Stereo
Wenn man einen vergleichbaren Stellenwert zu "Stereo" sucht, wird man sich wahrscheinlich an "Dionysus" von Brian De Palma erinnern. Zunächst sind beide erstmal nicht als Unterhaltungsfilm konzipiert, liefern aber dennoch einen zentralen Schwerpunkt in den jeweiligen Schaffensperioden. Dafür ist "Stereo" aber dann doch deutlich zugänglicher und da er bereits damals auf 35mm gedreht wurde, gibt es ihn auch mit einem astreinen Bild auf Blu Ray. Warum ich die beiden völlig unterschiedlichen Filme vergleiche, liegt daran, dass sie auf eine interessante Art und Weise jeweils ein Schlüsselwerk darstellen. Bei beiden Filmen fällt es allerdings erst auf, wenn man die jeweils nachfolgenden Werke betrachtet.
In "Stereo" geht es um ein wissenschaftliches Experiment, in dem die Probanden in einem medizinischen Komplex untergebracht werden. Dabei spielt Telepathie eine große Rolle, denn man versucht ihnen das Sprachzentrum zu nehmen und durch Telepathie zu ersetzen. Auch deshalb gibt es im Film keine Dialoge, sondern lediglich verschiedene Off-Sprecher, die die Versuche analytisch dokumentieren. Zusätzlich werden die Teilnehmer irgendwann noch unter Drogen gesetzt, um die Verhaltensweisen zu studieren und letztlich isoliert. Auch wenn es zunächst sehr harmonisch verläuft, kommt es irgendwann zu Feindseligkeiten.
Das hört sich vielleicht doch jetzt ein wenig nach Unterhaltung an, aber das ist es nicht wirklich. Kahle und graue Bilder aus Mauerwerk und Architekturen bestimmen das Bild, in dem sich die Protagonisten bewegen. Wie die beobachtenden Wissenschaftler schaut man den Leuten ohne Bezug einfach zu. Man ist quasi selbst einer der Wissenschaftler, Durch die medizinischen Experimente und auch der Isolation der Figuren, wird man im Grunde auf die Nachfolgewerke von David Cronenberg vorbereitet. Dies erkennt man aber eben erst hinterher, weshalb "Stereo" auch rückblickend betrachtet, immer mehr an Interesse gewinnt. Auch das verläuft parallel zu "Dionysus" von Brian De Palma, dessen Bedeutung man erst viele Filme später wahrnimmt. Deshalb ordne ich "Stereo" inzwischen auch als ein sehr wichtiges Werk im Schaffen des Kanadiers ein. Etwas was ich während der Erstsichtung noch nicht auf dem Schirm hatte.