Dark Glasses - Blinde Angst

Tarantino1980

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Dark Glasses - Blinde Angst
Eine Mordserie in Rom macht von sich reden. Im Fokus stehen Edelprostituierte. Die Polizei ermittelt in diesem Fall und auch Diana, ebenfalls eine Edelprostituierte, gerät schnell ins Visier des Killers.

Nach 10 Jahren filmischer Pause kehrt Dario Argento mit Dark Glasses zurück auf die große Kinoleinwand. Nachdem er für seinen letzten Film Dracula einiges an Kritik einstecken musste ist es ruhig um Dario geworden. Nun versucht er mit Dark Glasses zu seinen Wurzeln zurückzukehren. Der Film wird zwar als Giallo beworben, ist meiner Meinung nach aber nur bedingt diesem Genre zuzuordnen. Es gibt ein paar klassische Elemente die hier, wenn auch nicht so excessive wie in der Hochzeit dieses Genres, zelebriert werden, aber sie sind vorhanden. Dem gegenüber steht jedoch ein Element welches für mich ganz klar dagegen spricht und deshalb tue ich mich auch schwer damit in diesem Film einen Giallo oder eine Homage an die glorreichen Zeiten zu sehen. Dennoch hat er in ein paar Szenen eine gute Atmosphäre zu bieten. Ein paar Bilder lassen zwar ganz kurz das große Talent von Dario Argento aufblitzen, man darf hier aber nichts geniales erwarten. Ob er eingerostet ist oder schlicht und ergreifend einfach zu alt geworden ist und somit den Blick für seine, früheren sehr fulminanten Kamereafahrten und perfekt inszenierten Bildkompossitionen verloren hat, vermag ich nicht zu beurteilen. Es fällt jedoch auf das hier vieles nicht mehr so sitzt wie es früher der Fall war, was zwar einerseits natürlich einen Kritikpunkt darstellen könnte, aber mich irgendwie nicht so sehr gestört hat, da es dennoch ein solider Film ist. Weit entfernt von der totalen Katastrophe namens Dracula aus dem Jahr 2012. Leider war es nur eine Ente das Daft Punk den Score zu Dark Glasses beisteuern, obwohl gerade zu Anfang des Filmes der Score durchaus hätte von dem Duo stammen können. Obwohl der Score nicht von Daft Punk stammt, sondern von Arnaud Rebotini, muss ich sagen das er zum Film passte und manche Passagen, gerade zu Anfang des Filmes, sich wirklich gut angehört haben.

Der Cast war etwas durchwachsen. Prägnante Charaktere sucht man hier vergebens. Zwar konnte die Hauptdarstellerin Ilenia Pastorelli schon etwas überzeugen und natürlich auch Asia Argento wusste zu überzeugen, aber ansonsten war der Cast doch recht blass. Gerade bei der ermittelten Polizei oder eben dem Killer hätte ich mir definitiv markantere Darsteller gewünscht.

Trotz allem ist Dark Glasses ein Film den man sich als Italo Liebhaber und natürlich als Fan von Dario Argento ruhig einmal ansehen sollte. Mir hat er gut gefallen. Etwas rosarote Fanbrille ist zwar in meiner Bewertung entahlten, aber Dark Glasses ist aus meiner Sicht weit davon entfernt ein schlechter Film zu sein. Es ist kein Meisterwerk, aber er hat mich gut unterhalten. Mein Dank geht hier auch ganz klar an Pierrot le Fou! Ohne dieses Label hätte der Film keine deutsche Kinoauswertung erhalten und die Synchro ist wirklich gelungen was natürlich auch zu dem restlich guten EIndruck beigetragen hat, dass man unter dem Strich einen soliden Film des Altmeisters zu Gesicht bekommen hat. Auch wenn ich mich über weitere Filme von Dario Argento sehr freuen würde, könnte ich mich diesem Film als Karrie Ende sehr gut leben.

Wertung: 7/10
 

Tarantino1980

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Ich hab den Film mittlerweile zweimal gesehen und ich muss sagen, auch bei der zweiten Sichtung hat er nichts von seiner Wirkung auf mich verloren. Gerade die erste Mordszene hat mir wirklich sehrh gut gefallen. Eine tolle Bildkompossition und der Score ist da wirklich sehr prägnant. Wäre der ganze Film so inszeniert worden, wäre er deutlich stärker gewesen.

Was mir auch beim zweiten mal halt leider sehr sauer aufgestoßen ist, das einfach die Identität das Mörders viel zu früh aufgeklärt wurde. Man hätte dies auf jeden Fall noch länger rauszögern müssen und in guter alter Giallo Tradition wirklich erst in den letzten Minuten des Filmes aufklären sollen. So wurde viel Spannung rausgenommen und auch die Bedrohlichkeit des Mörders hätte noch viel intensiver dargestellt werden müssen. Im ersten drittel des Filmes war es sogar in etwa so wie ich mir das vorgestellt hätte, wurde aber, je mehr Szenen von ihm gezeigt wurden, immer weniger. Da wurde leider etwas Potential verschenkt.

In meinem persönlichen Dario Argento Ranking liegt der Film übrigens auf Platz 18 nach Phantom der Oper und vor Two Evil Eyes.
 
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