Pulsschlag des Todes (5 donne per l'assassino)

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Pulsschlag des Todes (5 donne per l'assassino)


Vor vielen Jahren nahm ich auf einem Flohmarkt einen mir unbekannten Film, namens "Ghostkiller", auf DVD mit. Sah nach einem 80er Horror aus und klang auch von der Beschreibung so. Als ich die Disc einlegte, war ich ziemlich überrascht, als der Name John Carpenter zu Beginn auftauchte. Noch überraschter, als die Namen von Cast & Crew auftauchten, da sie nicht zu Carpenter passten. Auch inhaltlich war ich irritiert, denn statt den fliegenden Felsbrocken, die in der Filmbeschreibung auf dem Cover standen, gab es einen Krimi zu sehen, den ich eher in den frühen 70ern verortete. Kurzerhand die Disc überprüft, aber die passte zum Cover. Traurig war ich aber auch nicht, da ich nach wenigen Minuten feststellte, es mit einem waschechten Giallo zu tun zu haben.

Giorgio Pisani eilt nach Hause, da seiner Frau eine Frühgeburt droht. Als er ankommt, wurde das Kind zwar bereits von Ärztin und Freundin Lidia entbunden, aber seine Frau stirbt dabei im Kindbett. Nun steht er allein mit dem Kind da und erfährt auch noch, dass das Kind gar nicht von ihm sein kann, da er zeugungsunfähig ist. Sein Leben gleicht nun eher einem Scherbenhaufen. Nach einer Weile steht er kurz davor eine Liebschaft mit einer Zufallsbegegnung einzugehen, die aber bereits einen Tag später einem Killer zum Opfer gefallen ist. Der Mörder hinterlässt ein seltsames Symbol auf dem Körper, was wie die Tat eines Wahnsinnigen aussieht. Schon bald häufen sich die Frauenleichen in seinem Umfeld und alle haben das gleiche Merkmal: Sie waren im Anfangsstadium einer Schwangerschaft und alle tragen das gleiche Symbol.

Der Plot ist durchaus interessant und hebt sich auch ein wenig von anderen Vertretern des Giallo ab, aber ansonsten ist der Film ganz klar ein klassischer Fall des Genres. Es gibt eine Menge J&B zu sehen und Handschuhe sind ebenfalls am Start. Diesmal nur beige und nicht schwarz. Der Film ist partiell sehr gut fotografiert, weshalb immer wieder eine tolle Atmosphäre kreiert wird, was ihm aber nicht durchgehend gelingt. Er fällt immer wieder mal etwas ab und liefert recht nüchterne bzw. dröge Sequenzen. Der Plot ist dafür gelungen, liefert eine Menge Verdächtige und auch eine halbwegs gelungene Auflösung. Halbwegs deshalb, da man auf keinen Fall den Fehler begehen darf, die Geschichte zu hinterfragen. Wenn man den Film einfach nur konsumiert, passt es und könnte unaufmerksame Zuschauer sogar in Staunen versetzen. Wenn man tatsächlich nachhakt, passt aber nicht mehr viel. Trotz diesem möglichen Manko ist er spannend gestaltet und besonders im Finale entfaltet sie sich dann richtig. Interessant ist auch, dass die Hauptfigur zu den Verdächtigen zählt und die Ermittlungen tatsächlich über die Polizei laufen.
Die Darsteller sind alle passend und es sind auch eine Menge bekannte Gesichter dabei. Allen voran natürlich Francis Mattews, den man aus einigen Hammer Filmen kennt und natürlich auch aus der Serie Paul Temple. Als Kommissar gibt es Howard Ross zu sehen, den ich sowieso sehr schätze und man ihm eh im Genre wiederkehrend begegnet. Unvergessen sind seine Auftritte im "New York Ripper" und auch im sträflich vernachlässigten "L'immoralità". Regisseur Stelvio Massi hat dagegen im Bereich Giallo wenig abgeliefert. Genrefans werden eventuell noch seinen Spät-Achtziger "Angela" kennen, ansonsten war er eher vermehrt im Actionfilm oder Poliziesco zu finden. Meine wenigen Begegnungen mit ihm, hatten aber immer ähnliche Ergebnisse. Keine Großtaten, aber dennoch interessante Beiträge, die nie für ganz oben reichen, aber auch nicht in den Keller gehören. "5 donne per l'assassino" würde ich in ähnliche Gefilde einordnen. Kein Top Titel, aber dennoch sehenswert und irgendwo im oberen Mittelfeld anzusiedeln. Unter Giallo-Fans gehört er aber ganz klar zur Sammlung dazu.
 
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