Die Nacht der Entscheidung
Du hast noch 70 Minuten. Was würdest du tun?
Harry hat gerade in einem Museum seine Traumfrau kennengelernt und es läuft echt super. Durch einen blöden Zufall verschläft er aber das Date am Abend und taucht erst mitten in der Nacht am Treffpunkt auf. Dort klingelt in der Telefonzelle der Apparat, von dem er bereits mehrfach versucht hat, sie anzurufen, doch dort meldet sich eine völlig verstörte Stimme, die davon berichtet, dass der Atomkrieg begonnen hat und dass russische Raketen unaufhaltsam in die USA fliegen. Als Letztes hört er Schüsse und eine andere Stimme, die ihm sagt, er soll das Gespräch vergessen und sich wieder ins Bett legen. Paralysiert geht er in einen nahe gelegenen Diner, berichtet davon und löst damit eine Panik aus, die sich verbreitet. Doch sagte die Stimme am Telefon wirklich die Wahrheit? Falls ja, bleiben nur noch 70 Minuten bis zum Einschlag.
Diese kleine Perle aus den 80ern, ist inzwischen fast völlig vergessen, was ein wenig schade ist. Regisseur Steve De Jarnatt liefert hier nämlich für ein kleines Budget einen richtig starken Film ab, der durch seine Ausgangslage ungemein viel Spannung bietet. Er beginnt wunderbar wie eine Teeny-Romanze, wie wir sie aus diesem Jahrzehnt natürlich kennen und mit Anthony Edwards und Mary Winningham hat man natürlich auch Darsteller gefunden, die dies perfekt wiedergeben. Die Wandlung des Films ist aber umso bemerkenswerter, da der Mikrokosmos erhalten bleibt. Deshalb bleibt der Zuschauer auf dem gleichen Wissenstand wie Harry und fiebert dem entgegen was kommt, oder eben nicht kommt. Nicht immer ist jede Entscheidung genau die, die man selbst treffen würde, aber wer hat schon Erfahrungen mit einem bevorstehenden Atomschlag, um dies zielsicher einschätzen zu können?
Ein ganz großer Trumpf ist natürlich auch die Musik von Tangerine Dream, die dem Film eine unglaubliche Tiefe und Atmosphäre verleiht. Sie pulsiert und flackert und schafft immer eine perfekte Unterstützung der Szenerie. Im Mediabook von Turbine kann man sie, nebenbei erwähnt, auch isoliert anhören.
Miracle Mile hat unterschwellig immer etwas Unwirkliches, etwas Unfassbares, was die Situation einfach perfekt einfängt. Eine drohende Gefahr, für die man jetzt einfach keinen Masterplan im Gepäck hat und auch dies fängt der Film hervorragend ein. Dennoch sollte man nicht vergessen, dass dies keine 100 Millionen Spielberg Produktion ist. Es bleibt ein kleiner Film, der aber große Dinge erreicht, wenn man zu Filmen dieser Zeit einen Zugang hat, denn die 80er sind hier durchgehend zu sehen.