Ich habe ihn tatsächlich auch in der wunderschönen Koch Edition bekommen. Sobald er geliefert ist werde ich ihn sichten. Ich bin sehr neugierig auf den Film.
Gestern abend habe ich den Film dann auch gesichtet. Ich muss gestehen das David Cronenberg offenbar wirklich ein Regisseur ist den ich absolut unterschätzt habe, bzw. ihn in eine Schublade gesteckt hat in die er nicht reingehört. Bereits mit
M. Butterfly hat er mir bewiesen das er ein toller Regisseur ist der eine sehr spezielles Gespür für Inszenierung besitzt.
Bei
Die Unzertrennlichen hat er meine Meinung erneut bestätigt. Der Film ist wieder komplett anders, aber dennoch mit einer unverkennbaren Handschrift versehen. Einerseits ein sehr gefühlvolles Drama. Man kann sich zunächst als Zuschauer absolut mit Beverly identivizieren. Der etwas introvertierter Zwilling der aber im Hintergrund einen maßgeblichen Anteil für den beruflichen Erfolg beiträgt, aber der sowohl beruflich als auch privat von seinem extrovertierteren Zwilling Elliot abhängig ist. Zu Anfang gewinnt man den Eindruck das Elliot nur beruflich von seinem Bruder abhängig ist, weil ohne seinen Hang zur perfekten Forschnung, er diese nicht entsprechend präsentieren könnte. Aber im Verlauf spürt man das auch Elliot, auch wenn er es anfangs nicht so recht zugeben würde, auch privat sehr abhängig von Beverly ist. Was Anfangs eher wie ein Spiel aus seiner Sicht aussieht, der Kick Frauen zu manipulieren und zu täuschen und sich auch ein stück weit sexuell gefügig zu machen schien zunächst ja eher aus Sicht von Elliot eine brüderliche bahrmherzigkeit zu sein, damit sein Bruder auch ein Sexualleben hat, aber eben bei näherer Betrachtung war es denke ich mal auch für ihn ein notwendiger Kick, was man ja auch in der einen Szene als diese beiden Escort-Schwestern ihm "geschenkt" wurden nochmal unterstichen wurde. Selbst da musste er seinen Bruder, wenn auch nur mental, mit einbauen.
Und was den Verfall angeht, der war dann definitiv sehr heftig. Wer hätte gedacht das gerade Beverly, der zu Anfang als der rationalerer und bodenständigere Bruder wirkte, zum einen so ein Drogenproblem entwickelt bis hin zum absoluten Verlust der Kontrolle über sich selbst. Aber auch Elliot, der zu Anfangs noch stark wirkte und versuchte seinen Bruder alleine zu helfen, natürlich auch aus selbstschutz da er nicht wollte das auch er in ein schlechtes öffentliches Licht fällt, aber wie man später merkte auch aus Abhängigkeit bis hin zur späteren absoluten Selbstaufgabe in der Hoffnung seinen Bruder damit zu heilen, der aber inzwischen in so ein tiefes Loch gefallen war und den totalen Realitätsverlust erlitten hat, so das, wenn überhaupt, nur noch richtig guter Psychologe ihn da hätte raus holen können
Aber auch
Jeremy Irons hat hier eine Monsterleistung abgeliefert. Für mich unbegreiflich warum er hierfür nicht den Oscar bekommen hat. Zwei Charaktere die in einer Hinsicht fast identisch sind, aber dann vom Wesen aber auch körperlich so unterschiedlich zu spielen, das war phänomenal. Es war nicht nur die Optik die beides etwas unterschieden hat, er hat auch sowohl bei Elliot als auch bei Beverly einen komplett anderen Ausdruck und eine andere Körperhaltung gespielt. Das war ganz großes Kino. Zumindest hat er ein paar Jahre später den Oscar als bester Hauptdarsteller bekommen, was sicherlich auch mit dieser saustarken Performance zu tun hatte.
Wertung:
8.5/10