geschafft, was gestern
Die Bartholomäusnacht geschafft hat. Ich war total im Bann, der Film hat mich absolut gefesselt und selbst nach der Sichtung verspürte ich noch einen großen Drang mich mit dem Thema zu beschäftigen, was ich auch getan habe!
Und genau da liegt eben der Unterschied. Solche Filme werden heutzutage so gut wie nicht mehr gemacht. Wäre dieser Film heutzutage gedreht worden hätte man erst einmal eine Eröffungsszene mit Sprecher aus dem Off bekommen oder, vielleicht noch schlimmer, die Personen hätten es in Dialogen dem Zuschauer sozusagen auf dem Silbertablett serviert in "bester" Soap Opera Art, wer sie sind und was sie vorhaben und was die nächsten Schritte sind! Furchtbar diese Art von Erzählung. Ich empfinde sie einfach als Beleidung an den Zuschauer, da vorrausgesetzt wird das man dumm ist und Zusammenhänge nicht selber erkennen kann und was noch viel schlimmer ist, das vermutet wird, dass der Zuschauer ohnehin kein Interesse daran hat Dinge für sich einzuordnen und zu interpretieren. Aber genau das macht doch den Reitz eines guten Filmes aus, das jeder ihn für sich wahrnimmt und interpretiert. Sicherlich gibt es ein paar Dinge die als absolut in einem Film dargestellt werden, also Fakten gebildet werden von der Erzählung. Aber es sollte immer genügend Stellen geben wo man als Zuschauer selber entscheiden kann ob man auf dieser oder jener Seite steht und wie man das Gesehene einordnet.
Im Heimatland war er natürlich absolut erfolgreich, aber in den USA spielte er lediglich 2 Millionen Dollar ein, was eben wahrscheinlich an "HÄH?" lag.
Das hast Du sehr schön zusammengefasst. Ich denke einfach mal die Art der Inszenierung und das Thema als solches war einfach nicht kompatible mit dem US Markt. Dafür hätte
Patrice Chéreau weniger Dialoge und die Schlachten größer und epischer inszenieren müssen, damit dort eventuell ein Publikum gefunden worden wäre. Außerdem hätte z.B. dann die Rolle von Henri deutlich heldenhafter geschrieben worden müssen, der quasi im alleingang die Katoliken bezwingt. Wäre ein vollkomme anderer Film geworde. Zum Glück wurde der Film nicht in den USA gedreht und produziert!
Dennoch klar zu sagen, dass die "Bartholomäusnacht" kein Mainstreamer ist, den man als Heldensage mit tollen Schlachten konsumiert. Eher sinnloses Abschlachten, dass nie heroisch anzusehen ist, behält hier die Oberhand.
Genau das fasst es sehr gut zusammen. Gerade die Bartholomäusnacht wurde ja wirklich sehr düster, kühl aber dadurch ebend auch brutal wirkend inszeniert, jedoch ohne Effekthascherei. Keine große epische Musik, keine klar erkennbaren Helden im Gefecht oder sonstigen epischen Elemente wurden verwendet um hier den begeisterten Actionfan vielleicht doch noch mit abzuholen. Aber genau in sowas liegt für mich der Reitz des Filmes und das Besondere was ihn anders macht. Er zeigt den absoluten Wahnsinn der damals in den Hugenotten Kriegen ausgelebt wurde. Krieg ist meiner Meinung nach immer unnütz und fanatisch, aber gerade bei Glaubenskriegen finde ich es noch schlimmer. Wenn dann sogar noch, wie es damals der Fall war, beide Lager im Grunde eine sehr ähnliche Glaubensrichtung haben, es eher nur um das Verständnis geht wie dieser Glaube gelebt und umgesetzt wird, es aber beides christliche Glaubensrichtungen sind, ist es nochmal viel unvorstellbarer. Und genau diese unnötige Härte und Gewalt wurde hier sehr eindrucksvoll, ohne das es in "Gemetzel" ausartet, dem Zuschauer unverblümt präsnetniert. Und spätestens als dann Margot für La Mole Partei ergreift, sich hier dann die Liebe zwischen den beiden abzeichnet, ist man als Zuschauer Mitten im geschehen. Allerdings haben mich die Szenen als dann später die Opfer dieser Nacht in Massengräbern zusammengeworfen wurden zutiefest berührt. Das fühlte sich so real an, einfach furchtbar was während dieser Zeitepoche da im Namen des Herrn gemacht wurde.
Der Film ist toll fotografiert, mit wunderbaren Locations durchsetzt und liefert Ausstattung und Kostüme zum Zunge schnalzen.
Es gibt soviele tolle Szenen, gigantische Locations und authentische Kostüme. Aber alleine schon bei der "Bluthochzeit" sieht man, wie dominant und präsent die katholische Kirche dargestellt wurde. Es war einfach nur angsteinflößend wie nüchtern diese Hochzeit inszeniert wurde. Hier war schon direkt klar, es ist kein freudiges Ereignis, hier heiraten nicht zwei Leute aus Liebe, sondern weil sie dazu gezwungen wurden. Anfangs hatte ich sogar noch etwas Mitleid mit Henri als Margot meinte er solle bloß nicht nachts zu ihr kommen. Aber im Laufe des Filmes konnte ich dies natürlich viel besser einordnen und verstehen. Und der Weg vom Altar raus aus der Kirche war beängstigend Lang, aber zeigte sehr deutlich auf wie die Situation war.
Beeindruckende Geschichtsstunde, bei der aber tatsächlich Vorkenntnisse absolut hilfreich sind.
Absolut. Allerdings, so wie in meinem Fall, funktioniert es auch sehr gut wenn man mit quasi null Vorkenntnissen über diese Nacht sich den Film anschaut und dann im Nachgang sich mit dem Thema beschäftigt. Macht auch riesen Spaß und der Film wird sicherlich nicht das letzte mal bei mir im Player gelandet sein. Von mir bekommt er eine 10/10.
Dieser schwer verdauliche Film ist der Auslöser dafür, mich damals (um 2010) mehr mit dem Thema Hugenotten auseinanderzusetzen. Ein sehr trauriges aber auch interessantes Gebiet, das es so ja in fast ganz Europa gab.
Schwer verdaulich ist wirklich die absolut treffende Formulierung. Ich war zwar sehr gefesselt und gut unterhalten von dem Film, aber das Gesehene hat mich sehr mitgenommen und auch jetzt ist es noch der Fall. Diesen Wahnsinn zu sehen wieviele Menschen da zu Tode kamen, Menschen die im selben Land wohnen, sogar dieselbe Nationalität haben, es also noch nicht mal um Ländergrenzen ging die verteitigt werden mussten, sondern es nur um innere Grenzen zwischen zwei Glaubensrichtungen ging, die aus heutiger Sicht kaum noch große Unterschiede haben, zumindest gesellschaftlich.
Aber natürlich auch, obwohl dies der fikitionale Teil des Films war, mit ansehen zu müssen wie es Margot nicht geschafft hat ihren geliebten zu retten und ihr nur das übrig blieb, was sie ihm zuvor versprochen hatte, seinen abgetrenten Kopf zu nehmen und dann zu flüchten. Ein sowas von deprimierendes Ende, was natürlich absolut passend zu dem Film ist, weil hier kein Happy End gepasst hätte, aber insgeheim, so ging es jedenfalls mir, ich mir es gewünscht hätte das sie es erneut schafft ihn vor dem Tod zu retten und die beiden glücklich im Exil hätten leben können. Also somit hat der Film mich auf zwei Arten emotional sehr aufgewühlt.
Was u.a. Luther oder Calvin ausgelöst hatten, war ein Flächenbrand , der (zu) viele Opfer gefordert hat. Ein "Höhepunkt" davon war eben diese Bartholomäusnacht, die der Film in meinen Augen sehr authentisch auf die Leinwand bannt. Hat mich danach sehr schwer wieder losgelassen und ich war wohl nicht in der Lage, dazu eine KK zu schreiben.
Die katholische Kirche war und ist leider sehr grausam, ungerecht und alles andere als mitfühlend. Das zeigt der Film hier ganz deutlich. Es ist ja nicht "nur" die Angst gewesen das man "Mitglieder" verliert, sondern es war die große Angst das man auch an Macht und somit an Einfluss verlieren könnte. Früher war die Kirche ja noch viel mehr in das Geschehen des Staates mit eingebunden und hätte es da plötzlich neben der katholischen Kirche noch eine andere "Fraktion" gegeben die den Staat versucht zu steuern und zu beinflussen, wäre dies natürlich aus Sicht der katholische Kirche undenkbar gewesen.
Das Thema begegnet mir auch dauernd bei meinen Recherchen und Besuchen zu den französischen Kathedralen. Viele dieser gotischen Monumente wurden in jener Zeit mehr oder weniger stark in Mitleidenschaft gezogen, was sehr bedauerlich ist.
Auch das kann ich mir sehr gut vorstellen das dieses Thema sich da widerspiegelt und natürlich es auch sehr bedauerlich ist das dadurch viele Bauwerke in Mitleidenschaft gezogen wurden.
Das schlimmste aber ist, das der Mensch aus der Vergangenheit aber auch gar nichts lernt und doof wie fünf Meter Feldweg war, ist und leider auch bleibt. Auch wenn Filme wie dieser oder z.B. auch
Schindlers Liste in der Dauerschleife laufen würden, es würde sich nichts ändern.
Ich gehe hier sogar noch einen Schritt weiter, bei einigen ist es Dummheit, bei manchen ist es aber auch einfach nur der Trieb nach Macht! Und das um jeden Preis. Ich unterstelle leider vielen das es nichts mehr mit Dummheit zu tun hat das sie Parteien bzw. Personen folgen die nichts gutes im Sinn haben, sondern weil sie genau wie diese Leute über Leichen gehen nur um Ihre Ziele zu erreichen, nur damit es ihnen gut geht und wenn dies bedeutet, das es anderen dadurch schlecht geht oder sie sogar sterben, dann ist es diesen Personen komplett egal. Und das ist das schlimme, das es nicht aus Unwissenheit passiert sondern mit purer Absicht nur um eigene Ziele zu erreichen und im Streben nach Macht und gesellschaftlichem Ansehen immer weiter aufzusteigen.