Convoy

Dieses Thema im Forum "Kurzkritiken und Diskussion" wurde erstellt von Firefly, 14. Februar 2011.

  1. Firefly

    Firefly Filmvisionaer

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    Gesamtübersicht aller Kritiken zu Convoy:

    #02 14.02.11 Firefly
     
    Zuletzt bearbeitet von Sam Spade - 30. August 2013
  2. Firefly

    Firefly Filmvisionaer

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    Convoy

    Convoy ist ein moderner Western Roadmovie.
    Ganz klar ist die Aufteilung zwischen Gut und Böse, Cowboy und Indianer, Trucker und Sheriff festgelegt.
    Sam Peckinpah kommt vom Westerngenre und er überträgt dies auf eine Art als hätte man einen Western vor sich.
    Als die Trucks durch die Sandlandschaft fahren, könnte man auch meinen, es seien Planwagen unterwegs !

    Zusätzlich zur tollen Regie sind es auch die Hauptdarsteller, die den Reiz ausmachen.
    Kris Kristofferson als Rubber Duck überzeugt genauso wie Ernest Borgnine als Sheriff Wallace und Ali McGraw als Melissa.
    McGraw war gerade zu der zeit sehr gefragt, hat sie doch mit ihren 2 vorigen Filmen Weltruhm erlangt ( Love Story & Getaway ), Kris war ein gefeierter Countrysänger und Ernest Borgnine war auch jedermann bekannt ( immerhin war er da schon fast 30 Jahre im Filmgeschäft tätig )

    Aber auch 2 Nebensächlichkeiten schafften es, diesen Film zu etwas besonderem zu machen.
    Erstmal diese toll ausgewählte Musik, welche direkten Bezug auf die Filmhandlung nimmt.
    Und 2tens einfach das Feeling des Truckerseins, der Freiheit, der Maschinen welche man fahren darf ( Rubber Ducks Truck sieht einfach nur saugeil aus ! )

    Doch der Film versteht es auch, politisch zu sein, denn wenn Duck von den Politikern ausgenutzt werden soll, bzw. Spider Mike im Knast landet, weil er schwarz ist, dann ist dies schon ein Moralapell ( 1978 !! wohlgemerkt ).
    Auch das abschliessende Zusammengehörigkeitsgefühl der Trucker am Ende als sie alle auf der Strasse stehen und nur Blickkontakt haben, bevor sie die Tröten anmachen und losfahren, das ist Gänsehautfeeling.

    Ein toller Film, welcher auch heute nach 33 Jahren noch immer sehenswert ist.
     
  3. Despair

    Despair Filmvisionaer

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    AW: Convoy

    Was habe ich als Kind diesen Film geliebt. Das war damals genau mein Ding. :D

    Keine Ahnung, wie der Film heute auf mich wirken würde. Außer ein wenig verklärter Erinnerung an ein paar Szenen ist mir nichts im Kopf hängengeblieben. Vielleicht sollte ich es aus nostalgischen Gründen dabei belassen. Aber irgendwie würde ich den Film doch gerne mal wieder sehen... :D
     
  4. George Lucas

    George Lucas Walk of Fame

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    AW: Convoy

    Convoy hab ich neulich mal gegen Mitternacht eingelegt, um in "alten Zeiten" zu schwelgen.
    Erstaunlicherweise hat mir Convoy immer noch ausgesprochen gut gefallen - so bin ich hängen geblieben und hab relativ wenig Schlaf bekommen.:D
     
  5. Die wilde 13

    Die wilde 13 Storyboard Mitarbeiter

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    AW: Convoy

    Ging mir genau andersherum. Ich fand den als Kind total blöd und langweilig.War gar nicht mein Ding. Vor allem Kris Kristofferson ging mir,wenn ich mich recht entsinne,auf den Keks.Ich habe keine Ahnung mehr wieso eigentlich aber das ist bei mir hängengeblieben.

    Bei Gelegenheit werde ich Convoy evtl. noch mal eine Chance geben.Fireflys Kritik macht mich neugierig.
     
  6. kelte

    kelte Filmvisionaer

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    AW: Convoy

    zeitloser Klassiker der heute noch für mich wirkt wie beim ersten Mal :hoch:
    so Filme kann ich nie "leid" werden,- ebenso den ersten Smokey and Bandit Film oder die San Fernando Filme.
    Convoy ein absolut perfekter Film mit einem Cast das wie die Faust aufs Auge passt mit Kristofferson und Borgnine sehe ich einmal gerne in den alten Filmen (ganz stark ist er in Ein Zug für 2 Halunken, den ich letztens noch gesehen hatte)
    Convoy wird gewiss bald wieder bei mir im Nachtprogramm laufen
     
  7. George Lucas

    George Lucas Walk of Fame

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    AW: Convoy

    Dann hol dir mal die Blu-ray. In besserer Qualität lief der Film auch damals im Kino nicht!
     
  8. Russel Faraday

    Russel Faraday Filmvisionaer

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    KK-mäßig hab ich nichts beizutragen (sorry, Firefly ;) ) - außer: toller, zeitloser Klassiker - aber mal eine Frage zum Ende, die mich schon immer beschäftigt:
    Wieso bricht Lyle eigentlich in schallendes Gelächter aus, als ihm klar wird, daß Rubber Duck noch am Leben ist? Er hat den ganzen Film über versucht, ihn fertigzumachen. Warum nun die Freude? Weil Rubber Duck dem Gouverneur einen Arschritt verpasst und dessen Trauerfeier als billige Wahlkampfmasche offenbart, oder weil er wirklich froh ist, daß Rubber Duck doch nicht draufgegangen ist?
     
  9. Blonder

    Blonder Filmgott

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    Ich denke, das ist eine Mischung aus allem. Besonders aber den doch vorhandenen Respekt vor Duck.
    So ganz passen will das bei mir aber auch nicht, da Lyle ja sogar selbst voll draufgehalten hat beim Finale. Wirkt schon etwas unpassend. Zumindest diese "extreme" Reaktion.
    Aber ich muss gestehen, da "Convoy" zu meinen Lieblingsfilmen zählt und ich bei der Szene auch immer lachen muss, ist´s mir dann doch recht egal. :D
     
  10. Firefly

    Firefly Filmvisionaer

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    Es gibt ja von Rubber Duck auch den Satz ( nachdem Lyle ins haus geflogen ist mitn Auto ) : Es gibt nicht mehr viele von uns.
    Denke auch das ist so ein Mittelding da er nun begreift das es keinen Sinn macht gegen Duck anzukämpfen, egal was er machte, er hielt sich immer über wasser und kämpfte um seine Freiheit ! Und in dem Augenblick wird wohl Lyle klar was er gemeint hat damit.
    Den die Freiheit von Duck hat er selber nicht, er ist Teil des Systems und wird es immer bleiben !
     
  11. Willy Wonka

    Willy Wonka Locationscout Mitarbeiter

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    Im Zuge zur Wahl der besten Road Movies habe ich mir „Convoy“ nun zum ersten Mal angesehen. Es ist sehr deutlich, dass der Film ein Kind seiner Zeit ist und ganz im Geist des New-Hollywood-Kinos zu verorten ist. Regisseur Sam Peckinpah gehörte nie zu den richtigen „jungen“ wilden Regisseur des New-Hollywood-Kinos, denn dafür war er zum damaligen Zeitpunkt eigentlich schon zu alt, aber seine Filme wie „The Wild Bunch“ oder „Straw Dogs“ brachen ebenfalls Konventionen und rebellierten gegen die gesellschaftlichen und filmischen Normen. Nur waren sie in ihrer Machart in gewisser Hinsicht professioneller (d.h. mit mehr Film- und Dreherfahrung) umgesetzt.

    „Convoy“ kann schon als ein Art Spätzünder angesehen werden, denn der Film stammt aus dem Jahre 1978 und kam somit gute 10 Jahre nach „Easy Rider“ ins Kino und dennoch ist er sehr stark von diesen liberalen Hippie-Traum beeinflusst worden. Sind es bei „Easy Rider“ die Motorräder und das Lebensgefühl der Biker, stellt „Convoy“ die Trucks und die Leidenschaft und Sorgen der Trucker in den Fokus. Der Film gleicht in dieser Hinsicht einer großen Hommage an einem häufig unterrepräsentierten Berufsstand. Und vielleicht ist das der interessante Unterschied zu den freiheitsliebenden Motorradfahrern, denn „Convoy“ ist wesentlich näher am System. Schließlich fahren die Leute ihren Trucks, weil es ihr Beruf ist (wobei das im Film nur wenig Erwähnung findet) und nicht aus rein eskapistischen Gründen wie es bei „Easy Rider“ der Fall ist. Zudem haben die einzelnen Fahrer verschiedenen Anliegen und schließen sich aus ganz unterschiedlichen Gründen dem rebellierenden Convoy an. Der Film versucht diese mannigfaltigen Gründe in Form der Interviews mit dem Fernseh-Kamerateam (übrigens sehr cool in Szene gesetzt) abzubilden. Die Unterschiede werden so deutlich in Szene gesetzt, um auf diese Art evtl. zu illustrieren, dass eine gesellschaftlich-kulturellen Revolution nicht möglich ist. Denn wenn es um praktische Umsetzungen und schrittweisen Veränderungen geht, wird es schwierig einen Konsens zu schaffen, womit alle Parteien zufrieden sind und ganz schnell kann eine Idee durch die politischen Mechanismen korrumpiert werden, was eindrucksvoll im Film vorgeführt wird und vielleicht auch als ein direkter Kommentar zum damaligen Scheitern der Hippie-Revolution verstanden werden kann. Aus diesem Grund scheint Rubber Duck sich aus dem Convoy auch zurückzuziehen. Das Austarieren und Palavern über bestimmte gesellschaftspolitische Veränderungen will er anderen überlassen (im Film der jungen Fotografin). Stattdessen versucht er einen Freund in Not zu helfen, denn darauf kommt es ihm an; auf den einzelnen Menschen, den einzelnen (Not-)fall. Er ist nicht der Mann für den kompletten Umbruch/Umbau der Gesellschaft. Eigentlich will er nur in Ruhe gelassen werden und seine Leidenschaft und Berufung nachgehen. Aber die Situation und die anderen Menschen machen etwas aus ihm, was er gar nicht sein möchte.

    Wie Firefly schon geschrieben hat, gibt es eine Passage des Films, wo gesagt wird, dass sie sich beide doch mehr ähneln und beide etwas verkörpern, dass es in dieser Form nicht mehr gibt. Beide hegen eine obsessive Leidenschaft für ihren Beruf und stehen für ihre Ideale. Nur aufgrund ihrer gesellschaftlichen Rollen stehen sie sich diametral gegenüber, aber dennoch respektieren sie einander, weil sie sich mit gleicher Verve ihrer jeweiligen Aufgabe widmen. Das Gelächter ist vermutlich nur die unkontrollierte Freude darüber, dass dieses Ideal doch noch überlebt hat. Zudem braucht jeder Held seinen Antagonisten.
     
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