Sweets from a stranger
Ein Killer geht um, der sich auf Prostituierte spezialisiert hat. Die Polizei richtet nur wenig aus, weshalb die Damen zu beschließen, sich selbst untereinander zu organisieren und ein Netzwerk zu basteln, um sich gegenseitig helfen zu können und eben auch um den Täter zu erwischen. Doch der geht nicht so einfach in die Falle und sein Hass scheint unendlich zu sein, denn er tötet nicht nur per Rasiermesser, sondern verwendet auch noch ein Bolzenschussgerät, um seine Abneigung zu unterstreichen.
Tatsächlich hört sich der Film aus dem Jahr 1987 nach einer menge Sleaze und Gore an, aber in Wirklichkeit überrascht er den Zuschauer. Manche negativ, andere wieder positiv. Ich gehöre zu letzterer Sorte, denn ich war über den Tiefgang verwundert und auch seinen sozialkritischen Unterbau. Natürlich sind wir hier jetzt nicht bei Godard oder Fellini, aber dennoch ist die sympathische Darstellung der Damen, mit all ihren Problemen, sehr gelungen. Der Film stempelt sie nicht als billige Straßendirnen ab, sondern zeichnet einfach Menschen nach. Deshalb besitzt der Film schon eine andere Wirkung, auch wenn man dies an manchen Stellen etwas blauäugig umsetzt. Das Motiv des Täters ist ebenfalls sehr gut, auch wenn die Auflösung schon ein paar Fragezeichen hinterlässt, aber eben für die Aussage wichtig war.
Ohne die Morde, könnte man den Film auch als Drama betrachten, welches aufgrund einiger amüsanten Situationen, auch humorige Nuancen einfließen lässt. Doch sie sind eben da und wurden komplett im Stil des Giallo inszeniert. Inklusive maskiertem Killer mit schwarzen Handschuhen. Deswegen kann man den Film in jedem Fall dazuzählen.
Hauptdarstellerin Barbare De Rossi, die ja insgesamt nicht gerade eine miese Karriere hingelegt hat, macht es zudem wirklich wunderbar und auch ihr Spiel verleiht dem Film einige Glanzpunkte.
Regisseur Franco Ferrini ist zudem jetzt auch nicht gerade ein komplett unbeschriebenes Blatt. Als Regisseur kennt man ihn zwar weniger aber als Autor. Er wirkte bei Phenomena, Dämonen, Opera, Aura, The Church und in vielen vielen weiteren Filmen von Argento und seinem Umfeld mit. Sogar bei Sergio Leone.
Es ist natürlich kein hoch budgetierter Film, aber für meine Begriffe hat er hier eine Menge rausgeholt. Insgesamt also ein durchaus interessanter und auch sehenswerter Film, der zwar viele Zutaten des Genres besitzt und auch absichtlich nutzt, seine Schwerpunkte aber trotzdem anders setzt.