Das Parfüm - Die Geschichte eines Mörders

Dieses Thema im Forum "Kurzkritiken und Diskussion" wurde erstellt von Travis, 5. Dezember 2008.

  1. Travis

    Travis Regie Mitarbeiter

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    Gesamtübersicht aller Kritiken zu Das Parfüm- Geschichte eines Mörders:

    #02 05.12.08 Tom
    #03 05.12.08 LivingDead
    #04 05.12.08 Vince
     
    Zuletzt bearbeitet: 5. Dezember 2008
  2. Travis

    Travis Regie Mitarbeiter

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    AW: Parfüm. das - Die Geschichte eines Mörders

    Kritik von Tom

    Das Parfum - Die Geschichte eines Mörders

    "Das Parfum" scheint mich im wahrsten Sinne betört zu haben. Für einen Film den ich vorher nicht gesehen habe hat dieser einen großen Eindruck bei mir hinterlassen und ich bin mit meinem Kauf mehr als zufrieden. Dazu sei gesagt das ich nicht zu den jenigen gehöre die im Vorfeld den Roman gelesen haben und daher einen Vergleich ziehen könnte. Warum ich den Film von Anfang an auf meiner Liste hatte könnte man als des Parfums "Kopfnote" bezeichnen. Filme die in der alten Zeit spielen, nur durch wenige Bilder es schaffen meine Vorstellungskraft zu beflügeln und noch dazu so liebevoll in Szene gesetzt worden sind lösen bei mir großes Interesse aus. Es genügt manchmal nur ein Satz, Wort oder ein Szenenbild in einem Magazin um meine Entscheidung in eine bestimmte Richtung zu lenken.

    Wir bekommen die Geschichte von "Jean-Baptiste Grenouille" (Ben Whishaw) erzählt welcher mit einem ganz besonderen Talent auf die Welt gekommen ist. Er besitzt einen ausgesprochen einzigartigen Geruchssinn welcher ihm erlaubt alle nur erdenklichen Dinge bis hin zu Menschen 10 Meilen gegen den Wind zu riechen. Nur eines ist ihm verwehrt geblieben, der Eigengeruch. Er entdeckt das Handwerk der Parfum Herrstellung welches ihn ganz schnell dazu herausfordert den wundebarsten Duft der Welt herzustellen. Dazu geht er bei dem berühmten Parfümeur "Guiseppe Baldini" (Dustin Hoffman) in die Lehre von welchem er sich erhofft die Kunst der "Konservierung eines Geruchs" zu erlernen. Nur leider hat er sich dazu die falsche Zutat auserkoren, den Geruch von Frauen...

    Die "Herznote" setzt sich bei mir aus der Zeit während des Anschauens zusammen. Kaum hat der Film begonnen fühlte ich mich sehr schnell in die andere Zeit versetzt. Durch die Kostüme, die mit viel Liebe zum Detail gebotenen Schauplätze wird dieses einem nicht grade schwer gemacht. Es kam zu keiner Zeit Langeweile auf und die immerhin 142 Minuten gestallteten sich recht schnell vergehend. Besonders hervorzuheben sind ebenfalls die Leistungen der Schauspieler. "Dustin Hoffman" als Parfümeur "Guiseppe Baldini" spielt gewohnt sympathisch und man genießt jede Sekunde die er auf der Leinwand verbringt. Wie schon in "Meine Braut,Ihre Schwiegereltern und Ich" spührt man richtig mit wieviel Seele und Engagement dieser Mann bei der Sache ist. Der für mich im Vorfeld relativ unbekannte "Ben Whishaw" war ebenfalls in der Rolle des Mörders "Grenouille" gut besetzt. Seine ruhige unschuldige Art und der dunkle Blick haben viel zur Atmosphäre beigetragen.

    Die "Basisnote" setzt sich aus meinem Empfinden nach dem Film zusammen. Das Ende des Films schlug eine für mich völlig unerwartete Richtung ein. Hatte mir schon alleine durch den Trailer einen ganz anderen Ausgang der Geschehnisse zurechtgelegt und lag voll daneben. Ich denke jedoch das nicht nur ich diesem Irrtum unterlag. Des weiteren hatte ich an der recht harmlosen Altersfreigabe im Vorfeld gezweifelt, aber auch da wurde ich eines besseren belehrt. All die Morde und nackte Haut die im Film gezeigt wurden waren tatsächlich einer FSK12 würdig. War auch nicht weiter schlimm denn der Effekt war der gleiche. Des weiteren wurden meine Erwartungen voll erfüllt und auch das Finale hatte sich überraschend Anders gestalltet.

    Nun bleibt nur noch zu überlegen welche "besondere" dreizehnte Duftnote man hier mit einbringen könnte aber vielleicht gibt es die einfach nur in Form meiner...

    Gesamtwertung 7,5/10
     
  3. Travis

    Travis Regie Mitarbeiter

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    AW: Parfüm. das - Die Geschichte eines Mörders

    Kritik von LivingDead

    Das Parfum - Die Geschichte eines Mörders

    Alles in allem eine solide Romanverfilmung, die jedoch weit hinter ihren Möglichkeiten zurück bleibt.

    Optisch gesehen ist der Film ein wahrer Genuss. Da gibt es ellenlange Kamerafahrten über Wiesen, Obst und Frauenkörper, die den Geruch direkt von der Leinwand auf den Zuschauer zu übertragen scheinen. Durch die fantastische Musik der Berliner Philharmoniker wird dieser Eindruck noch verstärkt. Daraus resultieren einige wirklich magische Momente, wie man sie tatsächlich nur im Kino erleben kann.
    Auch die Schauspieler geben hervorragende Leistungen ab, von denen vorallem Ben Whishaw als Jean-Baptiste Grenouille hervorsticht und die Zerrissenheit seines Charakters deutlich spürbar macht. In Nebenrollen wurden sogar internationale Stars wie Dustin Hoffman und Alan Rickman gewonnen, die dem Film allein durch ihre Anwesenheit Hollywood-Feeling verpassen.
    Rein handwerklich hat Tykwer also alles richtig gemacht. Warum der Film dann doch nicht das erwartete Meisterwerk wurde hat andere Gründe.

    Durch den langsam voranschreitenden Erzählstil tun sich immer wieder Längen auf. Es passiert stellenweise einfach zu wenig für eine Laufzeit von fast 2 1/2 Stunden. Ein weiterer Knackpunkt wird für Romankenner wohl die Darstellung des Grenouille selbst sein. Im Buch als Monster beschrieben, der in elendem Hass auf die Menschen beginnt zu morden, schlägt Tykwer für seinen Film eine gänzlich andere Richtung für den Hauptcharakter ein: Dort wird er eher als mitleiderregendes Wesen beschrieben, welches durch seine Gabe in die Obsession nach der Suche nach dem perfekten Duft getrieben wird.
    Meiner Meinung nach ist dies im Gesamtkontext auch stimmiger. Pluspunkt für Tykwer. Dennoch fehlt es dem Film hie und da einfach an der für eine Literaturverfilmung nötigen Tiefe.

    Zusammengefasst hat Tykwer eigentlich nichts falsch gemacht, jedoch aber die Chance vertan ein Meisterwerk deutscher Kinogeschichte zu schaffen. Was bleibt, ist ein wahrer Augenschmaus, der in seinem Kern jedoch nicht die nötige Tiefe erreicht, welche die Geschichte eigentlich hergeben würde.
    6/10
     
  4. Travis

    Travis Regie Mitarbeiter

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    AW: Parfüm. das - Die Geschichte eines Mörders

    Kritik von Vince
    DAS PARFUM - DIE GESCHICHTE EINES MÖRDERS

    Guiseppe Baldini (Dustin Hoffman) erzählt seinem Schüler Jean-Baptiste Grenouille (Ben Wishaw) eine Legende und muß ihm anschließend noch erklären, was eine Legende überhaupt ist - vielleicht ist das der Schlüssel, um "Das Parfüm" richtig einzuordnen.
    Ich genieße die Freiheit, Quervergleiche zum Roman in Unkenntnis desselben nicht ziehen zu müssen. Glücklicherweise hat Tom Tykwers Arbeit genug Persönlichkeit, um für sich selbst stehen zu können. "Das Parfüm" ist als Legende zu verstehen - Übertreibungen, Ausschmückungen, Zurechtbiegungen, wohin man sieht. Vieles, was ins Lächerliche abdriften könnte (Die Szene am Marktplatz), tut es nicht unbedingt, denn immerhin handelt es sich nur um eine alte Sage - eine Geschichte, die die Menschen in oraler Kommunikation weitergeben. Hier muss nicht alles den Tatsachen entsprechen, es sollte nur eine gute Geschichte abgeben.

    Die Qualität eines Parfums lässt sich laut Guiseppe Baldini nach drei Akkorden einordnen: Kopf-Akkord (der erste Eindruck, er verfliegt schnell), Herz-Akkord (das "Thema" des Parfums, das mehrere Stunden anhält), Basis-Akkord ("Nachklang" des Parfums, der einige Tage anhält).

    Der Kopf-Akkord des Films: Seine Optik. Ein brillanter Eindruck erschließt sich selbst dem Zuschauer, der über Kostümfilme ansonsten die Nase rümpft. Die Geburt Grenouilles auf dem Fischmarkt ist an Intensität nur schwer zu überbieten, das Produktionsdesign verfügt über eine einzigartige Note - ein visuell wahnsinnig starkes cineastisches Epos.
    Der Herz-Akkord des Films: Seine Handlung. Obwohl stets interessant und manchmal geradezu herausfordernd (man möchte mit ganzem Herzen, dass Grenouille seinem hochnäsigen Meister eine Lektion in Sachen Parfummischung erteilt), bleibt es insgesamt doch zu linear, wie ein akzidentielles Road Movie, dem Grenouille folgt. Die Psychologie der Hauptfigur wird ruckartig und unsensibel in den Film gebracht.

    Der Basis-Akkord des Films: Seine nachhaltige Wirkung. Es galt das Unmögliche zu vollbringen, innerhalb eines visuellen Mediums den Geruchssinn zu stimulieren - eine fast unmögliche Aufgabe. Daher auch das "unverfilmbar"-Prädikat des Romans, wobei: Schließlich ist ja auch ein Buch ein visuelles und kein kein olfaktorisches Medium. Die Aufgabe wurde mehr oder weniger zufriedenstellend gelöst, doch was bleibt? Die Geschichte eines Mannes, der die Welt über den Geruchssinn erfährt. Ist das faszinierend genug, um über die filmischen Grenzen hinaus zu beschäftigen? Nicht unbedingt. "Das Parfum" dient letztlich eher dem Amusement einer unterhaltsamen Geschichte, eben Legende, denn weiterführendem Gedankengut mit selbstreflexivem Potenzial. Letztendlich Kabarett über den Menschen und die Abhängigkeit von seinen Sinnen, nichts weiter - auch wenn es gerne mehr gewesen wäre.
    (noch) 7/10
     
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