Gut dass ich mir während des Films schon so einige Gedanken gemacht hab, sonst wüsste ich jetzt auch nicht mehr was ich schreiben soll nach euren tollen Kritiken.
Der Club der toten Dichter
Es gibt etliche Filme die eine besondere Geschichte zur Schüler/Lehrer Beziehung zu erzählen haben. Meistens triften sie aber in ein ganz anderes Schema ab als beim Club der toten Dichter. Oft sehen wir eine Klasse aus einem sozial schwachen Umfeld die keinerlei Zukunft in ihrem eigenen Leben sehen und ebensowenig in ihrer schulischen Bildung. Häfig, um nicht zu sagen immer, tritt dann ein Lehrer in ihr Leben der ihnen zeigt dass sie noch nicht verloren sind, dass es Hoffnung gibt. Alles sehr berechenbar.
Der Club der toten Dichter geht hier einen anderen Weg, man bekommt eine Elite Schule mit einer langen Tradition serviert. Wir sehen Schüler, die Dank ihrer Eltern alle ganz weit oben in der sozialen Nahrungskette stehen. Und man fragt sich zu beginn des Films welche Botschaft die nächsten 123 Minuten übermittelt werden soll.
Schnell wird klar dass diese Schüler allerdings doch nicht dieses heile Leben haben wie man es in den ersten Minuten des Films noch vermuten möchte. Sätze wie: "Ihr Bruder war einer unserer besten Absolventen, wir erwarten viel von Ihnen!" sprechen eine klare Sprache. Es geht um Druck, ein unwahrscheinlicher Leistungsdruck wird von Schule und Eltern gleichermaßen ausgeübt, bloß nicht von bekannten Mustern und Tradition abweichen lautet die Devise. Die "Kinderchen" sollen ja später einmal erfolgreiche Anwälte werden. Da ist kein Platz für Emotionen.
Aber was wäre eine Gleichung ohne eine Variable?. Diese Variable lernen wir in Form von Mr. Keating kennen. Ein Lehrer der seinerzeit selbst ein Schüler in der traditionsbehafteten alten Schule war. Und direkt in der ersten Stunde mit seinen neuen Schülern karikiert er sämtliche Unterrichtsformen dieser Schule. So bekommen wir Beispielhaft, in der Empfangshalle, an alten Bildern vergangener Schüler und Epochen das Leitmotiv des Films präsentiert:
Carpe Diem - Lebe den Tag. Und schon hier beginnt man selbst nachzudenken, so vieles nimmt man als selbstverständlich hin, so vieles nimmt man gar nicht richtig wahr. Es geht darum jede einzelne Minute, ja jede Sekunde auszukosten mit allen Schönheiten die das Leben zu bieten hat. Die Scheuklappen abzunehmen und feststellen dass nicht die geteerte Straße sondern der blumige Straßenrand etwas zu bieten hat.
Und es ist schön zu sehen dass manche Schüler quasi nur darauf gewartet haben dass mal einer kommt und ihnen hilft aus ihrem vorgefertigten Musterleben auszubrechen, während andere diesem "Lebenswandel" zumindest anfangs noch skeptisch gegenüber stehen. Wir erleben die Wiedergeburt des Clubs der toten Dichter, der einst von Mr. Keating selbst ins Leben gerufen wurde. In wundervollen sepiafarbenen Bildern, die beinahe etwas mystisches an sich haben, begleitet man die neuen Freidenker in eine alte Indianerhöhle. Dort lernen wir die Schönheit der Musik und Poesie kennen, die fortan den Schülern Treue Begleiter sein werden bei ihren regelmäßigen Treffen.
Dass dieser Lebenswandel einiger Schüler, und der relativ unkonventionelle Lehrplan, bald Eltern und Schulleitung ein Dorn im Auge sein würden war vorherzusehen.
Eine Szene die lange im Gedächtnis bleiben wird...
Oh Captain, mein Captain!
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