Michael
Vorab:
Ausgelöst durch das Solo-Album „Off the Wall“ war ich in den 80ern und 90ern bekennender Michael Jackson-Fan, befasste mich schon damals mit seinem Leben und verfolgte die weiteren – nicht mehr so schönen – Entwicklungen in den Medien. Insbesondere war es ein Highlight für mich bei allen 3 Welttourneen dabei gewesen zu sein.
„Bad“-WorldTour, 10. Juli 1988 - Hockenheimring
„Dangerous“-World Tour, 25. Juli 1992 - Ludwigshafen
„HIStory“-World Tour, 10. August 1997 - Hockenheimring
Diese Shows waren gigantische, unvergessliche Erlebnisse. Der Hype um Michael Jackson war damals auf dem Höhepunkt, und viele - vor allem junge Mädchen - waren regelrecht hysterisch (ähnlich wie in den 60ern bei den Beatles).
Sah Michael Anfang der 80er noch „normal“ aus, machten alsbald Meldungen zu seinen vielen Gesichts-, vor allem Nasenoperationen die Runde und er veränderte sein Aussehen zusehends, und nicht gerade zum Besseren. Gleichzeitig hörte man Geschichten zu seinem „Sauerstoff-Sarg“ und zu seinem Privatzoo, den er nach und nach ausweitete. In Kenntnis, dass er keine normale Kindheit erlebte, konnte man manche seiner Eigenarten noch verstehen. Als die ersten Missbrauchsvorwürfe aufkamen, wollte ich das nicht glauben. Zuletzt hat die Doku „Leaving Neverland“ starke Zweifel an Jackson’s Unschuld aufkommen lassen. Was sich genau zugetragen hat, werden wir wohl nicht mehr erfahren.
Zum Film:
Jackson’s Leben bietet genug Stoff für ein außergewöhnliches Biopic, das sich schwerlich in 2 Stunden erzählen lässt. Dass der Film nur die Zeit bis zur „Bad“-Tour zeigt, bringt mit sich, dass die späteren, immer abstruser werdenden Entwicklungen in seinem Leben und die Missbrauchsvorwürfe bis hin zu seinem frühen Tod nicht beinhaltet sind. Das macht den Film einerseits leichter konsumierbar, aber andererseits für ein Biopic leider unvollständig, insbesondere auch deshalb, weil sich die gezeigten Karriereschritte und die späteren Zeiten total unterscheiden.
Ich würde es wirklich begrüßen, wenn man die Einblendung am Ende: „His Story continues“ so verstehen darf, dass der Rest in einem zweiten oder sogar in zwei weiteren Filmen gezeigt wird, was man aber bezweifeln muss, wenn man hört, welchen Einfluss der Jackson-Clan bei der vorliegenden Produktion genommen hat. Andererseits spricht das bisherige Einspielergebnis von 1,1 Mrd. Dollar für eine Fortsetzung.
Nun denn, das Gesehene fand ich bis hierhin wirklich gut. Insbesondere ist hervorzuheben, dass Jackson’s Neffe Jaafar seinen Onkel hervorragend dargestellt hat. Insbesondere die Performance bei den Live-Auftritten oder bei Video-Drehs ist grandios. Hier hat der Darsteller alles drauf, um Michael Jackson’s Bewegungen und Tanzschritte 1:1 nachzuahmen. Auch die Eltern fand ich gut dargestellt, vor allem sein strenger Vater, der bekanntermaßen seine Söhne, und vor allem den Jüngsten, im Interesse, viel Geld zu verdienen, rücksichtslos vermarktet hat und auch mal zum Gürtel griff, um sie zu züchtigen.
Im Film bereden Jackson und Jones nach einem harten Schnitt (erste Szene mit Jaafar Jackson) das Album „Off the Wall“. Hier vermisste ich einen besseren Übergang zu den Solo-Projekten. Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Quincy Jones?
Für’s Erste würde ich den Film mit 8/10 bewerten, da er nur ein halbes Biopic ist. Falls noch Ergänzungen kommen und der Film nur Teil des Ganzen ist, könnte er in meiner Gunst noch steigen.
Technische Anmerkungen: Der Schwarzwert der UHD ist nicht so dolle. Und besseren Ton hörte ich auch schon (z.B. bei der Doku „This is it“).