Zugegeben, ich habe mich immer schwer getan mit dem Œuvre des legendären englischen Dichters wobei mir die meisten Verfilmungen durchaus gefallen, wenn denn die Sprache sich nicht zu sehr ans Original hält. Denn die ist mir einfach zu anstrengend oder ich bin schlicht zu blöd dazu. Die Geschichten selbst sind natürlich bar jeder Kritik und nicht zu Unrecht gehören sie zum Weltkulturerbe.
Geht mir auch so. Ich kenne ein paar Verfilmungen seiner Werke, aber ich habe nie eins gelesen, sei es im O-Ton noch übersetzt. Ich tue mich da auch scher mit der Schreibweise.
In Chloé Zhaos meisterhaften Werk Hamnet (nach dem Buch von Maggie O'Farrell aus dem Jahr 2020) geht es nun um die (semi-fiktive) Biographie Shakespeares und diese ist ein absolutes Fest für alle Sinne.
Bevor ich etwas mehr von meiner Meinung schreibe würde mich mal interessieren ob ich das erfolgreich im Film verdrängt hat, oder wurde wirklich erst zum Schluss als seine Frau und sein Schwager nach London gereist sind, die Identität von
William Shakespeare enthüllt. Ich kann mich irgendwie nicht erinnern das er irgendwo mal mit William oder Mr. Shakespeare angesprochen wurde, ich meine es war immer nur der Wortlaut "Will". Ich frage deshalb so genau nach, denn wenn es so war, dann war das wirklich eine tolle Idee, gerade für Leute die im Vorfeld sich nicht über den Film informiert haben und dann erst im letzten viertel erfahren wer dieser "Will" tatsächlich ist. Denn wie Du so schön geschrieben hast ist der Film von
Chloé Zhaos eine semi-fiktive Biographie und es dauert ja generell etwas bis man überhaupt erfährt das "Will" offenbar etwas schreibt und noch länger bis man dann mal sieht das er wohl nicht nur für die Lederwaren am Theater in London zuständig ist sondern offenbar auch das ein oder andere Stück dort geschrieben hat und aufführt. Sicherlich der richtige "Fanboy" wird sicherlich an vielen Details merken um wen es sich handelt, da zumindest die Namen der Kinder zu den realen bekannten Namen der Kinder passen, aber der der Frau, soweit ich das verstanden habe, schon wieder nicht. Klar sein Sohn heißt auch im Film Hamlett, aber zu der Zeit wo der Film spielt hätte es auch nur ein Zufall sein können bzw. da es keine genauen Datumseinbledungen gab, hätte es auch durchaus sein können das sie eben den Namen bei besagten Theakterstück gehört hatten. Also von daher, vielleicht habe ich es aber auch nur verpasst und die Identität wurde schon vorher im Film etwas prominenter erwähnt?
Sowohl auf der technischen Seite wie Kamera (Łukasz Żal), Sets (Fiona Crombie), Kostüme und Musik (Max Richter) überzeugt Hamnet dermaßen, das vor allem im letzten Drittel des Films die Gefühle Achterbahn fahren.
Ich fand die Bildkomposition auch sehr gut. Hattest Du ihn in 4K gesehen oder in HD? Das 4K Bild war wirklich super. Ich fand aber auch die Schauplätze super und die Bühne zum Schluss des Films war ein absolutes Highlight!
Und auch vor der Kamera liefern die Darsteller eine Glanzvorstellung ab, wobei Jessie Buckley als Agnes herausragend performt und dafür zurecht einen Oscar mit nach Hause nehmen durfte.
Dem stimme ich absolut zu. Sie hat mich absolut mitgerissen und ihre Schreie beim Tod ihres Sohnes taten innerlich weh. Ein Moment den ich wohl nie wieder in meinem Leben vergessen werde.
Aber auch Paul Mescal als William
Ich bin ehrlich ich fand seine Darbietung gut, aber so richtig mitgerissen hat er mich erst zum Schluss des Filmes als er wirklich sein volles Potential offenbarte beim Theakterstück bzw. dann auch nach seinem Auftritt in seinem Zimmer er all den Schmerz rausgelassen hat. Man spürte zwar vorher schon das natürlich auch ihn der Tod des Sohnes belastet hat, aber wie sehr ihn das ganze auch mitgenommen hat und er offenbar nur stark vor seiner Familie wirken wollte, zeigte eben diese eine Einstellung als er für sich alleine all seinen Schmerz rausgelassen hat.
Sehr schade, denn dieser Film ist visuell so wunderschön. Wie gemacht für die große Leinwand.
Ich hätte ihn wirklich sehr gerne im Kino gesehen, aber wie gesagt er wurde in meiner UCI nur immer Nachmittags gezeigt und das auch nur sehr kurz, also ich habe es schlicht und ergreifend verpasst.
Da freue ich mich darauf. Wie gesagt, visuell schon ein Kunstwerk. Die Kamera ist wirklich großartig, von Close-ups bis hin zu Perspektiven, die jetzt nicht unbedingt innovativ sind aber in diesem Moment(en) einfach nur stimmig und grandios sind und die Magie des Augenblicks zelebriert.
Kann ich so unterschreiben!
Aber eben auch inhaltlich hat
Hamnet so viel zu bieten. Wie verarbeitet man ein Schicksal? Was waren Shakespeares Inspirationen? Wie stark ist die Prägung durch die Eltern? Wie wichtig sind Träume? Ich bin immer noch hin und weg!
Tatsächlich hätte ich mir noch ein wenig mehr davon gewünscht zu sehen wie sein Schreibprozess war. Also nicht nur die eine Szene betrunken in der Nacht wo ich, zu meiner Schande, nicht raushören konnte das dies schon Zeilen eines großen Poeten waren. Hätte ich im Vorfeld nicht gewusst das es eine Verfilmung zum Leben von Skakespeare ist, ich hätte es wirklich auch erst zum Ende hin komplett begriffen. Auch fand ich es etwas schwierig das ganze Zeitlich einzordnen. Klar der Sprung von der Geburt der Zwillinge bis hin wo sie dann schon deutlich älter waren, war irgendwo gewollt aber andererseits auch schade da man nicht mitbekommen hat wie oft er in London alleine war, oder wie oft er bei seiner Familie war. Im Film wirkte es irgendwie so auf mich das er irgendwann, schon vor dem Tod seines Sohnes, den Alltag mit seiner Familie nicht mehr teilte sondern immer nur sporadisch dort war um Geschenke und Geld mitzubringen.
Das ist jetzt keine große Kritik, der Film hat mir dennoch gut gefallen. Es soll nur eine Erklärung sein, was mir fehlte um ihn die Höchstnote zu geben. Aber auf jeden Fall ein Film den ich weder bereue gesehen zu haben noch ihn in der Sammlung stehen zu haben.
Wertung:
8.5/10