Der Auftragslover

Willy Wonka

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Twin Peaks
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Alex Lippis Beruf ist es Frauen zu verführen. Seine Klienten sind eure Eltern, Schwestern, Brüder, Freunde oder sonstige Bekannte, die nur ein Ziel kennen – eure Tochter, Schwester oder beste Freundin vor dem falschen Mann zu bewahren. Er arbeitet in einem Team, dass versucht alle nötigen Informationen über die Zielperson zu recherchieren, sodass er leichtes Spiel hat ihr Herz zu erobern, sodass sie die geplante Hochzeit mit dem scheinbaren Mann ihrer Träume absagt. Frauen sind sein Geschäft, aber über ein Kuss würde er nie hinaus gehen, denn seine Ziel ist es ihre Herzen zu öffnen und nicht ihre Beine.
Mit so ähnlichen einleitenden Worten beginnt die romantische Komödie von Regisseur Pascal Chaumeil, der mit diesem Film sein Spielfilmdebüt gibt.
Jedes Jahr erscheinen auf dem Gebiet der romantischen Komödien zahlreiche Filme, welche Frauen ein unrealistisches Gefühl von Liebe vermitteln und noch dazu sehr erheiternd und unterhaltend sein wollen. Zu Beginn einer jeder romantischen Komödie steht eine Idee, welche genug Potenzial haben sollte für einen anderthalbstündigen Film. Ideen haben meist alle einen Ursprung - die Beziehung zwischen Mann und Frau (in den letzten Jahrzehnte kam auch die Beziehung zwischen Gleichgeschlechtlichen dazu). Probleme beim Verlieben, Probleme mit einem ungewollten Kind, Probleme bei der Verlobung, Hochzeit, mit den Schwiegereltern, in der späteren Ehe oder Probleme mit dem Chef. Meist sind es die Probleme, welche im Verlauf des Films gelöst werden sollen. Manchmal muss ein Paar auch nur neue Herausforderungen meistern oder gegen die Monotonie in ihrer Beziehung ankämpfen. In keinem anderen Genre werden die gleichen Ideen/Probleme so oft in unterschiedlichster Form wiedergeben und variiert.
Wie man sieht, ist es ein hart umkämpftes Genre und um aus der Masse hervorzustechen, muss sich der Film durch bestimmte Merkmale abheben. Manchmal durch zwei Schauspielern zwischen denen die Chemie einfach perfekt stimmt, manchmal durch kleine Innovationen in der Geschichte oder durch einen perfekt gewählten Soundtrack etc..

Der Auftragslover“ hatte die Möglichkeit sich aus dieser Masse hervorzuheben, denn die Idee ist nicht schlecht und auch die Schauspieler spielen ihre Rolle sehr überzeugend und sind keine typischen Stars aus Hollywood, welche diesen Film nur als ein Startvehikel missbrauchen. Doch leider verwendet der Film zu viele Elemente und Klischees aus der Hollywoodkiste, sodass dem Film ein wenig die nationale Identität fehlt. Dass der Film neue Wege beschreiten soll, ist gar nicht zwingend notwendig, aber manche Charaktere wirken wie ein Klischee ihrer selbst. Als Beispiel dient mir vor allem der große, stämmige Komplize des Bösewichten, der die Sprache nicht richtig beherrscht und vermutlich aus dem Osten Europas stammt. Diese Rolle hätte komplett gestrichen werden müssen. Des Weiteren gibt es Schönheitsfehler bei den Wendungen in der Geschichte, welche manchmal zu gewöhnlich sind. Doch zum Schluss sollte noch einmal die positive Seiten des Films gewertet werden, denn der Film nimmt sich selbst nicht ernst und wirkt in gewissen Szenen so künstlich übertrieben kitschig, was schon als eine satirische Antwort auf das ganze Genre gewertet werden kann (Stichwort: „Dirty Dancing“).
Weniger Hollywood-Versatzsücke und dafür mehr französischen Charme alá „Willkommen bei den Schtis“ hätten den Film zu eine Perle dieses trivialen Genres gemacht, aber so ist er leider nur knapp über den Durchschnitt anzusiedeln.
 
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