Dear Wendy

Dieses Thema im Forum "Kurzkritiken und Diskussion" wurde erstellt von kelte, 27. Dezember 2009.

  1. kelte

    kelte Filmvisionaer

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    Gesamtübersicht aller Kritiken zu Dear Wendy:

    #02 27.12.09 kelte
     
    Zuletzt bearbeitet von Agent Orange - 5. September 2013
  2. kelte

    kelte Filmvisionaer

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    AW: Dear Wendy

    Dear Wendy
    Die Dandys, so nennt sich eine Gruppe von Jugendlichen die in ihrer Kleinstadt eher die Looserrolle einnehmen. Was schon eine Kunst ist, denn die Bergarbeiter Kleinstadt ist selbst schon Looser genug. Die Dandys sind pazifistische Waffenliebhaber. Sie treffen sich im Keller einer alten Fabrik und halten neben Schießübungen auch poetische Lesungen ab, über ihre Pistolen,- ihre gesamte Freizeit gilt der Liebe zur Pistole. Aber ein Dandy gelobt auch, eine Waffe nie gegen Menschen einzusetzen. So ist Dear Wendy auch ein Liebesbrief an eine feminine Waffe,- ein Brief der in Rückblenden geschrieben wird und derren Schreiber/Erzähler am Ende des Briefes, wie auch der Zuschauer, erkennen sollte, das ein Looser nie ein Gewinner wird durch eine Waffe. Und das wenn man lange genug mit Feuer spielt, sich verbrennen wird.
    Thomas Vinterberg zaubert einen kleinen, feinen, dreckigen Arthaus Film hin mit einer Message und Sichtweise über das amerikanische Waffentum, das jeden gebildeten Europäer ein Gähnen an neuen Erkenntnissen hervorlocken wird. Nur wie Vinterberg dieses präsentiert,- das ist die Kunst. Denn er erzählt die Geschichte mit der Konsequenz des Loosertums. Ein mickriges Selbstbewusstsein wird niemals gepusht werden können mit Gewalt oder derartige Hilfsmittel. Denn eine Waffe reagiert nur so, wie der Träger diese behandelt...
    Im Grunde sind die Dandys ein kleingeistiger Haufen, pubertärer irrer Waffennarren, die in ihrem Mikrokosmos eine Scheinwelt aufbauen mit falschen Götzen. Der Showdown ist so Irre wie die Figuren der Kleinstadt selbst,- die normalen Bewohner werden ausgeblendet oder wandeln schemenhaft durch die Szenerie als Six to Five Working Class Zombies, denen man nicht weiter Beachtung schenken muss. Denn um Normalitäten geht es in diesem Film nicht. Aber es macht Spass und Sinn diese Satire zu beobachten.
    Man kann diesen Film noch weiter sezieren, auf die einzelnen, absolut interessanten Figuren eingehen,- dies würde aber den Rahmen sprengen. Dear Wendy ist diskussionswürdiges Kanonenfutter, in einer hohen Punkteregion angesiedelt.
     
  3. Willy Wonka

    Willy Wonka Locationscout Mitarbeiter

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    AW: Dear Wendy

    Der Film sollte definitiv mehr Aufmerksamkeit bekommen, diese hat er einfach verdient. Zu der guten Kritik von kelte kann ich erst einmal nicht sehr viel mehr schreiben. Mir haben besonders die Schauspieler und ihre Performances gefallen, denn sie stellen Verlierer anders dar als in den üblichen Hollywoodfilmen. Sie wirken meines Erachtens authentischer und auch sympathischer und im Verlauf des Films belächelt man manchmal vielleicht ihre Handlungen und Sichtweisen, aber der Film behält durchweg eine innere Spannung und der Zuschauer erahnt, dass noch etwas schlimmes passieren wird.
    Ein Film mit Substanz.
     
  4. 2moulins

    2moulins Walk of Fame

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    Hatte heute spontan die Eingebung, den nach langer Zeit nochmal anzusehen.
    Sicherlich kein Mainstream-Film. Wird ja als Satire betrachtet, was mir auf den ersten Blick eigentlich gar nicht so in den Sinn kam. Kann man als Anspielung auf die Waffenfreiheit in den USA verstehen --> allein der Besitz macht stark und am Ende gibt's Tote, denn wenn man erst mal ein solches Teil hat, macht man auch einmal davon Gebrauch. Gleichzeitig eine Coming-of-Age-Geschichte.

    Ein dänischer Film, der wie eine US-Produktion wirkt.

    Thomas Vinterberg drehte einige Jahre später "Die Jagd", den ich ausgesprochen gut fand. Das Drehbuch ist von Lars von Trier.

    Gute 7/10
     
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