Bon Voyage und Aventure Malgache

Tarantino1980

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Bon Voyage und Aventure Malgache

Ich habe mir Gedanken gemacht wie ich am Besten meine Eindrücke zu Bon Voyage und Aventure Malgache niederschreibe. Jeweils eine eigene KK für jeden Kurzfilm zu verfassen, dafür reicht es irgendwie nicht, da beide Filme nur je 30 Minuten gehen. Da ich aber sehr davon ausgehen, da die beiden Filme wirklich nur für Kompletisten überhaupt von Relevanz sind, das sich sicherlich niemand, nur auf Grund meiner Worte unabhängig davon die Filme überhaupt ansehen wird. Daher habe ich mich dazu entschieden, in diesem Thread ein paar Worte zu den beiden Filmen zu verlieren da hier ja definitiv die richtigen Leute auch nur reinschauen, die Interesse an Hitchcock haben. Aber definitiv nochmal die kurze Warnung das ein paar kleine Minispoiler enthalten sein können/werden, aber ich versuche mich allgemein zu halten, ohne zusehr die Handlung der Filme zu spoilern.

Zunächst einmal muss ich sagen das ich diesmal es in der anderen Reihenfolge gemacht habe, also ich mir erst einmal die entsprechenden Seiten in meinem Hitchcock Buch über die Filme angeschaut habe und sie mir dann erst angesehen habe. Warum habe ich dieses mal die Reiehenfolge geändert? Ganz einfach, ich war zu neugierig warum zum einen Hitchcock überhaupt zwei Kurzfilme inszenierte und zum anderen wie sie sich in sein Gesamtwerk einordnen. Das warum war schnell geklärt. Tatsächlich war es Hitchcock´s Beitrag zum Krieg, da er zum Zeitpunkt des Krieges als Engländer im Exil in den USA lebte und da der letzte Film, bevor er die beiden propaganda Kurzfilme drehte, Das Rettungsboot (Lifeboat) war, macht es für mich absolut Sinn, da er auch bereits in Der Außlandskorrespondent, wenn es auch nicht direkt, das Thema zweiter Weltkrieg aufgegriffen hatte, er sich also auch, wie wahrscheinlich jeder Mensch zu diesem Zeitpunkt, mit den Sorgen und Ängsten des Krieges beschäftigt hat. Es war wohl wirklich, aus filmhistorischer Sicht aber auch aus persönlicher Sicht für Hitchcock, eine glückliche Fügung, dass er noch rechtzeitig den Sprung in die USA geschafft hat. Wäre er zu Kriegszeiten in England geblieben will ich nicht wissen was aus seiner Karriere geworden wäre. Ich will jetzt hier nicht zu sehr politisch oder geschichtlich werden, aber ich glaube nicht das er in England seine Art Filme zu inszenieren, mitten zur Kriegszeit drehen hätte können. Es hätte ihm an fehlenden Budget und fehlenden Möglichkeiten gefehlt, da in Europa natürlich viel intensiver die Auswirkungen des Kriegs zu spüren waren als in den USA, die natürlich auch stark in den Krieg involviert waren, aber auf eine andere Art als es direkt in Europa der Fall war.

Umso verständlicher fand ich es, das er für sich entschlossen hat, zumindest für diese beiden Kurzfilme nach England zurück zu kehren um sie zu drehen. Im Grunde beantwortet die Qualität dieser Filme auch schon meine Frage von vorhin etwas, was aus seiner Karriere in England zu diesem Zeitpunkt geworden wäre. Wenn überhaupt ein großes Studio die finanziellen Mittel gehabt hätte seine Art Filme zu drehen, unterstützt hätte, hätte er dennoch mit einigen Einschränkungen filmen müssen. Beide Filme wirken, obwohl sie zwei Jahre nach Saboteure und ein Jahr nach Im Schatten des Zwiefels entstanden sind, deutlich älter von der Machart her. Hätte ich die Filme gesehen, ohne zu wissen das sie von Hitchcock sind und hätte nur aus dem Kontext heraus ein paar Szenen gesehen, die nicht auf die Kriegszeit hindeuten, hätte ich wahrscheinlich durchaus gedacht, dass die Filme ca. Ende der 30er Jahre entstanden sind. Es waren natürlich sehr kleine Produktionen, bestimmt wurde minderweriges Filmmaterial verwendet und es waren bestimmt auch nicht die besten Kameras die zum Einsatz kamen, aber es sind eben dadurch auch, wenn auch sehr traurige, Zeitzeugen der Gesichichte, da ohne den Krieg Hitchcock diese beiden Filme so nie gedreht hätte. Also seine Motivation kann ich durchaus verstehen warum er sie gemacht hat. Nach dem Lesen der entsprechenden Kapitel in meinem Buch war mir natürlich dann auch sofort klar warum es keine gute UK VÖ der Filme gibt und auf den deutschen VÖs nur die deutsche Synchro oder eben die französische Sprache enthalten ist. Diese Filme wurden zwar in England gedreht, jedoch waren sie eher für den franzöischen Markt bestimmt und daher wurden sie auch, so wie ich das verstanden habe, auf französisch gedreht, zum größten Teil auch mit französichen Darstellern. Daher kam die deutsche Synchro erst viel später. Nur mal am Rande besitzt hier jemand dieses UK Steelbook? Auf dem sollen wohl auf der Bonus DVD beide Kurzfilme mit enthalten sein. Würde ich mal interessieren ob es nur OmU also (Französich mit englischen UT) ist oder ob man hier nachträglich eine Synchro hat angefertigt, was ich mir irgendwie nicht vorstellen kann. Die deutsche Synchro ist leider nicht wirklich gut, aber da Französich garnicht spreche, gab es hier keine andere Alternative für mich.

Bon Voyage hat mir besser gefallen und hätte auch auch definitiv potential gehabt daraus einen richtigen Spielfilm zu drehen. Schade das es Hitchcock, obwohl er offenbar selbst mit dem Gedanken gespielt hat, dies nie realsiert hat. Aber andererseits war es zum einen nicht sein Thema und zum anderen glaube ich auch das er bewusst kein Trauma bei den Menschen wieder aufreißen wollte. Jeder war froh das der zweite Weltkrieg vorbei war und dann in den 50er oder 60er Jahren dieses Thema erneut in den Fokus und sogar ins Kino zu bringen, war glaube ich absolut nicht Hitchcock´s Art Filmprojekte anzugehen. Er wollte Menschen unterhalten, faszinieren und auch erschrecken, aber eben auf eine andere Art und nicht, in dem er bei seinen Zuschauern Kriegsdraumata wieder aufleben lässt. Aber Potential hätte das Thema und die Kurzgeschichte dazu auf jeden Fall gehabt daraus einen Spielfilm zu machen. Tatsächlich, anstatt igendwelche Kultfilme zu remaken, sollten aktuelle Studios bzw. Filmemacher sich lieber auf die Suche nach solchen ungeschliffenen Rohdiamenten begeben.

So wie der Film von Hitchcock inszeniert wurde, bzw. unter den vorhanden Gegebenheiten inszeniert werden musste, hatte er leider für mich wenig Unerhaltungswert. Die Geschichte hat auf jeden Fall großes Potential, aber war für 30 Minuten Laufzeit viel zu komplex. Da hätte man vieles deutlich mehr ausarbeiten müssen was zum einen Hitchcock auf Grund der Produktionsumstände nicht möglich war, aber wahrscheinlich auch auf Grund der Sprachbariere zu schwierig gewesen war. Es gab zwar 2-3 Szenen die ich gut inszeniert fand, da funkelte natürlich wieder Hitchcock durch, aber bei der geringen Laufzeit und der zu komplexen Handlung konnten diese Szenen einfach nicht so strahlen wie sie es verdient hätten. Noch dazu kam natürlich auch der Cast, der definitiv nicht aus Profidarstellern bestand was man auch deutlich spürte. Als Wertung würde ich hier so eine 3/10 ansetzen.

Zu Aventure Malgache konnte ich so gut wie gar keinen Zugang finden, was sicherlich auch an der schlechten Synchro lag, aber auch an dem Cast, der aus den Molière Players, einer Theatergruppe von in England lebenden französischen Flüchtlingen bestand. Die Handlung basiert auf den wahren Erlebnissen von Clarouse, einem Mitglied dieser Gruppe. Dadurch, auch wenn dies aus heutiger Sicht natürlich lächerlich ist, war dieser Film fast fünfzig Jahre nicht mehr aufgeführt worden. Er war in Frankreich sogar als so eine Art Verschlussache bezeichnet worden. Der Film zeigt, genauso wie Bon Voyage, die Handlung in Rückblenden. In Madagaskar war Clarouse Betreiber eines illegalen Radiosenders und ist in der damals aktuellen Zeit eben mit der englischen Theatergruppe unterwegs und glaubt einen anderen Schauspieler als möglichen Verräter aus Madagaskar zu erkennen. Der Film beruht auf wahren Begebenheiten. Er wurde dann erst 1993 wieder neu aufgeführt und laut Wikipedia wurden beide Kurzfilme erst 2011 in Deutschland auf ARTE mit deutschen Untertiteln gezeigt, was meine Vermutung unterstützt, dass es beide Filme nur im O-Ton in Französisch gibt. Erst später wurde dann für den deutschen Disc Release wohl eine Synchro angefertigt, die aber eben mehr schlecht als recht ist und sich sehr asynchron anfühlt. Von der Wertung her, weil ich eben auch kaum wirklich einen Zugang zu dem Film gefunden habe, bekommt er von mir eine 1/10

Beide Wertungen klingen jetzt sehr hart, aber im gesamten Kontext in Hitchcocks Filmographie war das wirklichh nichts! Aber denoch fand ich es interessant mich auch mit diesen beiden Kurzfilmen zu beschäftigen, da sie natürlich zu Hitchcock gehören. Tatsächlich war hier die vorherigige Recherche zu den Filmen deutlich interssanter als die Filme als soches. Wobei Bon Voyage, wenn er eben länger gewesen wäre und Hitchcok ihn unter anderen Bedingungen hätte drehen können, bestimmt ein guter Film geworden wäre.
 

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Bon Voyage und Aventure Malgache

Ich habe mir Gedanken gemacht wie ich am Besten meine Eindrücke zu Bon Voyage und Aventure Malgache niederschreibe. Jeweils eine eigene KK für jeden Kurzfilm zu verfassen, dafür reicht es irgendwie nicht, da beide Filme nur je 30 Minuten gehen.
Vorschlag: Erstelle einen Thread mit Bon Voyage und Landung auf Madagaskar und nimm dein Posting als Review. Zum nachschlagen fände ich das deutlich besser. Deine Worte finde ich auch als Review absolut klasse, da sie im Kontext absolut greifen und außerdem interessiert sich für das Thema niemand außer uns.
Zunächst einmal muss ich sagen das ich diesmal es in der anderen Reihenfolge gemacht habe, also ich mir erst einmal die entsprechenden Seiten in meinem Hitchcock Buch über die Filme angeschaut habe und sie mir dann erst angesehen habe. Warum habe ich dieses mal die Reiehenfolge geändert? Ganz einfach, ich war zu neugierig warum zum einen Hitchcock überhaupt zwei Kurzfilme inszenierte und zum anderen wie sie sich in sein Gesamtwerk einordnen. Das warum war schnell geklärt. Tatsächlich war es Hitchcock´s Beitrag zum Krieg, da er zum Zeitpunkt des Krieges als Engländer im Exil in den USA lebte und da der letzte Film, bevor er die beiden propaganda Kurzfilme drehte, Das Rettungsboot (Lifeboat) war, macht es für mich absolut Sinn, da er auch bereits in Der Außlandskorrespondent, wenn es auch nicht direkt, das Thema zweiter Weltkrieg aufgegriffen hatte, er sich also auch, wie wahrscheinlich jeder Mensch zu diesem Zeitpunkt, mit den Sorgen und Ängsten des Krieges beschäftigt hat. Es war wohl wirklich, aus filmhistorischer Sicht aber auch aus persönlicher Sicht für Hitchcock, eine glückliche Fügung, dass er noch rechtzeitig den Sprung in die USA geschafft hat. Wäre er zu Kriegszeiten in England geblieben will ich nicht wissen was aus seiner Karriere geworden wäre.
Für die Filmwelt natürlich der perfekte Zeitpunkt um England zu verlassen. Auch wenn es bestimmt nicht einfach für ihn war.
Ich will jetzt hier nicht zu sehr politisch oder geschichtlich werden, aber ich glaube nicht das er in England seine Art Filme zu inszenieren, mitten zur Kriegszeit drehen hätte können. Es hätte ihm an fehlenden Budget und fehlenden Möglichkeiten gefehlt, da in Europa natürlich viel intensiver die Auswirkungen des Kriegs zu spüren waren als in den USA, die natürlich auch stark in den Krieg involviert waren, aber auf eine andere Art als es direkt in Europa der Fall war.
Wirklich gute Aussichten hätte er auf keinen Fall gehabt.
Umso verständlicher fand ich es, das er für sich entschlossen hat, zumindest für diese beiden Kurzfilme nach England zurück zu kehren um sie zu drehen. Im Grunde beantwortet die Qualität dieser Filme auch schon meine Frage von vorhin etwas, was aus seiner Karriere in England zu diesem Zeitpunkt geworden wäre. Wenn überhaupt ein großes Studio die finanziellen Mittel gehabt hätte seine Art Filme zu drehen, unterstützt hätte, hätte er dennoch mit einigen Einschränkungen filmen müssen. Beide Filme wirken, obwohl sie zwei Jahre nach Saboteure und ein Jahr nach Im Schatten des Zwiefels entstanden sind, deutlich älter von der Machart her. Hätte ich die Filme gesehen, ohne zu wissen das sie von Hitchcock sind und hätte nur aus dem Kontext heraus ein paar Szenen gesehen, die nicht auf die Kriegszeit hindeuten, hätte ich wahrscheinlich durchaus gedacht, dass die Filme ca. Ende der 30er Jahre entstanden sind. Es waren natürlich sehr kleine Produktionen, bestimmt wurde minderweriges Filmmaterial verwendet und es waren bestimmt auch nicht die besten Kameras die zum Einsatz kamen, aber es sind eben dadurch auch, wenn auch sehr traurige, Zeitzeugen der Gesichichte, da ohne den Krieg Hitchcock diese beiden Filme so nie gedreht hätte. Also seine Motivation kann ich durchaus verstehen warum er sie gemacht hat. Nach dem Lesen der entsprechenden Kapitel in meinem Buch war mir natürlich dann auch sofort klar warum es keine gute UK VÖ der Filme gibt und auf den deutschen VÖs nur die deutsche Synchro oder eben die französische Sprache enthalten ist. Diese Filme wurden zwar in England gedreht, jedoch waren sie eher für den franzöischen Markt bestimmt und daher wurden sie auch, so wie ich das verstanden habe, auf französisch gedreht, zum größten Teil auch mit französichen Darstellern.
Naja, nicht wirklich für einen Markt. Es waren Filme die den Franzosen zeigen sollten, dass ihre Anstrengungen bemerkt werden aber auch mit der Botschaft, nicht zu vertrauensselig zu sein, da die Gefahr eben auch in den eigenen Reihen lauerte.
Daher kam die deutsche Synchro erst viel später. Nur mal am Rande besitzt hier jemand dieses UK Steelbook? Auf dem sollen wohl auf der Bonus DVD beide Kurzfilme mit enthalten sein. Würde ich mal interessieren ob es nur OmU also (Französich mit englischen UT) ist oder ob man hier nachträglich eine Synchro hat angefertigt, was ich mir irgendwie nicht vorstellen kann. Die deutsche Synchro ist leider nicht wirklich gut, aber da Französich garnicht spreche, gab es hier keine andere Alternative für mich.
Soviel ich weiß existieren die Filme nur auf französisch mit englischen Untertiteln.
Bon Voyage hat mir besser gefallen und hätte auch auch definitiv potential gehabt daraus einen richtigen Spielfilm zu drehen. Schade das es Hitchcock, obwohl er offenbar selbst mit dem Gedanken gespielt hat, dies nie realsiert hat. Aber andererseits war es zum einen nicht sein Thema und zum anderen glaube ich auch das er bewusst kein Trauma bei den Menschen wieder aufreißen wollte. Jeder war froh das der zweite Weltkrieg vorbei war und dann in den 50er oder 60er Jahren dieses Thema erneut in den Fokus und sogar ins Kino zu bringen, war glaube ich absolut nicht Hitchcock´s Art Filmprojekte anzugehen. Er wollte Menschen unterhalten, faszinieren und auch erschrecken, aber eben auf eine andere Art und nicht, in dem er bei seinen Zuschauern Kriegsdraumata wieder aufleben lässt. Aber Potential hätte das Thema und die Kurzgeschichte dazu auf jeden Fall gehabt daraus einen Spielfilm zu machen. Tatsächlich, anstatt igendwelche Kultfilme zu remaken, sollten aktuelle Studios bzw. Filmemacher sich lieber auf die Suche nach solchen ungeschliffenen Rohdiamenten begeben.
In jedem Fall hätte die Geschichte auch einen guten Stoff für einen Spielfilm hergegeben. Aber wie du richtig sagst, wäre das im Nachgang der falsche Zeitpunkt gewesen und zusätzlich wollte er dieses ernste Thema, nachdem man hinterher erfahren hat, was alles vor sich ging, nicht für einen komödiantisch angehauchten Spionagethriller verwenden.
So wie der Film von Hitchcock inszeniert wurde, bzw. unter den vorhanden Gegebenheiten inszeniert werden musste, hatte er leider für mich wenig Unerhaltungswert.
Kann ich für mich so nicht ganz bestätigen. Unterhaltungswert ist vielleicht das falsche Wort. Ich fand ihn hochinteressant, weil er eben als Zeitzeuge fungiert und gleichzeitig eine Botschaft an die französische Resistance inklusive Aufmunterung war. Ehrlich gesagt, fand ich das in diesem Stil sogar sehr gut umgesetzt. Keine Hollywood-Fiktion, sondern er hat an die Empfänger dieser Botschaft, einen für mich sehr guten Weg gewählt, in dem er er es sehr real und greifbar inszeniert hat.
Die Geschichte hat auf jeden Fall großes Potential, aber war für 30 Minuten Laufzeit viel zu komplex. Da hätte man vieles deutlich mehr ausarbeiten müssen was zum einen Hitchcock auf Grund der Produktionsumstände nicht möglich war, aber wahrscheinlich auch auf Grund der Sprachbariere zu schwierig gewesen war. Es gab zwar 2-3 Szenen die ich gut inszeniert fand, da funkelte natürlich wieder Hitchcock durch, aber bei der geringen Laufzeit und der zu komplexen Handlung konnten diese Szenen einfach nicht so strahlen wie sie es verdient hätten. Noch dazu kam natürlich auch der Cast, der definitiv nicht aus Profidarstellern bestand was man auch deutlich spürte. Als Wertung würde ich hier so eine 3/10 ansetzen.
Eine Note vermag ich hier nicht zu geben. Mit Sicherheit ist sie höher als Deine aber ich kann den Film einfach nicht in den gleichen Kontext wie einen Film setzen.
Zu Aventure Malgache konnte ich so gut wie gar keinen Zugang finden, was sicherlich auch an der schlechten Synchro lag, aber auch an dem Cast, der aus den Molière Players, einer Theatergruppe von in England lebenden französischen Flüchtlingen bestand. Die Handlung basiert auf den wahren Erlebnissen von Clarouse, einem Mitglied dieser Gruppe. Dadurch, auch wenn dies aus heutiger Sicht natürlich lächerlich ist, war dieser Film fast fünfzig Jahre nicht mehr aufgeführt worden. Er war in Frankreich sogar als so eine Art Verschlussache bezeichnet worden.
Ohne es wirklich zu wissen, liegen hier für mich die Gründe auf der Hand. Madagaskar ist nicht gerade ein Kapitel bei dem sich Frankreich mit Ruhm auszeichnen konnte. Kurz nach dem Krieg, wollte Madagaskar unabhängig werden und Frankreich ist mit Truppen rein und hat den Aufstand ziemlich blutig niedergeschlagen. Ich denke nicht, das sie Madagaskar als Thema in dieser Zeit nach dem Krieg so prickelnd fanden, weshalb der Film schnell weg war.
Der Film zeigt, genauso wie Bon Voyage, die Handlung in Rückblenden. In Madagaskar war Clarouse Betreiber eines illegalen Radiosenders und ist in der damals aktuellen Zeit eben mit der englischen Theatergruppe unterwegs und glaubt einen anderen Schauspieler als möglichen Verräter aus Madagaskar zu erkennen. Der Film beruht auf wahren Begebenheiten. Er wurde dann erst 1993 wieder neu aufgeführt und laut Wikipedia wurden beide Kurzfilme erst 2011 in Deutschland auf ARTE mit deutschen Untertiteln gezeigt, was meine Vermutung unterstützt, dass es beide Filme nur im O-Ton in Französisch gibt. Erst später wurde dann für den deutschen Disc Release wohl eine Synchro angefertigt, die aber eben mehr schlecht als recht ist und sich sehr asynchron anfühlt. Von der Wertung her, weil ich eben auch kaum wirklich einen Zugang zu dem Film gefunden habe, bekommt er von mir eine 1/10
Da wundere ich mich tatsächlich. Mir hat er gut gefallen. Die Synchro muss man ausblenden, weshalb ich einfach wegen der Atmosphäre einige Teile des Films nochmal in französischer Sprache gesehen habe, um ein besseres Gefühl zu erlangen. Ich wusste ja jetzt um was geht. Auch dieser Film ist ausschließlich als Unterstützung an den französischen Widerstand zu sehen und auch um den Leuten zu zeigen, das sie nicht allein sind.
Beide Wertungen klingen jetzt sehr hart, aber im gesamten Kontext in Hitchcocks Filmographie war das wirklichh nichts! Aber denoch fand ich es interessant mich auch mit diesen beiden Kurzfilmen zu beschäftigen, da sie natürlich zu Hitchcock gehören. Tatsächlich war hier die vorherigige Recherche zu den Filmen deutlich interssanter als die Filme als soches. Wobei Bon Voyage, wenn er eben länger gewesen wäre und Hitchcok ihn unter anderen Bedingungen hätte drehen können, bestimmt ein guter Film geworden wäre.
Wie gesagt, ich habe beide Filme aus einem völlig anderen Blickwinkel betrachtet, weshalb ich hier keine Hitchcock Wertung liefern kann. Beide Filme verfolgten das Ziel eine moralische Unterstützung für den Widerstand zu sein und das ist aus meiner außerhalb stehenden Sicht wahrscheinlich gelungen. Zumindest könnte ich mir gut vorstellen, das solche Filme einfach gut ankamen. Nicht bei einem möglichen Publikum, sondern bei den Leuten, die es betraf. Inklusive Warnungen und Aufklärung, an welchen Stellen sie Vorsicht walten lassen müssen. Ich halte beide Filme aus diesem Blickwinkel für absolut gelungen. Ohne triefige Trauerbilder, sondern aus der Realität gegriffen und einfache Geschichten um einfache Leute gesponnen, mit denen sich die Beteiligten sofort identifizieren konnten.
 

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Vorschlag: Erstelle einen Thread mit Bon Voyage und Landung auf Madagaskar und nimm dein Posting als Review. Zum nachschlagen fände ich das deutlich besser. Deine Worte finde ich auch als Review absolut klasse, da sie im Kontext absolut greifen und außerdem interessiert sich für das Thema niemand außer uns.
Okay habe ich somit erledigt. ;)

Naja, nicht wirklich für einen Markt. Es waren Filme die den Franzosen zeigen sollten, dass ihre Anstrengungen bemerkt werden aber auch mit der Botschaft, nicht zu vertrauensselig zu sein, da die Gefahr eben auch in den eigenen Reihen lauerte.
Perfekt zusammen gefasst! Ich meinte es ähnlich, hatte aber nicht die passenden Worte dafür gefunden! Top zusammengefasst! :hoch:

Soviel ich weiß existieren die Filme nur auf französisch mit englischen Untertiteln.
Ja davon gehe ich mittlerweile auch aus!

In jedem Fall hätte die Geschichte auch einen guten Stoff für einen Spielfilm hergegeben. Aber wie du richtig sagst, wäre das im Nachgang der falsche Zeitpunkt gewesen und zusätzlich wollte er dieses ernste Thema, nachdem man hinterher erfahren hat, was alles vor sich ging, nicht für einen komödiantisch angehauchten Spionagethriller verwenden.
Ja das denke ich auch. Aber im Grunde, so zumindest meine Wahrnehmung, hat er zumindest teile dieses Gefühls mit in Berüchtigt transportiert, da er für Hitchcock Verhältnisse recht ernst ist und auch nochmal das Thema Zweiter Weltkrieg in gewisser Weise mit aufgreift. Also man spürt auf jeden Fall das Hitchcock auch dieses Thema sehr bewegt hat!

Kann ich für mich so nicht ganz bestätigen. Unterhaltungswert ist vielleicht das falsche Wort. Ich fand ihn hochinteressant, weil er eben als Zeitzeuge fungiert und gleichzeitig eine Botschaft an die französische Resistance inklusive Aufmunterung war. Ehrlich gesagt, fand ich das in diesem Stil sogar sehr gut umgesetzt. Keine Hollywood-Fiktion, sondern er hat an die Empfänger dieser Botschaft, einen für mich sehr guten Weg gewählt, in dem er er es sehr real und greifbar inszeniert hat.
Das Wort Unterhaltungswert klingt blöder als es gemeint war. Wenn ich mir einen Film oder einen Kurzfilm anschaue möchte ich Unterhalten werden. Das hat bei mir nichts damit zu tun das es zwingend eine erheiternde Unterhaltung sein muss. Wenn ich mir eine Dokumentation oder Reportage anschaue erwarte ich eine gute Zusammenfassung von Fakten und eine Aufbereitung des Themas, ohne das ich alle Artikel und Bücher dazu lesen mus. Diesen Anspruch habe ich an einen Film oder Kurzfilm nicht, da will ich Unterhalten werden. Mir ist schon klar das diese beiden Kurzfilme von Hitchcock keine klassischen Spielfilme sind und auch nie diesen Anspruch hatten. Dennoch hatte ich mir wohl etwas anderes darunter vorgestellt. Und gerade bei Bon Voyage sehe ich, natürlich mit dem Abstand zu den realen Ereignissen, verlorenes Potential aus dem Thema einen sehr guten Spielfilm zu machen, natürlich mit einem sehr ernsten Grundton und keiner Comedy!

Da wundere ich mich tatsächlich. Mir hat er gut gefallen. Die Synchro muss man ausblenden, weshalb ich einfach wegen der Atmosphäre einige Teile des Films nochmal in französischer Sprache gesehen habe, um ein besseres Gefühl zu erlangen. Ich wusste ja jetzt um was geht. Auch dieser Film ist ausschließlich als Unterstützung an den französischen Widerstand zu sehen und auch um den Leuten zu zeigen, das sie nicht allein sind.
Wie oben erwähnt ich konnte einfach keine Zugang zu den Bildern bekommen. Es war für mich einfach wohl auch zu wenig Zeit. Ich bin generell kein großer Fan von Kurzfilmen und auch kurze Dokus können mich nicht fesseln. Da brauche ich wohl für mich mehr Zeit um in ein Thema einzutauchen. Als Beispiel, auch wenn das jetzt sehr weit weg von dem Thema hier ist, habe ich kürzlich die SKY Doku Kill Bitcoin - Die Kryptoqueen und Ihr Onecoin-Betrug mir angesehen. Tatsächlich ein Thema was an mir komplett vorbeigengange ist, aber total interssant war. Ich glaube wäre es nur ein 20 oder max. 30 Minütiger Bereicht gewesen, hätte mich das Thema nicht gepackt, aber dadurch das es 3 Folgen á 47 Minuten waren, war ich auf einmal mitten im Thema. Wie gesagt ich will die beiden Dinge nicht inhaltlich vergleichen, mich nur erklären das ich offenbar da mehr Zeit benötige um mich in ein Thema hineinzuversetzen als ein Kurzfilm zeit hat.

Wie gesagt, ich habe beide Filme aus einem völlig anderen Blickwinkel betrachtet, weshalb ich hier keine Hitchcock Wertung liefern kann. Beide Filme verfolgten das Ziel eine moralische Unterstützung für den Widerstand zu sein und das ist aus meiner außerhalb stehenden Sicht wahrscheinlich gelungen. Zumindest könnte ich mir gut vorstellen, das solche Filme einfach gut ankamen. Nicht bei einem möglichen Publikum, sondern bei den Leuten, die es betraf. Inklusive Warnungen und Aufklärung, an welchen Stellen sie Vorsicht walten lassen müssen. Ich halte beide Filme aus diesem Blickwinkel für absolut gelungen. Ohne triefige Trauerbilder, sondern aus der Realität gegriffen und einfache Geschichten um einfache Leute gesponnen, mit denen sich die Beteiligten sofort identifizieren konnten.
Auch das hast Du sehr schön zusammgefasst und ich bin froh das nun auch hier Deine Sichtweise zu den beiden Kurzfilmen steht. Es geht mir glaub ich ähnlich, eine richtige Hitchcock Wertung ist mir wohl auch nicht so recht möglich, wobei ich, um nochmal die Kurve zu Hitchcock zu bekommen, sie im gesamten Kontext seines filmischen Schaffens auf jeden Fall als interessant betrachte!
 

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Okay habe ich somit erledigt. ;)
Perfekt! So finden wir ihn in 10 Jahren schneller wieder.
Ja das denke ich auch. Aber im Grunde, so zumindest meine Wahrnehmung, hat er zumindest teile dieses Gefühls mit in Berüchtigt transportiert, da er für Hitchcock Verhältnisse recht ernst ist und auch nochmal das Thema Zweiter Weltkrieg in gewisser Weise mit aufgreift. Also man spürt auf jeden Fall das Hitchcock auch dieses Thema sehr bewegt hat!
Da kann man von ausgehen. Schließlich war seine Heimat davon ja stark betroffen.
Das Wort Unterhaltungswert klingt blöder als es gemeint war. Wenn ich mir einen Film oder einen Kurzfilm anschaue möchte ich Unterhalten werden. Das hat bei mir nichts damit zu tun das es zwingend eine erheiternde Unterhaltung sein muss. Wenn ich mir eine Dokumentation oder Reportage anschaue erwarte ich eine gute Zusammenfassung von Fakten und eine Aufbereitung des Themas, ohne das ich alle Artikel und Bücher dazu lesen mus. Diesen Anspruch habe ich an einen Film oder Kurzfilm nicht, da will ich Unterhalten werden. Mir ist schon klar das diese beiden Kurzfilme von Hitchcock keine klassischen Spielfilme sind und auch nie diesen Anspruch hatten. Dennoch hatte ich mir wohl etwas anderes darunter vorgestellt.
Vielleicht lag es genau daran. Ich wusste was mich erwartet und welche Intension dahinter stand. Ich kenne auch einige deutsche Kurzfilme, die als Unterstützung für die Front gedacht waren.
Auch das hast Du sehr schön zusammgefasst und ich bin froh das nun auch hier Deine Sichtweise zu den beiden Kurzfilmen steht. Es geht mir glaub ich ähnlich, eine richtige Hitchcock Wertung ist mir wohl auch nicht so recht möglich, wobei ich, um nochmal die Kurve zu Hitchcock zu bekommen, sie im gesamten Kontext seines filmischen Schaffens auf jeden Fall als interessant betrachte!
Deswegen habe ich hier auch keine Wertung vergeben, da es letztlich Motivationsfilme für die französische Resistance waren. Da gab es ja nicht das Ziel, das sie im Kino gut ankommen, sondern die Beteiligten weiter zu motivieren und zu zeigen, das sie unterstützt werden und Hilfe haben. Aus diesem Aspekt heraus, halte ich sie für gelungen.
 
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