Maps to the Stars

deadlyfriend

Casting
Teammitglied
Registriert
19 Juni 2008
Beiträge
19.074
Ort
Garma
Filmkritiken
187
Maps to the Stars

Agatha kommt nach Los Angeles zurück, wo sie früher einmal gelebt hat. Sie lernt direkt nach ihrer Ankunft den Limousinen-Chauffeur Jerome kennen, der auch gleich ihr Interesse weckt. Durch ihre Kontakte zu Carrie Fisher, erhält sie auch schnell eine Anstellung als persönliche Assistentin bei der Schauspielerin Havana. Die versucht gerade zwingend an eine Rolle zu kommen, die sie unbedingt spielen möchte, da es ein Remake zu einem Film ist, in dem ihre früh verstorbene Mutter zum gefeierten Star wurde. Gleichzeitig sehen wir den 13-jährigen Benji, der als gefeierter Jungstar gerade von einem Drogenentzug zurück ist, den seine Eltern aber schnell wieder ins Rampenlicht befördern wollen. Alle Personen hängen aber auf eine seltsame Art und Weise zusammen und bilden einen Mikrokosmos im Mikrokosmos.

David Cronenberg drehte 2014 seinen "Sunset Boulevard" und trat in Billy Wilders Fußstapfen. Eine Dekonstruktion der Traumfabrik, ummantelt von einer fantastischen Geschichte. Der Kanadier fand allerdings das Drehbuch von Bruce Wagner einfach stark und meinte zusätzlich, dass ihm dabei Hollywood egal war, da er ja eh kein Hollywood Regisseur wäre. Tatsächlich ist es in seiner langen Filmkarriere das erste Mal, das er auf amerikanischem Boden drehte und dann direkt in der Höhle des Löwen. Auf Einladungen zu einer bestimmten Preisverleihung dürfte er damit allerdings nicht geschielt haben und trotzdem sind sie alle gekommen, die er gerufen hat. Robert Pattinson sagte bereits zu, ohne dass er das Drehbuch gelesen hätte. Julianne Moore war Feuer und Flamme mit Cronenberg arbeiten zu können. Carrie Fisher spielt sich selbst. Sarah Gadon, die Cronenberg bereits in den zwei Filmen zuvor besetzte, hat auch hier wieder eine Schlüsselrolle. John Cusack fand das Drehbuch so mutig, dass er daran sofort interessiert war. Mia Wasikowska war ebenfalls Feuer und Flamme davon mit Cronenberg zu arbeiten. Insgesamt finde ich seine Anziehungskraft immer wieder erstaunlich, da er ja nun mal keine erfolgversprechenden Blockbuster drehte. Trotzdem kommen sie alle.

Der Film selbst ist eine absolute Granate, die sich einmal mehr nicht in ein Genre schieben lassen kann. Hier sind Elemente des Grusel-Horrors, des Mystery-Thrillers und des Dramas zu sehen, die alle in einer Satire verpackt sind, die aber dennoch ein hohes Maß an Realität beinhaltet. Szenen die einzeln betrachtet eher witzig wirken aber im Kontext für Unwohlsein sorgen können. Der Film fesselt von Beginn an und bietet sogar einen absolut zugänglichen Eingang, ohne vom Türsteher abgewiesen zu werden. Dennoch ist das ein echter Cronenberg, was immer das auch heißen mag, da seine Filme einfach ständig anders sind. Die Bilder sind abermals fantastisch und das komplette Design einfach perfekt ausgearbeitet, was wieder an Carol Spier liegt. Die Musik stammt wie immer von Howard Shore und unterstreicht seine Bilder perfekt. Die komplette Struktur des Films, wie die Fäden zusammenhängen, sind zusätzlich grandios geschrieben.
Für mich ein sensationeller Film, der einmal mehr unterstreicht was für ein Genie David Cronenberg ist. Langsam weiß ich echt nicht mehr, wie ich von dem Mann eine Top Ten basteln soll. Ein wunderbarer Film, den ich ausnahmsweise jedem empfehlen kann, der sich für Hollywood und sein Innenleben interessiert. Befremdlich zusätzlich wenn John Cusack meint, dass der Film nicht wirklich weit weg wäre.
 
Oben