Die Bartholomäusnacht

deadlyfriend

Casting
Teammitglied
Registriert
19 Juni 2008
Beiträge
18.973
Ort
Garma
Filmkritiken
186
Die Bartholomäusnacht

Inmitten einer Pause der französischen Hugenottenkriege, versucht man das Volk zu vereinen. Dies soll durch eine Zwangsehe geschehen. Die katholische Königsschwester Margarete von Valois, soll den protestantischen Adeligen Heinrich von Navarra heiraten, was beiden absolut nicht gefällt, sie sich letztlich aber dem Zwang unterwerfen. Zur Feier kommen auch 10000 Protestanten nach Paris. Doch allein wegen einer Hochzeit, ist der Hass zwischen Protestanten und Katholiken nicht einfach beizulegen. Zu tief sitzen die Wunden der ersten 3 Hugenottenkriege. Da unter den Gästen auch Anführer der Hugenotten anwesend sind, wittern Intriganten eine Chance und ein unsägliches Gemetzel beginnt in der Bartholomäusnacht, die sich auf viele Teile Frankreichs ausweitete und eine unvorstellbare Blutspur nach sich zog.

Französische Geschichte dürfte wahrscheinlich nicht bei jedem im Fokus stehen, aber der Film hat es absolut in sich. Auch durch eine großartige Garde an Darstellern ist dieses dunkle Kapitel der Vergangenheit absolut sehenswert. Eine unglaubliche Isabell Adjani ist hier zu sehen und wird von Daniel Auteuil, Asia Argento und Thomas Kretschmann unterstützt, um nur ein paar der Namen zu nennen. Die literarische Vorlage dazu stammt von Alexandre Dumas, der sich natürlich der echten Geschichte angenommen hat, aber eben auch ein wenig veränderte. Regisseur Patrice Chereau begeht aber den "Fehler" sich ein wenig zu sehr auf die Geschichtskenntnisse seiner Zuschauer zu verlassen. Ist aber auch legitim, denn im Erscheinungsjahr 1994 war es noch nicht wie heute an der Tagesordnung, dem Publikum alles wie einem Säugling beizubringen, sondern setzte einfach Interesse am Thema voraus. Im Heimatland war er natürlich absolut erfolgreich, aber in den USA spielte er lediglich 2 Millionen Dollar ein, was eben wahrscheinlich an "HÄH?" lag. Ja man muss aufpassen, um dem Film und seinen Figuren zu folgen. Wenn das gelingt, lohnst sich der Film, der nicht wie ein übliches Epos mit Gut und Böse oder "Alles für Sparta" Action angelegt wurde. Der Film funktioniert eher wie ein spiralförmiger Abgrund, der von Anfang an zeigt, dass es nur Verlierer geben kann. Auch die Unvereinbarkeit und der Hass zwischen den Fronten ist hervorragend inszeniert und nicht nur einmal wird die Frage gestellt, wie man hinterher den Massenmord vor Gott rechtfertigen soll. Der Film ist toll fotografiert, mit wunderbaren Locations durchsetzt und liefert Ausstattung und Kostüme zum Zunge schnalzen. Dennoch klar zu sagen, dass die "Bartholomäusnacht" kein Mainstreamer ist, den man als Heldensage mit tollen Schlachten konsumiert. Eher sinnloses Abschlachten, dass nie heroisch anzusehen ist, behält hier die Oberhand. Beeindruckende Geschichtsstunde, bei der aber tatsächlich Vorkenntnisse absolut hilfreich sind.
 

Die wilde 13

Storyboard
Teammitglied
Registriert
12 Nov. 2008
Beiträge
18.718
Ort
Duckburg
Filmkritiken
113
Hui, von diesem Meisterwerk gab es immer noch keine KK? Merci, das du das geändert hast, deadly.

Dieser schwer verdauliche Film ist der Auslöser dafür, mich damals (um 2010) mehr mit dem Thema Hugenotten auseinanderzusetzen. Ein sehr trauriges aber auch interessantes Gebiet, das es so ja in fast ganz Europa gab. Was u.a. Luther oder Calvin ausgelöst hatten, war ein Flächenbrand , der (zu) viele Opfer gefordert hat. Ein "Höhepunkt" davon war eben diese Bartholomäusnacht, die der Film in meinen Augen sehr authentisch auf die Leinwand bannt. Hat mich danach sehr schwer wieder losgelassen und ich war wohl nicht in der Lage, dazu eine KK zu schreiben. Als die UHD vor wenigen Jahren bei Capelight erschien, wollte ich mal wieder eine Sichtung starten aber es ist kein Film, der Spaß macht. Ich nehme aber an, das du dir diese besagte UHD angeschaut hast, oder?

Das Thema begegnet mir auch dauernd bei meinen Recherchen und Besuchen zu den französischen Kathedralen. Viele dieser gotischen Monumente wurden in jener Zeit mehr oder weniger stark in Mitleidenschaft gezogen, was sehr bedauerlich ist.

Das schlimmste aber ist, das der Mensch aus der Vergangenheit aber auch gar nichts lernt und doof wie fünf Meter Feldweg war, ist und leider auch bleibt. Auch wenn Filme wie dieser oder z.B. auch Schindlers Liste in der Dauerschleife laufen würden, es würde sich nichts ändern. :(
 

deadlyfriend

Casting
Teammitglied
Registriert
19 Juni 2008
Beiträge
18.973
Ort
Garma
Filmkritiken
186
Hui, von diesem Meisterwerk gab es immer noch keine KK? Merci, das du das geändert hast, deadly.
Hat mich jetzt nicht überrascht. :nice:
Dieser schwer verdauliche Film ist der Auslöser dafür, mich damals (um 2010) mehr mit dem Thema Hugenotten auseinanderzusetzen. Ein sehr trauriges aber auch interessantes Gebiet, das es so ja in fast ganz Europa gab.
Tatsächlich sah ich den Film bei seiner VÖ auf VHS und ich glaube ich habe damals nicht allzu viel verstanden. War wahrscheinlich von den Bildern beeindruckt, weshalb der Film einen Platz in meiner Erinnerung hatte.
Was u.a. Luther oder Calvin ausgelöst hatten, war ein Flächenbrand , der (zu) viele Opfer gefordert hat. Ein "Höhepunkt" davon war eben diese Bartholomäusnacht, die der Film in meinen Augen sehr authentisch auf die Leinwand bannt. Hat mich danach sehr schwer wieder losgelassen und ich war wohl nicht in der Lage, dazu eine KK zu schreiben. Als die UHD vor wenigen Jahren bei Capelight erschien, wollte ich mal wieder eine Sichtung starten aber es ist kein Film, der Spaß macht.
Tatsächlich rückte das Thema bei mir durch die wiederkehrenden Besuche in Paris in den Fokus. Durch die Museen und Kunstwerke wird man dort ja häufiger damit konfrontiert, weshalb ich im Nachgang auch heilfroh war, dass es den Film dazu gab. Bei meinem letzten Besuch war ich dann auch am Grab von Dumas im Pantheon. Aber wie du richtig schreibst, macht der Film jetzt keinen Spaß im herkömmlichen Sinne, da es eine einzige Abwärtsspirale ist. Man sieht sofort, das die Heirat bei niemandem für Freude sorgt und man spürt den bevorstehenden Knall an jeder Ecke und in jedem Augenblick des Films. Auch interessant im Nachgang ist, dass man damals daraus dennoch keine Leeren zog. Letztendlich startete in der Bartholomäusnacht ja lediglich der vierte Hugenottenkrieg von insgesamt Acht! Menschen sind halt blöd. Damals wie heute!
Ich nehme aber an, das du dir diese besagte UHD angeschaut hast, oder?
Tatsächlich nein. Ich bin von dem Weg abgekommen, neben eine ungesichtete VÖ direkt das Update zu stellen. Es hat für mich einfach keinen Sinn mehr ergeben. Es gab mal Zeiten, in denen ich neben eine eingeschweißte DVD eine eingeschweißte Blu Ray gestellt habe. Völlig sinnlos! Da ich das wirklich gelungene 4-Disc Mediabook bereits hatte, habe ich keine UHD besorgt. Da man den Film ja jetzt auch nicht ständig schaut, reicht mir diese tolle Edition völlig aus.
Das Thema begegnet mir auch dauernd bei meinen Recherchen und Besuchen zu den französischen Kathedralen. Viele dieser gotischen Monumente wurden in jener Zeit mehr oder weniger stark in Mitleidenschaft gezogen, was sehr bedauerlich ist.
Wie weiter oben erwähnt, begegnet man in Paris ja immer wieder den Spuren. Sowieso klasse, dass du die Stadt auch so magst. Sie ist immer wieder einen Besuch wert und selbst wenn man öfter da war, gibt es immer wieder was zu entdecken oder aber auch zum vertiefen.
Das schlimmste aber ist, das der Mensch aus der Vergangenheit aber auch gar nichts lernt und doof wie fünf Meter Feldweg war, ist und leider auch bleibt. Auch wenn Filme wie dieser oder z.B. auch Schindlers Liste in der Dauerschleife laufen würden, es würde sich nichts ändern. :(
Da sind wir komplett einer Meinung. Mich nervt ja bereits diese zunehmende Interessenlosigkeit an der Vergangenheit. Ich bin immer wieder erschüttert, wie wenig die Menschen wissen. In meiner Naivität denke ich dann an eher an Sarkasmus, bis ich erkenne, dass es gar keiner ist.
 

Die wilde 13

Storyboard
Teammitglied
Registriert
12 Nov. 2008
Beiträge
18.718
Ort
Duckburg
Filmkritiken
113
Durch die Museen und Kunstwerke wird man dort ja häufiger damit konfrontiert, weshalb ich im Nachgang auch heilfroh war, dass es den Film dazu gab. Bei meinem letzten Besuch war ich dann auch am Grab von Dumas im Pantheon.
Wie weiter oben erwähnt, begegnet man in Paris ja immer wieder den Spuren. Sowieso klasse, dass du die Stadt auch so magst. Sie ist immer wieder einen Besuch wert und selbst wenn man öfter da war, gibt es immer wieder was zu entdecken oder aber auch zum vertiefen.
Ich muss zur meiner Schande gestehen, das ich in Paris in noch keinem Museum war, noch nicht mal im Louvre oder gar in Notre Dame de Paris (die riesigen Schlangen davor haben mich immer abgehalten)!! Diese Stadt hat so viel zu bieten, da war bei meinen 3 Besuchen leider noch keine Zeit dafür. Alleine für den Louvre bräuchte ich ja schon mindestens 3 Tage, um alles zu sehen was mich interessiert... Außerdem war ich bis auf einmal nie alleine dort und wenn die Begleitung so überhaupt keine Lust auf Museum hat, wird es auch schwierig.

Beim nächsten Trip nach Paris nehme ich mir dafür aber auf jeden Fall die Zeit, versprochen! Am liebsten gestern!

Ich bin immer wieder erschüttert, wie wenig die Menschen wissen.
Oh ja, das macht mich auch immer wieder traurig und wütend gleichzeitig. Diese Gleichgültigkeit und Ignoranz ist furchtbar. :(

Da ich das wirklich gelungene 4-Disc Mediabook bereits hatte, habe ich keine UHD besorgt. Da man den Film ja jetzt auch nicht ständig schaut, reicht mir diese tolle Edition völlig aus.
Bin da bei dir. Mache ich mittlerweile auch nicht mehr oder der Preis ist einfach heiß, sprich bis 5 Euro. Würde z.B. die Bond Filme nie auf UHD updaten, da reicht mir meine tolle 50 Jahre-Jubibox völlig aus, da die Blu-rays völlig okay für diese Art Filme sind. Mal abgesehen davon, das ich bisher noch nicht einmal zu einer kompletten Sichtung aller Filme gekommen bin, seitdem die Box bei mir steht (2012 :rolleyes: ).

Die UHD von Die Bartholomäusnacht gab es ja auch als Upgrade-Disc, was ich bei Capelight ja sehr lobenswert finde. Und als es diese auch mal kurzzeitig für Bonuspunkte gab, habe ich dann auch zugeschlagen. Das neue UHD-Mediabook ist übrigens ja in (Unschulds)Weiß, da passt das blutrot der Erstauflage viel besser zum Film.
 

deadlyfriend

Casting
Teammitglied
Registriert
19 Juni 2008
Beiträge
18.973
Ort
Garma
Filmkritiken
186
Ich muss zur meiner Schande gestehen, das ich in Paris in noch keinem Museum war, noch nicht mal im Louvre oder gar in Notre Dame de Paris (die riesigen Schlangen davor haben mich immer abgehalten)!! Diese Stadt hat so viel zu bieten, da war bei meinen 3 Besuchen leider noch keine Zeit dafür. Alleine für den Louvre bräuchte ich ja schon mindestens 3 Tage, um alles zu sehen was mich interessiert... Außerdem war ich bis auf einmal nie alleine dort und wenn die Begleitung so überhaupt keine Lust auf Museum hat, wird es auch schwierig.
Wenn du wieder vor Ort sein solltest, solltest du das echt einplanen. Zumindest mal einen Tag, denn der reicht zumindest für viele wichtige Kunstwerke und auch für die Optik vom inneren des Gebäude. Am Besten vorher einen Plan machen und eine Route basteln. Bei Begleitungen die kein Interesse haben, wird es tatsächlich oftmals erst geweckt, wenn man drin steht. Allein die Grande Gallery zu durchschreiten ist einfach der Hammer. Allein die dortige Security zu fragen, an welcher Stelle Jacques Sauniére ermordet wurde, macht Spaß, wenn man den Richtigen erwischt.
Natürlich ist es auch toll, neben den großartigen Kunstwerken auch am "Grab" von Maria Magdalena zu stehen. Bis auf Rosslyn Chapel (kommt noch) sind wir bereits den kompletten Da Vinci Code zu Fuß abgelaufen. :lol:In London und in Paris.
Beim nächsten Trip nach Paris nehme ich mir dafür aber auf jeden Fall die Zeit, versprochen! Am liebsten gestern!
Nimm dann unbedingt auch die Oper mit. Die ist der Hammer, auch weil hier das Phantom vor Ort war.
Oh ja, das macht mich auch immer wieder traurig und wütend gleichzeitig. Diese Gleichgültigkeit und Ignoranz ist furchtbar. :(
:bier:
Bin da bei dir. Mache ich mittlerweile auch nicht mehr oder der Preis ist einfach heiß, sprich bis 5 Euro. Würde z.B. die Bond Filme nie auf UHD updaten, da reicht mir meine tolle 50 Jahre-Jubibox völlig aus, da die Blu-rays völlig okay für diese Art Filme sind. Mal abgesehen davon, das ich bisher noch nicht einmal zu einer kompletten Sichtung aller Filme gekommen bin, seitdem die Box bei mir steht (2012 :rolleyes: ).
Ich mache das halt weiterhin recht unterschiedlich. Kommt auch viel darauf an, ob es beispielsweise einen guten Atmos Ton gibt, oder ob interessantes neues Bonusmaterial an Bord ist. Wenn also das Bild der Blu Ray sowieso schon gut war, brauche ich einen zusätzlichen Anreiz. Einfach 4K kaufen, weil 4K drauf steht, mache ich eher selten.
Die UHD von Die Bartholomäusnacht gab es ja auch als Upgrade-Disc, was ich bei Capelight ja sehr lobenswert finde. Und als es diese auch mal kurzzeitig für Bonuspunkte gab, habe ich dann auch zugeschlagen. Das neue UHD-Mediabook ist übrigens ja in (Unschulds)Weiß, da passt das blutrot der Erstauflage viel besser zum Film.
Das Cover gefiel mir ebenfalls gut und die Ausstattung ist halt echt klasse. Capelight ist da aber wirklich spitzenmäßig.
 

Die wilde 13

Storyboard
Teammitglied
Registriert
12 Nov. 2008
Beiträge
18.718
Ort
Duckburg
Filmkritiken
113
Bei Begleitungen die kein Interesse haben, wird es tatsächlich oftmals erst geweckt, wenn man drin steht.
Das erste Mal war Ende der 80er Jahre, da hat Napoleon noch gelebt. War mit Arbeitskollegen, die es natürlich eher nach Pigalle zog. War auch ganz aufschlussreich! :nice:

Allein die Grande Gallery zu durchschreiten ist einfach der Hammer. Allein die dortige Security zu fragen, an welcher Stelle Jacques Sauniére ermordet wurde, macht Spaß, wenn man den Richtigen erwischt.
Natürlich ist es auch toll, neben den großartigen Kunstwerken auch am "Grab" von Maria Magdalena zu stehen. Bis auf Rosslyn Chapel (kommt noch) sind wir bereits den kompletten Da Vinci Code zu Fuß abgelaufen. :lol:In London und in Paris.
Ja, das klingt sehr gut und mein Neid ist dir gewiss. Der nächste Trip wird bestimmt kein Wochenendausflug wie bisher immer.
Nimm dann unbedingt auch die Oper mit. Die ist der Hammer, auch weil hier das Phantom vor Ort war.
Kann ich mir denken, ich war ja schon im Galeries Lafayette total beeindruckt...
 

Tarantino1980

Screenplay
Teammitglied
Registriert
25 Aug. 2008
Beiträge
24.838
Ort
Città di Giallo
Filmkritiken
238
Nach einem sehr interessanten Film/Geschichtsrecherche Abend gestern, melde ich mich jetzt auch einmal hier zu Wort!

Ich muss auch zu meiner Schande gestehen das der Film bis zum Jahr 2021 komplett an mir vorbeigegangen war. In diesem Jahr bekam ich von einem sehr lieben Freund, beim Wichteln, ihn auf Blu-ray zugewichtelt. Aber wie leider so häufig bei meinem Hobby, ist er auch da wieder aus meinem Hauptfokus gerückt. Aber zumindest, da ich wusste das besagter Freund meinen Filmgeschmack sehr gut kennt, habe ich ihn nicht ganz nach hinten wieder geschoben hatte und sogar, mal bei einem recht guten eBay Angebot, mir das Capelight 4K Book auch gesichert, was auf jeden Fall auch kein Fehler war!

Bevor ich näher auf den Film eingehe, vorab nochmals meinen Dank an Die wilde 13 der mir mit seinem Wichtelgeschenk diesen Film auf jeden Fall sehr nah gelegt hat und natürlich auch an deadly, der mit seiner schönen KK den Film erneut wieder in meinen Fokus rückte, so das ich nun Nägel mit Köpfen gemacht hatte und ihn mir angeschaut habe.

Die Zutaten versprachen schon großes. Ich mag Historienfilme, ich mag Geschichte und auch mit französischen Filmen, wobei es sich hier ja auch im eine Coproduktion der Länder Deutschland, Frankreich und Italien handelt, kann ich sehr viel anfangen Eine hervorragende Mischung, was das Ergebnis als solches auf jeden Fall erklärt!


Französische Geschichte dürfte wahrscheinlich nicht bei jedem im Fokus stehen, aber der Film hat es absolut in sich.
Der Film hat es auf jeden Fall in sich. Auch wenn es mir hier auch schwer fällt das Wort "unterhalten" zu verwenden, so ist es aber genau das was gestern Abend auch bei mir der Fall war. Schon bei den ersten Bildern war ich sofort gefangen in der Atmosphäre und der Zeitepoche, welche der Film sehr gut eingefangen hat. Ich mochte es sehr das Frankreichs Straßen, so wie man sie sich zumindest in diesem Jahrhunder vorstellt, schön dreckig dargestellt wurden. Keine Hochgalnzoptikt oder gemachten Nägel. Selbst auf solche Details wurde geachtet das auch mal Frauen dreckige Finger hatten und nicht so aussahen, also ob sie gerade frisch aus der Dusche kamen.


Auch durch eine großartige Garde an Darstellern ist dieses dunkle Kapitel der Vergangenheit absolut sehenswert. Eine unglaubliche Isabell Adjani ist hier zu sehen und wird von Daniel Auteuil, Asia Argento und Thomas Kretschmann unterstützt, um nur ein paar der Namen zu nennen.
Die Darsteller waren einfach absolute spitze. Isabelle Adjani hat die Rolle der Margarete "Margot" von Valois wirklich hervorragend gespielt. Der Wandel von der freigeistigen offenen und sexuell sehr offenen Frau hin zu einer Person die sich offenbar das erste mal richtig verliebt hat, aber auch versucht partei zu ergreifen für die Sache, war sehr interessant anzusehen. Aber auch Vincent Perez, Daniel Auteuil und Asia Argento, wenn letztere leider in einer eher kleineren Rolle, haben mir sehr gut gefallen.

Die literarische Vorlage dazu stammt von Alexandre Dumas, der sich natürlich der echten Geschichte angenommen hat, aber eben auch ein wenig veränderte.
Den Roman kenne ich nicht und ich habe auch gestern erst angefangen mich wirklich mit den realen geschichtlichen Hintergründen zu beschäftigen.

Ich hatte jedoch während der Sichtung des Filmes bereits die Vermutung, dass die Liebesbeziehung zwischen Margot und La Mole eher fiktional anzusehen ist und auf keinem realen Hintergrund beruht. Nachdem ich den Film gesehen hatte, habe ich viel gegoogelt und mich in diese Zeitepoche etwas eingelesen, was auch schnell dazu führte, dass es zwar die reale Person Joseph Boniface de La Mole gab, dieser aber kein Protestant war, sondern sogar Katholik und es zumindest keine belegte Liebesbeziehung zwischen ihm und ihr gab und erst recht keine Rettungsaktion in der Bartholomäusnacht gab. Aber aus filmdynamischer Sicht war es für mich absolut nachvollziehbar, das man diese Figur so angelegt hat, da er für mich halt auch zum "Gesicht" der protestantischen Bewegung wurde und durch die Liebe zu Margot natürlich auch ein absoluter Symphatieträger für mich, da es im Grunde auch den Fehler der "Bluthochzeit" zwischen Margarete von Valois und Henri de Navarre sehr genau aufdeckte. Beide Lager, also Katholiken und Protestanten wussten das es nur eine arrangierte Hochzeit, ohne Liebe und vorallem ohne gemeinsames Ziel war. Nur die Tatsache das eine Katholikin eine Protestanten heiratet wird sicherlich nicht so einen großen Glaubenskrieg beenden. Dazu hätten sich beide aufrichtig lieben müssen und als Botschafter in ihren Lagern fungieren müssen. Das wäre, zumindest im Film, sicherlich möglich gewesen wenn das Volk und somit beide Lager diese Liebe zwischen Margot und La Mole gesehen hätten und er es gewesen wäre, den sie geheiratet hätte.

Regisseur Patrice Chereau begeht aber den "Fehler" sich ein wenig zu sehr auf die Geschichtskenntnisse seiner Zuschauer zu verlassen. Ist aber auch legitim, denn im Erscheinungsjahr 1994 war es noch nicht wie heute an der Tagesordnung, dem Publikum alles wie einem Säugling beizubringen, sondern setzte einfach Interesse am Thema voraus.
Eigentlich bin ich zwar kein großer Freund von so sätzen wie "Früher war alles besser" aber in Bezug auf Filme muss ich dies einfach so sagen! Ich habe dieses Jahr schon einige neue Produktionen gesehen und mal davon abgesehen das viele von mir recht schlecht bewertet wurden, hat es kein Film in diesem Jahr bisher geschafft, was gestern Die Bartholomäusnacht geschafft hat. Ich war total im Bann, der Film hat mich absolut gefesselt und selbst nach der Sichtung verspürte ich noch einen großen Drang mich mit dem Thema zu beschäftigen, was ich auch getan habe!

Und genau da liegt eben der Unterschied. Solche Filme werden heutzutage so gut wie nicht mehr gemacht. Wäre dieser Film heutzutage gedreht worden hätte man erst einmal eine Eröffungsszene mit Sprecher aus dem Off bekommen oder, vielleicht noch schlimmer, die Personen hätten es in Dialogen dem Zuschauer sozusagen auf dem Silbertablett serviert in "bester" Soap Opera Art, wer sie sind und was sie vorhaben und was die nächsten Schritte sind! Furchtbar diese Art von Erzählung. Ich empfinde sie einfach als Beleidung an den Zuschauer, da vorrausgesetzt wird das man dumm ist und Zusammenhänge nicht selber erkennen kann und was noch viel schlimmer ist, das vermutet wird, dass der Zuschauer ohnehin kein Interesse daran hat Dinge für sich einzuordnen und zu interpretieren. Aber genau das macht doch den Reitz eines guten Filmes aus, das jeder ihn für sich wahrnimmt und interpretiert. Sicherlich gibt es ein paar Dinge die als absolut in einem Film dargestellt werden, also Fakten gebildet werden von der Erzählung. Aber es sollte immer genügend Stellen geben wo man als Zuschauer selber entscheiden kann ob man auf dieser oder jener Seite steht und wie man das Gesehene einordnet.

Im Heimatland war er natürlich absolut erfolgreich, aber in den USA spielte er lediglich 2 Millionen Dollar ein, was eben wahrscheinlich an "HÄH?" lag.
Das hast Du sehr schön zusammengefasst. Ich denke einfach mal die Art der Inszenierung und das Thema als solches war einfach nicht kompatible mit dem US Markt. Dafür hätte Patrice Chéreau weniger Dialoge und die Schlachten größer und epischer inszenieren müssen, damit dort eventuell ein Publikum gefunden worden wäre. Außerdem hätte z.B. dann die Rolle von Henri deutlich heldenhafter geschrieben worden müssen, der quasi im alleingang die Katoliken bezwingt. Wäre ein vollkomme anderer Film geworde. Zum Glück wurde der Film nicht in den USA gedreht und produziert!

Dennoch klar zu sagen, dass die "Bartholomäusnacht" kein Mainstreamer ist, den man als Heldensage mit tollen Schlachten konsumiert. Eher sinnloses Abschlachten, dass nie heroisch anzusehen ist, behält hier die Oberhand.
Genau das fasst es sehr gut zusammen. Gerade die Bartholomäusnacht wurde ja wirklich sehr düster, kühl aber dadurch ebend auch brutal wirkend inszeniert, jedoch ohne Effekthascherei. Keine große epische Musik, keine klar erkennbaren Helden im Gefecht oder sonstigen epischen Elemente wurden verwendet um hier den begeisterten Actionfan vielleicht doch noch mit abzuholen. Aber genau in sowas liegt für mich der Reitz des Filmes und das Besondere was ihn anders macht. Er zeigt den absoluten Wahnsinn der damals in den Hugenotten Kriegen ausgelebt wurde. Krieg ist meiner Meinung nach immer unnütz und fanatisch, aber gerade bei Glaubenskriegen finde ich es noch schlimmer. Wenn dann sogar noch, wie es damals der Fall war, beide Lager im Grunde eine sehr ähnliche Glaubensrichtung haben, es eher nur um das Verständnis geht wie dieser Glaube gelebt und umgesetzt wird, es aber beides christliche Glaubensrichtungen sind, ist es nochmal viel unvorstellbarer. Und genau diese unnötige Härte und Gewalt wurde hier sehr eindrucksvoll, ohne das es in "Gemetzel" ausartet, dem Zuschauer unverblümt präsnetniert. Und spätestens als dann Margot für La Mole Partei ergreift, sich hier dann die Liebe zwischen den beiden abzeichnet, ist man als Zuschauer Mitten im geschehen. Allerdings haben mich die Szenen als dann später die Opfer dieser Nacht in Massengräbern zusammengeworfen wurden zutiefest berührt. Das fühlte sich so real an, einfach furchtbar was während dieser Zeitepoche da im Namen des Herrn gemacht wurde.

Der Film ist toll fotografiert, mit wunderbaren Locations durchsetzt und liefert Ausstattung und Kostüme zum Zunge schnalzen.
Es gibt soviele tolle Szenen, gigantische Locations und authentische Kostüme. Aber alleine schon bei der "Bluthochzeit" sieht man, wie dominant und präsent die katholische Kirche dargestellt wurde. Es war einfach nur angsteinflößend wie nüchtern diese Hochzeit inszeniert wurde. Hier war schon direkt klar, es ist kein freudiges Ereignis, hier heiraten nicht zwei Leute aus Liebe, sondern weil sie dazu gezwungen wurden. Anfangs hatte ich sogar noch etwas Mitleid mit Henri als Margot meinte er solle bloß nicht nachts zu ihr kommen. Aber im Laufe des Filmes konnte ich dies natürlich viel besser einordnen und verstehen. Und der Weg vom Altar raus aus der Kirche war beängstigend Lang, aber zeigte sehr deutlich auf wie die Situation war.

Beeindruckende Geschichtsstunde, bei der aber tatsächlich Vorkenntnisse absolut hilfreich sind.
Absolut. Allerdings, so wie in meinem Fall, funktioniert es auch sehr gut wenn man mit quasi null Vorkenntnissen über diese Nacht sich den Film anschaut und dann im Nachgang sich mit dem Thema beschäftigt. Macht auch riesen Spaß und der Film wird sicherlich nicht das letzte mal bei mir im Player gelandet sein. Von mir bekommt er eine 10/10.


Dieser schwer verdauliche Film ist der Auslöser dafür, mich damals (um 2010) mehr mit dem Thema Hugenotten auseinanderzusetzen. Ein sehr trauriges aber auch interessantes Gebiet, das es so ja in fast ganz Europa gab.
Schwer verdaulich ist wirklich die absolut treffende Formulierung. Ich war zwar sehr gefesselt und gut unterhalten von dem Film, aber das Gesehene hat mich sehr mitgenommen und auch jetzt ist es noch der Fall. Diesen Wahnsinn zu sehen wieviele Menschen da zu Tode kamen, Menschen die im selben Land wohnen, sogar dieselbe Nationalität haben, es also noch nicht mal um Ländergrenzen ging die verteitigt werden mussten, sondern es nur um innere Grenzen zwischen zwei Glaubensrichtungen ging, die aus heutiger Sicht kaum noch große Unterschiede haben, zumindest gesellschaftlich.

Aber natürlich auch, obwohl dies der fikitionale Teil des Films war, mit ansehen zu müssen wie es Margot nicht geschafft hat ihren geliebten zu retten und ihr nur das übrig blieb, was sie ihm zuvor versprochen hatte, seinen abgetrenten Kopf zu nehmen und dann zu flüchten. Ein sowas von deprimierendes Ende, was natürlich absolut passend zu dem Film ist, weil hier kein Happy End gepasst hätte, aber insgeheim, so ging es jedenfalls mir, ich mir es gewünscht hätte das sie es erneut schafft ihn vor dem Tod zu retten und die beiden glücklich im Exil hätten leben können. Also somit hat der Film mich auf zwei Arten emotional sehr aufgewühlt.

Was u.a. Luther oder Calvin ausgelöst hatten, war ein Flächenbrand , der (zu) viele Opfer gefordert hat. Ein "Höhepunkt" davon war eben diese Bartholomäusnacht, die der Film in meinen Augen sehr authentisch auf die Leinwand bannt. Hat mich danach sehr schwer wieder losgelassen und ich war wohl nicht in der Lage, dazu eine KK zu schreiben.
Die katholische Kirche war und ist leider sehr grausam, ungerecht und alles andere als mitfühlend. Das zeigt der Film hier ganz deutlich. Es ist ja nicht "nur" die Angst gewesen das man "Mitglieder" verliert, sondern es war die große Angst das man auch an Macht und somit an Einfluss verlieren könnte. Früher war die Kirche ja noch viel mehr in das Geschehen des Staates mit eingebunden und hätte es da plötzlich neben der katholischen Kirche noch eine andere "Fraktion" gegeben die den Staat versucht zu steuern und zu beinflussen, wäre dies natürlich aus Sicht der katholische Kirche undenkbar gewesen.

Das Thema begegnet mir auch dauernd bei meinen Recherchen und Besuchen zu den französischen Kathedralen. Viele dieser gotischen Monumente wurden in jener Zeit mehr oder weniger stark in Mitleidenschaft gezogen, was sehr bedauerlich ist.
Auch das kann ich mir sehr gut vorstellen das dieses Thema sich da widerspiegelt und natürlich es auch sehr bedauerlich ist das dadurch viele Bauwerke in Mitleidenschaft gezogen wurden.

Das schlimmste aber ist, das der Mensch aus der Vergangenheit aber auch gar nichts lernt und doof wie fünf Meter Feldweg war, ist und leider auch bleibt. Auch wenn Filme wie dieser oder z.B. auch Schindlers Liste in der Dauerschleife laufen würden, es würde sich nichts ändern. :(
Ich gehe hier sogar noch einen Schritt weiter, bei einigen ist es Dummheit, bei manchen ist es aber auch einfach nur der Trieb nach Macht! Und das um jeden Preis. Ich unterstelle leider vielen das es nichts mehr mit Dummheit zu tun hat das sie Parteien bzw. Personen folgen die nichts gutes im Sinn haben, sondern weil sie genau wie diese Leute über Leichen gehen nur um Ihre Ziele zu erreichen, nur damit es ihnen gut geht und wenn dies bedeutet, das es anderen dadurch schlecht geht oder sie sogar sterben, dann ist es diesen Personen komplett egal. Und das ist das schlimme, das es nicht aus Unwissenheit passiert sondern mit purer Absicht nur um eigene Ziele zu erreichen und im Streben nach Macht und gesellschaftlichem Ansehen immer weiter aufzusteigen.
 

Die wilde 13

Storyboard
Teammitglied
Registriert
12 Nov. 2008
Beiträge
18.718
Ort
Duckburg
Filmkritiken
113
Nach einem sehr interessanten Film/Geschichtsrecherche Abend gestern, melde ich mich jetzt auch einmal hier zu Wort!
Freue mich ungemein, das dir dieser "Brocken" einen interessanten und lehrreichen Abend spendiert hat und ich nicht ganz schuldlos daran bin. :)

Da für mich leider gleich Schlafenszeit ist, werde ich aber erst am Wochenende zu deinen Eindrücken meinen Senf dazu geben können.
 

Tarantino1980

Screenplay
Teammitglied
Registriert
25 Aug. 2008
Beiträge
24.838
Ort
Città di Giallo
Filmkritiken
238
Freue mich ungemein, das dir dieser "Brocken" einen interessanten und lehrreichen Abend spendiert hat und ich nicht ganz schuldlos daran bin. :)
Vielen Dank nochmal dafür. Es gibt leider einige Filme die absolut zu Unrecht nicht so bekannt sind wie sie eigentlich sein müssten.

Da für mich leider gleich Schlafenszeit ist, werde ich aber erst am Wochenende zu deinen Eindrücken meinen Senf dazu geben können.
Freue mich sehr drauf!
 
Oben