Sternstunde der Mörder

deadlyfriend

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Sternstunde der Mörder

Ein seltsame Mordserie erschüttert Prag im Jahr 1945. Der Killer scheint es auf Witwen angelegt zu haben, denen er das Herz entnimmt. Die Prager Polizei ermittelt in dem Fall, aber da das erste Opfer eine Deutsche war, schaut ihnen zusätzlich ein Ermittler der Gestapo auf die Finger und begleitet den Fall. Allerdings wird die Stadt kurz vor Kriegsende immer unruhiger, denn es ist nur noch eine Frage der Zeit wann die Situation eskaliert, was die Ermittlungen deutlich erschwert. Zusätzlich hat man die Furcht davor, dass durch das nahende Kriegsende, der Mörder unerkannt bleiben wird, da sich der Fokus der Stadt immer weiter dorthin verschiebt.

Wow! Diese Deutsch-Österreichische Co-Produktion ist im Grunde eine 4-teilige Miniserie, die man aber auch getrost als langen Film mit 3 Stunden Spielzeit schauen kann. Pausen möchte man eh nicht, sondern sofort wissen, wie es weitergeht. Der Fall ist absolut spannend und bietet vor der Kulisse des bevorstehenden Zusammenbruchs des dritten Reichs, eine fantastische Atmosphäre. Dies liegt auch an den eingefangenen Bildern, die die "Sternstunde der Mörder" wirklich zu einer Sternstunde werden lässt. Kamera und Musik sind wirklich vom Feinsten und liefern auf ganz hohem Niveau ab. Die Beleuchtung ist zusätzlich erste Sahne und lässt uns komplett in diese Zeit eintauchen. Das gilt auch für die aufwendigen Schauplätze, bei denen Wien als Prag fungiert. Die Kulissen sind eine Wucht und das gilt auch für die Darsteller. Der wieder einmal grenzgeniale Nicholas Ofcarek braucht eigentlich sowieso nur eine Szenerie betreten, um sie an sich zu reißen, aber er spielt den Gestapo Mann mit einer Präsenz, die einfach unglaublich ist. Dazu mit so vielen Grautönen angereichert, dass die Figur einfach überragend gezeichnet ist. Aber auch der übrige Cast macht seine Sache absolut hervorragend. Das einzige Manko sehe ich ein wenig in der Beleuchtung des Tätermotivs. Das ist zwar hochinteressant angerissen, aber da hätte man gerne noch etwas mehr in die Tiefe gehen können. Dafür sind die Wirren dieser Zeit phänomenal integriert, weshalb sich auch beim Zuschauer der Wunsch entwickelt, dass man den Täter nicht aus den Augen lässt. Der Plot erinnert natürlich auch leicht an "Die Nacht der Generäle", der aber dennoch einen anderen Ansatz verfolgt. Wer europäischen Thrillern nicht abgeneigt ist, sollte sich das nicht entgehen lassen.
 

deadlyfriend

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Die Mini-Serie ist brandneu und aktuell noch bis Ende Juni in der Mediathek der ARD zu finden.
 

Tarantino1980

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Die Mini-Serie ist brandneu und aktuell noch bis Ende Juni in der Mediathek der ARD zu finden.
Danke für den Tipp. Ich war schon etwas verzweifelt da ich bisher nirgendwo zumindest eine DVD VÖ zu der Serie gesehen hatte. Ich hatte dann auch mal auf der Seite "Wer streamt es" geschaut, aber selbst dort wurde ich nicht fündig. Offenbar werden da die öffentlich rechtlichen Mediatheken nicht berücksichtigt. Also werde ich dann demnächst mal schauen, damit ich sie mir auch anschauen kann, denn nach Deiner Kritik hier bin ich auf jeden Fall neugierig!
 

deadlyfriend

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Ich hatte von der Mini-Serie bereits im Januar gelesen und war daran sehr interessiert. Am Karfreitag wurde sie dann in der regulären ARD gesendet. Einen Termin den ich mir erst gemerkt und anschließend vergessen hatte. :rolleyes: Einen Tag später las ich dann einen Artikel darüber und ärgerte mich, weil ich es verpasst hatte und eben keine Disc existiert. Dann las ich aber, dass sie auch in der Mediathek abrufbar ist, weshalb wir das an Ostern dann schnell durchgezogen hatten. :)

Dir wird die Serie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gefallen, da du ja ein "europäisches Auge" hast. Da mit dem Ofczarek ja auch noch der Hauptdarsteller aus "Der Pass" zu sehen ist, kommt noch dazu. Bei dir schätze ich das also quasi als Selbstläufer ein. Da @Die wilde 13 thematisch ja auch "Die Nacht der Generäle" klasse fand, wäre das auch an dieser Stelle einen klaren Versuch wert.
 

Die wilde 13

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Da @Die wilde 13 thematisch ja auch "Die Nacht der Generäle" klasse fand, wäre das auch an dieser Stelle einen klaren Versuch wert.
Habe die Serie seit einem Artikel in der "TV Spielfilm" im Fokus und werde sie bestimmt bald schauen, da es mir ja langsam wieder besser geht. Aber trotzdem vielen Dank für den Tipp, deadly. :hoch:
 

Tarantino1980

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Danke nochmal deadly das Du mich mit Deiner Review auf die Mini-Serie aufmerksam gemacht hast den sonst wäre sie wahrscheinlich komplett an mir vorbei gegangen!

Sternstunde der Mörder

Ein seltsame Mordserie erschüttert Prag im Jahr 1945. Der Killer scheint es auf Witwen angelegt zu haben, denen er das Herz entnimmt. Die Prager Polizei ermittelt in dem Fall, aber da das erste Opfer eine Deutsche war, schaut ihnen zusätzlich ein Ermittler der Gestapo auf die Finger und begleitet den Fall. Allerdings wird die Stadt kurz vor Kriegsende immer unruhiger, denn es ist nur noch eine Frage der Zeit wann die Situation eskaliert, was die Ermittlungen deutlich erschwert. Zusätzlich hat man die Furcht davor, dass durch das nahende Kriegsende, der Mörder unerkannt bleiben wird, da sich der Fokus der Stadt immer weiter dorthin verschiebt.
Alleine diese Mischung aus fiktionalen Mordfällen und realen Hintergründen fand ich sehr stark und war für mich absolut neu. Natürlich habe ich schon viele Kriegsfilme gesehen, aber die Idee das irgend ein wahnsinniger, in mitten eines Krieges noch seine "eigenen Morde" begeht, war mir neu.

Das einzige Manko sehe ich ein wenig in der Beleuchtung des Tätermotivs. Das ist zwar hochinteressant angerissen, aber da hätte man gerne noch etwas mehr in die Tiefe gehen können.
Sehe ich auch so und ist glaube ich der Tatsache geschuldet das man, warum auch immer, eben nur 4 Episoden anstelle von mindestens 6 Episoden nur draus gemacht hat. Auch die letzte und insbesondere das Ende wirkte auch etwas gehetzt auf mich, da hätte man mit 2 Episoden mehr Zeit zum einen die Hintergrundgeschichte des Mörders etwas tiefer beleuchten können und hätte das Ende vielleicht noch etwas ruhiger erzählen können.

Es wurde zwar mit den Erzählungen des Priesters etwas angerissen, aber hätte man dann vielleicht auch ein paar Rückblenden so ab Episode 4, die immer tiefer in Episode 5 und 6 geworden wären, eingebaut die gezeigt hätten was wirklich die Motivationen des Mörders waren, wäre dies sicherlich noch düsterer gewesen. Ich kenne dazu natürlich nicht die Romanvorlage, ob die dies hergegeben hätte. /SPOILER]


Der Fall ist absolut spannend und bietet vor der Kulisse des bevorstehenden Zusammenbruchs des dritten Reichs, eine fantastische Atmosphäre. Dies liegt auch an den eingefangenen Bildern, die die "Sternstunde der Mörder" wirklich zu einer Sternstunde werden lässt. Kamera und Musik sind wirklich vom Feinsten und liefern auf ganz hohem Niveau ab.
Die Atmoshäre untersützt die Mordserie absolut. Es ist für mich ein sehr gelungener Mix, auch das man den Zusammenbruch des dritten Reichs und die Stimmung in Prag sehr gut präsentiert hat.

Die Beleuchtung ist zusätzlich erste Sahne und lässt uns komplett in diese Zeit eintauchen. Das gilt auch für die aufwendigen Schauplätze, bei denen Wien als Prag fungiert. Die Kulissen sind eine Wucht und das gilt auch für die Darsteller.
Auch hier, gerade wenn man bedenkt das es keine Kinoproduktion ist, sondern nur eine TV Produktion, spielt man ganz oben mit. Das sah alles sehr authentisch aus.

Der wieder einmal grenzgeniale Nicholas Ofcarek braucht eigentlich sowieso nur eine Szenerie betreten, um sie an sich zu reißen, aber er spielt den Gestapo Mann mit einer Präsenz, die einfach unglaublich ist. Dazu mit so vielen Grautönen angereichert, dass die Figur einfach überragend gezeichnet ist. Aber auch der übrige Cast macht seine Sache absolut hervorragend.
Dem kann ich mich gerne nur anschließen. Nicholas Ofcarek hat einfach eine unglaubliche Präsenz und auch wenn der restliche Cast sehr gut ist, trägt er den Film natürlich sehr. Aber auch Jonas Nay, den ich seit der Serie Deutschland 83, 86 u. 89, sehr schätze, hat einen tollen Job gemacht.

Dafür sind die Wirren dieser Zeit phänomenal integriert, weshalb sich auch beim Zuschauer der Wunsch entwickelt, dass man den Täter nicht aus den Augen lässt.
Das war natürlich dramaturgisch sehr gut aufgebaut, wobei ich gestehen muss das ich genau das erwartet habe, also das
Morava es nicht schafft seine Jitka vor dem Mörder zu beschützen und dadurch das sie ja sogar noch schwanger war, wird dies natürlich auch für den Zuschauer ein wichtiges Motiv, warum gerade der Fokus zum Schluss auf den Mörder nicht verloren geht. Ich glaube, wenn dieses Element nicht eingebaut geworden wäre, hätte man den Fokus auf den Mörder zum Schluss hin verlorgen, da die anderen Opfer dafür viel zu trivial waren. Zwar durch die Art der Tat erschreckend dargestellt, aber eben nicht so emotional als wenn es eine Figur war, zu der man als Zuschauer eine Beziehung aufgebaut hatte. Also ein sehr guter Kniff bei der Story
 
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