Crash

deadlyfriend

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Crash

Nicht der Film ändert sich. Nur der Zuschauer!


Filmproduzent James Ballard ist erfolgreich, aber gelangweilt. Seine Ehefrau Catherine befindet sich auf dem gleichen Level. Obwohl sie irgendwie eine Einheit bilden, vögeln sie sich Beide so durch die Gegend ohne, dass es den Partner irgendwie stört. Als James bei einem schweren Unfall mit Todesfolge des Kontrahenten schwer verletzt in der Klinik liegt, spürt er eine Faszination für den Unfall und fühlt sich beim Gedanken daran erregt. Bei der Genesung trifft er auf Vaughan und der ist besessen von Unfällen und hat seine eigene Show, bei der er berühmte Unfälle mit Todesfolge von Prominenten nachstellt. James ist fasziniert und taucht in diese fremde Welt ein, in der Unfälle und die Verschmelzung von Stahl mit dem Körper, die einzige Obsession zu sein scheint, die noch einen erotischen und leidenschaftlichen Höhepunkt darstellt. An seiner Seite die Frau, die bei seinem Unfall ihren Mann verloren hat.....................


Als ich "Crash" das erste Mal sah, war ich irritiert und fasziniert zugleich. Allerdings waren die Irritationen deutlich größer. Die Inhalte waren befremdlich und wenig nachvollziehbar und zusätzlich war er weit weg von einer gewöhnlichen Narrative mit Gut und Böse.
Auch ein echter Protagonist, den man zumindest gerne begleitet und als Identitätsfigur gezeichnet ist, fehlt. Dazu strahlt der Film sehr viel Kälte aus, was durch die Soundkulisse noch untermalt wird. Dabei ist es nicht wirklich die Ausleuchtung selbst, aber trotzdem wirkt sie so. Nun könnte man meinen, dass der glänzende Stahl der Fahrzeuge im Fokus steht und man sich als Auto-Freak über die tollen Autos freut, aber auch die wirken eher abweisend.

"Vielleicht beim nächsten Mal."

Ja, dann zündete er richtig. Die zugrundeliegende Welt, die von Autor J.G. Ballard im Jahr 1973 in Buchform geschaffen wurde, ist zwar dann immer noch nicht greifbarer aber die Faszination der Figuren wird eindringlicher. Die Kälte weist nicht mehr ab, sondern wird einladender. Man besitzt immer noch die Rolle des Beobachters, aber man versucht nicht mehr die Handlungen für sich selbst nachzuvollziehen, sondern schaut interessiert und angewidert dem Treiben im Mikrokosmos zu. Aufgrund vieler Nacktszenen wurde der Film auch ziemlich skandalträchtig und in einigen Teilen der Welt verboten. Diese verbreiten allerdings die gleiche Stimmung wie der Rest des Films. Rein visuell bekommt man wirklich hocherotische Handlungen zu sehen, die aber durch die Dialoge dabei, äußerst fremdartig wirken. Genauso der Stil in dem viele Autoszenen arrangiert sind. Wäre man in einem Actionfilm, hätte man an den Unfällen und Gefahrensituationen einen netten Spaß. Durch die Absichten und Motivationen der Figuren bewirken sie das aber nicht. Das ist einfach alles hochinteressant und wahnsinnig zugleich, wie sich Inhalt im Kontext verändert. Der Film ist wirklich großartig inszeniert und auch die Darbietung der Darsteller sensationell. James Spader, Deborah Kara Unger, Elias Koteas, Rosanna Arquette und Helen Hunt geben sich hier die Autotüren in die Hand und wirklich alle liefern hier eine sensationelle Leistung ab. Dabei eine Freizügigkeit, die selbst Catherine Tramell die Schamesröte ins Gesicht treiben könnte. Allerdings in einer wirklich faszinierenden und wichtigen Art und Weise.
Einmal mehr lenkt David Cronenberg den Zuschauer nicht und sagt ihm was er zu denken und zu fühlen hat. Man sieht ihn sich an, nimmt eben was davon mit oder eben auch nicht. Im Finale entwickelt er dann sogar richtig viel Spannung, wenn es darum geht die Ziele zu erreichen, die man selbst wahrscheinlich niemals haben will. Mich hat der Film bei der erneuten Sichtung in jedem Fall erwischt, was natürlich auch mit der anhalten Übung mit dem Regisseur zu tun hat. Aber falls es dennoch nicht gelingt in den Film einzutauchen, vielleicht beim nächsten Mal.
 
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