Moby Dick
Wer kennt nicht die Geschichte von Herman Melville, in der Käptn Ahab noch eine Rechnung mit dem weißen Wal "Moby Dick" offen hat und sich und seine Mannschaft dadurch in große Gefahr bringt.
John Huston brachte diesen klassischen Abenteuer-Roman von 1851 im Jahre 1956 auf die große Leinwand und hielt sich relativ eng an die Vorlage, wobei er vor allem den Kern der Geschichte verfilmte und alles ausufernden Auschmückungensowie philosophischen und anderen wissenschaftlichen Exkurse des schwer zu lesenden 900-Seiten Wälzers wegließ.
So entstand ein bemerkenswert realitätsnaher Einblick auf einen Walfänger Mitte des 19 Jahrhunderts. Raue Seeleute, die hart schuften mussten, um zum einen das Schiff "Peqoud" stets im Wind zu halten und andererseits ein so großes Tier wie einen Wal zu fangen und zu töten, um vor allem an den Tran zu gelangen, dessen Öl damals essentiel war für die Öllampen der ganzen Welt. Wir werden Zeuge, wie beschwerlich dies war bis hin zum zerlegen und einkochen des Trans.
Dem gegenüber steht Käpten Ahab, der schon zu Lebzeiten eine Legende ist, da er doch sein Leben im Kampf gegen "Moby Dick" fast verlor und seitdem sowohl physisch als auch psychisch gezeichnet ist. Im krankhaften Wahn nach Rache führt er seine ihm treu ergebene Crew in ein kaum zu gewinnendes Duell mit dem sagenhaften Pottwal! Das ausgerechnet der aufrechte und gutaussehende Gentleman Gregory Peck diese Rolle übernahm, überraschte nicht nur Peck selbst und es gab damals ähnliche Diskussionen wie in den 90er Jahren, als Tom Cruise die Rolle des Vampirs Lestat übernahm. Doch wie auch Cruise überzeugte auch Peck und verlieh dem geschundenen Seele Ahab mit Hilfe von Holzbein und Make-up eine ehrfurchtsvolle und tragische Aura.
Huston und sein Kameramann Oswald Morris gaben dem Film einen Look wie in einem Gemälde aus dieser Zeit. Ungesättigte, fast schon pastelltartige Farben prägen den optischen Eindruck bis heute und das passt auch wunderbar zu der Geschichte. Außerdem behält er bzw. der Drehbuchautor Ray Bradbury den Erzähler des Romans, Ismael, bei, der uns gleich mit den berühmten Worten "Ich heiße Ismael" aus dem Roman in den Film einlädt. Durch diese clevere Herangehensweise Hustons ist man sofort in der Geschichte und in der damaligen Zeit drin und bleibt es auch während der gesamten Laufzeit. Und spätestens, wenn dann noch der neue, recht exotische Harpunist Quequeg auf der Bildfläche erscheint, ist man ein Teil dieser Crew. Sehr löblich ist es übrigens, das der Film, ob es im Roman ebenfalls so ist, enzieht sich leider meiner Kenntnis, keinerlei Unterschiede bei der Herkunft der Seemänner macht, die aus allen Herren Ländern kommen. Jeder ist für jeden da und man muss sich bei dem Knochenjob auf seinen Nebenmann blind verlassen können. Da spielt die Hautfarbe überhaupt keine Rolle.
Moby Dick mag für heutige Sehgewohnheiten ein altbackendes Vehikel sein aber für mich ist dieser Film schon seit meiner Kindheit ein fast schon mystischer Film und viele Szenen habe ich seit der ersten Sichtung bis heute nicht vergessen und erzeugten auch bei der aktuellen Sichtung eine wohlige Gänsehaut. Auch die Aufnahmen des Wals, der von 3 Gummiartigen Attrappen dargestellt werden, überzeugen auch noch heute recht gut und waren damals sehr überzeugend. Eben gute, alte Handarbeit ohne CGI-Schnickschnack! Aber trotzdem waren sowohl Roman als auch der Film seinerzeit kein Erfolg beschieden und waren totale Flops. Erst später haben beide ihren verdienten Ruf erlangt und gehören zu den absoluten Klassikern ihrer Gattung, die in keiner Sammlung fehlen sollten!