Zwischen Himmel und Hölle (1963)

Dieses Thema im Forum "Kurzkritiken und Diskussion" wurde erstellt von Sam Spade, 1. November 2013.

  1. Sam Spade

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    #02 01.11.13 Sam Spade
     
    Zuletzt bearbeitet: 1. November 2013
  2. Sam Spade

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    Zwischen Himmel und Hölle


    天国と地獄

    Nach den großartigen Samuraifilmen Yojimbo (1961) und Sanjuro (1962) ging Kurosawa wieder zurück in die aktuelle Zeitepoche um 1963 den Kriminalfilm High and Low aka Zwischen Himmel und Hölle (nicht zu verwechseln mit dem 1993 gedrehten Antikriegsfilm von Oliver Stone) zu drehen, welcher lose auf dem Kriminalroman Kings Lösegeld von Ed McBain basiert.

    Die Geschichte dieses in schwarz/weiss gedrehten Films, handelt von dem erfolgreichen und wohlhabenden Unternehmer Kingo Gondo (Toshirō Mifune), der mit seiner Frau und seinem Sohn in einem großen Anwesen auf einem Hügel in Yokohama lebt und dessen Welt plötzlich aus den Fugen gerät, als ihm ein anonymer Anrufer mitteilt, seinen Sohn entführt zu haben, und 30 Millionen Yen Lösegeld fordert. Noch am Telefon beschließt Gondo sofort das Geld wie gefordert zu bezahlen, doch schon kurze Zeit später taucht der Sohn unversehrt in der Villa auf, und es stellt sich raus, dass versehentlich der Sohn des Chauffeurs gekidnappt wurde. Plötzlich stellt sich für Gondo die Frage, was er tun soll. Zahlt er, für einen eigentlich fremden Jungen, die 30 Millionen, ist das auch gleichzeitig sein finanzieller Ruin. Doch zahlt er nicht, könnte das dem Jungen das Leben kosten.

    Hierbei geht es vor allem in der ersten Hälfte des Films um die o.g. Frage, und die Handlung spielt sich auch fast ausschließlich in einem Zimmer in Gondo's Haus ab, was mich zum Teil an Hitchcock und gleichzeitig an ein Theaterstück erinnerte. Großartig. Auch wird natürlich, entgegen der Forderung des Entführers, die Polizei eingeschaltet. Diese kommt dann vor allem in der zweiten Hälfte zum Einsatz, wenn es darum geht, den Entführer zu schnappen. Diese zweite Hälfte fühlt sich dadurch ganz anders an, und ich war überrascht, wie detailiert auf die Polizeiarbeit eingegangen wurde. Man verfolgt die Ermittlungen mit, die immer sehr interessant dargestellt werden. Zum Beispiel gibt es immer wieder Besprechungen im Polizeipräsidium, bei denen Beweise dargelegt oder Beobachtungen der Fahndung mitgeteilt und besprochen werden, hierbei werden aber dann jeweils immer die dazu passenden Bilder mit eingeblendet, während der Ermittler etwas dazu sagt. Diese Methodik liebe ich, und hier musste ich auch immer wieder an das deutsche Meisterwek M von Fritz Lang aus dem Jahre 1931 denken, welches die Polizeiarbeit im gleichen Stil zeigt. Ich behaupte einfach mal, dass Kurosawa sich hier inspirieren ließ. Im letzten drittel erlebt man dann die genial inszenierte Observierung des Täters. Mehrere Polizisten verfolgen ihn durch das nächtliche Yokohama, mit dem Ziel, die letzten eindeutigen Beweise für die Entführung zu erhalten. Highlight hierbei ist ganz klar eine längere Szene in einer überfüllten Bar. Kurosawa liefert hier immer wieder geniale Aufnahmen in der Totalen, in denen man sowohl Täter als auch Polizisten (getarnt in der Menschenmenge) sieht und deren handeln beobachten kann. Generell bekommt man hier durchgehend atmosphärische Bilder geliefert und wie so oft bei Kurosawa, kam ich zum Ende hin gar nicht mehr aus der Gänsehaut raus, was unter anderem auch wieder an der sehr guten musikalischen Untermaltung lag. Wobei hier über weite Strecken spürbar weniger Musik eingespielt wird, wie in anderen mir bisher bekannten Werken von ihm, was ich aber nicht negativ meine. Insgesamt ist dies als Ganzes ein extrem starkes Werk, vielleicht gerade weil man hier so zwei unterschiedliche Hälften miterleben kann, und beide aber großartig funktionieren.

    Schauspielerisch muss ich bei Kurosawa eigentlich gar kein Wort mehr darüber verlieren, weil der ganze Cast absolut überzeugt. Allen vorran natürlich wieder Mifune, der mich einfach nur noch begeistert und dem man jede Rolle zu 100% abnimmt. Das Ermittlerteam um Detective Tokura (Tatsuya Nakadai) ist ebenfalls klasse und Tsutomu Yamazaki, der den Entführer mimt, bekommt man zwar erst gegen Ende zu Gesicht, liefert aber trotzdem eine sehr intensive Darstellung ab.

    Abschließend möchte ich sagen, dass man hier einen erstklassigen Kriminalfilm bekommt, der mich begeistert hat. Doch nicht nur die Story und die oben geannten Dinge machen diesen Film so großartig, sondern auch Fragen und Darstellungen die zum Thema Geld, Macht und Arm und Reich aufgezeigt werden, und zum nachdenken anregen.

    10/10
     
    Zuletzt bearbeitet: 18. Januar 2014
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