Der Mann, der lacht

deadlyfriend

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Der Mann, der lacht

Als Kind wird dem jungen Gwynplaine das Gesicht entstellt, weshalb er fortan mit einem ungewollten Dauergrinsen ausgestattet ist. In einer traurigen Nacht findet er eine Frauenleiche, die ein noch lebendiges Baby im Arm hält, welches er mitnimmt und schließlich hilfesuchend bei dem Philosophen und Gaukler Ursus unterkommt. Dieser nimmt die beiden bei sich auf. Aus dem Baby wird die schöne, aber blinde Dea und mit Gwynplaine zusammen, sind sie die Stars der Gauklertruppe, da jeder den Mann, der lacht sehen will. Gwynplaine umgibt aber noch ein anderes Geheimnis. Er ist adliger Abstammung, was bei Hof bekannt wird, und dort beginnt man Intrigen zu spinnen.

Der viel zu früh verstorbene Regisseur Paul Leni adaptierte den Roman von Victor Hugo, den er im Jahr 1869 schrieb. Dabei erschuf er eine Figur, die knapp 100 Jahre später immer noch die Filmwelt prägt: Den Joker! Das Batman-Universum nimmt nämlich komplett Bezug auf die äußere Gestalt von Gwynplaine und selbst Brian De Palma hat den Film in „The Black Dahlia“ wiederbelebt. Da der Film oftmals nur auf diesen Umstand reduziert wird, belasse ich es auch an dieser Stelle, denn der Film hat noch so viel mehr zu bieten. Die Figur ist unendlich traurig gezeichnet und seine Liebe zu Dea einfach nur wunderschön, weshalb der Film eine magische Poesie besitzt. Was Conrad Veidt aber in der Rolle als Gwynplaine rausholt, ist einfach abartig. Da sein Mund durchgehend entstellt ist, kann er den nur sehr eingeschränkt für Gestik benutzen. Er macht alles mit seinen Augen und das ist pure Kino-Magie. Während er lacht, erkennt man sofort, wie todunglücklich er im Innern ist. Das erinnert mich an eine Textzeile von Klangstabil aus dem Track „Lauf, lauf“: „Keiner weiß, dass du weinst, wenn du lachst“. Die blinde Dea wird ebenfalls wundervoll von Mary Philbin verkörpert und denen Beiden wünscht man einfach nur alles Glück der Welt.

Der Film atmet natürlich noch den deutschen Expressionismus und glänzt immer wieder mit wirkungsvollen, düsteren Bildern. Die Atmosphäre ist märchenhaft und auch die Musik ist absolut wundervoll und passt hervorragend zum Film. Das Finale ist wirklich spannend, da man nicht weiß wie die Geschichte ausgehen wird und ich bin sehr froh, dass man nicht das Ende aus dem Buch übernommen hat und eigene Wege beschritt. Der Film ist für mich ein Meilenstein des Kinos und Filmfans bzw. Fans des „Joker“ sollten ihn sehen, damit sie wissen, wo der eigentlich herkommt. 10 Punkte oder anders ausgedrückt: Meisterwerk!
 

2moulins

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Schöne Rezension zu einem Film, den ich auch sehr sehenswert fand. :hoch:
 

Die wilde 13

Storyboard
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Habe das MB noch ungesehen hier. Wird aber auf jeden Fall baldmöglichst gesichtet und nach der KK erst recht!
 

deadlyfriend

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Tarantino1980

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Ich habe ihn ja nun auch endlich in der Sammlung. Aus Angst mich zu spoilern hoffe ich das mir die Frage hier schnell beantwortet werden kann. Wo genau liegt der Unterschied zwischen der Deutschen Fassung und der Originalen Fassung? Welche ist empfehlenswerter?
 

deadlyfriend

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Ich habe ihn ja nun auch endlich in der Sammlung. Aus Angst mich zu spoilern hoffe ich das mir die Frage hier schnell beantwortet werden kann. Wo genau liegt der Unterschied zwischen der Deutschen Fassung und der Originalen Fassung? Welche ist empfehlenswerter?
In der deutschen Fassung, hat Wicked die verschollenen deutschsprachigen Texttafeln mühselig rekonstruiert. Deshalb habe ich die bevorzugt. Ansonsten könnte ich mich jetzt nicht an Unterschiede erinnern.
 

deadlyfriend

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Habe das MB noch ungesehen hier. Wird aber auf jeden Fall baldmöglichst gesichtet und nach der KK erst recht!

Ah super danke. Dann weiß ich Bescheid. Dann freue ich mich schon auf die Sichtung

Da ich gerade wieder "Black Dahlia" von Brian De Palma gesehen habe, der natürlich mit "Der Mann, der lacht" in Verbindung steht, hatte ich auch diesen Thread nochmal gelesen. Hattet ihr euch den Film denn eigentlich angeschaut?
 

Tarantino1980

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Da ich gerade wieder "Black Dahlia" von Brian De Palma gesehen habe, der natürlich mit "Der Mann, der lacht" in Verbindung steht, hatte ich auch diesen Thread nochmal gelesen. Hattet ihr euch den Film denn eigentlich angeschaut?
Nein leider noch nicht. Er steht in meiner Sammlung aber leider noch nicht gesichtet.
 

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Nein leider noch nicht. Er steht in meiner Sammlung aber leider noch nicht gesichtet.

Zum Glück habe ich dies nun geändert und habe mir dieses Meisterwerk angesehen! Mein Dank geht an Wicked Vision die diesen Film wirklich in einer tollen restaurierten Fassung auf den deutschen Markt gebracht hat. Kaum zu glauben das der Film fast 100 Jahre alt ist. Das sind dann wirklich die Moment wo ich unendlich dankbar bin das solche Filme nicht verschollen gegangen sind und es auch nach so langer Zeit Leute gibt die solche Filme zu würdigen wissen und sie mit aktuellen technischen Standardts restaurieren und sie so für die Nachwelt archivieren!

Ich weiß noch sehr genau das ich, als ich mir das Mediabook in die Sammlung stellen wollte, etwas enttäuscht war das ich Cover E nicht mehr zu einem vernünftigen Preis bekommen konnte und hatte mich, weil es Cover D noch zum VÖ Preis gab, für dieses Cover entscheiden. Damals, ohne den Film zu kennen, war ich etwas enttäuscht. Jetzt wo ich den Film gesehen habe bin ich wahnsinnig froh darüber ihn genau mit diesem Cover in der Sammlung zu haben, weil es viel besser zum Film passt!



Der viel zu früh verstorbene Regisseur Paul Leni adaptierte den Roman von Victor Hugo, den er im Jahr 1869 schrieb. Dabei erschuf er eine Figur, die knapp 100 Jahre später immer noch die Filmwelt prägt: Den Joker! Das Batman-Universum nimmt nämlich komplett Bezug auf die äußere Gestalt von Gwynplaine und selbst Brian De Palma hat den Film in „The Black Dahlia“ wiederbelebt. Da der Film oftmals nur auf diesen Umstand reduziert wird, belasse ich es auch an dieser Stelle, denn der Film hat noch so viel mehr zu bieten.
Das hast Du wirklich sehr gut beschrieben deadly. Ich muss zu meiner Schande gestehen das der Film auch nur durch den Umstand, das eben die Figur Joker durch diesen Film bzw. die Figur Gwnplaine inspiriert wurde, in meinen Fokus gerückt ist. Aber den Film darauf zu reduzieren ist wirklich dem Film gegenüber nicht fair, da er wirklich genial ist und definitiv mehr zu bieten hat!


Die Figur ist unendlich traurig gezeichnet und seine Liebe zu Dea einfach nur wunderschön, weshalb der Film eine magische Poesie besitzt.
Auch sehr schön in Worte gefasst. Die Figur von Gwnplaine ist so tragisch und trotz seines Schicksals hat er zum Glück in Ursus einen tollen Zievater gefunden und in Dea eine wunderschöne liebenswerte Frau die ihn so liebt wie er ist und seine wahre Schönheit erkannt hat. Es war einfach wunderbar diese Liebe zu beobachten.

Was Conrad Veidt aber in der Rolle als Gwynplaine rausholt, ist einfach abartig. Da sein Mund durchgehend entstellt ist, kann er den nur sehr eingeschränkt für Gestik benutzen. Er macht alles mit seinen Augen und das ist pure Kino-Magie. Während er lacht, erkennt man sofort, wie todunglücklich er im Innern ist.
Das Spiel von Conrad Veidt ist wirklich sehr beeindruckend gewesen. Er hat hier wirklich eine tolle Performance abgeliefert die mich zu tiefest bewegt hat.

Die blinde Dea wird ebenfalls wundervoll von Mary Philbin verkörpert und denen Beiden wünscht man einfach nur alles Glück der Welt.
Dem stimme ich auch sehr gerne zu. Mary Philbin war nicht nur wunderschön, sondern hat auch mit ihrer Mimik toll gespielt. Schade das sie auch zu den Stummfilmdarstellerinnen gehörte, die mit dem Einzug des Tonfilms arbeitslos wurde. Da sie in dem Film erst 25 Jahre alt war, hätte sie noch viele gute Jahre vor sich gehabt. Sie ist zwar erst 1993 gestorben, hat aber seit 1930 keinen Film mehr gedreht. Sehr schade. Aber zumindest wieder eine neue Baustelle, da ich durch sie, aber eben auch durch das Booklet zum Film nochmal mehr neugierig auf den 1925 erschienen Das Phantom der Oper bin und im selben Atemzug dann wohl auch endlich Der Glöckner von Notre Dame aus dem Jahr 1923 in meine Sammlung wandern muss. Letztgenannter zwar nicht wegen Mary Philbin aber eben wegen Victor Hugo. Ich muss mich da nur noch etwas umschauen in welcher Edition ich mir beide Filme besorge.

Der Film atmet natürlich noch den deutschen Expressionismus und glänzt immer wieder mit wirkungsvollen, düsteren Bildern. Die Atmosphäre ist märchenhaft und auch die Musik ist absolut wundervoll und passt hervorragend zum Film.
Welche Tonspur hattest Du hier gewählt. Ich muss gestehen das ich mich auf Grund der Stereo Tonspur für die
Berklee Silent Film Orchestra (2018) Spur entschieden habe, aber nach Sichtung des Bonusmaterials bzw. nachdem ich das Booklet gelesen habe, habe ich es etwas bereut nicht zum Original Movieton (1928) gewechselt zu haben. Ich fand zwar die Orchestra Untermalung sehr gut, aber ich glaube stimmer wäre es in der anderen Variante gewesen. Aber der Film wird mit Sicherheit nicht das letzte Mal im Player gewesen sein. Ich hoffe nur das ich dann, wenn es in ein paar Jahren soweit ist, mich daran erinnere auf die andere Tonspur zu wechseln.

Das Finale ist wirklich spannend, da man nicht weiß wie die Geschichte ausgehen wird und ich bin sehr froh, dass man nicht das Ende aus dem Buch übernommen hat und eigene Wege beschritt. Der Film ist für mich ein Meilenstein des Kinos und Filmfans bzw. Fans des „Joker“ sollten ihn sehen, damit sie wissen, wo der eigentlich herkommt. 10 Punkte oder anders ausgedrückt: Meisterwerk!
Da ich den Roman von Victor Hugo nicht kenne habe ich natürlich auch mitgefiebert und hatte tatsächlich schon mit dem schlimmsten gerechnet. Schön das man sich für den Film auf ein Happy End hat eingelassen, was ich einfach viel besser zu der Geschichte finde, als das düstere Ende welches Hugo in seinem Buch verfasst hat. Bei der Bewertung bin ich auch absolut bei Dir!

Mich hat auch das Setdesign total umgehauen! Man muss sich bei solchen Filmen immer die Entstehungszeit vor Augen halten und da wurden Karusells gezeigt, bauten von Häusern, aber auch sehr tolle Innensets. Und alles ohne CGI! Das sieht man den Filmen einfach an das sie handwerklich perfekt gemacht worden sind und man, obwohl es Studioaufnahmen sind, das Gefühl von Außenaufnahmen hat. Ganz toll gemacht. Auch als man den kleinen Gwnplaine zu Anfang sah und er ein noch namenloses Baby aus den Armen der toten Mutter rettete, ohne zu Wissen das es später seine große Liebe Dea ist, das war auch toll inszeniert, aber eben auch das Setdesign so düster. Klasse!
 

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Zum Glück habe ich dies nun geändert und habe mir dieses Meisterwerk angesehen!
Das freut mich sehr, dass Du letztendlich doch noch ins Regal gegriffen hast. Den muss man einfach gesehen haben.
Ich weiß noch sehr genau das ich, als ich mir das Mediabook in die Sammlung stellen wollte, etwas enttäuscht war das ich Cover E nicht mehr zu einem vernünftigen Preis bekommen konnte und hatte mich, weil es Cover D noch zum VÖ Preis gab, für dieses Cover entscheiden. Damals, ohne den Film zu kennen, war ich etwas enttäuscht. Jetzt wo ich den Film gesehen habe bin ich wahnsinnig froh darüber ihn genau mit diesem Cover in der Sammlung zu haben, weil es viel besser zum Film passt!
Ich hatte Cover E damals geholt und mag es ebenfalls sehr.
Das hast Du wirklich sehr gut beschrieben deadly. Ich muss zu meiner Schande gestehen das der Film auch nur durch den Umstand, das eben die Figur Joker durch diesen Film bzw. die Figur Gwnplaine inspiriert wurde, in meinen Fokus gerückt ist. Aber den Film darauf zu reduzieren ist wirklich dem Film gegenüber nicht fair, da er wirklich genial ist und definitiv mehr zu bieten hat!
Ich hatte ihn ja nochmal parallel zu Hitchcock ausgepackt als ich mich in seiner Stummfilmzeit auch mit seinen Vorbildern befasst hatte.
Auch sehr schön in Worte gefasst. Die Figur von Gwnplaine ist so tragisch und trotz seines Schicksals hat er zum Glück in Ursus einen tollen Zievater gefunden und in Dea eine wunderschöne liebenswerte Frau die ihn so liebt wie er ist und seine wahre Schönheit erkannt hat. Es war einfach wunderbar diese Liebe zu beobachten.
Genauso empfand ich das auch.
Das Spiel von Conrad Veidt ist wirklich sehr beeindruckend gewesen. Er hat hier wirklich eine tolle Performance abgeliefert die mich zu tiefest bewegt hat.
Mega! Er war wirklich einfach beeindruckend. Nicht nur in dieser Rolle.
Dem stimme ich auch sehr gerne zu. Mary Philbin war nicht nur wunderschön, sondern hat auch mit ihrer Mimik toll gespielt. Schade das sie auch zu den Stummfilmdarstellerinnen gehörte, die mit dem Einzug des Tonfilms arbeitslos wurde.
Da fällt mir natürlich immer wieder sofort "Sunset Boulevard" ein, der diese Tragik unglaublich tiefgehend beleuchtete.
Da sie in dem Film erst 25 Jahre alt war, hätte sie noch viele gute Jahre vor sich gehabt. Sie ist zwar erst 1993 gestorben, hat aber seit 1930 keinen Film mehr gedreht. Sehr schade. Aber zumindest wieder eine neue Baustelle, da ich durch sie, aber eben auch durch das Booklet zum Film nochmal mehr neugierig auf den 1925 erschienen Das Phantom der Oper bin und im selben Atemzug dann wohl auch endlich Der Glöckner von Notre Dame aus dem Jahr 1923 in meine Sammlung wandern muss. Letztgenannter zwar nicht wegen Mary Philbin aber eben wegen Victor Hugo. Ich muss mich da nur noch etwas umschauen in welcher Edition ich mir beide Filme besorge.
Ja, in dem Bereich muss ich auch noch ein wenig nachholen, obwohl ich inzwischen doch einiges habe. Da werde ich aber immer wieder mal aufstocken.
Welche Tonspur hattest Du hier gewählt. Ich muss gestehen das ich mich auf Grund der Stereo Tonspur für die
Berklee Silent Film Orchestra (2018) Spur entschieden habe, aber nach Sichtung des Bonusmaterials bzw. nachdem ich das Booklet gelesen habe, habe ich es etwas bereut nicht zum Original Movieton (1928) gewechselt zu haben. Ich fand zwar die Orchestra Untermalung sehr gut, aber ich glaube stimmer wäre es in der anderen Variante gewesen. Aber der Film wird mit Sicherheit nicht das letzte Mal im Player gewesen sein. Ich hoffe nur das ich dann, wenn es in ein paar Jahren soweit ist, mich daran erinnere auf die andere Tonspur zu wechseln.
Das kann ich Dir leider heute nicht mehr sagen. Ich vermute die Originalspur, da ich das meistens so mache, sofern nicht gerade "In the Nursery" einen Score geschrieben haben. Cailgari mit In the Nursery Score, ist einfach sensationell.
Da ich den Roman von Victor Hugo nicht kenne habe ich natürlich auch mitgefiebert und hatte tatsächlich schon mit dem schlimmsten gerechnet.
Auch weil man zu diesem Zeitpunkt der Filmgeschichte, nicht immer mit einem erwartbaren Ende planen konnte.
Schön das man sich für den Film auf ein Happy End hat eingelassen, was ich einfach viel besser zu der Geschichte finde, als das düstere Ende welches Hugo in seinem Buch verfasst hat. Bei der Bewertung bin ich auch absolut bei Dir!
Absolut! Ein negatives Ende hätte mich echt erschüttert, da einem die Geschichte wirklich ans Herz gewachsen ist. Interessant ist übrigens, dass ich mich an diesen fast 100 Jahre alten Film erinnern kann, während ich neuere Filme von vor 5 Monaten, komplett vergessen habe.
Mich hat auch das Setdesign total umgehauen! Man muss sich bei solchen Filmen immer die Entstehungszeit vor Augen halten und da wurden Karusells gezeigt, bauten von Häusern, aber auch sehr tolle Innensets. Und alles ohne CGI! Das sieht man den Filmen einfach an das sie handwerklich perfekt gemacht worden sind und man, obwohl es Studioaufnahmen sind, das Gefühl von Außenaufnahmen hat. Ganz toll gemacht. Auch als man den kleinen Gwnplaine zu Anfang sah und er ein noch namenloses Baby aus den Armen der toten Mutter rettete, ohne zu Wissen das es später seine große Liebe Dea ist, das war auch toll inszeniert, aber eben auch das Setdesign so düster. Klasse!
Komplette Zustimmung. Was Paul Leni hier erschaffen hat, ist einfach nur großartig und kann nicht hoch genug angesehen werden. Für mich ist der Film absolutes Pflichtprogramm. Historisch, aber auch vom Film selbst.
 

Tarantino1980

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Ich hatte ihn ja nochmal parallel zu Hitchcock ausgepackt als ich mich in seiner Stummfilmzeit auch mit seinen Vorbildern befasst hatte.
Ich glaube das war dann auch der Punkt wo ich mir den Film dan auf Deinen Tipp hin auch angeschafft habe. War auf jeden Fall ein sehr guter kauf.

Da fällt mir natürlich immer wieder sofort "Sunset Boulevard" ein, der diese Tragik unglaublich tiefgehend beleuchtete.
Absolut. Es kommt ja demnächst eine 4K VÖ von dem Film, die habe ich bereits vorbestellt und solange warte ich noch bis ich ihn mir wieder ansehe, aber der landet dieses Jahr auf jeden Fall mal wieder im Player!

Ja, in dem Bereich muss ich auch noch ein wenig nachholen, obwohl ich inzwischen doch einiges habe. Da werde ich aber immer wieder mal aufstocken.
Auch wenn es etwas Off Topic ist, aber ich habe hier übrigens für mich zwei schöne Editionen gefunden. Beide aus UK und eine ist sogar aufwendig von dem BFI restauriert worden. Seit Hitchcock weiß ich ja was die für eine gute Arbeit leisten! Und auch so habe ich ja noch einige ungesehene Stummfilme in der Sammlung auf die ich mich alle sehr freue!

Das kann ich Dir leider heute nicht mehr sagen. Ich vermute die Originalspur, da ich das meistens so mache, sofern nicht gerade "In the Nursery" einen Score geschrieben haben. Cailgari mit In the Nursery Score, ist einfach sensationell.
Danke auch für diesen Tipp. Das werde ich mir merken wenn der im Player landet!


Absolut! Ein negatives Ende hätte mich echt erschüttert, da einem die Geschichte wirklich ans Herz gewachsen ist. Interessant ist übrigens, dass ich mich an diesen fast 100 Jahre alten Film erinnern kann, während ich neuere Filme von vor 5 Monaten, komplett vergessen habe.
Ja so geht es mir auch häufig. Hin und wieder gibt es zum glück ein paar löbliche Ausnahmen, aber vieles was z.b. auf Netflix so in den Trendcharts ist wird wahrscheinlich nur von Leuten geschaut, eben weil dieser Film genau dort platziert ist.

Komplette Zustimmung. Was Paul Leni hier erschaffen hat, ist einfach nur großartig und kann nicht hoch genug angesehen werden. Für mich ist der Film absolutes Pflichtprogramm. Historisch, aber auch vom Film selbst.
Oh ja absolut. Aber das sehen leider nicht mehr viele Leute so. s/w Filme sind ja schon immer für einige Problematisch und wenn es dann auch noch Filme ohne Dialog sind ist es noch schwerer. Übrigens fällt mir dazu auch eine tolle Geschichte, passend dazu, von De Palma im Bonusmaterial von The Black Dalia ein. Hast Du ja sicherlich auch gesichtet. Da erwähnte er ja das er damals, als er eine Zeit lang an der Universität lehrte, seinen Filmstudenten gerne die Aufgabe auf den Weg gab, Drehbücher ohne Dialog zu schreiben und nur die Bilder und Szenen zu beschreiben. Das finde ich eine sehr gute Übung und hilft sicherlich dabei die Bildsprache in einem Film zu entwickeln, die so wichtig ist. Manchmal sagt ein Bild eben mehr als tausend Worte und es ist ja auch viel interessanter Dinge selber zu entdecken als wenn die Darsteller wie Museumsführer dich auf jedes kleinste Detail in der Szene aufmerksam machen! Ich finde jeder Filmemacher sollte sich mit Stummfilmen beschäftigen damit man dies lernt, es würde manchen glaube ich sehr gut tun.
 

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Auch wenn es etwas Off Topic ist, aber ich habe hier übrigens für mich zwei schöne Editionen gefunden. Beide aus UK und eine ist sogar aufwendig von dem BFI restauriert worden. Seit Hitchcock weiß ich ja was die für eine gute Arbeit leisten! Und auch so habe ich ja noch einige ungesehene Stummfilme in der Sammlung auf die ich mich alle sehr freue!
Bei BFI kann man nichts falsch machen.
Danke auch für diesen Tipp. Das werde ich mir merken wenn der im Player landet!
Im Player nützt es leider nicht viel. Der Score ist dort nicht enthalten. Bei Spotify gibt es dazu eine Anleitung, wie man ihn parallel zum Film startet.
Ja so geht es mir auch häufig. Hin und wieder gibt es zum glück ein paar löbliche Ausnahmen, aber vieles was z.b. auf Netflix so in den Trendcharts ist wird wahrscheinlich nur von Leuten geschaut, eben weil dieser Film genau dort platziert ist.
Netflix habe ich aktuell nicht. Was sich mir wissentlich eingebrannt hat, war "The Menu". Das ist inzwischen länger her, aber den fand ich so sensationell, dass ich ihn noch parat habe. Inzwischen ein seltener Umstand, was aber bedeutet, dass es weniger an mir, sondern eher an den Filmen liegt.
Oh ja absolut. Aber das sehen leider nicht mehr viele Leute so. s/w Filme sind ja schon immer für einige Problematisch und wenn es dann auch noch Filme ohne Dialog sind ist es noch schwerer.
Insgesamt versuche ich immer wieder zu entschlüsseln, wann dieses Desinteresse begonnen hat. Vor vielen Jahren, gab es Leute, die sich mit Filmen beschäftigt haben. Das war bereits in den 80ern so, im Freundeskreis. Natürlich nur ein Teil, aber es gab sie. Da hat man Filmen noch hinterhergejagt, sich dafür interessiert, was der jeweilige Regisseur oder Darsteller noch so fabriziert hat. Klar, da haben wir auch nicht im Stummfilm gestöbert, da es da ja auch keine Möglichkeiten gab. Aber da hat man bei einer Neuentdeckung auch gerne mal in die Vergangenheit geschaut. Zusätzlich massenhaft Gespräche in Videotheken und auf Börsen.
Durch das Internet verlagerte es sich halt ins Netz und man traf noch mehr Personen, die sich tatsächlich für Filme interessieren. Irgendwann hörte dieses Interesse auf und wurde für mich vom reinen Konsum verdrängt. Leider zusätzlich vom Neuheiten-Konsum. Man wartet einfach darauf, was als Nächstes rauskommt und das ist für mich weit weg von Interesse. Wo aber sind diese Leute hin? Hat das Interesse wirklich einfach aufgehört? Aus welchem Grund, hat dieses Interesse gestoppt? Warum ist man inzwischen damit zufrieden, was der jeweilige Streaming Anbieter als Neuvorstellung im Programm hat? Warum ist Neu wichtiger als Gut?


Übrigens fällt mir dazu auch eine tolle Geschichte, passend dazu, von De Palma im Bonusmaterial von The Black Dalia ein. Hast Du ja sicherlich auch gesichtet. Da erwähnte er ja das er damals, als er eine Zeit lang an der Universität lehrte, seinen Filmstudenten gerne die Aufgabe auf den Weg gab, Drehbücher ohne Dialog zu schreiben und nur die Bilder und Szenen zu beschreiben. Das finde ich eine sehr gute Übung und hilft sicherlich dabei die Bildsprache in einem Film zu entwickeln, die so wichtig ist. Manchmal sagt ein Bild eben mehr als tausend Worte und es ist ja auch viel interessanter Dinge selber zu entdecken als wenn die Darsteller wie Museumsführer dich auf jedes kleinste Detail in der Szene aufmerksam machen! Ich finde jeder Filmemacher sollte sich mit Stummfilmen beschäftigen damit man dies lernt, es würde manchen glaube ich sehr gut tun.
Kann ich unterschreiben. Hitchcock formulierte es ja ähnlich, weshalb die beiden Regisseure ja auch so eine Verbindung haben. Ihre Bildsprache ist meisterlich. Vielleicht auch ein Grund, warum ich den film-noir mag, da er sehr oft, über Bildsprache funktioniert. Vielleicht auch der Grund, warum aktuelle Produktionen bei mir selten einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Die Bildsprache ist mangelhaft. Lediglich Schauwerte, die aber inhaltlich wenig vermitteln. Sie liefert für mich eben auch sehr viel auf der emotionalen Ebene. Wenn sich im Noir, die Figur in der Nacht durch überdimensionale Schatten bewegt (Der dritte Mann), spüre ich die Bedrohung. Nicht durch lautes Ka-Wumm oder einem CGI Bild erzeugt. Auch deshalb sind bei mir Stummfilme immer interessant, da sie oftmals durch den Expressionismus für das Ambiente sorgen. Deshalb ist die Verbindung zwischen dem deutschen Stummfilm und dem film-noir so interessant für mich.
 
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