Gene Tierney

Die wilde 13

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"Where there is hope, there is no despair!"
Gene Tierney


Ihr Blick ist damals wie heute eine Eintrittskarte in eine magische Welt, aus der es kein Entrinnen gibt. So scheu und melancholisch aber gleichzeitig doch so (neu)gierig auf das Leben. Und natürlich, eingerahmt von sinnlich hohen Wangenknochen, so wunderschön. Wie ihre Augen, so war auch das Leben Gene Tierneys eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Sie war eine der großen Film-Ikonen Hollywoods und in den 40er Jahren strahlende Heldin auf der großen Leinwand. Doch sie war auch zeitlebens kränklich und psychisch labil. Eigenschaften, die in Hollywood noch nie die förderlichsten waren.

Dabei hatte Gene Eliza Tierney die besten Voraussetzungen, ein erfolgreiches und sorgenfreies Leben zu führen. Sie wurde am 19. November 1920 in Brooklyn geboren und wuchs in wohlhabenden Verhältnissen auf. Ihr Vater war Börsenmakler, die Mutter Lehrerin. Es fehlte ihr an nichts. Eine Dienerschaft, die sie und ihren Bruder umsorgte und eine gute Ausbildung, die auf einer Eliteschule im schweizerischen Lausanne erfolgreich beendet wurde.

Zurück in New York bekommt sie ohne je schauspielerische Ausbildung genossen zu haben, diverse Rollen am Broadway, wo sie nach einiger Zeit einem Agenten der Columbia-Studios auffällt. Sie unterschreibt einen Vertrag über 350,- $ wöchentlich und ihr Vater Howard gründet schon mal vorsorglich eine Art Fond, in dem 25% ihrer Einnahmen gesammelt werden. Doch sie erhält keine Filmrolle und kehrt nach einem halben Jahr enttäuscht zum Broadway zurück. Immerhin hat sie in der Liebe etwas mehr Glück und wird kurzzeitig die Geliebte von Howard Hughes.

Es dauert aber nicht allzulang, da klopft die 20th Century Fox an ihrer Tür und da Erfahrung bekanntlich klug macht, fordert die hübsche Gene innerhalb eines Monats eine Rolle in einem Film sowie keinerlei Veränderungen an ihrem Antlitz, bevor sie einen Vertrag unterzeichnet. Der gr0ße Fritz Lang wird dann 1940 ihr erster Hollywood-Regisseur in Rache für Jesse James. Neben Henry Fonda spielt sie nur eine kleinen Part, doch der Anfang ist endlich gemacht. Weitere Filme folgen, u.a. Tabakstrasse von John Ford, doch so richtig wohl fühlt die junge Gene sich nicht im Moloch Hollywood. Also beschliesst sie, ein gutes Angebot vom Broadway anzunehmen, doch ihr Vater hatte hinter ihrem Rücken den Vertrag mit der Fox verlängert, so das sie bleiben muss. Später stellt sich hreaus, das Howard Tierney seine Schulden aus ihrem Fond begleicht und auch seine Frau mehrmals betrügt. Gene Tierney bricht schockiert jeglichen Kontakt zu ihrem Vater ab.

Sie dreht also weiter für die Fox, unter anderem unter Josef von Sternberg (Abrechnung in Shanghai, 1941) und Ernst Lubitsch (Ein himmlischer Sünder, 1943) und heiratet gegen den Willen ihrer Mutter, zu der sie seit frühester Kindheit ein inniges Verhältnis pflegt, den russischen Adligen Oleg Cassini. Im Oktober 1943 kommt ihre Tochter Daria zur Welt, doch sie ist blind und geistig behindert. Eine Folge von Röteln während ihrer Schwangerschaft. Gene ist verzweifelt und erleidet erste Depressionen.

Im Jahr darauf dann ihr Durchbruch in Otto Premingers Laura, in der sie eine rätselhafte Frau spielt. Eine Rolle, wie für sie gemalt. Den Erfolg ausbauen kann sie in dem farbigen Film Noir Todsünde im Jahr 1945, wo sie neben Vincent Price abermals eine geheimnisumwitterte Femme Fatale mimt. Das macht sie so fantastisch, das sie dafür ihre einzige Oscar-Nominierung bekommt. Mit Weisser Oleander (1945) und Auf Messers Schneide (1946) behält sie ihren Status als verrucht, rätselhaftes Weibsbild. Liebeleien mit dem jungen J.F. Kennedy und später mit Ali Khan fördern diesen noch zusätzlich, doch ihre große Zeit ist Ende der 40er Jahre schon vorbei. Ihre Rollenauswahl ist eher unglücklich und die Beziehung zu Kennedy muss sie beenden, da er Präsident werden möchte. Sie kehrt zunächst zu ihrem Ehemann zurück und bringt 1948 an ihrem 28. Geburtstag eine gesunde Tochter (Christine) zur Welt.

Doch ihre Karriere geht immer mehr den Bach runter und auch eine Scheidung ist leider unausweichlich. Sie wird zunehmend depressiv und vergesslich und entwickelt erste Symptome einer Paranoia. Das Drehen von Filmen wird immer mehr zur Tortur für alle Beteiligten: Darryl F. Zanuck lässt für sie extra einen kleinen Part in Die Ratten von Soho (1952) reinschreiben, ihre Rolle in Sinuhe, der Ägypter (1954) bewältigt sie nur noch mit äußerster Kraftanstrengung und mit Humphrey Bogart dreht sie 1955 dann ihren vorerst letzten Film: Die Linke Hand Gottes.

Danach wird sie in verschiedenen psychischen Einrichtungen behandelt, darunter auch mit Elektroschocks, die sie vollends aus der Bahn werfen. Sie ist völlig verstört und unternimmt einen Selbstmordversuch. Ihr Bruder Dutch weist sie daraufhin in eine private Klinik ein, wo sie langsam wieder einigermaßen zu sich selbst findet. Leider wird sie nie wieder ganz gesund und muss zeitlebens Medikamente nehmen.

Anfang der 60er Jahre heiratet sie den dritten Howard in ihrem Leben: Den Ölbaron Howard Lee. Die Ehe wird glücklich und auch beruflich schafft sie ein kleines Comeback. Mit Sturm über Washington (1962), Puppen unterm Dach (1963) und Drei Mädchen in Madrid (1964) macht sie noch mal kurz auf sich aufmerksam und spielt danach nur noch kleinere TV-Rollen. 1978 veröffentlicht sie ihre Biographie, die sehr ehrlich ist und auch mit den damaligen Behandlungsmethoden für psychisch Kranke abrechnet. Kurz vor ihrem 71. Geburtstag stirbt sie heute vor 25 Jahren an ein Lungenemphysem in Houston.

Sie ist bis heute eine der aufregendsten und schönsten Hollywood-Diven und auch eine der tragischsten. Ein Blick in ihre Augen verrät uns das bis heute. Ruhe in Frieden und Danke für tolle Filme! Übrigens hat sich Agatha Christie vom tragischen Lebensweg Tierneys zu ihrem Roman "Mord im Spiegel" inspirieren lassen!
 

Die wilde 13

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Sie wäre gestern 100 Jahre alt geworden. Happy Birthday to Heaven, Gene!
 

deadlyfriend

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Jetzt erst gelesen. Das ist eine wunderschöne Vorstellung dieser fantastischen Darstellerin. Das Gemälde in "Laura", könnte ich mir wunderbar in unserem Filmzimmer vorstellen. Man denkt ja gerne das die glamourösen Damen Hollywoods aus dieser Zeit ein perfektes Leben hatten, aber es fällt auch auf wie viele daran zerbrachen. Neben Gene Tierney ist natürlich die Monroe und auch Veronica Lake zu nennen.

"Laura" hatte mich ja gerade wieder total beeindruckt, weshalb demnächst auch "Todsünde" folgen wird. Gerade in "Laura" wird deutlich, wie sehr man als Zuschauer von Dana Andrews gespiegelt wird. Sie ist eigentlich gar nicht da, aber man ist völlig fasziniert von ihr. Eben das Gleiche was Dana Andrews durchlebt.
 
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