American Sweatshop
Daisy arbeitet als Content-Moderatorin bei einer Firma die gemeldete Videos aus dem Netz sichten muss und innerhalb von Sekunden zu entscheiden, ob sie gegen Community Richtlinen verstoßen, oder ob die Meldung nur eine persönliche Abneigung zu dem Thema darstellt. Diese Aufgabe erledigt sie sehr routiniert bis dann dieses eine Video kommt, das ihr Leben verändert.
Regisseurin
Uta Briesewitz zeigt in ihrem Spielfilm Debüt, das es auch heutzutage noch tolle Filme geben kann. Zwar hat sie mit
American Sweatshop ein Thema aufgegriffen, welches modern ist, aber hat es aus meiner Sicht geschafft eine tolle Atmosphäre zu schaffen und gezeigt, das auch kleine indepentend Produktionen sehr gut sein können. Es handelt sich zwar um ihr Spielfilm Debüt, aber wenn man sich ihre Vita anschaut erkennt man sehr schnell das diese Frau schon häufig als Kamerafrau, aber auch als Regisseurin im Serien Sektor unterwegs war. Unter anderem war sie als Kamerafrau bei dem Film
Session 9, den ich wirklich sehr mag, tätig. Was mir auch im Nachgang sofort erklärt hat, warum mir die Atmosphäre von
American Sweatshop so gut gefallen hat. Das Thema ist natürlich nicht neu, wurde aber gut und spannend umgesetzt und vorallem findet, was ich persönlich sehr mag, der eigentliche Horror nicht auf dem Bildschirm statt, sondern im Kopf des Zuschauers. Von den Videos die dort eingestuft werden müssen, sieht man so gut wie nichts und selbst vom besagten Video, um das es dann letztendlich im Film geht, sieht man immer nur kurze Ausschnitte die andeuten, aber nie explizit etwas zeigen, man sich als Zuschauer aber sehr gut vorstellen kann was vorgefallen ist. Der Film bietet eine ruhige Inszenierung und wirkt absolut authentisch. Er hat nicht diesen cleanen weichgespühlten Look den leider heutzutage viele Hollywood Produktionen haben und, was heutzutage auch eher eine Seltenheit ist. Man hat das Gefühl echte Menschen zu sehen und nicht irgendwelche Protagonisten die möglichst breit aufgestellt sind was Herkunft und sexuelle Orientierung angeht, ohne dabei altbacken zu wirken. Es werden Themen angeschnitten, aber normal eingefügt, ohne das man als Zuschauer das Gefühl bekommt das wieder einmal die übliche "Woke-Checkliste" abgearbeitet wurde nur um keiner Gruppe auf die Füße zu treten. Wie ich finde auch eine Seltenheit geworden, gerade wenn es um Filme geht die solch ein Thema beleuchten.
Der Film besitzt einen Cast der größtenteils unbekannt ist.
Christiane Paul war mir natürlich bekannt, aber die Hauptdarstellerin
Lili Reinhart hatte ich zuvor nicht auf den Schirm. Sie hat mich aber hier absolut überzeugt da man die Geschichte aus Ihrem Blickwinkel erzählt bekommt und sie den Film, meiner Meinung nach, auch komplett trägt. Die Story ist zwar sehr interessant, die Inszenierung ist toll, aber ohne die passende Hauptdarstellerin glaube ich nicht, das man als Zuschauer so in den Bann gezogen würde, wie es hier der Fall war.
Da es ein kleiner Film ist hoffe ich das er die Aufmerksamkeit bekommt die er verdient hat. Wenn auch nicht an den Kinokassen, dafür ist aktuell die Konkurenz zu groß, aber zumindest vielleicht später im Heimkino. Riskiert einen Blick, es lohnt sich.
Wertung:
8/10