Tesis - Der Snuff Film

TheBjoern

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Tesis – der Snuff Film


Dies ist wieder einer der Filme, die ich mir aufgrund ihres Titels und dem äußeren Design der Verpackung niemals angesehen hätte, wenn ich ihn nicht gewichtelt bekommen hätte. Wieder zeigt sich das man Filme nicht immer aufgrund ihres Äußerem bewerten sollte.

Ich legte den Film mit dem Verdacht ein, dass es sich hierbei um einen ganz üblen perversen Folterfilm mit Trash-Allüren handeln könnte. Doch weit gefehlt:
Der Film handelt über Angela, eine junge Studentin der Filmwissenschaften, die sich für ihre Diplomarbeit das Thema „Gewalt in den Medien“, speziell der filmischen Gewalt, aussucht. Während ihrer Recherche fällt ihr ein echter Snuff-Film in die Hände, der noch dazu eine Studentin von derselben Uni zeigt, die vor 2 Jahren verschwunden ist. Von der Neugierde und gleichzeitig Verachtung des Gezeigten angetrieben, stellt sie mit Hilfe ihres Kommilitonen weitere Nachforschungen an, um auf die Spur des Folterers und Mörders zu gelangen. Dabei begibt sie sich immer mehr selbst in Gefahr.
Auf extreme und übertriebene Gewaltdarstellung wird dabei, zu meiner Überraschung, größtenteils verzichtet. Stattdessen bekommt man sehr gut platzierte Schnitte, die das Grauen mehr erahnen lassen und man kann sich selbst ein grauenvolles Bild machen. Dabei wird aber nicht völlig auf gezeigte Gewaltszenen verzichtet. Die Schnitte lassen sich vielmehr aus der Sicht der Studentin Angela interpretieren, die lieber wegschaut, aber von der Neugierde getrieben dann doch einen Blick riskiert und das Gesehene schreckhaft aufnimmt.
Der Film ist dabei ein spannender Thriller, der klassische Elemente von kriminologischem Vorgehen aufweist und gleichzeitig aufgrund der Bedrohlichkeit und der Gefahr, in die sich Angela begibt ein waschechter Psychothriller ist. Doch der Film ist mehr als ein reiner Thriller.
Die „Gewaltdarstellung in Film und Fernsehen“ ist ganz klar im Fokus gestellt. Das Thema wurde sehr gut in diesem Film aufgegriffen und lässt dabei viele Interpretationsebenen zu. Die allgemeine Frage warum es Gewalt in Medien gibt und warum sie angeblich immer weiter zunimmt, wird immer wieder „versteckt“ aufgegriffen. Sei es ein Dozent, der im Hintergrund im Rahmen einer Vorlesung sein Standpunkt klar macht, oder ihr Kommilitone, der selbst eine große Sammlung von Horrorfilmen und andere gewaltverherrlichende Filme besitzt und dem Thema ganz anders gegenübersteht, als Angela. Doch auch Angela ertappt sich immer mehr dabei, wie sie selbst von der Sensationslust angezogen wird und möchte es nicht wirklich war haben.
Trotz einer fortlaufenden Objektivität zum Thema, die man während des gesamten Film einnimmt - am Ende des Films wird einem selber klar, dass man sich selbst der Sensationslust nicht entziehen kann und man hat sich förmlich selbst ertappt, wie man doch nicht wegschauen konnte und auch nicht wollte.

9/10
 

Evil_Gonzo

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AW: Tesis - Der Snuff Film

tolle Kritik und eine schöne Wertung. :) Denn auch mir gefiel der Film, besitze die DVD schon ewig, habe den Film leider erst einmal gesehen. Allerdings fand ich den damals auch richtig gut. Auf jeden Fall ein Film den man weiter empfehlen kann. Eine Wertung gebe ich jetzt nicht, ist schon zu lange her....
 

deadlyfriend

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AW: Tesis - Der Snuff Film

Sehr schöne Kritik zu einem weitestgehend unbeachteten Film. Gerade das Spiel mit der nicht gezeigten Gewalt hat bei der VÖ für lange Gesichter gesorgt. Viele haben den in der Videothek als Zeitverschwendung abgetan, wegen fehlender Härte. Thrillerfreunde die nicht sonderlich viel von Folterfilmen hielten, waren dagegen begeistert. Mit dieser Resonanz und dem Inhalt des Films ist ein sehr interessanter Spiegel entstanden. Ich mag den Film sehr gerne:hoch:
 

TheBjoern

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AW: Tesis - Der Snuff Film

Gerade das Spiel mit der nicht gezeigten Gewalt hat bei der VÖ für lange Gesichter gesorgt. Viele haben den in der Videothek als Zeitverschwendung abgetan, wegen fehlender Härte.

Dann müsste die Botschaft des Filmes dann ja richtig gezündet haben. Der Zuschauer, der sich den Film bewusst wegen der angeblichen Gewaltdarstellung ansehen wollte, wird dabei ertappt, wie er selbst zum Voyeur der Gewalt wird, weil man nach dem Film eher die Haltung "Wie kann man sich bloß so ein Müll ansehen" einnimmt.
 

deadlyfriend

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AW: Tesis - Der Snuff Film

Dann müsste die Botschaft des Filmes dann ja richtig gezündet haben. Der Zuschauer, der sich den Film bewusst wegen der angeblichen Gewaltdarstellung ansehen wollte, wird dabei ertappt, wie er selbst zum Voyeur der Gewalt wird, weil man nach dem Film eher die Haltung "Wie kann man sich bloß so ein Müll ansehen" einnimmt.



Das meinte ich ja mit dem "Spiegel". Nur haben die meisten in dem Spiegel nichts erkennen können. Die Erwartungshaltung wurde nicht erfüllt. Das man ihnen das während dem Film schon mitgeteilt hat, haben sie nicht mitbekommen.:)
 

TheBjoern

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AW: Tesis - Der Snuff Film

Das meinte ich ja mit dem "Spiegel".

Oh, das hab ich zu schnell überlesen.

Die Erwartungshaltung wurde nicht erfüllt. Das man ihnen das während dem Film schon mitgeteilt hat, haben sie nicht mitbekommen.:)

Ja, so gesehen konnte man es schon direkt an der ersten Einstellung erkennen. Die Szene mit dem Zug-Opfer auf den Schienen machte recht deutlich den Standpunkt des Films klar. :hoch:

...und nochmal ein Dankeschön an dieser Stelle für Kratos666, der mit diesem Film gewichtelt hat und genau ins Schwarze getroffen hat. Ich hätte mir diesen Film sonst nie angesehen. :kiss:
 

deadlyfriend

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AW: Tesis - Der Snuff Film

Übrigens dienen einige Amazon Rezensionen wieder mal vorzüglich unserem Thread. Da reden irgendwelche Typen von "Langeweile" und das sie etwas "Rauheres" gewohnt wären. Von einer billigen Kopie von 8MM, der übrigens danach erst entstanden ist etc....

Falls es hier Interessenten an dem Film geben sollte, sei noch erwähnt das der Film von Alejandro Amenabar (Open your eyes, The Others) gedreht wurde.
 

Evil_Gonzo

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AW: Tesis - Der Snuff Film

Übrigens dienen einige Amazon Rezensionen wieder mal vorzüglich unserem Thread. Da reden irgendwelche Typen von "Langeweile" und das sie etwas "Rauheres" gewohnt wären. Von einer billigen Kopie von 8MM, der übrigens danach erst entstanden ist etc....
:lol:ist das geil. Nur weil auf dem Cover "Snuff" steht denken einige wohl, dass es in dem Film tierisch brutal abgehen muss. Und diese Leute checken dann nicht den wirklichen Inhalt des Films. So nach dem Motto: " das war aber ein langweiliger Snuff Film.
 

deadlyfriend

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AW: Tesis - Der Snuff Film

:lol:ist das geil. Nur weil auf dem Cover "Snuff" steht denken einige wohl, dass es in dem Film tierisch brutal abgehen muss. Und diese Leute checken dann nicht den wirklichen Inhalt des Films. So nach dem Motto: " das war aber ein langweiliger Snuff Film.


Genau, das ist passiert! Wobei man den Film jetzt nicht nur auf diese Spielwiese reduzieren sollte. Es ist wirklich ein hervorragender Thriller, der aber eben bewußt mit dieser Doppeldeutigkeit arbeitet. Aber auch ohne, ist er wirklich spannend.
 

Eclipsed

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AW: Tesis - Der Snuff Film

Ihr habt gerade eine weitere DVD auf meinen Wunschzettel bugsiert!
Von Alejandro Amenábar kenne ich bisher Das Meer In Mir und Open Your Eyes...die beide gnadenlos gut sind!
 

Despair

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AW: Tesis - Der Snuff Film

Falls es hier Interessenten an dem Film geben sollte, sei noch erwähnt das der Film von Alejandro Amenabar (Open your eyes, The Others) gedreht wurde.

Den ich immer mit Pedro Almodóvar verwechsle und schon deshalb keine Gewaltorgie erwartet hätte. Nur die Abwesenheit von Penélope Cruz hätte mich vielleicht etwas stutzig gemacht. :D
 

kelte

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AW: Tesis - Der Snuff Film

:lol:ist das geil. Nur weil auf dem Cover "Snuff" steht denken einige wohl, dass es in dem Film tierisch brutal abgehen muss. Und diese Leute checken dann nicht den wirklichen Inhalt des Films. So nach dem Motto: " das war aber ein langweiliger Snuff Film.
das Problem des Filmes war seinerzeit das er zum falschen Zeitpunkt rauskam. Man ging wirklich von aus, das der Film endlich mal ne harte Richtung einschlagen wird nachdem man als Splatterfan eine lange Dürreperiode hatte.
Der Film ist mehr oder weniger untergegangen, dabei war ich damals zwar begeistert von dem Film während eine Menge andere den Film als Öde empfunden, jedoch wären ein paar harte Einlagen zu dem Zeitpunkt nicht verkehrt gewesen. Was aber nicht die Intention des Filmes ist,- so kam ich auch zu dem Schluss das mir das einmalige Ansehen reicht. :)
 

Willy Wonka

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AW: Tesis - Der Snuff Film

Das meinte ich ja mit dem "Spiegel". Nur haben die meisten in dem Spiegel nichts erkennen können. Die Erwartungshaltung wurde nicht erfüllt. Das man ihnen das während dem Film schon mitgeteilt hat, haben sie nicht mitbekommen.:)

Auch wenn es vermutlich oft vorkommt, finde ich es schon traurig. Denn der Film verbirgt seine Botschaft ja nicht in irgendwelche nicht entzifferbaren Subtexte. Amenbár findet meines Erachtens genau das Mittelmaß, denn weder versteckt er seine Botschaft noch wird sie vollkommen auf dem Silbertablett serviert.

Die letzte Einstellung im Krankenhaus verdeutlicht nicht nur das voyeuristische Interesse an Gewalt, sondern zeigt auch indirekt, wie die Industrie (in diesem Fall das Fernsehen) Gewalt instrumentalisiert. Ein kongeniales Ende für den Film.

Jetzt würde mich auch noch einmal Schumachers „8MM“ im direkten Vergleich interessieren. Die letzte Sichtung ist nämlich bereits etliche Jahre her und viele Erinnerungen habe ich nicht mehr an den Film.
 

deadlyfriend

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Tesis – Der Snuff Film

Als „Tesis“ Mitte der 90er in die Videotheken kam, war ich erstmal skeptisch. Ein Cover, welches nach Amateurfilm aussah, Snuff zum Thema hatte und zusätzlich eine reißerische Beschreibung auf der Rückseite des Covers besaß. Die ersten Stimmen zum Film, machten ihn dann durchaus interessanter. Einige zwielichtige Gesellen sprachen von einem Film, in dem man nichts sieht, andere faselten davon, dass der Film übel geschnitten wäre und es unter der Hand richtig harte Versionen gibt. Wieder andere sprachen aber von einem superben Thriller, weshalb er letztendlich in den Fokus rückte. Denn Letztere hatten Recht, auch wenn er in der Videothek bei Horror eingeordnet wurde.


Die Filmstudentin Angela möchte ihre Diplomarbeit mit dem Thema „Gewalt in den Medien“ bewerkstelligen. Dazu sucht sie sich einmal Hilfe bei dem Horrorfilm-Nerd Chema, aber auch bei ihrem Professor, den sie darum bittet, ihr interessantes Material im Archiv zu besorgen. Diesem fällt durch Zufall ein merkwürdiges Tape in die Hände, welches er sich im Saal der Uni ansieht und dabei vor Grauen stirbt. Angela findet die Leiche, entwendet kurzerhand das Tape und sieht es sich mit Chema zusammen an. Darauf entdecken sie eine ehemalige Mitschülerin, welche vor 2 Jahren verschwand. Auf dem Video wird sie gefoltert und ermordet. Das ungleiche Paar stellt im Video aber auch Hinweise fest, wo das Tape herkommen könnte, und beginnt zu ermitteln.
Regisseur Alejandro Amenábar, der nachfolgend riesige Erfolge mit „Open your eyes“, „The Others“ und „Das Meer in mir“ feierte, lieferte bereits mit diesem Erstlingswerk einen grandiosen Hochspannungsthriller ab, der sich vor niemandem verstecken braucht. Die eingangs erwähnte „ungeschnittene“ Fassung existiert allerdings nicht. Mehr Blood & Gore würde den Film nämlich komplett ruinieren, da er damit die eigene doppelbödige Kernaussage des Films zerstört hätte. Der Film besitzt nämlich zwei Lesarten. Einmal die eines spannungsgeladenen Psychothrillers und zusätzlich hält sie einigen Zuschauern einen unliebsamen Spiegel vor. Es geht um Sehen! Wieviel will man sehen? Was sollte man sehen? Wo ist die Grenze? Die gegensätzlichen Charaktere Chema und Angela liefern hier fantastische Gedankenspiele, die von der Kamera perfekt inszeniert werden. Trotzdem liegt hier kein „Kunstfilm“ vor, sondern ein atmosphärisch dichter und spannender Psychothriller. Dies liegt auch daran, dass er keinen Studiofilm gedreht hat, sondern immer an real existierenden Locations. Die Universität, die wir in großen Teilen im Film zu sehen bekommen, ist beispielsweise die, in der Amenábar selbst Film studiert hat. Alle anderen Drehorte sind ebenfalls echt. Kein CGI, keine Greenscreen; authentischer Genuss pur! Filmfreunde werden zusätzlich noch sehr viel Spaß haben, bei all den Reminiszenzen, die er untergebracht hat. Sei es durch filmische Zutaten oder durch die ganze Ausstattung, im Zuge von Plakaten und Utensilien, die aber auch wiederum der Charakterbeschreibung dienen. Ich kann den Film jedem Thriller- und Filmfreund wärmstens ans Herz legen, sofern man nicht nur die glattpolierte Variante mag.
Das Mediabook: Alter Falter! Das ist PERFEKT! Hier gibt es nicht einmal die kleinste Nuance zu kritisieren. Ich wiederhole mich da gerne: Andere Firmen liefern zum gleichen Preis ein Re-Pack ab, während Wicked Vision hier alle Register zieht. Ein Audiokommentar von Marcus Stiglegger, der sehr informativ und spannend geraten ist, da er auch über seine eigene Studienzeit spricht und deshalb auch auf diese parallelen Erlebnisse eingeht, ist genauso enthalten wie ein Audiokommentar von Amenábar selbst. Dieser wurde aber deutsch untertitelt, was einfach große Klasse ist. Dieser ist selbstverständlich ebenfalls sehr informativ und interessant geraten, auch wenn er größere Pausen einlegt. Zusätzlich gibt es einen frühen, 34-minütigen Kurzfilm des Regisseurs, mit dem Namen „Himenóptero“, der ebenfalls deutsch untertitelt wurde und auch wichtig im Kontext zu „Tesis“ steht, da er darauf aufbaut. Das reicht aber immer noch nicht! Es gibt obendrauf ein Making of, eine Featurette, deleted scenes, Storyboards und einiges mehr. Nur das Bonusmaterial allein, hat eine Spieldauer von über 2 Stunden und hat überall deutsche Untertitel. Wenn man sich mit dem Mediabook wirklich beschäftigt, ist man mit über 8 spektakulären und spannenden Stunden am Start. Das 24-seitige Booklet stammt von David Renske und selbst wenn man das komplette Bonusmaterial durchgeackert hat, gibt es hier noch eine Menge zu erfahren, da er sich dem Thema „Snuff“ aus verschiedenen Richtungen nähert und hier einen hochinteressanten Text abgeliefert hat. Top Booklet! Wer beim Lesen, dann noch die Atmosphäre des Films spüren möchte, legt die zusätzlich enthaltene CD ein, die den wundervollen Soundtrack beinhaltet. Ja, ihr habt richtig gelesen. Der ist auch noch dabei und stammt zu großen Teilen vom Regisseur selbst. Vielleicht versteht man an dieser Stelle ein wenig mehr, warum ich bei Re-Packs für 32 Euro die Hände über dem Kopf zusammenschlage, wenn man für das gleiche Geld, so eine fantastische, ultrageile Mega-Edition bekommen kann. Danke Wicked Vision Distribution GmbH!
 

Tarantino1980

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Als „Tesis“ Mitte der 90er in die Videotheken kam, war ich erstmal skeptisch. Ein Cover, welches nach Amateurfilm aussah, Snuff zum Thema hatte und zusätzlich eine reißerische Beschreibung auf der Rückseite des Covers besaß. Die ersten Stimmen zum Film, machten ihn dann durchaus interessanter. Einige zwielichtige Gesellen sprachen von einem Film, in dem man nichts sieht, andere faselten davon, dass der Film übel geschnitten wäre und es unter der Hand richtig harte Versionen gibt. Wieder andere sprachen aber von einem superben Thriller, weshalb er letztendlich in den Fokus rückte. Denn Letztere hatten Recht, auch wenn er in der Videothek bei Horror eingeordnet wurde.
Und wieder eine Filmsichtung die mich nachhaltig begeistert hat. Einerseits ist es schade das ich solche Filme soviele Jahre ignoriert bzw. noch nicht einmal etwas von Ihrer Existenz gewusst hatte, andererseits ist es auch gut das ich so manchen Film nicht deutlich früher gesehen habe. Im Erscheinungsjahr war ich 16 Jahre alt und hätte ich den Film zu diesem Zeitpunkt gesehen, wäre ich leider, das muss ich ehrlich zugeben, einer derjenigen gewesen die ihn als langweilig abgetan hätten bzw. deutlich mehr Gore erwartet hätten. Aber zum Glück hat sich mit den Jahrzehten des Filmeschauens mein Filmgeschmack geändert und bei meiner heutigen Sichtung konnte ich diesen Film einfach nur genießen!

Auf jeden Fall ist es wieder typisch das damals schnell wieder solche urbanen Legenden ins Leben gerufen wurden das es eine Art Langfassung oder Directors Cut gäbe der mehr zeigt!

Auf extreme und übertriebene Gewaltdarstellung wird dabei, zu meiner Überraschung, größtenteils verzichtet. Stattdessen bekommt man sehr gut platzierte Schnitte, die das Grauen mehr erahnen lassen und man kann sich selbst ein grauenvolles Bild machen. Dabei wird aber nicht völlig auf gezeigte Gewaltszenen verzichtet. Die Schnitte lassen sich vielmehr aus der Sicht der Studentin Angela interpretieren, die lieber wegschaut, aber von der Neugierde getrieben dann doch einen Blick riskiert und das Gesehene schreckhaft aufnimmt.

Die eingangs erwähnte „ungeschnittene“ Fassung existiert allerdings nicht. Mehr Blood & Gore würde den Film nämlich komplett ruinieren, da er damit die eigene doppelbödige Kernaussage des Films zerstört hätte. Der Film besitzt nämlich zwei Lesarten. Einmal die eines spannungsgeladenen Psychothrillers und zusätzlich hält sie einigen Zuschauern einen unliebsamen Spiegel vor. Es geht um Sehen! Wieviel will man sehen? Was sollte man sehen? Wo ist die Grenze?

Ich bin mittlerweile der Meinung das keine auf Film gebannte Szene mit der Fantasie des Zuschauers mithalten kann! Egal wie realistisch und wie Brutal eine Szene inszeniert wird, die Vorstellung beim Zuschauer, wenn man etwas nicht sieht wird immer grausamer sein! Inzwischen habe ich sogar eine Abneigung gegen Gore entwickelt, zumindest wenn er vermeidbar ist und der Film auch ohne diese Szenen auskommen würde. Das soll nicht heißen das ich auf nur noch blutlose Filme gut finde, wenn es zur Atmosphäre dazugehört und somit passend ist, finde ich es weiterhin gut. Nur ich brauche eben keine minutenlangen Folterorgien zu sehen, wenn man dieselbe, wenn nicht sogar eine größer Wirkung, damit erziehlen könnte, Dinge nur anzudeuten oder es eben der Fantasie des Zuschauers zu überlassen!


Der Film ist dabei ein spannender Thriller, der klassische Elemente von kriminologischem Vorgehen aufweist und gleichzeitig aufgrund der Bedrohlichkeit und der Gefahr, in die sich Angela begibt ein waschechter Psychothriller ist.
In der Tat waren das die beiden Aspekte die mir sehr gut gefallen haben! Angela war hier nicht nur ein hilfloses Opfer bzw. klischee Scream Queen, sondern sie hat auch eigene Nachvorschungen betrieben welche natürlich dazu dienten, den Zuschauer immer tiefer in die Hintergründe und die Welt des Snuff Films eintauchen zu lassen, ohne das Ganze in irgendeiner Art und Weise zu glorifizieren oder zu sexualisieren.

Doch der Film ist mehr als ein reiner Thriller.
Die „Gewaltdarstellung in Film und Fernsehen“ ist ganz klar im Fokus gestellt. Das Thema wurde sehr gut in diesem Film aufgegriffen und lässt dabei viele Interpretationsebenen zu. Die allgemeine Frage warum es Gewalt in Medien gibt und warum sie angeblich immer weiter zunimmt, wird immer wieder „versteckt“ aufgegriffen. Sei es ein Dozent, der im Hintergrund im Rahmen einer Vorlesung sein Standpunkt klar macht, oder ihr Kommilitone, der selbst eine große Sammlung von Horrorfilmen und andere gewaltverherrlichende Filme besitzt und dem Thema ganz anders gegenübersteht, als Angela. Doch auch Angela ertappt sich immer mehr dabei, wie sie selbst von der Sensationslust angezogen wird und möchte es nicht wirklich war haben.
Das ist in der Tat auch ein großes Motiv in diesem Film! Die Sensationslust der Menschheit. Daher war auch die Eröffnungssequenz genial gefilmt. Auch hier sieht man nichts, wird aber vielleicht gerade durch die Worte des Zugführers in Verbindung mit der sehr konsequenten Aufforderung nicht hinzusehen getriggert es doch irgendwie aus Neugierde sehen zu wollen. Die kurze Szene in der Angela fast einen Blick auf die Gleise erhaschen kann und dann doch noch davon abgehalten wird, ist wirklich phänomenal inszeniert weil auch hier die Bilder in meinem Kopf mit Sicherheit wieder grausamer waren als das was man in einem Spielfilm zu Gesicht bekommen hätte. Von daher hat hier schon der Film alles richtig gemacht!


Trotz einer fortlaufenden Objektivität zum Thema, die man während des gesamten Film einnimmt - am Ende des Films wird einem selber klar, dass man sich selbst der Sensationslust nicht entziehen kann und man hat sich förmlich selbst ertappt, wie man doch nicht wegschauen konnte und auch nicht wollte.
Das Ende ist zwar wichtig für den Film, aber ich persönlich hätte hier ein etwas anderes Ende bevorzugt. Nachdem Angela Bosco getötet hat hätte sie noch zu Chema zurück gehen sollen und man hätte sehen müssen das er zwar verletzt ist, aber durchkommen wird. Dann noch eine Umarmung der Beiden, ein paar erleichternde Worte und dann Schwarzbild.

Das tatsächliche Ende des Films ist natürlich auch okay, ist mir aber dann doch etwas zu realistisch gehalten und zog mich etwas aus der gigantischen finalen Atmosphäre wieder raus.


Von einer billigen Kopie von 8MM, der übrigens danach erst entstanden ist etc....
Unweigerlich musste ich hier natürlich auf Grund der Thematik auch an 8MM von Joel Schumacher denken. Je intensiver ich mich mit Filmhistorie beschäftige, desto desillusinierter wird mein Bild über Hollywood. Ich weiß noch ganz genau als ich das erste Mal 8MM sah, ich war total hin und weg von dem Film, von seiner düsteren Atmosphäre und natürlich auch von seinem für mich damals neuen Thema dem Snuff Film. Bitte verteht mich nicht falsch, ich war nicht neugierig darauf mal einen zu sehen danach, aber dennoch hat mich das Thema irgendwie beschäftigt. Ich weiß noch nicht ob ich bei meiner nächsten Sichtung von 8MM mit ihm so hart ins Gericht gehen werde wie David Renske, aber ich kann mir sehr gut vorstellen, dass ich ihn, gerade nach der Sichtung von Tesis, mit anderen Augen sehen werde, was ich jetzt nicht postiv meine. Man muss sich das halt mal wieder vor Augen führen. Ein junger aufstrebender spanischer Regisseur - Alejandro Amenábar - nimmt sich dieses Thema bereits drei Jahre zuvor an und schafft hier, ohne bekannte Darsteller, ohne eine riesiges Budget, das Thema interessant in einen atemberaubenden Thriller unter zu bringen. Und was machte die damalige Filmindustrie in den USA? Der Film wird regelrecht ignoriert und drei Jahre später bekommt Joel Schumacher für seinen Film die Anerkennung die auch Alejandro Amenábar verdient hätte. Und während 8MM zum Kultfilm wurde ist Tesis, zumindest für den größten Teil der Filmwelt, eher ein Geheimntipp.


Regisseur Alejandro Amenábar, der nachfolgend riesige Erfolge mit „Open your eyes“, „The Others“ und „Das Meer in mir“ feierte, lieferte bereits mit diesem Erstlingswerk einen grandiosen Hochspannungsthriller ab, der sich vor niemandem verstecken braucht.

Und dann muss man sich auch noch diesen Fakt immer vor Augen führen, das es sein erster Film in Spielfilmlänge war! Davor muss man einfach den Hut ziehen!

Die gegensätzlichen Charaktere Chema und Angela liefern hier fantastische Gedankenspiele, die von der Kamera perfekt inszeniert werden. Trotzdem liegt hier kein „Kunstfilm“ vor, sondern ein atmosphärisch dichter und spannender Psychothriller. Dies liegt auch daran, dass er keinen Studiofilm gedreht hat, sondern immer an real existierenden Locations. Die Universität, die wir in großen Teilen im Film zu sehen bekommen, ist beispielsweise die, in der Amenábar selbst Film studiert hat. Alle anderen Drehorte sind ebenfalls echt. Kein CGI, keine Greenscreen; authentischer Genuss pur!
Du hast hier perfekt alle Stärken des Filmes beschrieben! Tesis ist auf jeden Fall jetzt auch einer der Filme den ich nennen würde, wenn mich jemand nach einem sehr gutem Psychothriller fragen würde.

Filmfreunde werden zusätzlich noch sehr viel Spaß haben, bei all den Reminiszenzen, die er untergebracht hat. Sei es durch filmische Zutaten oder durch die ganze Ausstattung, im Zuge von Plakaten und Utensilien, die aber auch wiederum der Charakterbeschreibung dienen.
Auch daran konnte ich mich nicht satt sehen und ich bin mir sicher das mir noch nicht alles aufgefallen ist. Da werde ich bei der nächsten Sichtung auf jeden Fall weiter drauf achten!


Ich kann den Film jedem Thriller- und Filmfreund wärmstens ans Herz legen, sofern man nicht nur die glattpolierte Variante mag.
Auch hier dann nochmal meinen Dank für Deine Empfehlung. Ich hatte zwar, ironischer Weise, 2021 mitbekommen das Wicked Vision diesen Film im Mediabook bringt aber, leider, hatte ich ihn nicht auf dem Schirm. Zum Glück hast Du das Anfang diesen Jahres mit Deiner Tollen Rezi und Mediabook Vorstellung hier und auf Facebook geändert und ich hatte noch das große Glück diese Filmperle zu einem normalen Kurs mir in die Sammlung stellen zu können.

Wertung: 9/10
 

deadlyfriend

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Und wieder eine Filmsichtung die mich nachhaltig begeistert hat. Einerseits ist es schade das ich solche Filme soviele Jahre ignoriert bzw. noch nicht einmal etwas von Ihrer Existenz gewusst hatte, andererseits ist es auch gut das ich so manchen Film nicht deutlich früher gesehen habe. Im Erscheinungsjahr war ich 16 Jahre alt und hätte ich den Film zu diesem Zeitpunkt gesehen, wäre ich leider, das muss ich ehrlich zugeben, einer derjenigen gewesen die ihn als langweilig abgetan hätten bzw. deutlich mehr Gore erwartet hätten. Aber zum Glück hat sich mit den Jahrzehten des Filmeschauens mein Filmgeschmack geändert und bei meiner heutigen Sichtung konnte ich diesen Film einfach nur genießen!
Ich wundere mich tatsächlich immer wieder über Leute, die einfach irgendwo stehenbleiben. Filme die ich als Kind blöd fand, oder durch das Echo von Anderen liegen ließ, habe ich inzwischen weitestgehend nachgeholt. Allerdings ist manchmal auch eine Umkehr entstanden. Manche Filme die ich früher toll fand, sind inzwischen ziemlich abgestürzt. Das Gute ist aber ja, das die Filmwelt für jegliches Alter Entdeckungsreisen bereithält, sofern man noch die Neugier besitzt. Wir haben eine ganze Menge davon :nice:

Auf jeden Fall ist es wieder typisch das damals schnell wieder solche urbanen Legenden ins Leben gerufen wurden das es eine Art Langfassung oder Directors Cut gäbe der mehr zeigt!
Die "polnische FSK21" war damals bereits als Scherz sehr beliebt.
Ich bin mittlerweile der Meinung das keine auf Film gebannte Szene mit der Fantasie des Zuschauers mithalten kann! Egal wie realistisch und wie Brutal eine Szene inszeniert wird, die Vorstellung beim Zuschauer, wenn man etwas nicht sieht wird immer grausamer sein! Inzwischen habe ich sogar eine Abneigung gegen Gore entwickelt, zumindest wenn er vermeidbar ist und der Film auch ohne diese Szenen auskommen würde. Das soll nicht heißen das ich auf nur noch blutlose Filme gut finde, wenn es zur Atmosphäre dazugehört und somit passend ist, finde ich es weiterhin gut. Nur ich brauche eben keine minutenlangen Folterorgien zu sehen, wenn man dieselbe, wenn nicht sogar eine größer Wirkung, damit erziehlen könnte, Dinge nur anzudeuten oder es eben der Fantasie des Zuschauers zu überlassen!
Kann ich 1:1 übernehmen. "Ghostland" ist da ein schönes Beispiel. Der Film ist knüppelhart aber man sieht nicht viel. Wenn ein Film nur auf Gore ausgelegt ist, was man inzwischen relativ schnell merkt, ist mein Interesse schnell verschwunden.
Das ist in der Tat auch ein großes Motiv in diesem Film! Die Sensationslust der Menschheit. Daher war auch die Eröffnungssequenz genial gefilmt.
Das ist Amenàbar tatsächlich passiert, weshalb er es in den Film einbaute.
Das Ende ist zwar wichtig für den Film, aber ich persönlich hätte hier ein etwas anderes Ende bevorzugt. Nachdem Angela Bosco getötet hat hätte sie noch zu Chema zurück gehen sollen und man hätte sehen müssen das er zwar verletzt ist, aber durchkommen wird. Dann noch eine Umarmung der Beiden, ein paar erleichternde Worte und dann Schwarzbild.
Mir gefiel es sehr gut, weil er damit verdeutlicht, was gerade passiert. Alle Welt starrt auf den Bildschirm, da die Moderatorin grauenhafte Bilder ankündigt, die es noch zuvor gegeben hat. Ich sehe das irgendwie so, das er an der Stelle kein filmisches Ergebnis liefert, sondern das für den Zuschauer. Zuerst will der Zuschauer, wie die in den Krankenbetten, alles sehen. Mit Glück hat er inzwischen gelernt und die, die alle jetzt auf den Fernseher starren, sind die Leute die keine Metamorphose durchlebt haben. Heißt der wissende Zuschauer, starrt jetzt auf die unwissenden Zuschauer. Also auf die Zuschauer, die nach der ungeschnittenen Fassung verlangt haben. :lol: Der Film dreht sich ja quasi darum, weshalb für mich das Ende konsequent war.
Das tatsächliche Ende des Films ist natürlich auch okay, ist mir aber dann doch etwas zu realistisch gehalten und zog mich etwas aus der gigantischen finalen Atmosphäre wieder raus.
Im US Remake sollte Chema der Bösewicht am Ende sein. Das Projekt ist aber gescheitert. Amenábar hatte es gelesen und fand die Umkehrung nicht gut, da es die Grundaussage des Films verändert. Ich hätte an einem Remake wahrscheinlich auch keinen Spaß gehabt.
Unweigerlich musste ich hier natürlich auf Grund der Thematik auch an 8MM von Joel Schumacher denken. Je intensiver ich mich mit Filmhistorie beschäftige, desto desillusinierter wird mein Bild über Hollywood.
Bei der letzten Sichtung von 8MM, fand ich ihn immer noch sehr gut, obwohl die Jahre zurückliegt. Wenn man die beiden Filme vergleichen möchte, gewinnt "Tesis" für mich klar, allerdings wollte 8MM ja auch weniger aufklären, sondern eher Spannungskino erzeugen. Neben der gelungenen Umkehrung einer Person, durch das Erlebte. Wie gesagt, nach wie vor ein guter Film. Mich nervte nur, das man damals vielerorts von einer neuen Art Film sprach und das es so etwas noch nie gegeben hat. Die Leute schauen einfach nicht über den Tellerrand.
Und dann muss man sich auch noch diesen Fakt immer vor Augen führen, das es sein erster Film in Spielfilmlänge war! Davor muss man einfach den Hut ziehen!
Ähm, ja! Mit 23 Jahren. Bewundernswert! Ausgesprochen sensationell fand ich das Interview mit Nicole Kidman bei "The Others". Dieser Weltstar sprach darüber wie gut sie von ihm durch den Film geführt wurde. Das sie Schwierigkeiten mit der Rolle hatte, aber Amenábar sie wahnsinnig unterstützt hätte und er ein unglaublicher Regisseur wäre. Javier Bardem hat Ähnliches bei "Das Meer in mir" über ihn gesagt. Ich finde das echt sensationell. Dieser damals nicht mal 30 Jahre alte Newcomer sagt den Weltstars wo es lang geht.
Du hast hier perfekt alle Stärken des Filmes beschrieben! Tesis ist auf jeden Fall jetzt auch einer der Filme den ich nennen würde, wenn mich jemand nach einem sehr gutem Psychothriller fragen würde.
Ganz klar! Viele haben mit europäischem Kino aber nach wie vor Berührungsängste.
Auch daran konnte ich mich nicht satt sehen und ich bin mir sicher das mir noch nicht alles aufgefallen ist. Da werde ich bei der nächsten Sichtung auf jeden Fall weiter drauf achten!
Man merkt in jedem Fall, das er ein riesiger Filmfan ist. Er nutzt auch solche Dinge um die Charaktere zu beschreiben. Er stellt sich beispielsweise Fragen, welche Filme der jeweilige Charakter gerne mögen könnte. Daraufhin hängt er Plakate im Zimmer auf. Bei Angela beispielsweise hängt "My private Idaho", der zu ihrem Wesen gut passen würde.
Auch hier dann nochmal meinen Dank für Deine Empfehlung. Ich hatte zwar, ironischer Weise, 2021 mitbekommen das Wicked Vision diesen Film im Mediabook bringt aber, leider, hatte ich ihn nicht auf dem Schirm. Zum Glück hast Du das Anfang diesen Jahres mit Deiner Tollen Rezi und Mediabook Vorstellung hier und auf Facebook geändert und ich hatte noch das große Glück diese Filmperle zu einem normalen Kurs mir in die Sammlung stellen zu können.

Wertung: 9/10
Das Mediabook ist doch wirklich spitzenklasse, oder? Was da wieder alles enthalten ist. Hast du dir das Bonusmaterial und den Kurzfilm angeschaut?
 

Tarantino1980

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Ich wundere mich tatsächlich immer wieder über Leute, die einfach irgendwo stehenbleiben. Filme die ich als Kind blöd fand, oder durch das Echo von Anderen liegen ließ, habe ich inzwischen weitestgehend nachgeholt. Allerdings ist manchmal auch eine Umkehr entstanden. Manche Filme die ich früher toll fand, sind inzwischen ziemlich abgestürzt. Das Gute ist aber ja, das die Filmwelt für jegliches Alter Entdeckungsreisen bereithält, sofern man noch die Neugier besitzt. Wir haben eine ganze Menge davon :nice:
Sehr schön zusammen gefasst. Neugierde ist auf jeden Fall wichtig! Natürlich hat jeder auch so seine Lieblinge die man immer und immer wieder schaut, aber wenn ich bedenke ich hätte nur 30-40 Filme in der Sammlung und würde die immer wieder ansehen, das würde mir irgendwann sehr langweilig werden. Auch wenn man viele sehr gute Filme, dadurch das es einfach zuviele gibt, nicht so oft sich anschaut wie man es gerne wollen würde und wie sie es verdient hätten, so ist es einfach ein geiles Gefühl zu wissen das man sich diese Filme immer ansehen kann ohne angst zu haben das es den Film im Stream nicht mehr gibt. Hinzu kommt ja auch noch das solche Filme bei keinem gängingen Streaming Anbieter verfügbar sind!

Kann ich 1:1 übernehmen. "Ghostland" ist da ein schönes Beispiel. Der Film ist knüppelhart aber man sieht nicht viel. Wenn ein Film nur auf Gore ausgelegt ist, was man inzwischen relativ schnell merkt, ist mein Interesse schnell verschwunden.
Ghostland ist wirklich ein sehr gutes Beispiel. Auch ein schöner neuerer Film der zeigt das es auch in aktuellen Filmjahrzehnten, wenn auch deutlich weniger, extrem gute Filme noch existieren!


Mir gefiel es sehr gut, weil er damit verdeutlicht, was gerade passiert. Alle Welt starrt auf den Bildschirm, da die Moderatorin grauenhafte Bilder ankündigt, die es noch zuvor gegeben hat. Ich sehe das irgendwie so, das er an der Stelle kein filmisches Ergebnis liefert, sondern das für den Zuschauer. Zuerst will der Zuschauer, wie die in den Krankenbetten, alles sehen. Mit Glück hat er inzwischen gelernt und die, die alle jetzt auf den Fernseher starren, sind die Leute die keine Metamorphose durchlebt haben. Heißt der wissende Zuschauer, starrt jetzt auf die unwissenden Zuschauer. Also auf die Zuschauer, die nach der ungeschnittenen Fassung verlangt haben. :lol: Der Film dreht sich ja quasi darum, weshalb für mich das Ende konsequent war.
Ja das stimmt schon und ich finde es auch nicht schlecht, nur es hat mich halt etwas aus der fictionalen Welt herausgerissen. Ich kann wie gesagt sehr gut verstehen warum Amenàbar das Ende so inszeniert hat. Wie gesagt ist es auch nur "meckern" auf ganz hohem Niveau und ein kleiner Kritikpunkt warum es eben "nur" eine 9/10 bei mir wurde.

Im US Remake sollte Chema der Bösewicht am Ende sein. Das Projekt ist aber gescheitert. Amenábar hatte es gelesen und fand die Umkehrung nicht gut, da es die Grundaussage des Films verändert. Ich hätte an einem Remake wahrscheinlich auch keinen Spaß gehabt.
Hier kann ich nur sagen zum Glück gab es kein US Remake. Wenn ich alleine schon höre das dies geplannt war, zeigt es mir wie seelenlos und stumpf viele Filme aus den USA sein können.

Bei der letzten Sichtung von 8MM, fand ich ihn immer noch sehr gut, obwohl die Jahre zurückliegt. Wenn man die beiden Filme vergleichen möchte, gewinnt "Tesis" für mich klar, allerdings wollte 8MM ja auch weniger aufklären, sondern eher Spannungskino erzeugen. Neben der gelungenen Umkehrung einer Person, durch das Erlebte. Wie gesagt, nach wie vor ein guter Film. Mich nervte nur, das man damals vielerorts von einer neuen Art Film sprach und das es so etwas noch nie gegeben hat. Die Leute schauen einfach nicht über den Tellerrand.
Für Hollywood Verhältnisse war bzw. ist 8MM immernoch einer der düstersten Filme und somit auch thematisch etwas was es nicht häufig gibt in Hollywood. Meine letzte Sichtung dürfte mittlerweile so gut 15 Jahre her sein. Ich hatte mir zwar das Mediabook gekauft weil ich den Film, wenn ich ihn nochmal sehen werde, natürlich gerne in HD sehen will, aber irgendwie habe ich auch etwas Angst davor weil ich ihn wirklich als sehr guten Film in Erinnerung habe. Damals, nach meiner Erstsichtung, war es sogar ein Meisterwerk für mich, also eine klare 10/10. Das war aber auch im Jahr 1999 und da war ich 19 Jahre alt. Ich bin da wirklich mit mir am hadern, da ich Angst habe das er dermaßen abstürzt bei mir und er max so im Mittelfeld landen wird. Und die Sichtung von Tesis hat diese Angst nun auch noch verstärkt, weil ich hier halt gesehen habe wie gut man dieses Thema verfilmen kann.

Ähm, ja! Mit 23 Jahren. Bewundernswert! Ausgesprochen sensationell fand ich das Interview mit Nicole Kidman bei "The Others". Dieser Weltstar sprach darüber wie gut sie von ihm durch den Film geführt wurde. Das sie Schwierigkeiten mit der Rolle hatte, aber Amenábar sie wahnsinnig unterstützt hätte und er ein unglaublicher Regisseur wäre. Javier Bardem hat Ähnliches bei "Das Meer in mir" über ihn gesagt. Ich finde das echt sensationell. Dieser damals nicht mal 30 Jahre alte Newcomer sagt den Weltstars wo es lang geht.
Ich denke genau das macht einen guten Filmemacher aus. Er hat eine Vision und will das diese Vision genau so umgesetzt wird wie sie in seinem Kopf stattfindet. Und damit dies passiert muss ein guter Regisseur genau dies vermitteln können damit die Darsteller wissen was er von ihnen erwartet. Um mal ein aktuelles Beispiel zu nehmen ich bin der festen Überzeugung das es kein Zufall ist das sowohl Emma Stone als auch Mark Ruffalo in Poor Things somit, wenn nicht sogar ihre bisher beste Performance ihrer Karriere gezeigt haben. Auch hier steht hinter ihnen ein sehr visionionaerer Regisseur unserer aktuellen Zeit - Giorgos Lanthimos - der mit Sicherheit, ähnlich wie Alejandro Amenábar eine ganz genaue Vorstellung davon hat wie seine Darsteller/innen in seinen Filmen performen sollen. Seine Leistung ist halt nur noch beeindruckender da er zu diesem Zeitpunkt zum einen ein Newcommer war und zum anderen eben erst 23 Jahre alt war!

Ganz klar! Viele haben mit europäischem Kino aber nach wie vor Berührungsängste.
Ich weiß noch nichtmal ob man es Berührungsängste nennen kann. Ich glaube es ist häufig einfach die fehlende Lust, wie Du ja auch immer so schön sagst, über den Tellerrand zu schauen und sich mit dem Thema Film tiefer zu beschäftigen. Ich kenne ja selber genügend Leute in meinem direkten Umfeld die sich nur von dem berieseln lassen was gerade entweder aktuell im Kino läuft und/oder auf ihren abonierten Streaming Anbietern. Da schaut man sich lieber die x-te neue Netflix Produktion nach dem gleichen Schema an und regt sich danach darüber auf wie lieblos alles war, anstatt bei den Filmen, die einem wirklcih gefallen, mal etwas zu recherchieren woran es gelegen hätte. Ich meine das brauche ich Dir nicht zu sagen, da Du dies ja auch immer sehr gerne und oft machst, aber ein wichtiger wenn nicht sogar der wichtigste Aspekt ob ein Film gut oder schlecht ist, ist der Regisseur bzw. die Regisseurin. Wenn mir also ein Film ausgesprochen gut gefällt und ich vorher von dieser Person noch keinen anderen Film gesehen habe fange ich automatisch an zu graben was es da noch gibt und häufig, nicht immer, aber sehr häufig findet man dadurch natürlich weitere sehr gute Filme die man im Besten Falle noch nicht kennt, oder aber dann erst herausfindet das man sie vielleicht schon kannte und gut findet, aber halt nicht aktiv bemerkt hat das sie eben von genau diesem Regisseur waren. Um mal wieder beim Beispiel Alejandro Amenábar zu bleiben. Ich kenne The Others, fand ich auch damals gut, aber hatte damals bei der Sichtung noch nicht so darauf geachtet wer da der Regisseur ist. Wenn ich heute durch einen Zufall oder eine Empfehlung so einen Film wie The Others sehen würde, danach würde ich auf jeden Fall recherchieren wer dieser Mann ist und was er schon alles gedreht hat.

Also daher glaube ich nicht das es in erster Linie Berührungsängste sind, wenn eher indirekt. Es ist eher die Unlust etwas neues zu versuchen bzw. generell Zeit zu opfern etwas zu suchen! Es ist halt einfacher sich irgendeinen Film aus der Netflix Top 10 anzusehen! Das sind so die Moment wo ich leider immer mehr unser digitales Zeitalter verfluche! Es gibt heutzutage Influencer mit riesigen Reichweiten aber kaum jemand nutzt dies um wirklich aufzuklären und Perlen zu empfehlen. Da wird lieber das neuste Mediabook von Nameless beworben, meistens sogar nur Re-Packs, als wirklich über Inhalte zu sprechen. Früher war es deutlich schwieriger an Informationen zu kommen aber gefühlt haben sich dennoch mehr Leute mit dem Thema Film tiefer beschäftigt. Heute kann ich innerhalb weniger Minuten Infos zu jedem Film bekommen und ihn meistens, mal vom Kostenfaktor als Ausschlusskriterium abgesehen, in genau der selben Zeit irgendwo käuflich erwerben! Früher musste man, wenn man überhaupt von einem Film gehört hat, mehrere Videotheken absuchen in der Hoffnung das eine den überhaupt zum Leihen hatte.

Das Mediabook ist doch wirklich spitzenklasse, oder? Was da wieder alles enthalten ist. Hast du dir das Bonusmaterial und den Kurzfilm angeschaut?
Auf jeden Fall jeden Cent wert! Ich habe gestern nach dem Film die Soundtrack CD eingelegt und mir das Booklet durchgelesen. Das restliche Bonusmaterial und den Kurzfilm habe ich nicht mehr geschafft. Aber spätestens bei der nächsten Sichtung, wenn ich das Buch wieder aus dem Real ziehe, werde ich auch da rein schauen! Hier muss man Wicked Vision wirklich ein großes Kompliment machen. Man bekommt sehr viel geboten für einen fairen Preis!
 

deadlyfriend

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Hinzu kommt ja auch noch das solche Filme bei keinem gängingen Streaming Anbieter verfügbar sind!
Deswegen kaufe ich Nischenfilme immer fleißig auf Disc. Bei den Blockbustern ist eine Lücke zu verschmerzen, da sie eh irgendein Anbieter hat.
Für Hollywood Verhältnisse war bzw. ist 8MM immernoch einer der düstersten Filme und somit auch thematisch etwas was es nicht häufig gibt in Hollywood. Meine letzte Sichtung dürfte mittlerweile so gut 15 Jahre her sein.
Ich werde den auch nochmal irgendwann sichten, da es bei mir ebenfalls länger her ist. Ich habe ihn als relativ konstruiert in Erinnerung aber dennoch als guten Film.
Ich denke genau das macht einen guten Filmemacher aus. Er hat eine Vision und will das diese Vision genau so umgesetzt wird wie sie in seinem Kopf stattfindet. Und damit dies passiert muss ein guter Regisseur genau dies vermitteln können damit die Darsteller wissen was er von ihnen erwartet.
Hilfreich ist es zusätzlich noch, wenn kein großes Studio dahinter steht und eingreifen will. :rolleyes: Deshalb fand ich auch recht gut, das Amenábar eher in Spanien geblieben ist.
Ich weiß noch nichtmal ob man es Berührungsängste nennen kann. Ich glaube es ist häufig einfach die fehlende Lust, wie Du ja auch immer so schön sagst, über den Tellerrand zu schauen und sich mit dem Thema Film tiefer zu beschäftigen. Ich kenne ja selber genügend Leute in meinem direkten Umfeld die sich nur von dem berieseln lassen was gerade entweder aktuell im Kino läuft und/oder auf ihren abonierten Streaming Anbietern. Da schaut man sich lieber die x-te neue Netflix Produktion nach dem gleichen Schema an und regt sich danach darüber auf wie lieblos alles war, anstatt bei den Filmen, die einem wirklcih gefallen, mal etwas zu recherchieren woran es gelegen hätte. Ich meine das brauche ich Dir nicht zu sagen, da Du dies ja auch immer sehr gerne und oft machst, aber ein wichtiger wenn nicht sogar der wichtigste Aspekt ob ein Film gut oder schlecht ist, ist der Regisseur bzw. die Regisseurin. Wenn mir also ein Film ausgesprochen gut gefällt und ich vorher von dieser Person noch keinen anderen Film gesehen habe fange ich automatisch an zu graben was es da noch gibt und häufig, nicht immer, aber sehr häufig findet man dadurch natürlich weitere sehr gute Filme die man im Besten Falle noch nicht kennt, oder aber dann erst herausfindet das man sie vielleicht schon kannte und gut findet, aber halt nicht aktiv bemerkt hat das sie eben von genau diesem Regisseur waren. Um mal wieder beim Beispiel Alejandro Amenábar zu bleiben. Ich kenne The Others, fand ich auch damals gut, aber hatte damals bei der Sichtung noch nicht so darauf geachtet wer da der Regisseur ist. Wenn ich heute durch einen Zufall oder eine Empfehlung so einen Film wie The Others sehen würde, danach würde ich auf jeden Fall recherchieren wer dieser Mann ist und was er schon alles gedreht hat.
Sehr gut geschildert. Zappen und mal schauen was da so läuft. Grauenvoll! Erinnert mich daran, das ich damals bereits mehrfach gefragt habe, warum sich jeder total auf den nächsten Film von Christopher Nolan freut und es kaum noch abwarten kann, aber man in die bereits existierenden nicht reinschauen mag. "Following" war damals so ein Musterexemplar. Genauso wie "Pi". Die meisten schaunen was Neu kommt und nicht danach was es bereits gibt.
Also daher glaube ich nicht das es in erster Linie Berührungsängste sind, wenn eher indirekt. Es ist eher die Unlust etwas neues zu versuchen bzw. generell Zeit zu opfern etwas zu suchen! Es ist halt einfacher sich irgendeinen Film aus der Netflix Top 10 anzusehen! Das sind so die Moment wo ich leider immer mehr unser digitales Zeitalter verfluche! Es gibt heutzutage Influencer mit riesigen Reichweiten aber kaum jemand nutzt dies um wirklich aufzuklären und Perlen zu empfehlen. Da wird lieber das neuste Mediabook von Nameless beworben, meistens sogar nur Re-Packs, als wirklich über Inhalte zu sprechen. Früher war es deutlich schwieriger an Informationen zu kommen aber gefühlt haben sich dennoch mehr Leute mit dem Thema Film tiefer beschäftigt.
Das kommt mir auch so vor. Die Beschäftigung mit dem Thema "Film" an sich, scheint durch die Streaming Portale noch weiter zurück gegangen sein. Es wird zwar wahrscheinlich noch mehr geschaut als früher, aber sich deutlich weniger damit auseinander gesetzt. In einem Zeitalter, in dem man sich gerade durch Mediabooks wirklich intensiv mit einem Film befassen kann. Mit denen von Nameless natürlich nicht, aber mit Wicked, Anolis, Turbine und einigen mehr kann man ganz tief in einen Film eintauchen. Dennoch lassen viele Leute das Ding OVP oder schauen lediglich den Film. Das heißt viele Käufer haben nun ein Quell der Information in der Hand und behandeln den Film dennoch genauso, als ob er bei Netflix gelaufen wäre.
Auf jeden Fall jeden Cent wert! Ich habe gestern nach dem Film die Soundtrack CD eingelegt und mir das Booklet durchgelesen. Das restliche Bonusmaterial und den Kurzfilm habe ich nicht mehr geschafft. Aber spätestens bei der nächsten Sichtung, wenn ich das Buch wieder aus dem Real ziehe, werde ich auch da rein schauen! Hier muss man Wicked Vision wirklich ein großes Kompliment machen. Man bekommt sehr viel geboten für einen fairen Preis!
Mach das unbedingt. Gerade dieses Mediabook mit seinen kompletten Inhalten, hat mir Alejandro Amenábar unglaublich viel näher gebracht. Dadurch habe ich hinter die Fassade des Regisseurs schauen können und eben beschlossen mich mit ihm intensiver auseinander zu setzen, was ich ja zur Zeit mache. Nur durch dieses Mediabook wurde mein Interesse neu entflammt, weshalb ich den Regisseur jetzt chronologisch durcharbeite, ihn noch besser verstehe und dadurch viele vergnügliche Filmstunden habe. Mit Querverweisen wie "The Body". Das alles hätte ich nicht gehabt, wenn ich den Film mal eben schnell beim Streamingdienst geschaut hätte. So ein umfangreiches Mediabook wie zu "Tesis" teile ich natürlich auch über mehrere Tage auf. Wenn ich beispielsweise noch eine halbe Stunde Zeit habe, schaue ich schnell beim Bonus weiter. Oder teile auch den Audiokommentar in mehrere Episoden auf.
 

2moulins

Filmgott
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Ebenso wie TheBjoern wäre ich aufgrund der Cover-Informationen oder ähnlichen Infos aus anderen Quellen nie auf die Idee gekommen, mir diesen Film anzusehen: "Tesis - ein grauenhafter Psycho-Thriller, der an Intensität weit über andere Vertreter dieses Genres hinausgeht. .... Ausnahmsweise mal wirklich nichts für schwache Nerven!" Und dies im Zusammenhang mit dem Begriff "Snuff-Film" und einer Alterfreigabe ab 18 (2017 auf 16 herabgestuft). So etwas will ich eigentlich nicht sehen. Dabei ist ausschlaggebend der Begriff "Snuff", weil ich so etwas nicht gutheißen kann. Ich kann mich noch erinnern, als es zur Hochzeit der Videotheken hinter dem Vorhang "Gesichter des Todes" zum Ausleihen gab, der damit prahlte, echte Tötungsszenen (Hinrichtungen aller Art u.ä.) zu zeigen. Davon gab's - soweit ich weiß - noch mehrere Teile. So etwas war für mich immer ein Bereich, den ich gemieden habe, ebenso wie Terrorfilme und Horror-Filme der untersten Schublade, bei denen es nur um Grausamkeiten ging, "die alles übertreffen sollten, was bisher gezeigt wurde". So etwas interessierte mich nie. Das heißt jetzt aber nicht, dass ich grundsätzlich gegen Horror, Brutalität und blutige Gewaltspitzen bin. Sofern so etwas in erträglichen Grenzen bleibt und mit einer Geschichte verwoben ist, die Spannung aufbaut und einen gewissen Sinn ergibt, habe ich damit kein Problem. Wenn etwas satirisch übertrieben wird oder als Groteske erkennbar ist, kann ich auch mit derbem Splatter leben, ebenso bei Handlungen, die eher irrational erscheinen. Ich würde sogar behaupten, dass der überwiegende Teil meiner Filmsammlung Gewalt enthält. Und wenn ich abends vor der Wahl stehe, welchen Film ich einlegen soll: Den Feelgood-Movie oder den neuen Horror-Film, der Spannung und ein paar Gewaltspitzen enthält, greife ich gerne zu letzterem. Aber eben nur, wenn der Film nicht grenzüberschreitend ist, soweit ich das aus Vorabinfos einschätzen kann. Z.B. würde ich allein vom Hörensagen nie den Film "The Sadness" sehen wollen.

"Tesis" legte ich mir zu, weil ich durch die Postings hier im Forum in den letzten Wochen den Eindruck gewann, dass es eben kein Film ist, der die von mir gesteckten Grenzen überschreitet und das Thema "Snuff Film" in einer Art und Weise behandelt, dass eher weniger Grausamkeiten gezeigt werden und kritisch mit dem Thema umgegangen wird.

Die oben zitierten Cover-Infos, die sich immer noch auf den neuesten Editionen befinden, sind am Ende nicht zutreffend, was diejenigen, die daraufhin eine falsche Erwartungshaltung aufbauten, enttäuscht haben dürfte. Aber auch das gehört ja zur Thematik 'Gewaltdarstellungen in Filmen' und Befriedigung des Voyerismus der Zuschauer. Oft gibt es reißerische Kommentare auf Film-Verpackungen oder auf Plakaten, die dem Zuschauer versprechen, dass er so etwas bisher noch nicht zu sehen bekam. ("Höher - Schneller - Weiter!") Und darauf springen viele an.

Ich finde, "Tesis" ist ein klasse Thriller, der einerseits spannend unterhält und andererseits das Thema "Was die Leute sehen wollen, auch wenn sie es nicht zugeben" behandelt. Dass Amenábar diesen Film mit gerade mal 23 Jahren drehte, am Drehbuch mitwirkte und auch noch die (tolle) Musik beisteuerte, ist echt ein Hammer und verdient höchste Anerkennung, die er offensichtlich in seinem Heimatland Spanien auch erhielt (7 oder 8 Goyas).

Schon der Anfang mit dem Unfall im Gleisbett der U-Bahn ist ein toller Einstieg in die Thematik und der Zuschauer stellt sich die Frage, ob er hinsehen würde oder nicht, bzw. er erwartet, dass die Kamera draufhält und dem Filmzuschauer zeigt, wie das Unfallopfer aussieht. Im Film gibt es welche, die trotz Warnung hinschauen und andere, die es tatsächlich vermeiden. Und zum Filmende schauen alle Patienten in ihren Krankenhausbetten gebannt auf die Monitore, in der Erwartung, grausame Bilder geboten zu bekommen. Da will keiner umschalten. Ähnliche Momente gab es ja - wenn auch selten - auch in unseren Nachrichten, bei denen vorab gewarnt wurde, dass jetzt grausame Bilder folgen. Wer von uns hat dann abgeschaltet?

Amenábar verstand bereits in jungen Jahren sein Handwerk. Das zeigt sich auch in den Bildern bzw. in der Inszenierung, auch wenn der Film optisch kein Hochglanzthriller nach heutiger Machart ist. Man spürt auch seine Liebe zum Kino und dass er wohl viele Filme sah, die ihn beeinflussten oder die er verehrt. Einen kleinen Gag erlaubte er sich in der Szene, in der die Hauptdarstellerin "Angela" zusammen mit "Chema" eine Auswertung prüften, wer alles einen bestimmten Kameratyp der Marke "Sony" gekauft hat. Der Name "Alejandro Amenábar" sprang mir sofort ins Auge.

(Persönlich finde ich es auch interessant, dass der Film in Deutschland lt. Presseheft als erstes in Saarbrücken vorgestellt wurde, also unweit meines Wohnortes. Mitbekommen hatte ich damals aber nichts.)

Ich freue mich, den Film gesehen zu haben und ins Regal stellen zu können. Manchmal dauert es etwas länger.... Vielleicht hätte ich ihn unter dem Titel "Tesis - Faszination des Grauens" und ohne die reißerischen Überteibungen auf dem Cover oder dem Plakat schon früher gesehen. Also, Danke an diejenigen, die den Film hier im Forum in den Focus rückten. :hoch:

9/10
 
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