Picknick am Valentinstag

Despair

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AW: Picknick am Valentinstag

Picknick am Valentinstag

Australien, Ende des 19. Jahrhunderts: Eine Schulklasse des Mädcheninternats Appleyard macht einen Ausflug zum Hanging Rock, einem kleinen Berg in der Nähe. Vier Mädchen trennen sich von der Gruppe, um den Berg auf eigene Faust zu erkunden – und kehren nicht mehr zurück.

Bereits bei den ersten Bildern wird klar, dass Peter Weirs Film wenig bis nichts mit einem konventionellen Krimi- oder gar Horrorfilm zu tun hat. Der esoterisch-entrückt anmutende Beginn, die gewollt altmodisch-verkitschte Inszenierung, die gleichzeitig die Prüderie der Zeit und das streng geordnete Leben im Internat perfekt wiedergibt, die Panflöten-Untermalung – das wirkt schon sehr eigen und gewöhnungsbedürftig. Mir ist gelegentlich Sofia Coppolas „The Virgin Suicides“ in den Sinn gekommen. Obwohl man die beiden Filme nur schwer miteinander vergleichen kann - die Stimmung ist ähnlich.

Doch mit welcher Art Film haben wir es nun zu tun? Ich würde sagen: Mit einem Mystery-Drama, dass den mysteriösen Teil der Geschichte komplett der Vorstellungskraft des Zuschauers überlässt. Wenn man es genau nimmt, nicht nur den mysteriösen Part, sondern die ganze Geschichte. Diverse Handlungsstränge werden nicht aufgeklärt bwz. überhaupt nicht mehr weitergesponnen. Die Ermittlungen der Polizei werden zwar gezeigt, die bleiben aber genauso erfolglos wie der Zuschauer, der hinter das Geheimnis des Verschwindens der Mächen zu kommen versucht. Wer Filme mit offenem Ende nicht mag, sollte um „Picknick am Valentinstag“ einen weiten Bogen machen. Doch gerade die offene Geschichte und die ungewöhnliche Inszenierung (die Panflöte kann schon an den Nerven zerren) machen den Reiz dieses seltsamen Filmes aus, den man höchstwahrscheinlich nur lieben oder hassen kann. Ich tendiere zu ersterem, bin mir aber gar nicht so sicher, weshalb.

8,5/10 Punkte
 

Louis Cyphre

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AW: Picknick am Valentinstag

Danke für die zahlreichen Warnungen.Ich bin mir sicher, das das kein Film für mich ist.
Hatte den glaub ich auch schon mal angefangen und abgebrochen
 

Russel Faraday

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AW: Picknick am Valentinstag

zu einem meiner lieblingsfilme (1x anschauen im jahr ist pflicht) gabs echt noch keinen thread? :eek:

muß mal meine gedanken ordnen, dann werde ich auch noch die eine oder andere anmerkung beizusteuern haben. bin nur derzeit so massiv schreibfaul...
 

Die wilde 13

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AW: Picknick am Valentinstag

Danke für die zahlreichen Warnungen.Ich bin mir sicher, das das kein Film für mich ist.
Pst, der Mann hat auch Mosquito Coast gedreht. ;)

Schade, habe den Film gestern bei arte verpasst aber ich will mir sowieso noch die Peter Weir-Box zulegen. :)
 

Louis Cyphre

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AW: Picknick am Valentinstag

Pst, der Mann hat auch Mosquito Coast gedreht. ;)

Schade, habe den Film gestern bei arte verpasst aber ich will mir sowieso noch die Peter Weir-Box zulegen. :)

Ja und, ich gehöre ja nicht zu denen die ihren Lieblingen blind folgen und alles für Gold erklären, was ihre Ikonen jemals anfassen werden.
Und der Film mag ja gut sein, nur halt nicht mein Geschmack. ;)
 

2moulins

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AW: Picknick am Valentinstag

Nachdem ich den Film mal in meiner Jugend im TV sah und er mich damals bereits nachhaltig beeindruckte, gab's gestern ein Wiedersehen auf der heimischen Leinwand. Wie Despair schon schrieb, muss man in der richtigen Stimmung sein, um dem Film etwas abgewinnen zu können. Sicherlich dürfte auch eher eine Minderheit hier im Forum Gefallen daran finden. Zu langsam ist die Erzählweise, und gewöhnungsbedürftig dürfte die "esoterisch-entrückte" Machart sein, wie Despair es zutreffend bezeichnet. Wer sich davon nicht abschrecken lässt und etwas damit anfangen kann, bekommt einen sehr schönen, mystischen Film geboten, der auch viel Platz zum Nachdenken lässt.

Der Film ist sehr schön fotografiert. Die Bilder erinnern stellenweise an die Handschrift/Optik eines David Hamilton, dessen "Bilitis" aber erst später herauskam. Das schwüle, heiße Klima wird sehr gut spürbar. Man kann die Erleichterung nachempfinden, wenn sich die streng behüteten Mädchen ihrer Schuhe und Strümpfe entledigen, als sie allein unter sich sind. Die Landschaft, vor allem die Felsen des "Hanging Rock" strahlen eine bedrohliche Wirkung aus und scheinen die Mädchen in ihren Bann zu ziehen oder sogar sonstwo hin. So genau erfährt der Zuschauer das ja nicht. Diese bedrohliche Wirkung wird durch einen entsprechenden Soundtrack untermauert. In diesen Momenten ist es nicht die Panflöten-Musik von Gheorge Zamfir, die mich im Übrigen ansonsten nicht störte - im Gegenteil ich fand sie sehr passend.

Richtig einordnen lässt sich der Film nicht. Manchmal wird er ja sogar als Horrorfilm bezeichnet oder lief auf entsprechenden Festivals. Sicherlich gibt's auch Sequenzen, die auf diese Zuordnung passen. Im Vordergrund steht aber eher die Darstellung des strengen (und verhängnisvollen) Regimes der Leiterin des Mädchenpensionats, das Erwachsenwerden der Schülerinnen sowie die erwachende Sexualität, welche sehr behutsam angedeutet wird.

Ich bin eigentlich kein großer Freund von offenen Enden. Aber manchmal - so auch hier - finde ich das sehr passend. Die mystische, geheimnisvolle Atmosphäre wirkt so über das Filmende hinaus und lässt Raum für Spekulationen. Hinzu kommt, dass der zugrundeliegende Roman ursprünglich ein erklärendes, abschließendes Kapitel enthielt, das man dann aber vor der Veröffentlichung enfernte. Jahre später wurde es veröffentlicht. Im Booklet des Mediabooks (1 Blu-ray + 3 DVDs) wird dieses Ende dargestellt. Jetzt, wo ich es gelesen habe, bin ich heilfroh, dass Peter Weir es nicht verwendete!!

9/10
 

deadlyfriend

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AW: Picknick am Valentinstag

Diese Bildungslücke konnte ich dann auch endlich schließen:) Ich schließe mich Despair und 2 Moulins nahtlos an. Ein absolutes Meisterwerk, das fantastisch fotografiert wurde. Die Atmosphäre zieht einen magisch in den Bann und für mich kam in keiner Sekunde Langeweile auf. Das erst spät veröffentlichte Ende des Buches halte ich ebenfalls für eine Katastrophe. Das wirkt wie ein sinnfreies, in Erklärungsnot geratenes Gedankenspiel. :runter: Der Film ist so wie er ist absolut perfekt. Da möchte ich keine Szene anders haben. Die gesamte Abfolge am "Hanging rock" ist für mich die absolute Krönung!
 

2moulins

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AW: Picknick am Valentinstag

.... Ein absolutes Meisterwerk, das fantastisch fotografiert wurde. Die Atmosphäre zieht einen magisch in den Bann und für mich kam in keiner Sekunde Langeweile auf....ö..

Freut mich, nochmal etwas von Dir zu hören,
und dass Dir der Film auch so gut gefiel. :)
 

Despair

Filmvisionaer
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Ich habe mir den Film gestern mal wieder angesehen. Lustigerweise ohne zu wissen, dass morgen Valentinstag ist. Mysteriös... :D

Im Vordergrund steht aber eher die Darstellung des strengen (und verhängnisvollen) Regimes der Leiterin des Mädchenpensionats, das Erwachsenwerden der Schülerinnen sowie die erwachende Sexualität, welche sehr behutsam angedeutet wird.

Das mit der aufkeimenden Sexualität ist eigentlich mehr als offensichtlich, wenn man Eins und Eins zusammenzählt. Die abgelegten Kleidungsstücke, die "rote Wolke", der offensichtlich auf Miranda fixierte Michael. Dazu die Tatsache, dass Valentinstag ist, der Beginn der Paarungszeit der Vögel. Ob der gelegentlich auftauchende weiße Schwan auf den Namen Miranda hört..? Dazu die Bezeichnung als "Boticelli-Engel". Ein berühmtes Boticelli-Gemälde ist "Die Geburt der Venus". Und Venus ist die römische Göttin der Liebe. Ist mir bei der Erstsichtung alles irgendwie nicht so ins Auge gesprungen... :D

Der Film ist so wie er ist absolut perfekt. Da möchte ich keine Szene anders haben.

Ich habe mir gestern den Director's Cut angeschaut, der interessanterweise ca. sieben Minuten kürzer ist. Hat dem Film aber nicht geschadet, sondern ihn eher besser gemacht, weil einige etwas langatmige Szenen weggefallen sind.

Ansonsten hatte ich die traurige Story von Sara und ihrem Bruder Albert überhaupt nicht mehr auf dem Schirm. Definitiv ein Film, den man immer wieder schauen kann. Ich würde inzwischen noch 'ne Note raufgehen und wäre damit bei einer 9,5.
 

deadlyfriend

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Picknick am Valentinstag

"All that we see and seem, is but a dream within a dream"

Meisterwerk!
Ein Lehrstück, welches beweist, daß man nicht so oft auf andere Wertungen hören sollte. Vor vielen vielen Jahren, wurde "Picknick am Valentinstag" als Horror oder Mysterythriller klassifiziert, was er irgendwie nicht so richtig ist, aber es stand wohl keine andere Schublade bereit. Miesen Bewertungen von Bekannten und Freunden zufolge, ließ ich den Film dann links liegen. Ein Schnarchzapfen wäre es. Stinkend langweilig. Okay, ich war sehr jung und die "Rezensenten" ebenfalls. Allerdings merkte ich irgendwann, daß wir geschmacklich völlig differente Wege gingen. Während sie noch Chuck Norris, Steven Seagal und van Damme feierten, war ich mit völlig anderen Filmen beschäftigt.
Irgendwann holte ich dann die Filme nach, die durch miserable Bewertungen auf der Strecke blieben und sah dadurch ein Meisterwerk nach dem anderen.
"Picknick am Valentinstag" gehört zweifellos dazu. "Malen mit Licht", ein Begriff der meiner Erinnerung nach von Vittorio Storaro geprägt wurde, trifft auch hier zu. Betörend sind vor Allem die ersten 35 Minuten. Eine Hypnose, die durch eine Melange aus Sinnlichkeit, Poesie, Licht, Musik und Geräuschen entsteht. Im Zentrum die Darstellerin Anne-Louise Lambert, die mit ihrer engelsgleichen Leinwandpräsenz und ihrer schwebenden Aura, den Zuschauer willenlos in das Vulkangestein des "Hanging Rock" folgen lässt. Ein Botticelli-Engel eben
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Wie bei den Protagonisten im Film entsteht durch ihr Verschwinden eine Leere im Zuschauer, der sie unbedingt wiederhaben will.
Ein unfassbares Gefühl, das man nicht sehr häufig bei einem Film erlebt. Dafür müssen aber alle Antennen empfangsbereit sein. Nebenbei schauen funktioniert nicht. Man sollte sich wie ein Teil des Geheimnisses in den Film hinein fühlen. Wer vorher weiß, das er mit poetischer Bildsprache ohne jegliche Action nicht zurecht kommt, sollte einen weiten Bogen um den Film machen. Aber allein das Picknick selbst, könnte man einrahmen, im Louvre ausstellen und die Mona Lisa wäre zum Beiwerk degradiert.
 

Die wilde 13

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Zu meiner Schande habe ich es immer noch nicht geschafft, diesen Film zu gucken. Und ehrlich gesagt auch völlig aus den Augen verloren. Das hast du mit deinem stimmungsvollen Beitrag, lieber deadly, ja nun Gottseidank geändert. Die Peter Weir-Box ist ja mittlerweile schon lange bei mir im Regal und daher wird der spätestens nächste Woche gesichtet, verprochen!!
 

Die wilde 13

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Peter Weir ist wahrhaftig ein Meisterwerk gelungen. So unerklärbar wie die realen Ereignisse am Hanging Rock und so schön wie Anne-Louise Lambert und ihre Mitstreiterinnen. Endlich habe Picknick am Valentinstag gesehen und ich wurde in eine Geschichte gesogen, die einen absolut nicht kalt lässt.

Wie bei den Protagonisten im Film entsteht durch ihr Verschwinden eine Leere im Zuschauer, der sie unbedingt wiederhaben will.
Gut beschrieben. Ja, dieses Gefühl stellt sich tatsächlich ein. Und diese Leere bleibt auch wie damals bei den Beteiligten und der Familie der verschwunden Mädchen. Interessant ist dabei, das diese überhaupt nicht erwähnt werden, geschweige denn im Film als Personen vorkommen. Nur die Eltern der anderen Mädchen werden erwähnt, die aufgrund der Ereignisse von der Schule genommen werden.

Aber allein das Picknick selbst, könnte man einrahmen, im Louvre ausstellen und die Mona Lisa wäre zum Beiwerk degradiert.
Gut, soweit würde ich jetzt nicht gehen aber diese Inszenierung des Picknick könnte durchaus von Monet inspiriert sein. Wunderschön!

"Malen mit Licht", ein Begriff der meiner Erinnerung nach von Vittorio Storaro geprägt wurde, trifft auch hier zu.
Da kommt mir der "Meister des Lichts" William Turner in den Sinn. Und der Film über ihn von Mike Leigh. Auch hier hat der Kameramann Dick Pope sich von den Gemälden Turners leiten lassen und traumhafte Bilder geschaffen. Und Storaro hat sich augenscheinlich vom Impressionismus inspireren lassen. Beides ein Genuß!
 

deadlyfriend

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Peter Weir ist wahrhaftig ein Meisterwerk gelungen. So unerklärbar wie die realen Ereignisse am Hanging Rock und so schön wie Anne-Louise Lambert und ihre Mitstreiterinnen. Endlich habe Picknick am Valentinstag gesehen und ich wurde in eine Geschichte gesogen, die einen absolut nicht kalt lässt.
Keine Ahnung wieso, aber hier habe ich anscheinend nicht geantwortet :confused: Ich freue mich sehr, dass dich der Film ebenso beeindruckt hat. Irgendwie war ich da aber auch fast sicher. Der Film hat so etwas Eigenes, was nicht richtig greifbar ist. Den muss man glaube ich selbst erleben. Ich vermute, egal was man darüber liest, das man sich nicht wirklich vorstellen kann, wie der Film auf einen wirken könnte.
Gut, die Klientel "Ich brauch Action" weiß es dann schon. :nice:
Gut beschrieben. Ja, dieses Gefühl stellt sich tatsächlich ein. Und diese Leere bleibt auch wie damals bei den Beteiligten und der Familie der verschwunden Mädchen. Interessant ist dabei, das diese überhaupt nicht erwähnt werden, geschweige denn im Film als Personen vorkommen. Nur die Eltern der anderen Mädchen werden erwähnt, die aufgrund der Ereignisse von der Schule genommen werden.
Der Film bietet wahrlich viele Mysterien. Ganz oben steht aber für mich Miranda. So etwas ist mir bei einem Film wahrscheinlich nicht noch einmal passiert. Ich glaube ich wäre selbst zum Hanging Rock und hätte sie gesucht.
Gut, soweit würde ich jetzt nicht gehen aber diese Inszenierung des Picknick könnte durchaus von Monet inspiriert sein. Wunderschön!
Sollte auch eher ausdrücken wie genial diese Bildkomposition ist. :respekt:
Da kommt mir der "Meister des Lichts" William Turner in den Sinn. Und der Film über ihn von Mike Leigh. Auch hier hat der Kameramann Dick Pope sich von den Gemälden Turners leiten lassen und traumhafte Bilder geschaffen.
Den habe ich noch nicht gesehen.
Und Storaro hat sich augenscheinlich vom Impressionismus inspireren lassen. Beides ein Genuß!
Zum Impressionismus würde ich Storaro nicht zwingend schieben. Zwar mit extrem großartigem Lichteinsatz wie bei "Apocalypse now" oder auch "Der letzte Kaiser" aber es sind ja eher klare Farben und abgrenzende Kontraste, wie auch bei seinen Arbeiten mit Dario Argento.
 

Die wilde 13

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Zum Impressionismus würde ich Storaro nicht zwingend schieben. Zwar mit extrem großartigem Lichteinsatz wie bei "Apocalypse now" oder auch "Der letzte Kaiser" aber es sind ja eher klare Farben und abgrenzende Kontraste, wie auch bei seinen Arbeiten mit Dario Argento.
Ah okay. Hatte nur die Bilder aus Picknick.. als Maßstab genommen ohne sein weiteres Schaffen vor Augen. Der Mann war eben vielseitig und ich habe immer noch nicht 1900 gesehen... :rolleyes:

Keine Ahnung wieso, aber hier habe ich anscheinend nicht geantwortet
Passiert mir leider auch immer wieder. Also kein Problem und ich freue mich eben jetzt über deine Antwort.

Der Film hat so etwas Eigenes, was nicht richtig greifbar ist. Den muss man glaube ich selbst erleben. Ich vermute, egal was man darüber liest, das man sich nicht wirklich vorstellen kann, wie der Film auf einen wirken könnte.
Ja und ich bekomme bei diesen Worten auch wieder Lust auf den Film. Am Freitag vielleicht? ;)

Gut, die Klientel "Ich brauch Action" weiß es dann schon. :nice:
Ach, die...

Den habe ich noch nicht gesehen.
Unbedingt nachholen!! Sehr empfehlenswert!!!!
 

deadlyfriend

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Ah okay. Hatte nur die Bilder aus Picknick.. als Maßstab genommen ohne sein weiteres Schaffen vor Augen. Der Mann war eben vielseitig und ich habe immer noch nicht 1900 gesehen... :rolleyes:
Ah, Missverständnis. :D Storaro war an "Picknick" nicht beteiligt. Er hatte nur diesen Begriff "Malen mit Licht" geprägt, weshalb ich ihn mit ins Spiel brachte, da mich die Bilder im Film eben an Malen mit Licht erinnerte.
Passiert mir leider auch immer wieder. Also kein Problem und ich freue mich eben jetzt über deine Antwort.
Dito :knuddel: Aktuell freue ich mich, dass ich im Forum überhaupt Antworten auf einen Beitrag bekomme :respekt: Dachte schon ich stehe kollektiv auf "ignore" :huh:
Ja und ich bekomme bei diesen Worten auch wieder Lust auf den Film. Am Freitag vielleicht? ;)
Wäre ein passender Zeitpunkt. Zumindest fällt mir der Film durch den Titel auch immer wieder in dem Zeitraum ein. Aber passen tut er eigentlich zu jeder Zeit. Ich würde gerne wieder nach Miranda suchen, ist aber traurig, dass ich vorher weiß das ich sie nie finden werde. :heul:
Unbedingt nachholen!! Sehr empfehlenswert!!!!
Ja, der ist im Hinterkopf gespeichert.
 

Tarantino1980

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Immerhin hat es bei diesem Film nur 2 Jahre gedauert bis ich auf ihm aufmerksam gemacht wurde, hierfür nochmal meinen ganz großen Dank an deadly, bis ich ihn dann dieses Jahr, sogar passenderweise am Valentienstag der auf einen Samstag gefallen ist, sehen konnte.

Leider wurde das Filmerlebnis etwas getrübt, was nicht am hervorragenden Film lag, sondern an der Technik bzw. genauer gesagt an der Blu-ray. Ich hatte den Film damals im wundervollem 4 Disc Mediabook von damals noch Koch Films zu einem noch recht gutem Kurs gekauft, es war natürlich gebraucht und der absolute Worst Case ist leider eingetroffen, so ca. nach 50 Minuten des Films fing er an zu haken und als ich dann die Disc aus meinem Player holte sah ich auch schon den Übeltäter, es war ein dünner aber leider recht langer Krazer auf der Disc drauf. Also musste ich, da ich unmöglich warten konnte, auf die DVD Version wechseln. Zum Glück konnte ich den wunderbaren Anfang, dazu aber gleich natürlich mehr, in HD genießen. Ich werde mir aber die Keep Case VÖ von dem Film auf Blu-ray noch nachkaufen, damit ich diese Disc dann ins Mediabook packen kann. Das sollte alleine schon eine Aussage sein, wie gut ich den Film finde!

Ich habe ihn übrigens im DC geschaut. Schade das in dem 4 Disc Mediabook die KV nur auf DVD ist. Die werde ich mir natürlich auch nochmal anschauen, allerdings habe ich durch das hervorragende Making of auch schon ein paar der entfallenen Szenen nun gesehen und ich kann die Gründe von Peter Weir zumindest rationell nachempfinden. Um mir wirklich eine finale Meinung zu bilden muss ich mir den Film komplett nochmal, vielleicht dann nächstes Jahr, in der Kinofassung anschauen um zu entscheiden welche ich favorisiere.

Peter Weir ist wahrhaftig ein Meisterwerk gelungen. So unerklärbar wie die realen Ereignisse am Hanging Rock und so schön wie Anne-Louise Lambert und ihre Mitstreiterinnen. Endlich habe Picknick am Valentinstag gesehen und ich wurde in eine Geschichte gesogen, die einen absolut nicht kalt lässt.
So ging es mir diesen Valentinstag dann auch. Die erste halbe Stunde alleine schon ist so meisterlich fotografiert worden, das man aus dem Staunen nicht mehr herauskommt. Im Making Of wurde sogar erwähnt, was mir beim Anschauen nicht wirklich bewusst war, ich aber danach sofort Bilder im Kopf hatte, das diese Art der Inszenierung nach Veröffentlichung des Films jahrelang von der Werbeindustrie verwendet wurde, also der Stil kopiert wurde um auf diese Art Werbefilme zu drehen. Und wenn man sich dann die Werbungen aus den 80zigern vor Augen führt, fällt es einem doch recht schnell auf, das da wirklcih etwas dran ist, zwar nicht bei allen Werbespots aber bei einer gewissen Art eben.


Bereits bei den ersten Bildern wird klar, dass Peter Weirs Film wenig bis nichts mit einem konventionellen Krimi- oder gar Horrorfilm zu tun hat. Der esoterisch-entrückt anmutende Beginn, die gewollt altmodisch-verkitschte Inszenierung, die gleichzeitig die Prüderie der Zeit und das streng geordnete Leben im Internat perfekt wiedergibt, die Panflöten-Untermalung – das wirkt schon sehr eigen und gewöhnungsbedürftig. Mir ist gelegentlich Sofia Coppolas „The Virgin Suicides“ in den Sinn gekommen. Obwohl man die beiden Filme nur schwer miteinander vergleichen kann - die Stimmung ist ähnlich. Doch mit welcher Art Film haben wir es nun zu tun? Ich würde sagen: Mit einem Mystery-Drama, dass den mysteriösen Teil der Geschichte komplett der Vorstellungskraft des Zuschauers überlässt. Wenn man es genau nimmt, nicht nur den mysteriösen Part, sondern die ganze Geschichte. Diverse Handlungsstränge werden nicht aufgeklärt bwz. überhaupt nicht mehr weitergesponnen. Die Ermittlungen der Polizei werden zwar gezeigt, die bleiben aber genauso erfolglos wie der Zuschauer, der hinter das Geheimnis des Verschwindens der Mächen zu kommen versucht. Wer Filme mit offenem Ende nicht mag, sollte um „Picknick am Valentinstag“ einen weiten Bogen machen. Doch gerade die offene Geschichte und die ungewöhnliche Inszenierung (die Panflöte kann schon an den Nerven zerren) machen den Reiz dieses seltsamen Filmes aus, den man höchstwahrscheinlich nur lieben oder hassen kann. Ich tendiere zu ersterem, bin mir aber gar nicht so sicher, weshalb.

Auch wenn ich Filme empfohlen bekomme versuche ich immer recht unvoreingenommen an einen Film heranzugehen und ich erlaube mir dann auch Kritik, falls der von der tippgebenden Person empfohlene Film mir doch nicht so gefällt wie erhofft, das ich dies dann ehrlich sagen würde. Aber als ich schon diese ersten Bilder von Picknick am Valentinstag sah war mir zum einen klar, das mir der Film gefalen wird, aber auch, das es etwas ist was man schwer in eine Schublade packen würde. Nach Sichtung des Making Of´s, dazu später noch mehr, würde ich ihn aber eher als Drama einordnen da die Krimielemente aus meiner Sicht nur Beiwerk und verschwindend gering sind und Horrer sehe ich hier auch nicht. Aber ich glaube, das wolltest Du damit ausdrücken, alleine deshalb der Film bei einigen schon einen schweren Stand hat, da man ihm nicht klar einem Genre zu ordnen kann oder sagen kann der Film ist so wie....

Nachdem ich den Film mal in meiner Jugend im TV sah und er mich damals bereits nachhaltig beeindruckte, gab's gestern ein Wiedersehen auf der heimischen Leinwand.
Für solche Aussagen beneide ich Leute. Unabhängig das ich ihn nicht zur Entstehungzeit in meiner Jugend sehen hätte können, bezweifele ich das der Film, hätte ich ihn mit 15 oder 16 gesehen, mir in guter Erinnerung geblieben wäre. Damals war mein Filmgeschmack noch ein ganz anderer und ich war leider jemand von der Fraktion der sich nur Filme aus Hollywood angeschaut hatte und dieser Film dadurch absolut nicht in meinem Fokus gewersen wäre. Natürlich hatte ich auch damals schon Filme geschaut die ich auch heute noch mag, aber auch einige Filme die ich heute nicht mehr anschauen könnte bzw. sie mich nicht mehr abholen würden. Daher bin ich mittlerweile sogar froh das ich manche Filme erst später entdecke, damit ich ihren wahren Wert zu schätzen weiß.

Meisterwerk!
Ein Lehrstück, welches beweist, daß man nicht so oft auf andere Wertungen hören sollte.
Daher kann ich mich diesen Worten absolut anschließen!

Miesen Bewertungen von Bekannten und Freunden zufolge, ließ ich den Film dann links liegen. Ein Schnarchzapfen wäre es. Stinkend langweilig. Okay, ich war sehr jung und die "Rezensenten" ebenfalls. Allerdings merkte ich irgendwann, daß wir geschmacklich völlig differente Wege gingen. Während sie noch Chuck Norris, Steven Seagal und van Damme feierten, war ich mit völlig anderen Filmen beschäftigt.
So geht es mir leider heute wenn ich im Netz die "Lobeshymnen" zu machen Filme lese und mir denke, haben die wirklcih den selben Film gesehen wie ich. Zum Glück kenne ich dank dieses Forums, aber auch mittlerweile durch ein paar feine Facebook Gruppen, Leute die nicht nur meinen Filmgeschmack teilen, sondern mich auch immer wieder neue Filme aufmerksam machen, welche ich sonst wahrscheinlich nur über sehr große Umwege eventuell gefunden hätte. Hinzu kommt natürlich noch der deutsche Verleihtitel, der selbst wenn er mir irgendwo über den Weg gelaufen wäre, ich eher an einen Liebesfilm gedacht hätte. Einzig der Name Peter Weir hätte dann wohl mein Interesse geweckt.

Der Film ist sehr schön fotografiert. Die Bilder erinnern stellenweise an die Handschrift/Optik eines David Hamilton, dessen "Bilitis" aber erst später herauskam. Das schwüle, heiße Klima wird sehr gut spürbar.
Auch hier erfährt man im Making Of das neben der tollen Regie Arbeit von Peter Weir der Kameramann Russell Boyd maßgeblich an der Optik beteiligt war und desen künstlerisches Talent, anders kann man es nicht nennen, da wirklcih ein wichtiger Bestandteil war. Er erzählte z.B. davon das er, um diesen Look beim Picknick hinzubekommen, er extra in einen Brautmodeladen ging um nach einem geigneten Brautschleier zu suchen, den er dann über das Objektiv legen konnte. Oder er war es auch der Peter Weir davon überzeugte das die Szenen in den ersten 35 Minuten am Hanging Rock von den natürlichen Lichtverhältnissen nur zwischen 12:00 Uhr und 13:30 Uhr passend wären. So wurde die Szene, für die Ursprünglich nur ein Drehtag eingeplannt war, deutlich aufwendiger da sie an verschiedenen Tagen der Produktion immer wieder in diesem Zeitfenster dort drehen mussten, damit es später im Film einheitlich aussieht.

Und genau sowas macht für mich den riesen Unterschied zwischen solchen Filmen und vielen heutigen Produktionen. Heute würde der Film, Gott bewahre es gäbe ein Remake, weder an originalen Drehorten gedreht und auch solche Details müssen nicht mehr beachtet werden, da man, dank CGI Lichtverhältnisse künstlich erzeugen kann. Aber macht es einen Film besser, nein! Im Gegenteil es macht Filme schlechter. Früher waren die Leute noch gezwungen kreativer zu sein. Man hatte noch Visionen die es dann galt mit Kreativität filmisch umzusetzen. Heute schreibt ihrgend ein Depp ins Drehbuch der Himmel ist violett, die Erde rot und das Wasser grün und den Rest regelt CGI. Einerseits ist es, zumindest war es das ein paar Jahrzente für mich während meiner Filmleidenschaft, beindruckend solche Effekte im Film zu sehen, mittlerweile langweilen und nerven sie mich eher. Ich ziehe jeden handgemachten Effekt bzw. die Nutzung von Modellen vor. Und das Beste daran ist, die meisten Sachen sehen dadruch auch besser aus! Ich meine der Film ist nun 51 Jahre alt, aber dadurch das es da noch keine CGI, keinen Greenscreen oder sonstiges gab, sieht er immer noch genauso gut aus wie damals. Und man stelle sich das nur mal vor, alle Vögel die dort auf Film geband wurden, existieren wirklich! Heutzutage kaum vorstellbar!

Diese bedrohliche Wirkung wird durch einen entsprechenden Soundtrack untermauert. In diesen Momenten ist es nicht die Panflöten-Musik von Gheorge Zamfir, die mich im Übrigen ansonsten nicht störte - im Gegenteil ich fand sie sehr passend.
Auch auf die Gefahr hin das ich mich wiederhole, auch hier fand ich die Ausführung des Filmkomponisten Bruce Smeaton im Making Of sehr interessant und aufschlussreich. Gerade dieser Wechsel in der Musik erzeugt hier eine sehr bedrohliche Atmosphäre obwohl im Grunde nichts passiert leidet man hier körperlich mit. So ging es mir jedenfalls.

Ansonsten hatte ich die traurige Story von Sara und ihrem Bruder Albert überhaupt nicht mehr auf dem Schirm. Definitiv ein Film, den man immer wieder schauen kann. Ich würde inzwischen noch 'ne Note raufgehen und wäre damit bei einer 9,5.
Das war dann ja auch mit ein Grund warum Peter Weir den DC erstellte, da er diese Story dadurch etwas mehr in den Vordergrund stellen wollte. Da ich die Kinoversion noch nicht kenne kann ich den Unterschied nur erahnen. Aber auch Sara war ein Charakter im Film der mich sehr berührt hat!

Betörend sind vor Allem die ersten 35 Minuten. Eine Hypnose, die durch eine Melange aus Sinnlichkeit, Poesie, Licht, Musik und Geräuschen entsteht. Im Zentrum die Darstellerin Anne-Louise Lambert, die mit ihrer engelsgleichen Leinwandpräsenz und ihrer schwebenden Aura, den Zuschauer willenlos in das Vulkangestein des "Hanging Rock" folgen lässt. Ein Botticelli-Engel eben
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Auch hier ist es für mich wieder unvorstellbar das diese Frau keinem anderen bekannten Regisseur oder Produzenten aufgefallen ist. Mit dieser Leinwandpräsenz hätte sie Ende der 70ziger bzw. Anfang der 80er eine ganz große Karriere bekommen können. Und wie man im Making Of erfahren hat, war Anne privat damals komplett anders, viel schüchterner nach eigenen Aussagen, als Mirander, also war sie auch eine sehr gute Darstellerin. Das sind so diese Momente der Filmgeschichte die ich nicht verstehe.

Dafür müssen aber alle Antennen empfangsbereit sein. Nebenbei schauen funktioniert nicht. Man sollte sich wie ein Teil des Geheimnisses in den Film hinein fühlen.
Das sollten sich viele Leute mittlerweile verinnerlichen. Wenn ich zuhause Filme schaue schalte ich mein Handy in den Flugmodus, sofern Frau und Kind zuhause sind. Falls nicht zumindest auf Lautlos, dann wird es aber bewusst weiter weg platziert das ich nur durch die Vibration dann bemerke wenn ein Anruf reinkommt der wichtig sein könnte. Aber dieses ständige auf Handy schauen während man einen Film schaut, nervt mich total. Im Kino bekomme ich es ja immer wieder mit. Ich glaube spätestens in 40 Jahren hat sich das Thema Film, so wie wir es kennen und lieben, ohnehin erledigt weil niemand mehr in der Lage sein wird sich auch nur annähernd so lange sich auf nur eine Sache zu konzentrieren. Wie oft ich es erlebe das Leute im Kino alles mögliche Machen, nur nicht auf den Film sich konzentrieren und dann am Ende sogar noch sagen "Was für ein blöder Film" ist unfassbar. Erst neulich wieder ein junges Paar - so um die 20 - erlebt die mich tierisch genervt haben. Frisch verliebt ist eines, aber wenn man dann die Hälfte des Filmes sich Liebesschwüre zuflüstert, bei jedem Griff in die Nachos und in das Popkorn dieses miteinander teilen muss, teilweise die Sitzpostion so eng und innig war das man sicherlich nur noch durch die Lücke der forderen Sitze etwas sah und dann noch als Krönung nach ca. einer Stunde der Saal verlassen wurde, frage ich mich ernsthaft warum man dann ins Kino geht. Sicherlich hat glaub ich jeder hier schonmal in seiner Jugend ein Kinodate gehabt oder ist mit seiner Partnerin in Filme gegangen. Aber es gibt glaube ich bessere Möglichkeiten um intimitäten auszutauschen als im Kino. Und wenn man dann noch bedenkt das man heute für ein Kinodate inkl. Getränke und Knabberkram bei gut 50 Euro ist, würde ich vieles tun, aber bestimmt nicht vorher den Kinosaal verlassen. Nur im äußersten Notfall. Bei dem Film währen sie sicherlich schon nach 20 Minuten rausgegangen :nice:


Das erst spät veröffentlichte Ende des Buches halte ich ebenfalls für eine Katastrophe. Das wirkt wie ein sinnfreies, in Erklärungsnot geratenes Gedankenspiel. :runter: Der Film ist so wie er ist absolut perfekt. Da möchte ich keine Szene anders haben. Die gesamte Abfolge am "Hanging rock" ist für mich die absolute Krönung!
Ich gehe absolut mit Dir, das Ende im Buch hätte ich auch in der Verfilmung von Peter Weir als grauenvoll empfunden. Zum Glück war zu dem Zeitpunkt als der Film gedreht wurde, das Romanende noch nicht bekannt. Aber jetzt kommt das große Aber. Ich bin so verfahren, wie ich bei Mediabooks immer verfahre. Ich habe den Film gesehen, habe danach den Buchanteil gelesen und habe mich danach auf das Bonus Material gestürzt. Das dort enthaltene Making Of war wirklich hervorragend und mit einer Laufzeit von knapp 2 Stunden auch nochmal absolut abendfüllend gewesen! Durch den Buchanteil vom Mediabook war das Romanende, welches ja erst nach dem Tod der Autorin Joan Lindsay veröffentlicht wurde, zumindest grob zusammengefasst, was sicherlich im dem Kapitel 18 des Romans noch viel ausführlicher beschrieben wurde. Bei dem Lesen dieses Endes kam mir sofort ein Gedanke. Ohne das Making Of gesehen zu haben kam mir der Gedanke, was wäre wenn die beiden verschwundenen Mädchen damals doch gefunden wurden und mit Ihnen so etwas grausames passiert ist wie z.B. ein grausamer Mord mit Misshandlung/Vergewaltigung, das die Polizei es verheimlicht hat das sie die Mädchen doch gefunden hat und alle im glauben ließen sie wären mysteriös verschollen. Das wäre für mich, gerade im Kontext das dies um 1900 passiert sein soll, eine durchaus plausible Erklärung da zu dem Zeitpunkt sicherlich solche Gräueltaten noch nicht so an der Tagesordnung waren wie heutzutage, erst recht nicht bei so jungen Mädchen. Mit dieser Theorie bin ich ins Making Of gestartet. Aber dann kam ein Punkt, noch bevor dann zum Ende hin mehr oder weniger von allen aus der Produktion bestätigt wurde das diese Ereignisse rund um Hanging Rock eher als Mhytos oder teilweise fiktional von Joan Lindsay zu verstehen sind, der mich auf eine andere Idee brachte, welche dann später im Making Of auch indirekt im Bereich des möglichen dargestellt wurde. Hier bin ich, gerade von denen die auch das Making Of gesehen haben, sehr gespannt was sie davon halten. Im Making Of erwähnte Anne-Louise Lambert das an dem Tag als Joan Lindsay das Set besuchte, das sie sie sehr herzlich in den Arm genommen hat, gerade zu innig und sie auch nicht mit ihrem richtigen Namen angesprochen hat, sondern mit Miranda und ich habe mir leider nicht den genauen Wortlaut gemerkt, aber sinngemäß war es so was wie "Endlich sehe ich Dich wieder Miranda". Also kam mir da sofort der Gedanke, was wäre wenn Joan Lindsay damals als junges Mädchen eine Miranda kannte, sie auch, genauso wie Sara in der Geschichte, sie total verliebt in diese Miranda war und ihr etwas sehr schlimmes, unausprechliches passiert ist und sie gestorben ist. Das würde dann für mich auch dieses sehr mystische Romanende erklären und das Joan Lindsay auch nicht wollte, das dieses Ende zu ihren Lebzeiten veröffentlicht wurde. Vielleicht war es für sie eine Art der Traumaverarbeitung, das in ihrer Fantasie besagte Miranda lieber so die Welt verlassen hat, ihre physische Form verloren hat als das zu akzeptieren was wirklich passiert ist. Zum Schluss im Making Of wurde ja sogar erwähnt das Joan Lindsay sogar selbst wohl auf einer Art Mädchenschule war. Das hat mir dann persönlich den Rest gegeben um an diese Theorie zu glauben. Aber egal ob es stimmt oder nicht, ich unterstützte die Entscheidung von Peter Weir absolut das er es auch bei diesem offenen Ende belassen hat und sogar nicht noch ein Happy End hinzugefügt hätte. Sicherlich war bzw. ist der Film dadruch schwer verdaulicher und für viele danach dann auch zur großen Entäuschung geworden, aber ich mag es wenn Leute andere Wege gehen und so bleiben einem solche Filme auch viel Länger im Gedächtnis.
 

2moulins

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Freut mich, dass Dir der Film auch so gut gefallen hat, Tarantino1980, und dass Du Dich so intensiv damit befasst hast. Du hast Dir einen guten Termin dafür ausgesucht. :hoch:

Was den Film auch auszeichnet, ist die Tatsache, dass er bei einer Erstsichtung 51 Jahre nach der Entstehung immer noch so gut ankommt. Für mich sind solche Entdeckungen alter, bislang ungesehener Filme immer mal wieder Highlights beim Ausleben unseres gemeinsamen Hobbies.

Im Übrigen sollte ich den Film bald auch nochmal in den Player werfen. :)
 
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