Departed - Unter Feinden

Dieses Thema im Forum "Kurzkritiken und Diskussion" wurde erstellt von Travis, 3. Dezember 2008.

  1. Travis

    Travis Regie Mitarbeiter

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    Gesmtübersicht aller Kritiken zu Departed - Unter Feinden:

    #02 03.12.08 Vince
     
    Zuletzt bearbeitet: 3. Dezember 2008
  2. Travis

    Travis Regie Mitarbeiter

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    AW: Departed - Unter Feinden

    Kritik von Vince

    DEPARTED - UNTER FEINDEN

    Starkes Remake zu einem um Welten stärkeren (weil komplexeren) Hongkong-Thriller, das die Handlung enorm vereinfacht und auf das gegenseitige Katz- und Mausspiel reduziert.
    William Monahans adaptiertes Drehbuch, das ebenso wie der Film merkwürdigerweise den Oscar erhielt, verlegt die Handlung ins Gangstermilieu Bostons - und selbstverständlich glückt dieser Griff, denn der ausführende Regisseur trägt ja immerhin den Namen Scorsese. Mit "Departed" kehrt er thematisch endlich wieder zu seinen Wurzeln zurück und die raffinierte Story um Gangsterbosse, Polizisten und Spitzel zwischen den Reihen geht dem Mann, der in Little Italy (NY) aufwuchs, natürlich wie Butter von der Hand.
    Wieder mit seinem Musterschüler Leonardo Di Caprio im Aufgebot (eher zufällig, wie beide betonen) versammelt Scorsese eine Garde aus Weltklasse- oder zumindest populären Charakterdarstellern um sich, die dem hervorragenden Cast von "Infernal Affairs" Paroli bieten sollen. Eine ausnehmend starke Leistung legen dabei Di Caprio, und vor allem (eher überraschend) Mark Wahlberg an den Tag, der nie so gut war wie hier. Jack Nicholsons manisches Spiel kennt man inzwischen, man kennt und liebt es, doch diesmal hat man das Gefühl, er spielt an der Sache vorbei, ist gerade in Hinblick auf eine spätere Handlungspfade fast schon fehlbesetzt. Austauschbar bleibt Matt Damon, der sich stabil, aber im direkten Vergleich mit seinen Kollegen geradezu blass aus der Affäre zieht.
    Die Schauspieler scheinen auch Zentrum zu sein in einem charakterdominierten Schachspiel, ohne auch nur einmal die wahnsinnige Intensität im Zusammenspiel von Andy Lau und Tony Leung zu erreichen.
    Am Ende gibt es genug Variation und dieses Remake spielt in einer ganz anderen Liga als andere Neuauflagen des Jahres 2006 - das war aber auch das Mindeste, was man von Scorsese erwarten konnte. Der erfindet sich nicht neu, hat aber den Stoff sehr gut ausgewählt und seiner eigenen Steppdecke souverän einen neuen Flicken hinzugefügt. Einen Oscar hat er zweifellos schon lange verdient gehabt... aber zu jenen seligen Zeiten hießen die Gangster noch Liotta, de Niro, Pesci.
    (knapp) 8/10
     
  3. Travis

    Travis Regie Mitarbeiter

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    AW: Departed - Unter Feinden

    Auch ich habe das verregnete Wochenende endlich nützen können und mir dieses langerwartete "Meisterwerk" endlich zu Gemüte geführt. Und, was soll ich sagen? Ich bin nicht gerade restlos begeistert. Woran es nun letztendlich liegt, ist punktuell sehr schwer festzumachen. Vielleicht war meine persönliche Erwartungshaltung einfach nur zu hoch. Denn von wirklich genial ist der Film für mich doch ein gutes Stückchen entfernt. Ich kenne das Original zwar immer noch nicht, glaube es aber in jeder Szene sehr gut erkennen zu können, wenn ich meine diversen Heroic Bloodshed-Erfahrungen zusammenklaube. Sicher, "Departed" wurde ein guter, vielleicht sogar ein sehr guter Film. Daran besteht kein Zweifel. War bei dieser Darstellerriege, dem Thema und dem Regisseur auch nicht anders zu erwarten. Doch wenn man "Departed" nun in direkter Konkurrenz zu "Good Fellas" anteteten läßt, ein Vergleich dem er sich zwangläufig stellen muß, verliert er in allen Disziplinen. In vielen Punken teilweise nur knapp, aber in der Summierung dann doch relativ deutlich. Größter Schwachpunkt von "Departed" war für mich Nicholson. Mann, ich liebe diesen Kerl, aber sein stetiges hyperaktives und dabei letztendlich dennoch nur leidlich routiniertes Overacting hat imho mehr zerstört als aufgebaut. Dies ist aber eindeutig nicht die Schuld Nicholsons, der ja nur das gemacht hat, wofür man ihn holte und bezahlte. Schuld ist definitiv Scorsese und dessen unbändiger Wunsch nach einem Oscar, dem er sich mit diesem Sympathieträger und "Blickfang" wohl näher fühlte. Eine Rechnung die letztendlich aufging - leider!

    Das Scorsese diesen schon lange verdient hatte, daran besteht ja keinerlei Zweifel. Für mich schon mindestens dreimal (Taxi Driver - Raging Bull - Good Fellas). Aber für "Departed" definitiv nicht. Da er zu einem nicht auf seinem eigenen "Mist" gewachsen und zum anderen bei weitem nicht sein bester Film ist. Es wäre wirklich schade, wenn es jetzt bei diesem einem Oscar bleiben würde, da er immer einen bitteren Beigeschmack tragen und von vielen (zurecht) als Gnadenoscar angesehen werden wird. Doch genau hierauf gründe ich meine Hoffnung auf (zumindest) noch einen wirklich ganz großen Wurf von Scorsese. Der Druck, des um jeden Preis gewinnen müssen, dem er mit seinen letzten Filmen ja samt und sonders hinterherhechelte, ist nun endlich von ihm genommen. Jetzt kann er sich ganz beruhigt zurücklehnen, noch einmal nach dem wirklich richtigen Stoff suchen und dann ganz befreit ausholen. Ich hoffe, daß dann anstatt Nicholson auch wieder De Niro an seiner Seite steht und die beiden gemeinsam der ganzen Filmwelt nochmal zeigen, daß sie doch die Größten waren, sind und bleiben. Ich weiß, es ist wohl der Traum eines gealterten Taxifahrers, der immer noch darauf hofft, daß die alten Zeiten nochmal in strahlenden Glanz auferstehen mögen. Seht es mir nach.

    Ach ja, eine Bewertung sollte ich vielleicht auch noch abgeben, obwohl sich diese, zumindest einige von euch, nach meinen Ausführung schon selbst errechnet haben werden. Machen wir es also kurz: 7 / 10
     
  4. Count Dooku

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    AW: Departed - Unter Feinden

    Ich fand den Film nur schlecht. Keiner der Darsteller konnte Sympathie erwecken. Dazu hat Nicholsons Dauerpräsenz einfach nur genervt, weil durch sie kein gleichwertiges Duell zwischen DiCaprio und Damon entstehen konnte. Dazu wurden noch ein paar Figuren gegenüber dem Original dazugedichtet, wahrscheinlich nur um zu zeigen, dass Boston nur aus Arschlöchern zu bestehen scheint. Die Regie ist auch mies. Wenn ich nicht gewusst hätte, dass Scorsese Regie geführt hätte, hätte ich gedacht ein Anfänger hätte diesen Film verbrochen. Dramaturgie war nicht wirklich vorhanden, die Gewalt sieht unglaubwürdig aus. Die Übernahme einiger Schlüsselszenen aus dem Original ist auch ziemlich schlecht, weil sie sich in die Handlung nicht richtig einfügen und dadurch unglaubwürdig klingen (zum Beispiel die Szene, in der DiCaprio plötzlich auf sich allein gestellt ist weil Martin Sheen getötet wurde, obwohl doch Wahlberg auch wusste, dass er ein Cop ist oder der Grund warum Damon Nicholson kalt macht :spinner:).
    Dass Wahlberg für diesen Film für einen Oscar nominiert wurde, ist ja der größte Witz. Die Rolle hätte Seagal genauso gut gespielt (wenn nicht sogar besser).
    Imo ist das Original um Welten besser.
    Diesem Film würde ich glatt 0 Punkte geben, weil mir an dem Film überhaupt nichts gefallen hat.
     
  5. crizzero

    crizzero Filmvisionaer

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    AW: Departed - Unter Feinden

    Also ich fand "Departed" ziemlich geil. Und das lag vor allem an der genialen Darstellerriege. Nach dem nächsten Ansehen werde ich auch mal eine Kurzkritik einstellen.

    Tja, Jon Avnet bringt DeNiro zumindest mal wieder mit Pacino auf die Leinwand. Aber glaubt man dem bisherigen Pressespiegel ist bei "Kurzer Prozess" nicht mehr Durchschnittsunterhaltung herausgekommen, was man eigentlich kaum glauben mag...
     
  6. Travis

    Travis Regie Mitarbeiter

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    AW: Departed - Unter Feinden

    Ja, habe ich auch gelesen. Glaube ich aber erst, wenn ich es selbst gesehen habe. Bis dahin weigere ich mich schlichtweg den pessimistischen Stimmen zuzuhören. Auch wenn diese sehr überzeugend klingen. Leider!
     
  7. crizzero

    crizzero Filmvisionaer

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    AW: Departed - Unter Feinden

    Werde mich auch schnellstmöglich davon überzeugen und eine Kurzkritik einstellen. Bin selbst gespannt, wie ich den Streifen finden werde. Besser als "Heat" kann er wohl nicht werden, das schaffen ja sowieso nicht all zu viele Filme.
     
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