Das Mädchen Rosemarie

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Das Mädchen Rosemarie

Einer der bekanntesten Mordfälle der jüngeren deutschen Kriminalgeschichte: Rosemarie Nitribitt
Die sagenumwobene junge Frau war in den 50ern eine bekannte Prostituierte, die wohl viele Kunden aus der Hochfinanz und der Politik hatte und irgendwann zwischen dem 29.Oktober und dem 1.November 1953 in ihrer Wohnung ermordet wurde. Die Tat wurde nie aufgeklärt. Es gab nur eine Menge Gerüchte, Fahndungen, die ins nichts führten und eine ganze Menge Geheimnisse. Genauso mysteriös wie ihr Tod ist auch das Verschwinden ihres schwarzen Mercedes 190 SL mit roten Ledersitzen. Der letzte angebliche Besitzer des Fahrzeugs war Karl Lagerfeld, was aber letztlich nicht geklärt ist. In jedem Fall liefert ihre Geschichte eine Menge Möglichkeiten, um sich damit zu beschäftigen, weshalb es bis heute Bücher, Filme, Dokumentationen und auch wiederkehrende Anspielungen und Hommagen in weiteren Publikationen gibt. In Frankfurt selbst gibt es sogar "Nitribitt-Führungen" und auch das Haus in der Stiftstraße 34 -36 steht unter Denkmalschutz und wird nur als Nitribitt-Haus bezeichnet.


Der Film von 1958 griff das Thema, des erst 1 Jahr zurückliegenden Mordfalls auf, was natürlich einen anrüchigen Beigeschmack besitzt, da zu dem Zeitpunkt die Ermittlungen noch liefen. Deshalb wird der echte Fall eher mit einem satirischen Augenzwinkern auf Macht und Geld beleuchtet, was aber selbstverständlich kaum Fakten liefert bzw. liefern kann. Für mich persönlich natürlich zwiespältig, sich auf Kosten eines Mordopfers eine volle Kinokasse zu besorgen, denn die Kinos waren tatsächlich rappelvoll. Auf der anderen Seite wurde dadurch der Fall natürlich legendär und trug zur Legendenbildung bei. Davon abgesehen ist er wirklich gelungen. Rosemarie Nitribitt wird von Nadja Tiller verkörpert und dies gelang ihr deutlich besser als noch beim "Lulu" Remake. Ihr Auftreten und ihr Charisma führt den Zuschauer durch den Film und ist damit auch der Sympathieträger. Dennoch sind alle anderen Rollen ebenfalls glänzend besetzt. Der einzigartige Gert Fröbe ist einfach wieder nur phänomenal. Aber mit Mario Adorf, Karin Baal, Horst Frank, Helen Vita, Peter van Eyck und vielen weiteren, ist der Film insgesamt prachtvoll besetzt. Regisseur Rolf Thiele beweist das richtige Geschick für Tempo und ihm gelingt es auch im letzten Drittel von der Satire weg, in Richtung Tragik zu leiten, was er tatsächlich subtil und nuanciert erreicht und somit auch ein wenig Achtung für die Realität zeigt. Wenn man ihn von Dieser losgelöst betrachtet, ist es einfach ein toller Film aber durch die zeitliche Nähe und der damit geringen Pietät bleibt eben auch ein fader Beigeschmack.
 
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