Ingenium
Felicitas und Natascha wachsen in einem Waisenhaus an und werden Freundinnen fürs Leben. Natascha muss nur irgendwann in eine Nervenheilanstalt und auch Feli hat Probleme mit wiederkehrenden Alpträumen. Sie beschließt nach Bangkok zu reisen, um ein wenig abzuschalten. Eigentlich war die Reise mit Natascha zusammen geplant, was nun nicht mehr umzusetzen ist. Sie lernt dort durch einen Zufall die Thailänderin Gai kennen, die ihr bei Sprachproblemen ein wenig hilft, weil sie wenig Deutsch spricht. Sie verbringen einen wundervollen Tag, doch am Abend werden sie von seltsamen Männern gejagt, was in einer Schießerei endet. Gai stirbt und Feli schafft es gerade noch zum Flughafen, um die Rückreise anzutreten. Wieder in Berlin angekommen stellt sie fest, dass in ihrer Wohnung eine fremde Frau wohnt. Hilfesuchend wendet sie sich an ihren Freud, der ihr mitteilt, dass sie dort doch ausgezogen ist. Ein Umstand an den sie sich überhaupt nicht erinnern kann. Zusätzlich findet sie auf ihrem Handy eine Nachricht von Gai aus Bangkok, die sie wohl kurz vor ihrem Tod für sie hinterlassen hat. Sie spricht davon, dass Feli in großer Gefahr ist und anbei ist ein Foto von ihr und Natascha als Kinder. Ein Foto dessen Original sie suchen soll. Wie kommt die ihr völlig unbekannte Gai in Bangkok an ein Kinderfoto von früher und was hat es damit auf sich? Dies ist aber nur der Beginn an seltsamen Mysterien, denen sie auf den Grund gehen will.
Brett! Tatsächlich ist das ein Independent Film aus Deutschland, wodurch ich wahrscheinlich jetzt bereits die ersten 10 Leser verloren habe, aber die machen dann eben einen großen Fehler. Der Film ist wirklich klasse und sieht absolut nicht nach einer Amateur Produktion aus, wie wir sie aus dem Wald und Wiesen Splatter kennen. Was dieses Filmteam auf die Beine gestellt hat, ist einfach kaum in Worte zu fassen. "Ingenium" ist richtig spannend und völlig mysteriös und bietet dazu eine richtig starke Atmosphäre. Eventuell hat man in den letzten 30 Minuten etwas zuviel gewollt aber das ist zu verschmerzen. Ich saß wie gebannt vor dem Bildschirm und folgte der bizarren und wirklich stark fotografierten Geschichte. Immer dabei im Hinterkopf, dass dies eine kleine Produktion von ein paar Enthusiasten ist, die an dem Film 5 Jahre gearbeitet haben. Nicht durchgehend, immer wenn Zeit und Möglichkeiten da waren. Sie mussten dadurch ständig andere Kameras nutzen und auch die Locations hatten sich über die Jahre verändert, weshalb sie sich eine ganze Menge einfallen lassen mussten. Auch Änderungen am Drehbuch waren die Folge und trotzdem haben sie einen wahnsinnig geilen Film hinbekommen. Wenn man die kompletten Dinge der Produktion erfährt, ist man fassungslos was für ein Ergebnis hier abgeliefert wurde. Man ist so tief in der Geschichte, dass einige Dinge überhaupt nicht auffallen. Ja, man bekommt schon mal den Wechsel auf CGI mit, der dann eben notwendig wurde, aber man ist immer noch so geflasht von dem Film, dass man das einfach durchwinkt. Einen großen Anteil daran hat auch Hauptdarstellerin Esther Maass, die hier für mich weit weg von einer Amateurdarstellerin agiert. Der kauft man das alles komplett ab. Der Film ist spannend, unheimlich, voller Ideenreichtum und richtig kreativ. Absoluter Tipp für Aufgeschlossene, die auch gerne mal einen Blick über den Tellerrand hinaus wagen und zudem das Ergebnis nicht mit dem letzten 200 Millionen Blockbuster vergleichen, sondern eher irritiert im Sessel sitzen, was man mit ganz wenig Budget und viel Leidenschaft erreichen kann. Das Teil sieht einfach um ein Vielfaches teurer aus, was es wahrscheinlich letztlich gekostet hat.