Naked Lunch

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Naked Lunch

Bill Lee verdingt sich als Kammerjäger. Ein Job, den er mit einem speziellen Wanzenpulver ausübt, was allerdings auch von seiner Frau fleißig, als Droge konsumiert wird. Da Bill und seine Schriftstellerfreunde einem kräftigen Drogenrausch ebenfalls nicht abgeneigt sind, hat dies fatale Folgen. Er erschießt aus Versehen, bei einer Art Wilhelm Tell Spiel seine Frau und flüchtet nach Interzone. Dort beginnt er das Buch "Naked Lunch" zu schreiben. Gleichzeitig wird er von überdimensionalen, sprechenden Insekten, die sich auch als Schreibmaschinen tarnen, als Agent eingesetzt.

What the fuck? What the bleeding hell? Das als unverfilmbar geltende Buch von William S. Burroughs wurde von keinem Geringeren als David Cronenberg angetastet und im Grunde ist er auch wahrscheinlich der Einzige, dem das gelingen konnte. Allerdings sahen das die Kinozuschauer im Erscheinungsjahr anders, denn der Film floppte an den Kinokassen. Nachvollziehbar, denn der durchschnittliche Mainstreamer wird damit völlig überfordert gewesen sein. Dies kann ich auch niemandem verdenken, denn auch ich hatte damit in jungen Jahren erstmal Probleme. Allerdings faszinierte mich dennoch die Atmosphäre des Films und natürlich auch die unglaublichen Bauten und Effekte. Aber ich sage ja immer, dass Geschmack auch immer etwas mit Wissen zu tun hat. Geschmack ist nicht einfach da, sondern wird geformt. Je mehr man über Burroughs und Cronenberg weiß, desto intensiver wird der Film und tatsächlich bildet sich dadurch ein weiterer Zugang.
Der Film ist nämlich nicht nur eine Romanverfilmung, sondern eine Symbiose aus verschiedenen Büchern von Burroughs und seinem Leben. Tatsächlich kann man den Film "Naked Lunch" auch als Biopic sehen. Ein Biopic der etwas anderen Art. Gerade solche Stationen in denen beispielsweise Bill Lee seine Frau erschießt, sind autobiographisch, denn das ist tatsächlich so passiert. Zusätzlich gab es eine ganze Menge der Personen im Film auch in der Wirklichkeit. Trotzdem sind hier aber auch eine Menge kreativer Ideen von David Cronenberg enthalten, denen Burroughs aber komplett zugestimmt hat. Von den erschaffenen Wesen war er sogar sehr angetan.
Der Film ist selbstverständlich metaphorisch zu betrachten. Viele Dinge sind ein Sinnbild für etwas anderes, aber sie sind nicht bedeutungslos. Fantastisch finde ich die Herangehensweise des Regisseurs, der keinerlei Zugeständnisse an ein unvorbereitetes Publikum gibt. Zugleich auch wie er hervorhebt, dass reale Sets, Puppen und Maschinen, deutlich interessanter als Greenscreen bzw. Bluescreen sind. Gerade die Interaktion von Peter Weller mit den seltsamen Wesen funktioniert durch diesen Weg deutlich besser, als wenn er sich das vorstellen müsste. Interessant ist auch wie der Hauptdarsteller zu seiner Rolle kam. Bei einigen Darstellern gab es nämlich kein Casting, sondern sie wandten sich selbst an den Regisseur, weil sie Cronenberg und Burroughs Fans gleichzeitig waren. Das gilt eben insbesondere für Peter Weller aber eben auch für Roy Scheider. Das sind aber nicht die einzigen bekannten Namen, denn Julian Sands und Ian Holm sind auch noch am Start.
Natürlich ist der Film jetzt keine lapidare Empfehlung für einen Feierabend Film wert. Der möchte richtig entdeckt werden und im Lauf der Zeit wurde er das auch. Als Flop gestartet, gilt er heute als Meisterwerk, als Kultfilm, in den entsprechenden Kreisen. Der durchschnittliche Zuschauer, der lediglich nach einem netten Feierabend Film sucht, wird aber auch heute noch damit Probleme haben.
 
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