Spider

deadlyfriend

Casting
Teammitglied
Registriert
19 Juni 2008
Beiträge
19.035
Ort
Garma
Filmkritiken
187
Spider

Dennis Cleg kommt auf einem Londoner Bahnhof an. Während alle anderen Menschen zielstrebig oder einfach nur hocherfreut aus dem Zug steigen, wirkt er auf den ersten Blick völlig anders. Irgendwie runtergekommen, gebrochen und äußerst verwirrt. Genau wie sein Äußeres ist auch seine Körperhaltung und sein Gang. Eher schleichend, desillusioniert aber anscheinend mit einem Ziel ausgestattet. Ein Zettel mit einer Anschrift bringt ihn zu einem Haus, in dem er bereits erwartet wird. Es scheint eine Art Wohnheim zu sein, für Menschen, denen es wohl nicht sonderlich gut geht. Da sich das Haus sehr nah an den Orten befindet, in denen er aufgewachsen ist, beschäftigt er sich mit seiner Kindheit. Wie von einem Zwang gesteuert schreibt er jede Erinnerung und jeden Kontext in einem Notizbuch auf, allerdings ist dies keine Schrift wie man sie kennt. Nur er scheint sie schreiben und lesen zu können. Allerdings helfen die Erinnerungen nicht wirklich seinen Zustand zu verbessern. Eher das Gegenteil ist der Fall.....

STOP! Wenn man sich den Film ansehen möchte, sollte man im Vorfeld auf keinen Fall mehr wissen. Alle Inhaltsangaben im Netz sollten komplett ignoriert werden. Einfach einlegen und schauen, denn David Cronenberg nimmt den Zuschauer schon mit. Da braucht man im Vorfeld keine Einstimmung und somit läuft man auch nicht Gefahr mit einer falschen Erwaltungshaltung daran zu gehen. Dennoch ein paar Hinweise: Spinnenphobiker können den Film beispielsweise problemlos anschauen, denn es ist nicht eine einzige Spinne im Film zu sehen. Wer mit ruhigen Filmen nichts anfangen kann, sollte sich an den Leitsatz "Bitte gehen sie weiter, hier gibt es nichts zu sehen" halten, denn der Film ist verdammt ruhig. Aber er ist unglaublich genial! David, was machst Du nur für brillante Filme? Wow, den musste ich erstmal sacken lassen. Die Stimmung des Films ist trist, morbide und mitreißend zugleich. Man wird immer tiefer in diesen Sog gezogen und die vermeintlich unzugängliche Figur Dennis "Spider" Cleg, wird einfach zu einem wahnsinnig interessanten Faktor. Das liegt auch zu ganz großen Teilen an einem göttlich aufspielenden Ralph Fiennes, der seiner Figur so unglaublich viel mitgibt. Die Schrift in seinem Notizbuch hat er selbst entworfen und schreibt sie fließend. Dazu hat er seiner Figur passenderweise noch ein fast unverständliches Gemurmel hinzugefügt, welches David Cronenberg in Verzückung versetzte. Ralph Fiennes wollte diese Figur unbedingt spielen und verzichtete, wie auch David Cronenberg und noch ein paar mehr Leute auf das Honorar, da die Finanzierung scheiterte. Sie wollten diesen Film unbedingt und ich bin unendlich dankbar dafür. Zusätzlich sind auch noch Gabriel Byrne, John Neville und eine geradezu furios spielende Miranda Richardson an Bord und jeder drückt dem Film seinen Stempel auf. Die Geschichte selbst und auch die Umsetzung ist einfach ein Traum für jeden, der diese Art Kino, weit weg vom Mainstream bevorzugt. Der Score von Howard Shore ist ebenfalls perfekt und unterstützt die intensive und zurückhaltende Stimmung in jeder Sekunde. Die Kamera von Peter Suschitzky ist einmal mehr das i-tüpfelchen. Allein der Vorspann ist schon gigantisch. Glaubt man einen Rorschach Test vor sich zu haben, ist dies "lediglich" eine gespiegelte Mauer, die von Schimmel und Löchern gezeichnet ist. Umwerfend! Ganz großes Kino, welches leider fast ignoriert wurde. Für mich dagegen ein absolutes Meisterwerk.
 
Oben