Haus der tödlichen Sünden
Greta reist von London nach Venedig, um dort eine neue Stelle als Sekretärin anzutreten. Keine gewöhnliche Stelle, denn sie soll die neuen Ideen des berühmten Schriftstellers Richard Stuart abtippen und wohnt dazu auch in seinem Anwesen. Dies ist aber nicht ihre wirkliche Motivation, denn eigentlich ist sie auf der Suche nach ihrer Freundin, die diesen Job vor ihr hatte und spurlos verschwunden ist. Zudem erhielt sie kurz zuvor, seltsam klingende Briefe, so als ob in dem Haus merkwürdige Dinge vor sich gehen. Bei jeder Gelegenheit versucht sie auf eigene Faust zu ermitteln und stößt auf bizarre Begebenheiten, die aber auch gleichzeitig einen gewissen Reiz bei ihr auslösen. Davon angezogen begibt sie sich in größte Gefahr.
Der erste Giallo von Silvio Amadio, den man theoretisch auch als Erotik-Thriller bezeichnen kann, gefiel mir schon immer ausgesprochen gut. Mit Barbara Bouchet, Rosalba Neri, Farley Granger und Umberto Raho hat man auch eine Top-Riege am Start, mit der sich das Konzept spielend umsetzen lässt. Amadio kreiert eine unglaublich dichte Atmosphäre und schafft es die Erotik in die Handlung zu integrieren, ohne sie einfach als Bruchstück einzusetzen. Dabei optisch immer ansprechend, mit einer feinen Ästhetik angereichert und dabei eben auch absolut nicht unwichtig für die Handlung bzw. die Charakterisierung der Beteiligten. Einen riesigen Anteil daran, hat allerdings auch der phänomenale Soundtrack von Teo Usuelli, der diesen Szenen einen perfekten Unterton verpasst. Also nicht einfach schmierig-kitschig, sondern tatsächlich immer mit einer Note garniert, die die mysteriösen Vorgänge im Ohr behält.
Allerdings ist dies kein "normaler" Giallo mit einem Serienkiller, der auf mörderische Spannung und Gore abzielt, sondern ein ruhiger, äußerst atmosphärischer Thriller, der nicht auf einzelne Szenen setzt, sondern in seiner Gesamtheit funktioniert. Wenn Greta allein den Keller durchsucht, hat es sogar schon fast etwas von einem Italian-Gothic Ambiente, denn der Film ist insgesamt hervorragend ausgeleuchtet und die Spannungsschraube wird fast unmerklich, aber durchgängig angezogen.
Die Locations und Drehorte sind zusätzlich ein Traum, denn Venedig wirkt auch hier wieder fantastisch, genauso wie das Umland. Die Villa als Hauptschauplatz ist ebenfalls grandios und rundet das Ambiente perfekt ab. Wer also eher auf Atmosphäre in einem bizarren Mikrokosmos steht, ist hier hervorragend aufgehoben. Schwarze Handschuhe und Verfolgungsjagden, sowie Whodunit-Einlagen, sind Mangelware. Könnte also eher den Leuten zusagen, die auch die "Deborah-Gialli" mögen, ohne die Filme miteinander zu vergleichen.