Martyrium

ma(c)festus

Oscar-Preisträger
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#02 12.12.10 ma(c)festus
 
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Martyrium


Martyrium ist ein Film über die Einsamkeit.Schon im Anfangsteil bei Marcs Auftritt in einem Altersheim,ein wunderhübsches Einsamkeitstableau.Die Pflegerin kommt um vor ungestillter Bindungswut um.Der mysteriöse Bartel ist ein eigentümlicher alter Mann,und man teilt Marcs offensichtliches unbehagen ob der Aufdringlichkeit des Mannes.Marc ist ein lieber Kerl und geht darauf ein.Er singt ihm abends sogar eines seiner Lieder vor,ein Liebeslied, dass später eine unschöne Bedeutung bekommen soll.In den ersten 30 Minuten baut der Film eine dichte,äußerst bedrückende Atmosphäre auf. Bartel warnt Marc davor, in das nahegelegene Dorf zu gehen, sagt aber nicht, weshalb. Marc begibt sich in Spuckweite des Dorfes, kommt an einer Scheune vorbei und bemerkt, wie in der Scheune mehrere Dörfler ein Schwein pimpern.Martyrium entstand 2004 lange vor der Torture Porn WelleHigh Tension,Inside und Martys.Die Darsteller haben ihre ganz eigene Vorstellung vom Miteinander,und das Martyrium das Marc Stevens über sich ergehen lassen muss.Dabei ist es nicht unbedingt grafische Gewalt,welche der Zuseher zu einem Unwohlsein verhilft, sondern es sind vielmehr Demütigungen und seelische Qualen, die der Gepeinigte über sich ergehen lassen muss.Trotz einer bizarren Überdrehtheit in vielen Aktionen ist es nicht möglich,die Geschehnisse auf Distanz zu halten.Man wird gepackt wie ein verstörender Albtraum,aus dem es kein Aufwachen gibt.Immer wenn es den Anschein hat,als sei die Spitze desZumutbaren erreicht ist,wird noch eine Schüppe oben darauf gelegt durch einen neuen Twist in der Geschichte eine weitere noch mehr schockierendere Begebenheit.Die trostlos erscheinende Gegend,schmutzigen Charakter und die Stille in der Landschaft,die nicht eine Sekunde von musikalischer Untermalung gestört wird,tragen ihren Teil dazu.Doch so nahegehend und extrem die Bilder auch sind, so unfertig erscheintder Film als Ganzes. Das Ende kommt recht plötzlich und erscheint wie das abrupt geweckt zu werden aus einem bösen Traum.Die Erzählung gerät recht langatmig und nimmt sich vor allem zu Beginn reichlich Zeit zum Aufbau der Charaktere.Dabei erzählt sie aber im Grunde gar nichts über die Personen selbst und hält sie damit auf eine gewisse Distanz.Eine Bindung zu Marc Stevens findet nicht statt,man erfährt über ihn rein garnichts,da seine Darstellung erfolgt zudem vollkommen emotionslos.Die Person des Bartel ist bei weitem der interessanteste Charakter,aber mit laufender Spielzeit karikiert ersich selbst immer weiter und zusammen mit den Dorfbewohnern wird er zu einem animalischen Abbild eines Mannes, der nur noch von seinen Urinstinkten und Sehnsüchten angetrieben wird.Martyrium ist ein sehr verstörender Film,der durch seine emotionslose Inszenierung, seine trostlose Stimmung und dem psychischen Terror an den Nerven zerrt,und am Ende läßt Martyrium den Zuseher zutiefst verstört und ratlos zurück,eine paralelle zu Martyrs ist unübersehbar.

Wertung: 8,5 / 10 Punkten
 

Die wilde 13

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AW: Martyrium

Grundsätzlich hat mich deine Kritik neugierig auf Martyrium gemacht und ich werde ihn im Auge behalten.:hoch:
Du solltest nur ab und zu einen Absatz oder ähnliches einbauen,damit das Lesen deiner inhaltlich guten Kritik nicht auch zu einem Martyrium wird ;):kiss:
 
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