Gothic

deadlyfriend

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Gothic



Lord Byron, Mary Godwin (später Shelley), Percy Shelly, Claire Clermont und John William Polidori treffen sich eines Abends in der Villa Diodati am Genfer See. Nach Konsum von Alkohol, in Verbindung mit Opiaten, lesen sie aus alten Büchern Schauergeschichten vor und bringen sich auch dadurch in eine unheilvolle Stimmung. Nach einer zusätzlichen Seance werden Ängste und Alpträume freigesetzt, oder befindet sich tatsächlich ein ungebetener Gast im alten Gemäuer?

Das legendäre Treffen dieser historischen Figuren zog den Roman "Frankenstein" nach sich und zudem auch die erste Vampir-Geschichte. Dennoch möchte "Gothic" keinesfalls die historisch korrekten Begebenheiten schildern, sondern trotz der verbürgten Ausgangslage, etwas ganz Anderes schaffen. Das ist ihm vortrefflich gelungen, denn er ist in jeder Form anders. Visuell ein absolutes Brett, bei dem man fast glaubt, dass in den Bray Studios die Firma Hammer wieder unterwegs gewesen wäre. Dem ist natürlich nicht so, denn es ist eine echte Location in der gedreht wurde und Hammer gab es zu diesem Zeitpunkt schon lange nicht mehr. Dennoch hat der Brite Ken Russell eine Menge LSD-geschwängerte Bilder produziert, die in jeder Phase einfach nur brillant aussehen und zudem perfekt ausgeleuchtet sind. Inhaltlich verknüpft er sensationell die literarischen Figuren des Quintetts und baut zusätzlich auch andere Kunstwerke ein, wie "Der Nachtmahr" von Johann Heinrich Füssli, welches nicht nur im Haus hängt, sondern lebendig wird. Die manchmal bizarre Musik von Thomas Dolby unterstreicht noch die Atmosphäre und die Bilder, auch wenn sie nicht wirklich passt. Dies sollte aber genauso sein und unterstreicht die Unwirklichkeit. Mit Gabriel Byrne und Julian Sands auch noch richtig tolle Darsteller an Bord, weshalb alles nach einem Meisterwerk riecht. Ist es für viele auch und dennoch bleibe ich leider außen vor. Tatsächlich ärgere ich mich bei dem Film über mich selbst, da die Bilder und eben auch der Inhalt fantastisch anmutet, ich dennoch absolut keinen Zugriff auf die Charaktere bekomme. Insgesamt habe ich immer wieder Probleme mit überdrehten oder auch überzeichneten Leuten und dies ist eben hier auch der Fall. Phasenweise nerven sie mich sogar, weshalb die zauberhafte Atmosphäre mich nicht komplett in diese Welt eindringen lässt. Die magische Kraft der Bilder zieht mich zwar unweigerlich rein, aber die 5 Protagonisten sind für mich die Türsteher, die mich Draußen lassen, obwohl ich unbedingt hineinwill. Deshalb nach wie vor ein schwieriger Film für mich, den ich eigentlich gut finden will, aber es einfach nicht schaffe, mich mit den Charakteren zu arrangieren. Trotzdem freut es mich für jeden, der ihn bärenstark findet, weil er es eben auch irgendwie verdient hat.
 
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