Aus einem deutschen Leben
Wer "
The Zone of Interest" gesehen hat und interessant fand, kann sich selbstverständlich auch mit "Aus einem deutschen Leben" beschäftigen. Schließlich handelt es sich um die gleiche Person: Rudolf Höß. Allerdings heißt er im Film Franz Lang, was wiederum sein Name nach dem zweiten Weltkrieg war, mit dem er untergetaucht ist. Anders als im Film von Jonathan Glazer, begleiten wir hier aber die verschiedenen Stationen seines Lebens und steigen bei ihm als 16-jährigen ein. Was beide Filme aber definitiv gemeinsam haben, ist der Ansatz dem Zuschauer nichts zu erklären. Tatsächlich sollte man sich mit der Thematik ein wenig auskennen, sonst wird man nicht so tief in sein Leben eintauchen können. Die Entwicklung der Person Höß kann man zwar trotzdem gut nachvollziehen, aber wenn man das politische Umfeld in der Weimarer Republik kaum kennt, wird man möglicherweise nicht alle Handlungen greifen können. Zumindest in der ersten Hälfte.
Der Film konzentriert sich aber darauf, was für eine Art Mensch dazu in der Lage war und das macht er hervorragend, in dem er auch die Entwicklung zeigt. Dazu spielt Götz George die Figur absolut sehenswert. Lobend erwähnen muss ich auch Hans Korte als Himmler, der ihn phasenweise wirklich gut trifft.
Interessant ist auch die Erzählweise, die sein Leben in 14 Kapitel unterteilt und in Texttafeln kurz die jeweils folgende Station erläutert. Das Fehlen von Hintergrundmusik passte ebenfalls hervorragend zum Film und was er bezweckte. Inhaltlich muss man natürlich ein wenig aufpassen, da sich die Handlung weitestgehend auf die Verhörprotokolle und seine eigene Biographie stützt, aber Vieles davon ist auch durch Zeugen gestützt, während andere Dinge in seinem frühen Werdegang nicht belegt sind und in einigen Fällen lediglich auf seinen Aussagen beruhen. Wenn man sich für Rudolf Höß interessiert, ist der Film unverzichtbar, da er wirklich hervorragend beleuchtet, welche Art Mensch fähig war, Auschwitz zu leiten. Kein Sadist, sondern ein höriger Befehlsempfänger, der dies eben als seine ihm zugewiesene Aufgabe ansah, mit der einzigen Motivation ausgestattet, seine erhaltenen Befehle bestmöglich für seine Vorgesetzten umzusetzen. Der Wahnsinn, welche Arten von Menschen es gibt.