M. Butterfly

deadlyfriend

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M. Butterfly

René Gallimard arbeitet für die französische Botschaft in China. Für ihn ein fremdes Land, welches ihn, aber auch seine Frau irgendwie fasziniert. Als er als Gast bei einer Opernaufführung ist, hält sich sein Interesse zunächst in Grenzen, aber er ist durchweg fasziniert von der Sängerin, die gerade Madame Butterfly aufführt. Er sucht das Gespräch mit ihr und sie kommen sich daraufhin näher. Allerdings sind die Zeiten nicht gerade paradiesisch, denn auch in China kündigt sich der Vietnamkrieg an. Darin liegt auch das Interesse von Sängerin Song Liling an ihm vergraben, denn eigentlich spioniert sie für die Mao Regierung und versucht über ihn, etwas über die Pläne der Amerikaner zu erfahren.

Wow! In wunderschönen Bildern, die durch die grandiose Ausleuchtung, welche auch immer wieder an ein Theater oder eben auch eine Oper erinnern, bringt uns David Cronenberg diese unglaubliche Geschichte wirklich nahe. Auch wenn ein Großteil in Ungarn gedreht wurde, sind dennoch viele imposante Bilder in China selbst entstanden. Gerade die Sequenzen direkt an der Chinesischen Mauer sind einfach der Wahnsinn. Dazu der feine Score von Howard Show und mit Jeremy Irons einen wieder mal fantastischen Darsteller, welcher die Rolle unglaublich feinfühlig darbietet.
An vielen Stellen wurde der Film als untypisch und sich dem Mainstream anbiedernd bezeichnet. Sehe ich anders, denn wenn man tiefer blickt, ist es ein echter Cronenberg. Zumindest vergleichbar mit seinen Filmen zuvor. Die Elemente des Dramas und auch die Thematik einer unglücklichen bzw. unglückseligen Beziehung, gab es bereits bei "Die Fliege". "Die Unzertrennlichen" und auch bei "Naked Lunch". Die Thematik der Körperverwandlung wird sogar hier komplett durchgezogen, nur ohne drastische Bilder, allerdings dennoch mit einem tiefen Einschlag. Auch wenn es auf den ersten Blick irritierend sein mag, ist die Nähe zu "Naked Lunch" sogar in anderen Teilen des Films zu lesen. Ganz oben stehen dabei die autobiographischen Elemente, da es die Geschichte zu großen Teilen in dieser Form gab. Dazu die Adaption einer existierenden Vorlage. War es zuvor noch ein Buch, war es diesmal das Bühnenstück von David Henry Hwang, der auch das Drehbuch zum Film geschrieben hat. Dabei noch kongenial das Thema der "Madame Butterfly" mit eingeflochten, was selbstverständlich auch in der Musik zu spüren ist. Viele Leute gingen auch durch den Titel davon aus, dass es sich um eine Verfilmung der Oper von Puccini handelt, was es aber definitiv nicht ist. Dennoch ist sie wirklich wichtig für den Film und toll integriert. Für mich ein wirklich beeindruckender und toller Film von David Cronenberg.
 
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