Knightriders - Ritter auf heissen Öfen

deadlyfriend

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Gesamtübersicht aller Kritiken zu Knightriders - Ritter auf heissen Öfen:

#02 01.09.2023 deadlyfriend
 

deadlyfriend

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Knightriders - Ritter auf heissen Öfen

„Knightriders“ wird gerne mal als ein Ausnahmefilm im Gesamtwerk von George A. Romero hingestellt. Meistens in der Richtung, dass er hier mal etwas völlig anderes versucht hat, was für mich überhaupt nicht der Fall ist. Er hat in der Zeit zwischen 1970 und 1981 ständig Filme gedreht, die zwar äußerlich immer völlig anders gelagert waren, aber inhaltlich eine gewisse Verwandtschaft besaßen. Ein Schuss in den heissen Ofen war damals mit Sicherheit die deutsche Namensgebung. „Ritter auf heissen Öfen“ mag zwar inhaltlich nicht völlig daneben sein, dennoch klingt es eher nach „Zwei Nasen tanken Super“ und das hat dieser wunderschöne Film nicht verdient.

Billy hat im Laufe der Zeit eine Gruppe von Menschen zusammengeführt, die einfach gerne anders leben möchten. Sie haben einen König, klare Regeln und fühlen sich mit dem Mittelalter verbunden. Dennoch akzeptieren sie die Welt um sich herum, auch wenn sie sie nicht unbedingt mögen. Ihren Lebensunterhalt verdienen sie mit öffentlichen Aufführungen ihrer eigenen Spiele. Sie führen nämlich Ritterturniere durch, in der Art wie man sie heute noch auf Mittelaltermärkten findet. Mit dem Unterschied, dass sie Motorräder benutzen und keine Pferde. Zusätzlich sind für sie die Kämpfe nicht einfach eine Show, da sie dies äußerst ernst nehmen und dabei auch Verletzungen nicht scheuen. Da sie dies aber nicht professionell betreiben, reicht das Geld eben gerade so für die Verpflegung und die Instandhaltung der Fahrzeuge, was dem König auch völlig ausreicht. Dennoch wird die Truppe immer bekannter und bringt auch Menschen auf den Plan, die darin die große Vermarktung sehen. Dies bringt die Gruppe in Schwierigkeiten, da sich ein Teil von ihnen dann schließlich doch nach Geld sehnt.

„Knightriders“ kann man auf verschiedenen Wegen entdecken. Als Road-Movie aber auch als Drama. Der Actionanteil ist zwar ebenfalls vorhanden und auch sehenswert umgesetzt, aber dennoch steht der Gemeinschaftssinn im Vordergrund. Wenn man sich mit dem Regisseur ein wenig beschäftigt, erkennt man auch wieviel persönliche Dinge im Film liegen. Schließlich hat sich Romero die meiste Zeit über vor der Hollywood Krake versteckt und wollte nicht unter deren Regeln vereinnahmt werden. Man kann den Film also durchaus als Allegorie auf den Regisseur betrachten. Das wird zusätzlich im Cast sichtbar. Hier versammelte er eine unglaubliche Anzahl von Weggefährten, die in seinen bisherigen Filmen auftraten. Selbst wenn es nur kleine Nebenrollen sind. Wir sehen Darsteller und Darstellerinnen aus „Crazies“, „Martin“ und auch eine Menge aus „Dawn oft he dead“. Selbst Stephen King hat mit seiner Frau zusammen eine kurze Gastrolle. Gleiches gilt auch für die Kulissen dahinter. Auch deshalb wirkt die Gemeinschaft wie aus einem Guss, da hier eben viele Freundschaften am Werk waren und jeder das beste Ergebnis wollte.

In der knapp 2,5-stündigen Langfassung des Films werden die Charaktere noch tiefer beschrieben, was mir persönlich sehr gut gefällt. Andere bevorzugen die deutsche Kinofassung, die den Film gestrafft hat und dadurch den Action Anteil prozentual erhöht. Da es aber im Film um die Figuren und nicht um die Action geht, ziehe ich die Langfassung definitiv vor. Der Film wirkt auf mich, in sich sehr geschlossen und mir war auch nie langweilig, da die verschiedenen Charaktere sehr gut gezeichnet sind und die Bildregie wundervolle Stimmungen und Bilder zaubert. Ed Harris und Tom Savini spielen hier ebenfalls einfach nur klasse und vermitteln ihren Figuren genau das, was man braucht, um sich für sie zu interessieren. Ich weiß natürlich, dass der Film oftmals nicht sehr gut wegkommt, aber hier denke ich auch dass es um eine falsche Erwartungshaltung geht. Der direkte Nachfolger zu „Dawn oft he dead“ hat mit Sicherheit ein Publikum angesprochen, das hinterher irritiert war. Der Film funktioniert am besten, wenn man sich für das gesamte Sujet interessiert, außergewöhnlichen Dramen offen begegnet und sich ein wenig mit dem Regisseur auskennt. Dann ist „Knightriders“ wirklich wundervoll.
 

BladeRunner2007

Filmvisionaer
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Wirklich tolle Kritik, die diesem Ausnahmefilm absolut gerecht wird! Neben Dawn ist das hier vermutlich mein liebster Romero Film. Okay, Martin kommt vielleicht noch davor - ist aber eine verdammt knappe Kiste. Sehe den Film übrigens auch als Allegorie auf Romero selbst, der ja immer sehr gegen das System war und lieber auf eigene Ideale Wert setzte.

Freut mich übrigens sehr, dass du dich aktuell so intensiv mit Romero's Filmographie beschäftigst. Ein häufig sehr unterschätzte Regisseur, der leider viel zu oft nur auf seine Zombiefilme reduziert wird. Einer meiner Lieblingsregisseure.
 
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deadlyfriend

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Wirklich tolle Kritik, die diesem Ausnahmefilm absolut gerecht wird! Neben Dawn ist das hier vermutlich mein liebster Romero Film. Okay, Martin kommt vielleicht noch davor - ist aber eine verdammt knappe Kiste. Sehe den Film übrigens auch als Allegorie auf Romero selbst, der ja immer sehr gegen das System war und lieber auf eigene Ideale Wert setzte.

Vielen lieben Dank! Ich kann aktuell gar nicht genau sagen, was auf "Dawn" folgt.

Freut mich übrigens sehr, dass du dich aktuell so intensiv mit Romero's Filmographie beschäftigst. Ein häufig sehr unterschätzte Regisseur, der leider viel zu oft nur auf seine Zombiefilme reduziert wird. Einer meiner Lieblingsregisseure.
Ja, das macht gerade eine Menge Spaß. Ich habe chronologisch begonnen und baue aus der Zeit auch immer wieder Abstecher in den Zombiefilm ein. Oft erkennt man in den Filmen andere Dinge, wenn man sie nicht einfach einzeln schaut. Gerade "There`s always Vanilla" und "Season of the witch" haben bei mir eine Menge gewonnen. Ausserdem war es sehr spaßig zu sehen, wie er aus jedem Film wieder Darsteller im nächsten Film eingebaut hat. Das ist mir so bewusst nie aufgefallen. In "Vanilla" gibt es Leute aus Night", in "Witch" gibt es Leute aus "Vanilla", in Crazies Leute aus "Witch" usw... Bei "Knightriders" hat er dann alle zusammen geholt. Auch wenn man diesen Fakt näher betrachtet, gewinnt "Knightriders" nochmal enorm hinzu, da man dadurch diesen Gemeinschaftssinn nochmal mehr spürt. Ich mag einfach wie Romero arbeitet, seine Themen und die daraus resultierenden Ausführungen. Für mich einfach ein Regisseur, bei dem es sich einfach lohnt, sich mit ihm zu beschäftigen.
 

deadlyfriend

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Noch ein Nachtrag. Vielleicht weit her geholt aber vielleicht auch nicht. Zumindest wirkt der Zufall auf mich etwas zu zufällig:D In der Zombie Serie "The walking dead" kommen die Protagonisten ja irgendwann zu dieser Gruppe, die eine Art mittelalterliches Königreich führt. Ein Königreich in einer Zombie Serie? Ich bin davon überzeugt, das die Macher an dieser Stelle "Dawn of the dead" mit "Knightriders" gekreuzt haben. Allerdings ist mir das bei der jetzigen "Knightriders" Sichtung erstmalig in den Sinn gekommen.
 

BladeRunner2007

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Noch ein Nachtrag. Vielleicht weit her geholt aber vielleicht auch nicht. Zumindest wirkt der Zufall auf mich etwas zu zufällig:D In der Zombie Serie "The walking dead" kommen die Protagonisten ja irgendwann zu dieser Gruppe, die eine Art mittelalterliches Königreich führt. Ein Königreich in einer Zombie Serie? Ich bin davon überzeugt, das die Macher an dieser Stelle "Dawn of the dead" mit "Knightriders" gekreuzt haben. Allerdings ist mir das bei der jetzigen "Knightriders" Sichtung erstmalig in den Sinn gekommen.
Da die Serie auf einem Comic basiert kann ich das nicht genau sagen. Aber vielleicht hat sich der Comicautor genau con diesen beiden Filmen inspirieren lassen.
 

Cable

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Da die Serie auf einem Comic basiert kann ich das nicht genau sagen. Aber vielleicht hat sich der Comicautor genau con diesen beiden Filmen inspirieren lassen.
Derzeit wird der Comic ja neu aufgelegt in Farbe und mit einer Kommentarseite sowie Script von Kirkman. Vielleicht schreibt er ja was dazu, wenn es zum Kingdom kommt, ist aber noch ein bisschen hin, bis die Hefte kommen. Aber ich könnte auch mal wieder einen Leserbrief schreiben.
 

deadlyfriend

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Derzeit wird der Comic ja neu aufgelegt in Farbe und mit einer Kommentarseite sowie Script von Kirkman. Vielleicht schreibt er ja was dazu, wenn es zum Kingdom kommt, ist aber noch ein bisschen hin, bis die Hefte kommen. Aber ich könnte auch mal wieder einen Leserbrief schreiben.
Oh, das wäre sehr fein. Das würde mich tatsächlich interessieren. Ohne Romero gäbe es wahrscheinlich kein "Walking dead", weshalb ich es zumindest nicht abwegig finden würde, dass er das eben zusätzlich als Inspiration verwendet hat.
 

Cable

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Oh, das wäre sehr fein. Das würde mich tatsächlich interessieren. Ohne Romero gäbe es wahrscheinlich kein "Walking dead", weshalb ich es zumindest nicht abwegig finden würde, dass er das eben zusätzlich als Inspiration verwendet hat.
Habe gestern einen "Leserbrief" geschrieben, mal schauen ob er abgedruckt wird. Neue Briefe werden zum Start von jedem Arc in die Neuauflage gedruckt, also alle 6 Hefte.
 

Cable

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Mein Brief wurde gedruckt und beantwortet! Kirkman hat geschrieben, dass er Knightriders zwar schon lang auf seiner Liste, ihn aber noch nie gesehen hat.
 
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