Black Dahlia

LivingDead

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The Black Dahlia


Im Bonusmaterial der DVD wird folgendes Zitat über Brian De Palmas Art und Weise Filme zu drehen geäußert: „Brian De Palma konzipiert die Sequenzen vom Bild her - der Dialog ist dann der Zuckerguss oben drauf.“ Was dort als Lobhudelei gedacht war, schlägt dem Film faktisch als negativ zu Buche, nein – noch schlimmer: Letztendlich erweist sich dieser Umstand als Beinbruch für einen Streifen, welcher Optik weitaus über Inhalt setzt.

Mit „L.A. Confidential“ gelang Curtis Hanson im Jahre 1997 eine absolut überragende Verfilmung von James Ellroys ebenso begnadetem Buch. Die einzigartige Symbiose aus gesellschaftlichen Zuständen, welche auf knallharte Weise mit Tod und Verbrechen, sowie Korruption und Intrigen kollaborieren, machten den Film zu einem modernen Klassiker. So waren die Erwartungen an De Palmas gleichnamiger Ellroy-Verfilmung exorbitant; anscheinend zu exorbitant, denn letztendlich verpufft das unglaubliche Potenzial des Stoffes im optischen Firlefanz und lässt jene Aspekte, welche „L.A. Confidential“ zum Klassiker hievten, schmerzlich vermissen. Die Darsteller (vor allem Hartnett und Eckhart) wirken fehlbesetzt, was aber weniger an ihren schauspielerischen Fähigkeiten liegt, als an ihrer alleinigen physischen Präsenz, welche jene Tiefe vermissen lässt, die die Rollen von Kevin Spacey, Russel Crowe und Guy Pearce, damals so unvergessen machten. Doch auch das Drehbuch, das in seiner Wirkung nur an der Oberfläche der genialen Vertiefung in die psychischen Abgründe der Protagonisten der Vorlage kratzt, wirkt bisweilen unnötig verquast und narrativ unausgeglichen, was dem Film viel von seiner Intensität nimmt.
Mark Ishams Score ist solide und erzeugt eine harmonische Atmosphäre, welche zusammen mit den Bildern wirkliches Noir-Flair aufkeimen lassen und einige Szenenarrangements wie aus einem Hitchcock-Streifen wirken. Leider ist Optik dann eben doch nicht alles.

Es hätte ein Klassiker werden können; doch De Palma nutzt seine Chance nicht und verbaut sich das Potenzial, indem er einmal mehr beweisen möchte, dass er ein feines Gespür für das Visuelle besitzt, dabei aber komplett das Geschehen aus den Augen verliert und letztendlich nur eine wenig packende, bisweilen sogar ärgerliche Ellroy-Verfilmung dabei heraus kommt.

5/10
 

LivingDead

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AW: The Black Dahlia

Kritik von Vince:

Alte Mini-Kritik de moi:

THE BLACK DAHLIA
Typischer, stilverliebter de Palma, der sehr nach Hitchcock schmeckt und insofern gar nicht mal so unschön anzusehen ist. Aber über das Faible für den Film Noir vergeht die Geschichte in einem verworrenen Pulk, der schnell den Faden verliert und bis zum Ende nicht mehr die Kurve kriegt. Es gibt diese tollen Szenenarrangements wie die zentrale Szene in der Lobby bei dem Sturz das Treppenhaus hinunter, und sie wären jetzt schon Höhepunkte des modernen Films, hätte ihnen eine Story zugrunde gelegen, die meisterhaft erzählt würde. Aber das ist das ganze Problem: Bei de Palma stehen zuerst mal die Schlüsselbilder und dann erst die Geschichte. Hitchcock ist auch mal so vorgegangen und hat dennoch einen seiner besten Filme vorgelegt ("Der Unsichtbare Dritte") - von der Größe seines Vorbildes ist de Palma aber nach wie vor weit entfernt.
6/10
 

Alexboy

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AW: The Black Dahlia

Durchschnittlicher Krimi ohne die geringsten Höhepunkte.
De Palma war schon mal viel besser!:bart:
 

deadlyfriend

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Black Dahlia

Die beiden Detectives, Bucky und Lee, sind bei der LAPD ,aber gleichzeitig auch Boxer in unterschiedlichen Gewichtsklassen. Ihre sportliche Bekanntheit macht sich die Polizei zunutze, um für sich selbst zu werben und arrangiert einen Showkampf, dessen Ausgang zwar abgesprochen ist, aber für beide Kämpfer nur Vorteile bringt. Monetär und beruflich. Zudem lernen sie sich dadurch besser kennen und beginnen nicht nur im Dienst eine Partnerschaft, sondern eine echte Freundschaft, bei der auch die Freundin von Lee mit eingeschlossen wird, weshalb sich ein seltsames Trio entwickelt, welches aber ungemein sympathisch ist. Während die beiden Cops sich gerade bei einem Auftrag befinden, wird in der Nähe eine Frauenleiche gefunden. Auch wenn es zunächst nicht ihr Fall ist, steigert sich Lee komplett da rein und reißt ihn an sich. Da er davon völlig besessen ist, kippt die Stimmung innerhalb des Trios und Bucky beginnt zu ermitteln, warum dieser Fall so wichtig für ihn ist.


Der Mord an Elizabeth Short, im Jahr 1947, gilt als eines der bekanntesten Verbrechen in den USA. Einmal natürlich, weil er nie aufgeklärt wurde und natürlich auch wegen seiner unvorstellbaren Grausamkeit. Durch den 1 Jahr zuvor entstandenen Film-noir "Blue Dahlia", mit dem Traumduo Veronica Lake und Alan Ladd in den Hauptrollen, wurde das Opfer durch die Presse als "Black Dahlia" benannt und ging auch unter diesem Namen in die Geschichte ein. Allerdings ist dieser Mord nur ein Teil der Handlung, denn im Fokus stehen zunächst die drei Personen in ihrem Mikrokosmos. Insgesamt verfügt der Film über mehrere Handlungsebenen, die zunächst nur marginal miteinander verwoben scheinen. Allerdings ist dies wohl auch in der literarischen Vorlage von James Ellroy der Fall, der hier den wahren Mord mit einer fiktiven Geschichte mischt. Die Geschichte der schwarzen Dahlie, assoziierte er nämlich im Kindesalter mit dem Mord an seiner Mutter, welcher ebenfalls nie aufgeklärt wurde. Dadurch ist dies auch wohl sein persönlichstes Buch. Im Kontext ist es äußerst interessant, wie der Film und die Darsteller in der Öffentlichkeit wahrgenommen und auch teilweise rezensiert wurden. Tatsächlich sprach man Josh Hartnett, Scarlett Johansson und Aaron Eckhardt als Fehlbesetzung. Ich kenne das Buch nicht, aber ich fand die komplette Darstellerriege absolut klasse. Umso erfreuter stellte ich fest, dass James Ellroy dies genauso sieht und dass sie seinen Vorstellungen entsprechen. Da kann ich dann nur süffisant anfügen, dass ich dann eher dem Erbauer vertraue als den zahlreichen Kritikern des Films, die wenig Zugang fanden, was dann aber eher an ihnen selbst lag. Die Geschichte ist natürlich verschachtelt und nicht ganz einfach, was bei vielen negativen Stimmen anscheinend auch einer Überforderung gleichzusetzen war. Ein wenig leichter wird es aber wahrscheinlich, wenn man sich auch ein wenig mit Filmgeschichte auskennt und die prägnanten Dinge einfach im Kopf hat. Ich halte es für wichtig das man "Der Mann, der lacht" gesehen hat. Nicht einfach weil man dies für die Logik braucht, sondern eher für die emotionale Seite, da man manche Szenen dadurch anders fühlt. Gleichzeitig ist es auch nicht verkehrt, wenn man den Noir-Klassiker "Die blaue Dahlie" gesehen hat, um sich auch hier nochmal besser in die Namensgebung versetzen zu können.
Dennoch funktioniert der Film auch ohne dieses Vorwissen, denn Brian De Palma schafft hier eine fantastische Atmosphäre, die perfekt den Zeitgeist widerspiegelt. Dazu wahnsinnige Kamerafahrten. Besonders die, in der die Leiche als Randnotiz der bisherigen Handlung gefunden wird und sie über die Dächer zu den noch aktuellen Ereignissen fliegt. Neben den oben erwähnten Darstellern, muss man in jedem Fall noch Hilary Swank erwähnen und natürlich auch Mia Kirshner, die ich einfach sensationell fand. Am meisten habe ich mich allerdings über einen Kurzauftritt gefreut. Kenner von Brian De Palma werden sich ebenfalls an der Stelle gefreut haben, als sie William Finley erblickt haben. Dieses Urgestein und Freund, welcher De Palma von seinem ersten Film an über viele Jahre begleitet hat, kam hier noch einmal für ihn auf die Leinwand zurück, was auch durch seine Rolle sofort für Gänsehaut sorgte. Zusätzlich wird man durch die Szenen mit Elizabeth Short unweigerlich an "Murder a la mod" erinnert, da sie komplett genauso aufgebaut sind.
Ich persönlich liebe den Film und war bereits bei Erscheinen von ihm fasziniert, da er den Film-noir hervorragend trifft, eine hochinteressante Geschichte erzählt und seinen Figuren Raum gibt. Dazu wundervolle Musik und eine bis in die letzte Nebenrolle perfekte Besetzung. Dazu noch wunderschöne Bilder aus der Kamera von Vilmos Zsigmond. Für mich also ein fantastischer Film aus der Hand eines Meisterregisseurs.
 
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Tarantino1980

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Ein weiterer Film auf den ich mich im Rahmen der Retrospektive aus mehreren Gründen sehr gefreut hatte. Zum einen, weil ich ihn auch schon länger nicht gesehen hatte und daher unbedingt wissen wollte wie er nun auf mich wirkt, da ich mittlerweile ja bekannterweise eine ganz andere Sichtweise auf den Film-noir habe, ihn wirklich sehr mag und es aus diesem Genre wirklich filme gibt, die ich mehr als nur liebe. Aber auch zum anderen, weil ich bei den Vorbereitungen auf die Retrospektive erfahren hatte das er mittlerweile in Deutschland auch auf Blu-ray erhältlich ist, was mir vorher leider entgangen war. Zu dem Film habe ich eine ganz besondere Beziehung. Meine Erstsichtung war im Kino. Schon damals war ich von meinen Freunden der einzige der ihn ganz gut fand, aber so richtig hatte er dann bei mir erst im Rahmen einer weiteren Sichtung im Heimkino gezündet. Ich hatte ihn damals in meiner Stammvideothek als gebrauchte DVD gekauft zu einem damals guten Kurs. Nun bei meiner Drittsichtung ist genau das passiert was ich vermutete, ich habe in ihm das Meisterwerk gefunden, was er ist. De Palma hat aus meiner Sicht nur einen kleinen Fehler gemacht, er hätte den Film in s/w drehen sollen, dann wäre die Atmosphäre noch besser gewesen. Aber das ist wirklich Meckern auf ganz hohem Niveau und hält mich nicht davon ab, auch hier die Höchstnote zu vergeben, weil auch ohne diesen kleinen Schönheitsfehler der Film wirklich sehr toll ist.


Ihre sportliche Bekanntheit macht sich die Polizei zunutze, um für sich selbst zu werben und arrangiert einen Showkampf, dessen Ausgang zwar abgesprochen ist, aber für beide Kämpfer nur Vorteile bringt. Monetär und beruflich.
Bereits hier hatte mich der Film schon in seinen Bann gezogen. Der Boxkampf war wieder super inszeniert und war ein toller Einstieg in den Film.

Zudem lernen sie sich dadurch besser kennen und beginnen nicht nur im Dienst eine Partnerschaft, sondern eine echte Freundschaft, bei der auch die Freundin von Lee mit eingeschlossen wird, weshalb sich ein seltsames Trio entwickelt, welches aber ungemein sympathisch ist.
Ich finde es wirklcih sehr gut das De Palma diesem Aspekt genug Raum im Film gab, da es für mich sehr wichtig war um einen Zugang zu den Charakteren zu bekommen. Hätte er hier nur eine klassische Polizeiermittlung verfilmt wäre das nicht halb so gut geworden.


Insgesamt verfügt der Film über mehrere Handlungsebenen, die zunächst nur marginal miteinander verwoben scheinen. Allerdings ist dies wohl auch in der literarischen Vorlage von James Ellroy der Fall, der hier den wahren Mord mit einer fiktiven Geschichte mischt.
Ich mochte, wie bereits erwähnt, diesen Umstand sehr das hier nicht nur strait eine kriminalgeschichte erzählt wurde, sondern das man auch mehr über die Figuren erfahren hat und sich dann ja alles zum Ende hin auch als sehr wichtig erwies um die Auflösung zu verstehen.

Die Geschichte der schwarzen Dahlie, assoziierte er nämlich im Kindesalter mit dem Mord an seiner Mutter, welcher ebenfalls nie aufgeklärt wurde. Dadurch ist dies auch wohl sein persönlichstes Buch.
Das hatte ich dann auch im Bonusmaterial der DVD, die ich in weiser Vorraussicht aufgehoben hatte, dann auch erfahren. Es ist schon wieder einer dieser Geschichten die das Leben schreibt. Ein kleiner Junge verliert durch ein Gewaltverbrechen seine Mutter, inspiriert sich dadurch im erwachsenen Alter selbst einen Roman über dieses Thema zu verfassen und jahrzehnte später nutzt ein Regisseur diesen Roman, um daraus einen Film zu drehen. Auch wenn es leider mit einer realen Tragödie angefangen hat, so ist daraus zumindest etwas gutes Entstanden. Und ich glaube es war ein guter Weg von James Ellroy diese Geschehnisse auf diese Art und Weise zu verarbeiten.

Im Kontext ist es äußerst interessant, wie der Film und die Darsteller in der Öffentlichkeit wahrgenommen und auch teilweise rezensiert wurden. Tatsächlich sprach man Josh Hartnett, Scarlett Johansson und Aaron Eckhardt als Fehlbesetzung. Ich kenne das Buch nicht, aber ich fand die komplette Darstellerriege absolut klasse. Umso erfreuter stellte ich fest, dass James Ellroy dies genauso sieht und dass sie seinen Vorstellungen entsprechen. Da kann ich dann nur süffisant anfügen, dass ich dann eher dem Erbauer vertraue als den zahlreichen Kritikern des Films, die wenig Zugang fanden, was dann aber eher an ihnen selbst lag.
Bereits bei meiner ersten Sichtung im Kino emfpand ich es auch bereits schon nicht als Fehlbesetzung. Ganz im Gegenteil. ich finde die Chemie zwischen Josh Hartnett, Scarlett Johansson und Aaron Eckhardt war großartig und trug zur tollen Atmosphäre des Films deutlich bei. Und ich sehe es wie Du, wenn der Ideengeber zu diesem Film, in diesem Fall James Ellroy damit zufrieden war, kann es nicht so schlecht gewesen sein. Ich vermute daher eher das hier das Publikum damals nicht offen für diese Darstellerriege war, und sich zum damaligen Zeitpunkt eher etwas etabliertere Stars gewünscht hätten. Mir waren zu dem Zeitpunkt der Sichtung alle schon ein Begriff, aber ich könnte mir vorstellen das der breiten Masse diese Namen vielleicht noch nicht so geläufig waren. Aus heutiger Sicht sicherlich so mit eine Traumbesetzung für den Film, aber selbst damals mochte ich die drei schon!

Die Geschichte ist natürlich verschachtelt und nicht ganz einfach, was bei vielen negativen Stimmen anscheinend auch einer Überforderung gleichzusetzen war.
Ich vermute dies lag aber wieder nur an dem Umstand, das dieser Film das Mainstream Publikum total überfordert hat, er aus deren Sicht zu langatmig war, zu wenig Action vorhanden war und noch dazu, zu dem Entstehungszeitpunkt, glaube ich im Allgemeinen der Film-noir keinen sehr hohen Stellenwert im Mainstream mehr hatte. Eben nur unter Fans. Hätte De Palma hier den Film auf die reine Ermittlungsarbeit reduziert, ihn auch nur etwas reißerischer inszeniert so im Stil von Sieben, ich bin mir sicher der Film wäre auch beim Mainstream gut angekommen. Aber ich bin froh das er es nicht gemacht hat, weil für mich ist der Film so wie er ist perfekt!

Ich hatte mich bei meiner Zweitsichtung lediglich gefragt warum ausgerechnet De Palma einen Film-noir drehen wollte. Da konnte ich mir damals keinen Reim drauf machen. Nun durch die Retrospektive ist es für mich sonnenklar warum er dies getan hat, besonders zu diesem Zeitpunkt da seine Referenzen zum Film-noir ja bereits in Femme Fatale mehr als deutlich waren und er offenbar filmisch mit diesem Thema noch nicht fertig war und noch tiefer eintauschen wollte.

Ein wenig leichter wird es aber wahrscheinlich, wenn man sich auch ein wenig mit Filmgeschichte auskennt und die prägnanten Dinge einfach im Kopf hat. Ich halte es für wichtig das man "Der Mann, der lacht" gesehen hat. Nicht einfach weil man dies für die Logik braucht, sondern eher für die emotionale Seite, da man manche Szenen dadurch anders fühlt.
Danke nochmal für den Tipp den Film unbedingt vor der Sichtung von The Black Dahlia anzuschauen. Es war wieder so schön die Filmszenen im Film zu sehen, aber natürlich auch die Bezüge auf den Film klarer zu verstehen. Das war einfach toll und tatsächlich auch wichtig für mich.

Ich fand aber tatsächlich auch die Bezüge bzw. Erwähnungen von David O. Selznick und diese gesamte Ära des Films klasse! Und auch wenn es hier keine direkten Hitchcock Referenzen gibt, bin ich mir sicher hätte dieser seine helle Freude an dem Film gehabt und hätte spätestens danach Scarlett Johansson für sich entdeckt, wenn er sie nicht schon selbst vorher in mindestens einem seiner Filme hätte mit spielen lassen. Ich will damit sagen, das obwohl das jetzt nicht im Fokus stand, sie in dem Film wie die klassische Hitchcock Blondiene wirkte, ohne das jetzt negativ zu meinen, zur Erklärung für alle, die den Begriff vielleicht negativ finden. Hitchcock Fans wissen natürlich, das es bei ihm ein nicht nur optisches Attribut war, sondern er diese Darstellerinnen immer perfekt in seinen Filmen platzierte und sie bereits damals schon einem komplett anderem Muster entsprachen, als Frauen zum damaligen Zeitpunkt in der Öffentlichkeit wahrgenommen wurden. Also auch hier hat De Palma wieder einmal ein sehr gutes Gespür beim Casting bewiesen!

Gleichzeitig ist es auch nicht verkehrt, wenn man den Noir-Klassiker "Die blaue Dahlie" gesehen hat, um sich auch hier nochmal besser in die Namensgebung versetzen zu können.
Den kenne ich leider noch nicht, aber da er immer noch ungesehen in meiner Sammlung steht werde ich noch einen kleinen Umweg machen, bevor ich die letzten drei Filme von De Palma mir anschaue.

Dennoch funktioniert der Film auch ohne dieses Vorwissen, denn Brian De Palma schafft hier eine fantastische Atmosphäre, die perfekt den Zeitgeist widerspiegelt.
Das finde ich auch das tolle an seinen Filmen das er, um es einmal in der heutigen Sprache auszudrücken, diese ganzen Easter Eggs in seine Filme mit einbaute, aber man sie nicht zwingend alle verstehen muss um den Film gut zu finden. Dies hat er bei so vielen seiner Filme gemacht, aber es ist natürlich ein schönes Gefühl wenn man bei der Sichtung auch diese erkennt.

Dazu wahnsinnige Kamerafahrten. Besonders die, in der die Leiche als Randnotiz der bisherigen Handlung gefunden wird und sie über die Dächer zu den noch aktuellen Ereignissen fliegt.
Die Kamera ist auch in diesem Film wieder einfach nur perfekt! Es gibt soviele Szenen die wieder einfach nur super aussehen. Optisch fand ich z.B. die Szene in der Lee ermordet wurde, sau stark.

Neben den oben erwähnten Darstellern, muss man in jedem Fall noch Hilary Swank erwähnen und natürlich auch Mia Kirshner, die ich einfach sensationell fand.
Absolut! Hilary Swank hatte natürlich eine sehr wichtige Rolle in dem Film aber auch Mia Kirshner hat mir sehr gut gefallen. Diese in s/w gedrehten Szenen mit ihr waren einfach grandios. Ich verstehe nicht, das sie nach diesem Film nicht eine viel größere Karriere bekommen hat. Hätte ich sie als Produzent oder Regisseur hier gesehen, ich hätte sie danach auf jeden Fall besetzen wollen. Sie hat hier wirklich großartig performt. Aber es zeigt leider wieder einmal wie blind viele Leute in Hollywood sind!


Am meisten habe ich mich allerdings über einen Kurzauftritt gefreut. Kenner von Brian De Palma werden sich ebenfalls an der Stelle gefreut haben, als sie William Finley erblickt haben. Dieses Urgestein und Freund, welcher De Palma von seinem ersten Film an über viele Jahre begleitet hat, kam hier noch einmal für ihn auf die Leinwand zurück, was auch durch seine Rolle sofort für Gänsehaut sorgte.
Das ging nicht nur Dir so deadly! Auch wenn es rückblickend dann leider sein letzter Auftritt generell auf der großen Bühne war, so ist es natürlich schön das dieser dann ausgerechnet bei De Palma war. Und auch wenn seine Rolle natürlich recht klein war, war der Charakter von William Finley absolut wichtig für den Film und er hat hier mit seiner Körpersprache und Mimik diese kurzen Auftritte zu etwas ganz besonderem werden lassen!

Zusätzlich wird man durch die Szenen mit Elizabeth Short unweigerlich an "Murder a la mod" erinnert, da sie komplett genauso aufgebaut sind.
Stimmt, das war mir nicht direkt bei der Sichtung so bewusst, aber jetzt wo Du es hier erwähnst kann ich diesen Verweis gut nachempfinden.

Ich persönlich liebe den Film und war bereits bei Erscheinen von ihm fasziniert, da er den Film-noir hervorragend trifft, eine hochinteressante Geschichte erzählt und seinen Figuren Raum gibt. Dazu wundervolle Musik und eine bis in die letzte Nebenrolle perfekte Besetzung. Dazu noch wunderschöne Bilder aus der Kamera von Vilmos Zsigmond. Für mich also ein fantastischer Film aus der Hand eines Meisterregisseurs.
Absolute Zustimmung und somit für mich der zehnte Film von De Palma mit einer 10/10 für mich.
 

deadlyfriend

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Ich finde es wirklcih sehr gut das De Palma diesem Aspekt genug Raum im Film gab, da es für mich sehr wichtig war um einen Zugang zu den Charakteren zu bekommen. Hätte er hier nur eine klassische Polizeiermittlung verfilmt wäre das nicht halb so gut geworden.
Das ist für mich ein total wichtiger Faktor, der von vielen Leuten für mich falsch eingeschätzt bzw. bewertet wurde.
Ich mochte, wie bereits erwähnt, diesen Umstand sehr das hier nicht nur strait eine kriminalgeschichte erzählt wurde, sondern das man auch mehr über die Figuren erfahren hat und sich dann ja alles zum Ende hin auch als sehr wichtig erwies um die Auflösung zu verstehen.
Genau! Ich vermute, dass die meisten einen weiteren reinen Psycho-Thriller erwartet hatten und das ist er einfach nicht.
Bereits bei meiner ersten Sichtung im Kino emfpand ich es auch bereits schon nicht als Fehlbesetzung. Ganz im Gegenteil. ich finde die Chemie zwischen Josh Hartnett, Scarlett Johansson und Aaron Eckhardt war großartig und trug zur tollen Atmosphäre des Films deutlich bei. Und ich sehe es wie Du, wenn der Ideengeber zu diesem Film, in diesem Fall James Ellroy damit zufrieden war, kann es nicht so schlecht gewesen sein.
Tatsächlich hatte ich nie Zweifel an den Darstellern. Ganz im Gegenteil. Ich fand sie von Anfang an, hervorragend gewählt. Zudem die richtige Auswahl an Schauspielern, wie wir wissen, eine absolute Fähigkeit von Brian De Palma ist.
Ich hatte mich bei meiner Zweitsichtung lediglich gefragt warum ausgerechnet De Palma einen Film-noir drehen wollte. Da konnte ich mir damals keinen Reim drauf machen. Nun durch die Retrospektive ist es für mich sonnenklar warum er dies getan hat, besonders zu diesem Zeitpunkt da seine Referenzen zum Film-noir ja bereits in Femme Fatale mehr als deutlich waren und er offenbar filmisch mit diesem Thema noch nicht fertig war und noch tiefer eintauschen wollte.
Ich denke auch, das er diese Filmgattung mochte.
Danke nochmal für den Tipp den Film unbedingt vor der Sichtung von The Black Dahlia anzuschauen. Es war wieder so schön die Filmszenen im Film zu sehen, aber natürlich auch die Bezüge auf den Film klarer zu verstehen. Das war einfach toll und tatsächlich auch wichtig für mich.
Mir persönlich gab es mir noch einen Bonus-Zugang im Film. Eben nicht nur durch den Filmausschnitt im Kino, den die 3 sehen, sondern auch durch die Porträts und Bilder die im Haus der Täterschaft hingen und eben auch durch die beigefügte Verletzung. Ich bin sicher, dass sich durch die Kenntnis von "Der Mann, der lacht" einfach ein anderer Zugang entwickelt.
Ich fand aber tatsächlich auch die Bezüge bzw. Erwähnungen von David O. Selznick und diese gesamte Ära des Films klasse!
Da hatte ich mich auch total gefreut. Wenn man mit der Epoche vertraut ist, versteht man einige Dinge einfach besser.
Und auch wenn es hier keine direkten Hitchcock Referenzen gibt, bin ich mir sicher hätte dieser seine helle Freude an dem Film gehabt und hätte spätestens danach Scarlett Johansson für sich entdeckt, wenn er sie nicht schon selbst vorher in mindestens einem seiner Filme hätte mit spielen lassen.
Sehe ich genauso. Sie wäre eine perfekte Hitchcock Darstellerin gewesen, die zu 100% bei ihm gelandet wäre. Vielleicht auch ein Grund, warum ich Scarlett unglaublich gerne sehe.
Ich will damit sagen, das obwohl das jetzt nicht im Fokus stand, sie in dem Film wie die klassische Hitchcock Blondiene wirkte, ohne das jetzt negativ zu meinen, zur Erklärung für alle, die den Begriff vielleicht negativ finden.
Liest sowieso keiner :lol:
Hitchcock Fans wissen natürlich, das es bei ihm ein nicht nur optisches Attribut war, sondern er diese Darstellerinnen immer perfekt in seinen Filmen platzierte und sie bereits damals schon einem komplett anderem Muster entsprachen, als Frauen zum damaligen Zeitpunkt in der Öffentlichkeit wahrgenommen wurden. Also auch hier hat De Palma wieder einmal ein sehr gutes Gespür beim Casting bewiesen!
Sag ich ja. Seine Auswahl war eigentlich durchgehend immer sehr durchdacht.
Den kenne ich leider noch nicht, aber da er immer noch ungesehen in meiner Sammlung steht werde ich noch einen kleinen Umweg machen, bevor ich die letzten drei Filme von De Palma mir anschaue.
Das Duo Alan Ladd und Veronica Lake sehe ich sowieso einfach gerne. Ich habe einfach ein Faible für diese Filmrichtung. Das ist da manchmal wie im Giallo. Das müssen keine Meisterwerke sein, aber ich fühle mich trotzdem sauwohl.
Das finde ich auch das tolle an seinen Filmen das er, um es einmal in der heutigen Sprache auszudrücken, diese ganzen Easter Eggs in seine Filme mit einbaute, aber man sie nicht zwingend alle verstehen muss um den Film gut zu finden. Dies hat er bei so vielen seiner Filme gemacht, aber es ist natürlich ein schönes Gefühl wenn man bei der Sichtung auch diese erkennt.
Perfekt ausgedrückt. Er baut viele Dinge ein, die zwar der Filmliebhaber erkennt, aber sie funktionieren auch so. Mit Kenntnissen funktionieren sie aber besser. :nice:
Die Kamera ist auch in diesem Film wieder einfach nur perfekt! Es gibt soviele Szenen die wieder einfach nur super aussehen. Optisch fand ich z.B. die Szene in der Lee ermordet wurde, sau stark.
Auch optisch finde ich ihn absolut klasse. Da fehlte mir nichts.
Absolut! Hilary Swank hatte natürlich eine sehr wichtige Rolle in dem Film aber auch Mia Kirshner hat mir sehr gut gefallen. Diese in s/w gedrehten Szenen mit ihr waren einfach grandios. Ich verstehe nicht, das sie nach diesem Film nicht eine viel größere Karriere bekommen hat. Hätte ich sie als Produzent oder Regisseur hier gesehen, ich hätte sie danach auf jeden Fall besetzen wollen. Sie hat hier wirklich großartig performt. Aber es zeigt leider wieder einmal wie blind viele Leute in Hollywood sind!
Tatsächlich hatte ich mich aufgrund ihrer Leistung auch in ihrer Filmographie näher umgesehen und werde da noch ein wenig nachholen.
Das ging nicht nur Dir so deadly! Auch wenn es rückblickend dann leider sein letzter Auftritt generell auf der großen Bühne war, so ist es natürlich schön das dieser dann ausgerechnet bei De Palma war. Und auch wenn seine Rolle natürlich recht klein war, war der Charakter von William Finley absolut wichtig für den Film und er hat hier mit seiner Körpersprache und Mimik diese kurzen Auftritte zu etwas ganz besonderem werden lassen!
Für mich war das eine absolute Feierstunde. Klar, früher ist er nicht so aufgefallen. Durch die Retrospektive war er quasi ein Wegbegleiter. Wundervoll ihn hier nochmal zu sehen. Schließlich war er der Darsteller, der die meisten Auftritte in De Palma Filmen zu verzeichnen hatte.
Stimmt, das war mir nicht direkt bei der Sichtung so bewusst, aber jetzt wo Du es hier erwähnst kann ich diesen Verweis gut nachempfinden.
Es war der gleiche Inszenierungsstil und auch die Art der Interviews war komplett gleich.
Absolute Zustimmung und somit für mich der zehnte Film von De Palma mit einer 10/10 für mich.
Ich bin während der Antwort von 9,5 auf 10 hochgegangen. :nice:
 

Tarantino1980

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Genau! Ich vermute, dass die meisten einen weiteren reinen Psycho-Thriller erwartet hatten und das ist er einfach nicht.
Ich kann mich aber leider auch nicht mehr dran erinnern wie damals der Film beworben wurde. Aber ich vermute einfach mal das viele, eben wegen diesem speziellen Mordfall. Ich fand es auch unheimlich stark das man die ganze Tat als solches nicht sah, man lediglich nur das wichtigste Element, also das eingeschnittene Lachen sah und auch das nur so angedeutet ohne das zuviel Gore war. Ich könnte mir halt leider sehr gut vorstellen das dies für viele schon ein großer Kritikpunkt war, da sie gerne mehr gesehen hätten. Aber ich fand es, so wie es war, perfekt dosiert und das De Palma die zweigeteilte Leiche wirklich erst zum Schluss gezeigt hat und dann auch genau in dieser Szene, ein weiterer Meisterstreich!

Mir persönlich gab es mir noch einen Bonus-Zugang im Film. Eben nicht nur durch den Filmausschnitt im Kino, den die 3 sehen, sondern auch durch die Porträts und Bilder die im Haus der Täterschaft hingen und eben auch durch die beigefügte Verletzung. Ich bin sicher, dass sich durch die Kenntnis von "Der Mann, der lacht" einfach ein anderer Zugang entwickelt.
Ja das kann ich mir auch vorstellen da man eben diese schönen kleinen Anspielungen viel besser versteht

Auch optisch finde ich ihn absolut klasse. Da fehlte mir nichts.
Ich hatte mir auch das Making of angesehen und ich war dann auch sehr beeindruckt davon was dann doch Kulissen waren, die für mich im Film wirklich stellenweise wie echte Schauplätze aussahen. Also da wurde dann auch wieder eine tolle Arbeit geleistet und somit auf CGI verzichtet. Heute dreht man dann einfach irgendwo und mach das Setting dann in der Postproduction nur das Problem ist, man entlaft mittlerweile diese Greenscreen szenen da sie immer billiger produziert werden.

Tatsächlich hatte ich mich aufgrund ihrer Leistung auch in ihrer Filmographie näher umgesehen und werde da noch ein wenig nachholen.
Ja da werde ich wohl auch nochmal was einkaufen müssen. Mal sehen welche Filme es werden, aber neugierig bin ich auf jeden Fall.


Für mich war das eine absolute Feierstunde. Klar, früher ist er nicht so aufgefallen. Durch die Retrospektive war er quasi ein Wegbegleiter. Wundervoll ihn hier nochmal zu sehen. Schließlich war er der Darsteller, der die meisten Auftritte in De Palma Filmen zu verzeichnen hatte.
Wirklcih einer der wahrscheinlich unterschätzesten Darsteller die es gab. Ich kannte ja bereites vor der Retrospektive einige De Palma Filme, aber ohne sein Frühwerk wäre er mir sicherlich nie so wirklich aufgefallen. Schade das es bei ihm nicht weitere Filme zu entdecken gibt, da hätte ich gerne noch mehr von ihm gesehen. Bisher klingt Blutrausch aus dem Jahr 1977 aber etwas interssant, ich vermute hier werde ich mal einen Blindkauf machen. Und vielleicht noch Das stumme Ungeheuer, wobei ich absolut kein Chuck Norris Fan bin.

Ich bin während der Antwort von 9,5 auf 10 hochgegangen. :nice:
Sehr gut! Ich hatte zu Anfang auch überlegt ob ich "nur" eine 9/10 geben soll, eben weil ich ihn vielleicht noch besser in s/w gefunden hätte, aber das wäre dem Film nicht gerecht geworden da er einfach nur perfekt ist!
 

Russel Faraday

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Als eigenständiger Film ist "Black Dahlia" bestenfalls ok. Als Adaption des Romans ist "Black Dahlia" eine Frechheit. Trotz enormer Freiheiten, die man sich bei "L.A. Confidential" herausgenommen hat, ist diese Verfilmung bis heute die ultimative, endgültige in Sachen Ellroy, dessen literarisches Werk ich sehr, sehr schätze. Schade ist es für die Darsteller, die sich redlich mühen.

Aber De Palma hat es einfach nicht auf die Reihe bekommen, die Essenz eines Ellroy-Romans einzufangen. Schade. Die Voraussetzungen waren mehr oder weniger perfekt.
 
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