Tesis - Der Snuff Film

Dieses Thema im Forum "Kurzkritiken und Diskussion" wurde erstellt von TheBjoern, 4. Januar 2011.

  1. TheBjoern

    TheBjoern Filmstar

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    Gesamtübersicht aller Kritiken zu Tesis - Der Snuff Film:

    #02 04.01.11 TheBjoern
     
    Zuletzt bearbeitet von Willy Wonka - 26. August 2013
  2. TheBjoern

    TheBjoern Filmstar

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    Tesis – der Snuff Film


    Dies ist wieder einer der Filme, die ich mir aufgrund ihres Titels und dem äußeren Design der Verpackung niemals angesehen hätte, wenn ich ihn nicht gewichtelt bekommen hätte. Wieder zeigt sich das man Filme nicht immer aufgrund ihres Äußerem bewerten sollte.

    Ich legte den Film mit dem Verdacht ein, dass es sich hierbei um einen ganz üblen perversen Folterfilm mit Trash-Allüren handeln könnte. Doch weit gefehlt:
    Der Film handelt über Angela, eine junge Studentin der Filmwissenschaften, die sich für ihre Diplomarbeit das Thema „Gewalt in den Medien“, speziell der filmischen Gewalt, aussucht. Während ihrer Recherche fällt ihr ein echter Snuff-Film in die Hände, der noch dazu eine Studentin von derselben Uni zeigt, die vor 2 Jahren verschwunden ist. Von der Neugierde und gleichzeitig Verachtung des Gezeigten angetrieben, stellt sie mit Hilfe ihres Kommilitonen weitere Nachforschungen an, um auf die Spur des Folterers und Mörders zu gelangen. Dabei begibt sie sich immer mehr selbst in Gefahr.
    Auf extreme und übertriebene Gewaltdarstellung wird dabei, zu meiner Überraschung, größtenteils verzichtet. Stattdessen bekommt man sehr gut platzierte Schnitte, die das Grauen mehr erahnen lassen und man kann sich selbst ein grauenvolles Bild machen. Dabei wird aber nicht völlig auf gezeigte Gewaltszenen verzichtet. Die Schnitte lassen sich vielmehr aus der Sicht der Studentin Angela interpretieren, die lieber wegschaut, aber von der Neugierde getrieben dann doch einen Blick riskiert und das Gesehene schreckhaft aufnimmt.
    Der Film ist dabei ein spannender Thriller, der klassische Elemente von kriminologischem Vorgehen aufweist und gleichzeitig aufgrund der Bedrohlichkeit und der Gefahr, in die sich Angela begibt ein waschechter Psychothriller ist. Doch der Film ist mehr als ein reiner Thriller.
    Die „Gewaltdarstellung in Film und Fernsehen“ ist ganz klar im Fokus gestellt. Das Thema wurde sehr gut in diesem Film aufgegriffen und lässt dabei viele Interpretationsebenen zu. Die allgemeine Frage warum es Gewalt in Medien gibt und warum sie angeblich immer weiter zunimmt, wird immer wieder „versteckt“ aufgegriffen. Sei es ein Dozent, der im Hintergrund im Rahmen einer Vorlesung sein Standpunkt klar macht, oder ihr Kommilitone, der selbst eine große Sammlung von Horrorfilmen und andere gewaltverherrlichende Filme besitzt und dem Thema ganz anders gegenübersteht, als Angela. Doch auch Angela ertappt sich immer mehr dabei, wie sie selbst von der Sensationslust angezogen wird und möchte es nicht wirklich war haben.
    Trotz einer fortlaufenden Objektivität zum Thema, die man während des gesamten Film einnimmt - am Ende des Films wird einem selber klar, dass man sich selbst der Sensationslust nicht entziehen kann und man hat sich förmlich selbst ertappt, wie man doch nicht wegschauen konnte und auch nicht wollte.

    9/10
     
  3. Evil_Gonzo

    Evil_Gonzo Filmvisionaer

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    AW: Tesis - Der Snuff Film

    tolle Kritik und eine schöne Wertung. :) Denn auch mir gefiel der Film, besitze die DVD schon ewig, habe den Film leider erst einmal gesehen. Allerdings fand ich den damals auch richtig gut. Auf jeden Fall ein Film den man weiter empfehlen kann. Eine Wertung gebe ich jetzt nicht, ist schon zu lange her....
     
  4. deadlyfriend

    deadlyfriend Casting Mitarbeiter

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    AW: Tesis - Der Snuff Film

    Sehr schöne Kritik zu einem weitestgehend unbeachteten Film. Gerade das Spiel mit der nicht gezeigten Gewalt hat bei der VÖ für lange Gesichter gesorgt. Viele haben den in der Videothek als Zeitverschwendung abgetan, wegen fehlender Härte. Thrillerfreunde die nicht sonderlich viel von Folterfilmen hielten, waren dagegen begeistert. Mit dieser Resonanz und dem Inhalt des Films ist ein sehr interessanter Spiegel entstanden. Ich mag den Film sehr gerne:hoch:
     
  5. TheBjoern

    TheBjoern Filmstar

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    AW: Tesis - Der Snuff Film

    Dann müsste die Botschaft des Filmes dann ja richtig gezündet haben. Der Zuschauer, der sich den Film bewusst wegen der angeblichen Gewaltdarstellung ansehen wollte, wird dabei ertappt, wie er selbst zum Voyeur der Gewalt wird, weil man nach dem Film eher die Haltung "Wie kann man sich bloß so ein Müll ansehen" einnimmt.
     
  6. deadlyfriend

    deadlyfriend Casting Mitarbeiter

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    AW: Tesis - Der Snuff Film



    Das meinte ich ja mit dem "Spiegel". Nur haben die meisten in dem Spiegel nichts erkennen können. Die Erwartungshaltung wurde nicht erfüllt. Das man ihnen das während dem Film schon mitgeteilt hat, haben sie nicht mitbekommen.:)
     
  7. TheBjoern

    TheBjoern Filmstar

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    AW: Tesis - Der Snuff Film

    Oh, das hab ich zu schnell überlesen.

    Ja, so gesehen konnte man es schon direkt an der ersten Einstellung erkennen. Die Szene mit dem Zug-Opfer auf den Schienen machte recht deutlich den Standpunkt des Films klar. :hoch:

    ...und nochmal ein Dankeschön an dieser Stelle für Kratos666, der mit diesem Film gewichtelt hat und genau ins Schwarze getroffen hat. Ich hätte mir diesen Film sonst nie angesehen. :kiss:
     
  8. deadlyfriend

    deadlyfriend Casting Mitarbeiter

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    AW: Tesis - Der Snuff Film

    Übrigens dienen einige Amazon Rezensionen wieder mal vorzüglich unserem Thread. Da reden irgendwelche Typen von "Langeweile" und das sie etwas "Rauheres" gewohnt wären. Von einer billigen Kopie von 8MM, der übrigens danach erst entstanden ist etc....

    Falls es hier Interessenten an dem Film geben sollte, sei noch erwähnt das der Film von Alejandro Amenabar (Open your eyes, The Others) gedreht wurde.
     
  9. Evil_Gonzo

    Evil_Gonzo Filmvisionaer

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    AW: Tesis - Der Snuff Film

    :lol:ist das geil. Nur weil auf dem Cover "Snuff" steht denken einige wohl, dass es in dem Film tierisch brutal abgehen muss. Und diese Leute checken dann nicht den wirklichen Inhalt des Films. So nach dem Motto: " das war aber ein langweiliger Snuff Film.
     
  10. deadlyfriend

    deadlyfriend Casting Mitarbeiter

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    AW: Tesis - Der Snuff Film


    Genau, das ist passiert! Wobei man den Film jetzt nicht nur auf diese Spielwiese reduzieren sollte. Es ist wirklich ein hervorragender Thriller, der aber eben bewußt mit dieser Doppeldeutigkeit arbeitet. Aber auch ohne, ist er wirklich spannend.
     
  11. Eclipsed

    Eclipsed Filmgott

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    AW: Tesis - Der Snuff Film

    Ihr habt gerade eine weitere DVD auf meinen Wunschzettel bugsiert!
    Von Alejandro Amenábar kenne ich bisher Das Meer In Mir und Open Your Eyes...die beide gnadenlos gut sind!
     
  12. Despair

    Despair Filmvisionaer

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    AW: Tesis - Der Snuff Film

    Den ich immer mit Pedro Almodóvar verwechsle und schon deshalb keine Gewaltorgie erwartet hätte. Nur die Abwesenheit von Penélope Cruz hätte mich vielleicht etwas stutzig gemacht. :D
     
  13. kelte

    kelte Filmvisionaer

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    AW: Tesis - Der Snuff Film

    das Problem des Filmes war seinerzeit das er zum falschen Zeitpunkt rauskam. Man ging wirklich von aus, das der Film endlich mal ne harte Richtung einschlagen wird nachdem man als Splatterfan eine lange Dürreperiode hatte.
    Der Film ist mehr oder weniger untergegangen, dabei war ich damals zwar begeistert von dem Film während eine Menge andere den Film als Öde empfunden, jedoch wären ein paar harte Einlagen zu dem Zeitpunkt nicht verkehrt gewesen. Was aber nicht die Intention des Filmes ist,- so kam ich auch zu dem Schluss das mir das einmalige Ansehen reicht. :)
     
  14. Willy Wonka

    Willy Wonka Locationscout Mitarbeiter

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    AW: Tesis - Der Snuff Film

    Auch wenn es vermutlich oft vorkommt, finde ich es schon traurig. Denn der Film verbirgt seine Botschaft ja nicht in irgendwelche nicht entzifferbaren Subtexte. Amenbár findet meines Erachtens genau das Mittelmaß, denn weder versteckt er seine Botschaft noch wird sie vollkommen auf dem Silbertablett serviert.

    Die letzte Einstellung im Krankenhaus verdeutlicht nicht nur das voyeuristische Interesse an Gewalt, sondern zeigt auch indirekt, wie die Industrie (in diesem Fall das Fernsehen) Gewalt instrumentalisiert. Ein kongeniales Ende für den Film.

    Jetzt würde mich auch noch einmal Schumachers „8MM“ im direkten Vergleich interessieren. Die letzte Sichtung ist nämlich bereits etliche Jahre her und viele Erinnerungen habe ich nicht mehr an den Film.
     
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