You're Next

Despair

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You're Next

Familienzusammenkunft (drei Söhne, eine Tochter plus die jeweiligen LebensgefährtInnen) in abgelegenem Landhaus, das eher die Dimensionen eines Schlösschens hat, zwecks Zelebrierung des Hochzeitstags von Mami und Papi. Und natürlich dauert es nicht lange, bis man sich untereinander zofft. Doch der durchs Fenster klirrende Armbrustbolzen, der zielsicher in der Stirn des Lovers der Tochter des Hauses endet, deutet bereits an, dass noch weiterer Ärger im Anmarsch ist...

Ich habe nichts gegen stumpfe Slasher. Wenn ein Jason Vorhees sich durch Teenagerhorden fräst, ist die Intention klar: Schnetzelspaß, so blutig und variantenreich wie möglich. Das muss man nicht mögen, aber es ist ehrlich. Und dann gibt es Filme, die zusätzlich mit einem realistischen Szenario und einer nachvollziehbaren Handlung punkten wollen. Ist auch nix gegen zu sagen. Peinlich wird's nur, wenn die Story so uninspiriert daherkommt und die Charaktere derart unglaubwürdig agieren wie in "You're Next".

Nachdem der oben erwähnte Liebhaber der Tochter bolzentechnisch das Zeitliche gesegnet hat und Sohn Nr. 1 durch einen weiteren Bolzen im Rücken kurzzeitig nur bedingt einsatzfähig ist, ersinnt die Restfamilie einen glorreichen Fluchtplan: Der schnellste Läufer der Gruppe solle doch durch die Vordertür nach draußen rennen und Hilfe holen. Dabei verwirre er die Angreifer mit seiner unmenschlichen Geschwindigkeit. Offenbar finden Papi und seine zwei noch bolzenfreien Söhne den Plan auch nicht so prall, also muss das naive Nesthäkchen ran. Ist ja eh die Schnellste der Sippe. Zum Glück haben aber die unbekannten Angreifer vor der Haustür bereits einen Draht auf Halshöhe gespannt. Die sind ja auch nicht doof und ahnten bereits, dass gleich jemand aus dem Haus zum Hundertmeterlauf ansetzen würde...

Dem Zuschauer wird also recht schnell klar, dass die strunzdumme Story allein dazu dient, die Pausen zwischen den Kills zu füllen. Schade eigentlich, denn das Gemetzel ist ordentlich inszeniert. Auch das alte Herrenhaus hat einen gewissen Charme und verbreitet eine düstere Atmosphäre. Die aber durch die Unsympathentruppe und die unglaubwürdige Tranformation einer Hauptfigur mit dem Arsch wieder eingerissen wird. Wenn das Trauerspiel wenigstens unfreiwillig komisch wäre. Aber selbst in dieser Beziehung hat "You're Next" nichts zu bieten. Primitiver Slasherspaß will ebenfalls nicht aufkommen, da man sich mit eingeschaltetem Resthirn aufgrund der hohlen Geschichte regelrecht für dumm verkauft vorkommt. Nee, nee, dann doch lieber Jason...

3/10 Punkte
 

Willy Wonka

Locationscout
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Sehr schöne Kurzkritik zum Film.

Der Trailer hat mir damals nicht unbedingt zugesagt und wirkte schon altbacken. Über die Zeit habe ich einige positive Stimmen zum Film vernommen, sodass mein Interesse kontinuierlich gesteigert worden ist. Deine Kritik lässt mein Interesse aber wieder sinken.

Im Forum haben doch einige andere User auch schon den Film gesehen, oder?
 

Vince

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Meine Kurzmeinung vom 24.12.2015 lautete so:


Wirklich smart ist Adam Wingards Home Invasioner nicht, weil er im Drehbuch immer wieder offensichtliche Lücken gestaltet, die später vorhersehbar mit Plottwists aufgefüllt werden. Und doch erscheint er im Vergleich mit manchem Artverwandten wie hochbegabt. Das liegt in erster Linie an der geschmackvollen Inszenierung eines Landhauses und der Herangehensweise an den Aufhänger, der sich grob als Lars von Triers „Das Fest“ im Horrormilieu umschreiben lässt.

Anfangs noch dominiert von Jump Scares, entwickelt sich der Ablauf später hin zur storytechnisch unverhofften, wenngleich natürlich nicht unerwarteten Transformation einer Figur in eine Kriegerin. Hauptdarstellerin Sharni Vinson stellt überaus eindrucksvoll ihr Talent für Strike-Back-Posen unter Beweis und beginnt alsbald, über spannende Sequenzen die Jagdverhältnisse ins Gegenteil umzukehren. Bei der Nutzung der Foyers, der Rückzugszimmer, Abstellkammern, des Hofes und der anliegenden Wälder zeigt Wingard seine größten Stärken, begleitet von einem Soundtrack, der bereits dezent die Vorliebe für das in „The Guest“ praktizierten 80s-Synthie-Klanggut andeutet. Von der Schlusspointe darf man nicht allzu viel erwarten; besser tut man sich gütlich am originell arrangierten Mittelteil und der durchweg gelungenen optischen Ausleuchtung.

6.5/10
 

Despair

Filmvisionaer
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Da hat der Film bei dir ja relativ gut abgeschnitten. Ich wundere mich ehrlich gesagt ziemlich über die vielen recht positiven Reviews.

... der sich grob als Lars von Triers „Das Fest“ im Horrormilieu umschreiben lässt.

[klugscheißmodus an] "Das Fest" ist von Thomas Vinterberg. [klugscheißmodus aus] ;)

Anfangs noch dominiert von Jump Scares, entwickelt sich der Ablauf später hin zur storytechnisch unverhofften, wenngleich natürlich nicht unerwarteten Transformation einer Figur in eine Kriegerin.

Das fand ich total unglaubwürdig, inklusive der Begründung.

Von der Schlusspointe darf man nicht allzu viel erwarten; besser tut man sich gütlich am originell arrangierten Mittelteil und der durchweg gelungenen optischen Ausleuchtung.

Ich hätte ja darauf gewettet, dass dieser komische Crispian das Teil über der Tür in die Fresse kriegt. Wäre noch besser gekommen, wenn er zu den Guten gehört hätte. :D
 

Vince

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Jo stimmt natürlich, ist von Vinterberg. Ich schreibe zu viele Kritiken, hin und wieder komm ich da durcheinander. Letztens hab ich noch "Al Pacino" geschrieben, wo eigentlich Robert de Niro gemeint war...

zum Rest kann ich gerade nicht mehr viel sagen, dazu sind die Eindrücke nicht mehr frisch genug. Ist ja schon ein bisschen her. Ich weiß nur, dass der Film definitiv inszenatorische Qualitäten offenbart, die der Regisseur aber später erst mit "The Guest" richtig ausgebaut hat. Er hat mich nun nicht so umgehauen, wie ich es vielleicht nach den Vorschusslorbeeren gehofft habe, das heißt aber nicht, dass da gar keine Funken waren.
 

SAB

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@Despair: Kann deine Meinung zum Film schon nachvollziehen, doch überwiegt bei mir die gute Inszenierung von Regisseur Wingard, den ich nach dem noch viel stärkeren "The Guest" sehr zu schätzen weiß. Deshalb bin ich auch schon sehr gespannt auf "Blair Witch".
Und ich finde ebenfalls, wie Vince, das Sharni Vinson ihre Sache sehr gut macht und hier im Gegensatz zu "Step Up 3", wo sie nur tanzen musste, auch schauspielern darf.:)
 

Despair

Filmvisionaer
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Und ich finde ebenfalls, wie Vince, das Sharni Vinson ihre Sache sehr gut macht und hier im Gegensatz zu "Step Up 3", wo sie nur tanzen musste, auch schauspielern darf.:)

Schauspielerisch hab' ich gar nichts zu meckern. Ich fand nur ihre Mutation vom freundlich-hilfsbereiten Mädel von nebenan zur alles dahinmetzelnden Kampfsau sehr unglaubwürdig. Sie ist ja nicht gerade zimperlich und gibt den (hinter ihren Masken wohl halb blinden) Fieslingen ordentlich Saures. Aber das ist wohl dem Genre geschuldet. ;)
 

Vince

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Hm, ich weiß nicht, wo der Film besondere Ansprüche an Realismus stellen würde. Mal davon abgesehen, dass ich das Szenario jetzt nicht als sooo unglaubwürdig in Erinnerung habe. Auch wenn's Äpfel und Birnen sind: vor zwei Tagen hätte man auch noch denken können, es ist unglaubwürdig, dass ein Edeka-Filialleiter einen Dieb zu Tode prügelt... das war auch ordentlich Saures.
 

Despair

Filmvisionaer
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Hm, ich weiß nicht, wo der Film besondere Ansprüche an Realismus stellen würde. Mal davon abgesehen, dass ich das Szenario jetzt nicht als sooo unglaubwürdig in Erinnerung habe. Auch wenn's Äpfel und Birnen sind: vor zwei Tagen hätte man auch noch denken können, es ist unglaubwürdig, dass ein Edeka-Filialleiter einen Dieb zu Tode prügelt... das war auch ordentlich Saures.

Naja, die Dame hat einem bereits ausgeknockten Gegner die Murmel zu Brei gehauen, einem anderen das Hirn mit 'nem Mixer püriert und ihrem Lover ein Messer ins Auge gerammt. Daran ist wohl klar ersichtlich, was den Machern am Wichtigsten war. Glaubwürdige Charakterentwicklung und die Story waren's nicht... ;)

Aber es ist halt ein Slasher, da erwarte ich kein absolut realistisches Szenario. Wenn man aber unbedingt eine Rahmenhandlung einbauen will, könnte man sich ein wenig mehr Mühe geben und etwas Originelleres abliefern. Denn...
...die komplette Familie inklusive Nachbarschaft abzumurksen, nur um an Papis Kohle zu kommen, finde ich schon etwas drastisch. Und inhaltlich arg lahm.
 
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