Mauvaise Graine
Henri ist ein Playboy. Er liebt es mit seinen Freunden durch die Straßen zu fahren und noch mehr liebt er sein Auto. Sein Party-Leben liegt aber eher daran, dass ihm sein Vater alles finanziert, doch der hat genug davon. Er verkauft das Auto und kürzt ihm das Geld, sodass sich Henri nun mit leeren Händen dastehen sieht. Er verlässt im Streit das Elternhaus und klaut kurzerhand das Fahrzeug. Dabei wird er von ein paar Typen beobachtet, die das gar nicht lustig finden, denn sie sind die Nummer 1 im Autodiebstahl und haben kein Interesse daran, dass sich hier noch jemand bedient. Sie stellen ihn und nehmen ihn mit ins Hauptquartier. Allerdings freundet sich Henri dort direkt mit jemandem an und wird in die Gruppe aufgenommen. Fortan klaut er also Autos, liefert sie ab und bekommt eine Prämie dafür. Allerdings merkt er schon bald, dass dies nicht ganz ungefährlich ist, denn einmal ist die Polizei dicht dran und zudem weist die Bande auch mafiöse Strukturen auf, weshalb er gleich doppelt in Gefahr ist.
Hier ist er also: Der allererste Film von Meisterregisseur Billy Wilder, den er 1934 in Frankreich realisiert hat. Als Co-Regisseur wird Alexander Esway angegeben, allerdings soll sich hauptsächlich Billy Wilder am Set aufgehalten haben, was über 90 Jahre später wohl nicht mehr genauer festzustellen sein wird. Zumindest erkennt man Wilder relativ schnell, denn bereits hier hat er seinen urtypischen Humor einfließen lassen, den man mehrfach zu Gesicht bekommt. Der Film brilliert zudem durch seine für die Zeit atemberaubenden Verfolgungsjagden und auch die Geschichte ist komplett überzeugend und macht richtig viel Spaß. Zunächst wirkt er eher wie eine Komödie, streift aber dann den Thriller, der dennoch mit Humor aufgelockert wird. Im Finale wird er aber dann sogar richtig spannend und nimmt auch dramatische Züge an. Der Film ist zu keiner Zeit langweilig und man bleibt mit viel Freude am Ball, da auch die Charaktere sehr gut geschrieben wurden. Die Darsteller leisten ebenfalls sehr gute Arbeit und fügen sich in den turbulenten Film komplett ein. Auch wenn er verschiedene Genre streift, wirkt er wie aus einem Guss, da die Geschichte diese Wendungen immer hergibt. Zu Beginn hat Henri ja auch viel Freude an seiner neuen Beschäftigung und auch an den neuen Freunden, die er gewonnen hat. Zudem verdreht ihm auch noch eine junge Frau den Kopf, die ebenfalls zu der Bande gehört, weshalb dieser freundliche und komödiantische Ton absolut passend ist. Aber eben auch der Wechsel, wenn er erkennt, dass die Lage immer ernster wird. Für mich ein fantastischer Beginn einer Ausnahmekarriere, der zeigt zu welchen Großtaten der Meister bereits zu diesem frühen Zeitpunkt seines Schaffens fähig war. Chapeaux!