Dead Zone

deadlyfriend

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Dead Zone

Stephen King und David Cronenberg? Das muss ja eine Monster-Horrorshow werden. Weit gefehll. Tatsächlich kam ich persönlich nie auf diesen Gedanken, da "Dead Zone" das zweite Buch war, welches ich vor einigen Jahrzehnten von King gelesen hatte. Bei meiner Erstsichtung des Films hatte ich also auch diesbezüglich bereits keine Erwartungshaltung und mochte den Film auf Anhieb. Dieser Eindruck wurde im Lauf der Zeit weiter verstärkt und auch heute noch, finde ich den Film großartig. Was ich ungemein stark finde ist seine episodenhafte Struktur, die aber nie als Aneinanderreihung angelegt ist, sondern eine deutliche Struktur aufweist. Alle vermeintlichen Episoden gehen Hand in Hand und die Nächste ist lediglich das Ergebnis aus den Ereignissen zuvor.

Johnny hat eine Freundin, die er heiraten möchte, ist Lehrer an einer Schule, was ihm offensichtlich viel Freude bereitet, und hat gutbürgerliche Zukunftspläne. Die werden jäh zerstört, als er durch einen Autounfall 5 Jahre im Koma liegt. Seine Freundin hat inzwischen geheiratet und seinen Job gibt es auch nicht mehr. Dafür hat er jetzt das "zweite Gesicht" und kann durch Berührungen schlimme Dinge aus der Zukunft aber auch in der Gegenwart und Vergangenheit sehen. Dies zehrt aber an seinen Kräften und verschafft ihm wenig Freude. Ganz im Gegenteil. Allerdings muss er sich bald die Frage stellen, ob er sein persönliches Wohl, über das Schicksal von anderen Menschen stellen kann und darf.

Dead Zone hat im Werk von David Cronenberg einen besonderen Stellenwert, da gleich mehrere Dinge völlig anders sind als in seinem bisherigen Schaffen. Einmal ist es der erste amerikanische Film, obwohl er ihn dennoch in Canada gedreht hat. Dann ist es erstmalig eine fremde Geschichte und nicht sein eigenes Drehbuch. Zusätzlich ist nicht Howard Shore für die Musik zuständig, sondern Michael Kamen. Dies hat aber insgesamt eher harmlose Hintergründe und keine zwanghafte Erneuerung oder den oftmals kolportierten Drang nach Hollywood. Cronenberg hatte beispielsweise gerade keine Lust ein Drehbuch zu schreiben, weshalb er das Angebot äußerst interessant fand. Howard Shore war einfach nur terminlich verhindert. Produziert wurde der Film von Debra Hill, deren Namen man sofort mit "Halloween" von John Carpenter in Verbindung bringt. Lustigerweise hatte ich bei der gestrigen Sichtung ein T-Shirt an, mit der Aufschrift "A Debra Hill Production", was allerdings Zufall war. Ja, der Film beschäftigt sich auch nicht wirklich mit Body-Horror, wobei natürlich die neuen Fähigkeiten zumindest die mentale Ebene streifen. Deshalb sind zumindest Kernthemen aus "Stereo" und "Scanners" vorhanden. Dafür gibt es diesmal aber einen liebenswürdigen Arzt.
Insgesamt weist der Film viele Facetten auf. Natürlich sind die Aspekte eines Liebesdramas vorhanden, aber eben auch Sci-fi, Thriller und Horror. Allerdings verzichtet Cronenberg hier weitestgehend auf blutige Einlagen, dafür liefert er aber dennoch einige bildgewaltige Sequenzen. Darstellerisch liefert Christopher Walken hier eine unglaubliche Glanzleistung ab und den Film verbindet man inzwischen auch ganz klar mit ihm. Aber auch die weiteren Rollen sind mit Brooke Adams, Tom Skerritt, Herbert Lom, Martin Sheen und Anthony Zerbe hochkarätig besetzt. Für mich ist "Dead Zone" eine verdammt starke King Verfilmung, aber eben auch ein wunderbarer Film von David Cronenberg.
 
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